Lebensdaten
1884 bis 1949
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Archäologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 101117701 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Praschniker, Camillo Alois Franz
  • Praschniker, Camillo
  • Praschniker, Camillo Alois Franz
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Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

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Zitierweise

Praschniker, Camillo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd101117701.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Louis (1857–1938), Eisenbahning., Verkehrsdir. d. Südbahn in W., S e. Landwirts in Böhmen;
    M Valerie Caroline Korab v. Mühlström (1860–1942);
    Wien 1914 Alexandra (1891–1977), T d. Albert Anton Toldt (1857–1927), Kaufm., u. d. Elisabeth Ignatia Hüttner (1862–1931);
    1 S, 2 T.

  • Leben

    Nach dem Schulbesuch in Kärnten, Steiermark und Tirol legte P. 1902 die Matura in Graz ab. Veranlaßt durch die Freilegung einer frühchristl. Basilika in Celje (Cilli) studierte er Klassische Archäologie und Klassische Philologie in Innsbruck (J. Zingerle, E. Kalinka, H. Schrader, F. Winter), Wien (H. v. Arnim, E. Reisch) und Berlin (R. v. Kekulé, H. Winnefeld, U. v. Wilamowitz, H. Wölfflin). Nach Lehramtsprüfung 1908 und Promotion erhielt er 1908-10 ein Reisestipendium des Österr. Archäologischen Instituts (ÖAI) nach Italien, Griechenland und in die Türkei. Nach zwei Jahren als Assistent bei Reisch 1912 ebenso wie der mit ihm befreundete Rudolf Egger (1882–1969) als Sekretär an das ÖAI berufen, arbeitete P. 1913/14 mit bei den Ausgrabungen von E. Sellin im Auftrag der Österr. Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Sichem/Nablus (Palästina). 1914 erfolgte die Habilitation in Wien. Seit 1915 leistete P. Militärdienst und nahm 1916 mit A. Schober an einer im Auftrag der ÖAW organisierten Expedition nach Albanien und Montenegro teil. Zur Sicherung der Altertümer in Albanien wurde er dem dort stationierten 19. Korps zugeteilt. Nach Kriegsende war P. wieder am ÖAI in Wien tätig, hielt Vorlesungen an der Univ. Wien, wo er 1922 zum ao. Professor ernannt wurde. Als Nachfolger von W. Klein wurde er 1923 an die Deutsche Univ. Prag berufen (Dekan 1929/30). 1926/27 grub er nochmals mit Sellin in Sichem. Nach einem Semester in Jena 1930 kehrte P. als ao. Professor nach Wien zurück. 1934 wurde er Nachfolger von Reisch als o. Professor und Direktor des archäologisch-epigraphischen Seminars an der Univ. Wien. 1935 folgte die Ernennung zum ehrenamtlichen Direktor des ÖAI. Beide Funktionen übte er bis zu seinem Tod aus.

    Während seines ersten Aufenthaltes in Athen konnte P. als erster die noch in situ befindlichen Metopen des Parthenon studieren. Daraus entstand eine lebenslange Auseinandersetzung mit dem Parthenon, die mit den beiden Studien über die Akroterien (Österr. Jhh. 13, 1910, S. 5 ff.) und die Metopen der Nordostecke (ebd. 14,1911, S. 135 ff.) begann und mit dem postum erschienen Aufsatz über das Basisrelief der Athena Parthenos (ebd. 39, 1952, S. 7 ff.) ihren Abschluß fand. 1933 und 1935 nahm er an den Grabungskampagnen in Ephesos teil und widmete sich gemeinsam mit dem Architekten M. Theuer dem Mausoleum von Belevi und dessen Datierung (Anz. Wien 85, 1948, S. 271 ff.; Forsch. in Ephesos, VI, 1979, mit Btrr. v. W. Alzinger).

    Wenn auch P.s Neigung der griech. Kunst galt, so widmete er sich auch den röm. Provinzen Noricum und Pannonien, u. a. in grundlegenden Arbeiten über die kapitolinische Trias von Scarbantia (Sopron/Ödenburg) (Österr. Jhh. 30, 1937, S. 111 ff.) und zur Lokalisierung einer Bildhauerwerkstätte in Virunum, der die Statuen aus dem sog. „Bäderbezirk“ zugewiesen werden konnten (Carinthia I, 140, 1950, S. 3 ff.). Seit 1935 kam es mit Eggers zu mehreren Grabungen v. a. in Kärnten (Maria Saaler Berg, Baldersdorf), deren Höhepunkt der Beginn der Forschungen auf dem Magdalensberg 1948 darstellte (ebd. I 139, 1949, S. 145 ff.).|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Dt. Archäol. Inst. (korr. 1914, wirkl. 1921), d. Dt. Ges. d. Wiss. u. Künste Prag (1927), d. Bulgar. Archäol. Inst., d. Österr. Ak. d. Wiss. (korr., 1932, wirkl. 1937) sowie zahlr. Komm., u. a. d. Limeskomm. (Obmann 1945); Ehrenmitgl. d. Griech. Archäol. Ges. (1929,1938 ihres Rates) u. d. Gesch.ver. f. Kärnten; Gedenktafel im Magdalensbergmus.

  • Werke

    De rebus ad privatam Romanorum vitam pertinentibus, quales ex Ovidi metamorphoseon libris appareant. Diss. Wien 1908;
    Archäol. Forsch. in Albanien u. Montenegro, Schrr. d. Balkan-Komm., antiquar. Abt. 8, 1919;
    Muzakhia u. Malakastra, 1920;
    zu Parthenon u. Akropolis:
    Parthenonstud., 1928;
    Zur Gesch. d. Akroters, 1929;
    Die Prokne-Gruppe d. Akropolis, Österr. Jhh. 16, 1913, S. 121 ff.;
    Zum Friese d. Tempels d. Athena Nike, in: Strena Buliciana, 1924, S. 19 ff.;
    Zwei weibl. Köpfe aus d. Parthenonmetopen, in: Mitt. d. Ver. f. klass. Philol. 5, 1928, S. 107 ff.;
    Eine wiedergewonnene Parthenonmetope, in: Anz. Wien 79, 1942, S. 2 ff.;
    z. Provinzialarchäol:
    Der Bäderbezirk v. Virunum, 1947 (mit H. Kenner);
    Eine Dionysos-Statuette aus Carnuntum, in: Ver. Carnuntum 1885-1935, 1935, S. 14 ff.;
    Noreia Isis, in: Carinthia I 131/1, 1941, S. 262 ff.;
    Die Skulpturen d. Heiligtums d. Mars Latobius v. St. Margareten im Lavanttal, in: Österr. Jhh. 36, 1946, BBl. S. 15 ff.

  • Literatur

    M. Bieber, in: American Journ. of Archeology 54, 1950, S. 253;
    Carinthia I, 140, 1950, S. 3 (P);
    R. Egger, ebd., S. 24 ff.;
    F. Eichler, in: Gnomon 22, 1950, S. 196 ff.;
    J. Keil, in: Alm. d. Wiener Ak. d. Wiss. 100, 1950, S. 292 ff. (W-Verz., P);
    H. Walter, in: Anz. d. Wiener Ak. d. Wiss. 3, 1950, S. 1 ff.;
    Österr. Jhh. 39, 1952, S. 5;
    G. Wlach, in: 100 J. ÖAI 1898-1998, 1998, S. 104 f. (P);
    ÖBL;
    Biogr. Lex. Böhmen;
    H. Kenner, in: Archäologenbildnisse, hg. v. R. Lullies u. W. Schiering, 1988, S. 224 f. (P).

  • Autor/in

    Manfred Kandler
  • Empfohlene Zitierweise

    Kandler, Manfred, "Praschniker, Camillo" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 674 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101117701.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA