Lebensdaten
1458 oder 1460 bis 1490
Geburtsort
Straßburg (Elsaß)
Sterbeort
Straßburg
Beruf/Funktion
Humanist ; Jurist ; Theologe
Konfession
-
Normdaten
GND: 104160756 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schott, Peter der Jüngere
  • Schott, Peter
  • Schott, Peter der Jüngere

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Zitierweise

Schott, Peter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104160756.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus e. d. einflußreichsten Familien in St.;
    V Peter d. Ä. (1427–1504), Getreidehändler, seit 1465 ständig in öff. Ämtern in St. nachgewiesen, 1470, 1476, 1482 u. 1488 Ammeister (Bgm.) v. St., 1471-1504 Mitgl. d. Dreizehnerausschusses, als Meister d. Kornkäuferzunft „Zur Laterne“ 1465/66, 1473/74, 1479/80 u. 1485/86 Mitgl. d. Gr. Rats, mehrfach Befehlshaber d. Miliz, führte zahlr. dipl. Missionen durch, Verw. d. Münsterfabrik, gewann Johannes Geiler v. Kaysersberg als Prediger für d. Münster in St. (s. L), S d. Jakob;
    M Susanna von Cöllen ( 1498);
    Schw Margarete, Maria (Merga) (1450–1524), Ottilia ( 1519), Anna (* v. 1460, n. 1507), Priorin v. St. Margarete u. Agnes in St. (s. NDBA); – ledig;
    Vt Martin ( 1499), dessen S Johann (1477–1548), beide Buchdrucker in St. (beide s. ADB 32; NDBA).

  • Leben

    S. besuchte 1465/60-70 die durch ihren Rektor Ludwig Dringenberg (um 1410–77) bedeutende Schlettstädter Lateinschule. Hier und auf seinem weiteren Bildungsweg begleitete ihn als Erzieher Johannes Müller ( 1491) aus Rastatt. 1470/71 ging S. zum Studium der Artes liberales nach Paris, wo er Schüler Johannes Heynlins (de Lapide) ( 1496) war und 1473 das Bakkalaureat ablegte. Während eines Studiums der Rechte in Bologna, das er im Sommersemester 1474 aufnahm, begegnete er Antonio Cortesi Urceo (gen. Codro) (1446–1500) und Filippo Beroaldo senior (1453-1505) und begeisterte sich für die Studia humanitatis. Eine lebenslange Freundschaft entstand zu Bohuslaw Lobkowitz v. Hassenstein (1462–1510), dem späteren Erzkanzler des böhm. Königs. Von Herbst 1478 bis Ende 1479 hielt S. sich in Straßburg auf, wo er ein vertrautes Verhältnis zu Johannes Geiler von Kaysersberg (1445–1510) fand. Zurück in Italien schloß S. sein Studium am 7.9.1480 mit dem Doktor beider Rechte ab, wandte sich im Wintersemester 1480/81 in Ferrara der Theologie zu, kehrte aber bereits Mitte 1481 über Rom und Venedig wieder nach Straßburg zurück.

    Schon 1479 hatte sich abgezeichnet, daß S., entgegen den Erwartungen seines Vaters, diesem weder im Geschäft noch in seinen Ämtern nachfolgen wollte, sondern ein zurückgezogenes, insbesondere der Theologie gewidmetes Leben suchte. Hierzu hatte ihn Geiler bewogen, dessen Eifer für die Erneuerung des religiösen und kirchlichen Lebens und auch für die pädagogische Reform S. sich zu eigen machte. Am 22.4.1482 wurde S. Kanoniker an Jung St. Peter, am 21.12.1482 Priester. Wegen andauernder Kränklichkeit konnte S. nicht erneut nach Paris zum Studium der Theologie gehen. Neben seiner Ausgabe des Sentenzenkommentars des Thomas von Straßburg (Straßburg 1490 bei Martin Flach) sind die zusammen mit Geiler besorgten ersten drei Bände der Werkausgabe Jean Gersons (Straßburg 1488-89 bei Johann Prüss) von Bedeutung. An der Pest erkrankt, trat S. noch kurz vor seinem Tod dem Kartäuserorden bei. S. war vom ital. Humanismus inspiriert und zugleich von der Scholastik geprägt. Zu seinen Korrespondenzpartnern zählten Persönlichkeiten wie Rudolf Agricola, Gabriel Biel, Sebastian Brant oder Sigismund Gossembrot. In einem Lebensbild rühmt Jakob Wimpfeling (1450–1528) S.s umfassende Bildung und sprachliche Meisterschaft ebenso wie tadellose Lebensführung und lauteren Charakter.

    Nach seinem Tod sammelten Geiler und Wimpfeling die Korrespondenz und kleinere Arbeiten des anerkannten Latinisten und Gräzisten (u. a. ein Städtelob auf Straßburg, metrische und grammatische Studien, theol. und jur. Gutachten, und Carmina voller Anklänge an Vergil, Ovid und Horaz) und gaben sie 1498 unter dem Titel „Lucubraciunculae ornatissimae“ heraus. Seinen Leitfaden lat. Prosodi „De mensuribus syllabarum epithoma“ edierte ebenfalls Wimpfeling 1500 bei Johann Schott.

  • Werke

    Petri Schotti Argentinensis Patricii, Juris vtriusque Doctoris consultissimi, Oratoris et Poetae elegantissimi, graeceque linguae probe aeruditi, Lucubraciunculae ornatissimae, [hg. v. J. Wimpfeling, Straßburg 1498 b. Martin Schott], erneut in: Works (s. u.), I, 1963, S. 1-328;
    De mensuris syllabarum epithoma sicuti succinetissimum ita & fructuosissimum, [hg. v. J. Wimpfeling, Straßburg 1500 b. Johann Schott), erneut in: Works (s. u.), I, S. 331-54;
    The Works of P. S. (1460-1490), hg. v. M. A. u. M. L. Cowie, 2 Bde., 1963-70;
    W-Verz.:
    F. J. Worstbrock, in: Vf.-Lex. MA 8, Sp. 833-38.

  • Literatur

    ADB 35;
    L. Dacheux, Un réformateur catholique a la fin du XVe siècle, Jean Geiler de Kaysersberg Prèdicateur a la cathédrale de Strasbourg, 1478–1510, 1876, S. 286-427 passim;
    Ch. Schmidt, Histoire littéraire de l'Alsace a la fin du XVe et au commencement du XVIe siècle, II, 1879, S. 2-35 u. 390 f.;
    W. Hammer, P. S. u. sein Gedicht auf Strassburg (1486), in: ZDP 77, 1958, S. 361-71;
    Biogr. Notes on P. S., in: Works (s. W), I, 1963, S. XXII-XXXI;
    Chronology of P. S.'s Life, ebd., II, 1970, S. XVI f. u. S. 378-83 Nr. 57-59;
    U. Israel, Der Strauburger P. S. d. J. (1458–1490), Zu e. humanist. Lebensentwurf, in: ZGORh 144, 1996, S. 241-58;
    ders., Johannes Geiler v. Kaysersberg (1445–1510), Der Straßburger Münsterprediger als Rechtsreformer, 1997, S. 130-36;
    Vf.-Lex. MA;
    Killy;
    NDBA;
    zu Peter d. Ä.:
    M. Mathis, Un grand Ammeister strasbourgeois du XVe siècle, P. S. 1427-1504, in: Annuaire de la Société des Amis du Vieux Strasbourg 22, 1990, S. 15-35;
    NDBA.

  • Autor/in

    Uwe Israel
  • Empfohlene Zitierweise

    Israel, Uwe, "Schott, Peter" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 495-496 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104160756.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Schott: Peter S., Jurist, Theologe und Humanist, aus alter patricischer Familie Straßburgs stammend, geboren am 9. Juli 1458 als Sohn des gleichnamigen spätem Straßburger Ammeisters (1470. 76. 82. 88) und seiner Ehefrau Susanna v. Coellen. Er erhielt seine erste Bildung auf der Stadtschule zu Schlettstadt unter Dringenberg und besuchte seit 1473 die Universität Paris, wo er zwei Jahre später zum bacc. art. promovirt wurde. Nach mehrmonatlichem Aufenthalte im Elternhause ging er im Herbst desselben Jahres (1475 — nicht 1476; vgl. Act. Nat. Germ. Un. Bonon. 220, 13) in Begleitung seines Erziehers, des Theologen Johannes Müller aus Rastatt, der ihm schon in Schlettstadt und Paris zur Seite gestanden, nach Bologna, um sich dort, dem Wunsche des Vaters gemäß, den juristischen Doctorhut zu holen. Im Verein mit gleichgesinnten Freunden (Bohuslaus v. Hassenstein) wandte sich hier der junge S., ohne sein Fachstudium zu vernachlässigen, mit Eifer den humanistischen Wissenschaften zu; Codrus Urceus und Philippus Beroaldus d. Aelt. waren im Lateinischen, Antonius Manlius aus Britonoro im Griechischen seine Lehrer. So brachte er, als er im Spätsommer 1481 nach wohlbestandenem Examen über Rom, Ferrara, Venedig nach Deutschland zurückkehrte, neben dem juristischen Doctortitel eine gründliche humanistische Bildung heim: als erster Humanist auf elsässischem Boden hat S. nicht ohne Erfolg für die Aufnahme eines bessern Latein unter den elsässischen Gelehrten gewirkt und das Interesse für die in Italien neubelebten classischen Studien in weitern Kreisen geweckt. Seine Bemühungen wurden durch eine gute Bibliothek, die er in Italien gesammelt, trefflich unterstützt. Mit den hervorragendern deutschen Gelehrten stand er in brieflichem Verkehr; mit Rudolf Agricola trat er noch kurz vor dem Tode dieses letzteren in freundschaftliche Verbindung (8. Februar 1485); Agricola hat seinen Freundschaftsantrag angenommen und sendet ihm auch später noch durch Adolf Rusch seinen Gruß (vgl. die Briefe an Rusch vom 27. März und 13. April 1485 bei Hartfelder, Unedirte Briefe Agricola's 1886). — Schott's Humanismus läuft wie derjenige seiner Freunde Geiler und Wimpfeling im wesentlichen darauf hinaus, daß die neuerwachten classischen Studien in den Dienst der Theologie, der wahren Wissenschaft, gestellt werden müßten. Alle Wissenschaft ist eitel, die nicht ihren Endzweck in der Förderung der Erkenntniß Gottes findet. Darum schiebt er, kaum in die Heimath zurückgekehrt, den Mahnungen Geiler's folgend, zu Wimpfeling's besonderer Freude bald seine juristische Fachwissenschaft als rabulistische Scheinweisheit zur Seite, um fortan ganz im Studium der Theologie aufzugehen. Er empfängt die Priesterweihe (21. December 1481) und wird vom Papste mit einem Kanonikat an Jung-St. Peter ausgestattet. Seine Absicht, zum zweiten Mal nach Paris zu gehen, um dort theologischen Studien obzuliegen, wurde durch andauernde Kränklichkeit gehindert, so daß er sich an den theologischen Vorlesungen des Franciscaners Konrad v. Bondorf, der im Franciscanerkloster zu Straßburg mit Beifall scotistische Theologie vortrug, genügen lassen mußte. Er starb in Straßburg, ein Opfer der Pest, am 12. September 1490, im Alter von 32 Jahren. — Schott's kleinere Arbeiten (metrische und grammatische Studien, theologische und juristische Gutachten, Briefe und Gedichte) wurden von Wimpfeling gesammelt und acht Jahre nach Schott's Tode mit einem Lebensabriß ihres Verfassers herausgegeben („Petri Schotti Argentin. Patritii: Juris utriusque Doctoris consultissimi: Oratoris & Poetae elegantissimi:graecaeque linguae probe aeruditi (!): Lucudratiunculae ornatissimae. — Impressa a Martino Schotto Cive argent. Sexto Nanas Octobres Anno Christi M.CCCC.LXXXXVIII. 4°). Auch einen kurzen Abriß der Metrik hat Wimpfeling aus Schott's Nachlaß veröffentlicht ("De mensuris Syllabarum epithoma sicuti succinctissimum ita et fructuosissimum. — Impressum per Joannem Schottum Civem Argent. nono Kal. Januar. Anno salutis humanae M.CCCCC.“ 4°); derselbe hat nicht weniger als vier Auflagen erlebt (vgl. Centralbl. f. Bibliothekswesen V, 472).

    • Literatur

      Hauptwerk über sein Leben und Wirken: die Abhandlung von C. Schmidt i. s. Hist. littér. de l'Alsace. t. II, 1 ff. (vgl. Rev. d'Als. 1857, p. 241 f., 308 f., 337 ff.).

  • Autor/in

    G. Knod.
  • Empfohlene Zitierweise

    Knod, Gustav, "Schott, Peter" in: Allgemeine Deutsche Biographie 32 (1891), S. 406-407 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104160756.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA