Lebensdaten
1911 bis 1943
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Widerstandskämpfer ; katholischer Geistlicher
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119439999 | OGND | VIAF: 13118131
Namensvarianten
  • Prassek, Johannes Heinrich Wilhelm
  • Prassek, Johannes
  • Prassek, Johannes Heinrich Wilhelm

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Zitierweise

Prassek, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119439999.html [30.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Johann (1886–1966), aus Strandorf (Kr. Ratibor, Schlesien), Maurer;
    M Maria Anna Elise Hartmann (1884–1935), aus Hagenow (Mecklenburg).

  • Leben

    P. besuchte die kath. Grundschule in Hamburg-Barmbek, wo ihn die Erziehung durch die Grauen Schwestern der Hl. Elisabeth prägte. Nach dem Abitur am Hamburger Johanneum 1931 studierte er bis 1933 an der Jesuiten-Hochschule St. Georgen in Frankfurt/M. und anschließend bis 1935 in Münster kath. Theologie. Nach dem Besuch des Bischöfl. Priesterseminars in Osnabrück wurde er 1937 im Dom der Stadt zum Priester geweiht. Seine erste Stelle führte ihn für zwei Jahre nach Wittenburg (Mecklenburg). 1939 kam er als Vikar an die Herz-Jesu-Kirche zu Lübeck, wo er bald darauf Erster Kaplan wurde. Auf der Kanzel, in Gesprächskreisen mit Soldaten und im Religionsunterricht bezog er mit zunehmender Deutlichkeit Stellung gegen die Nationalsozialisten. Verbotswidrig setzte er sich für poln. Zwangsarbeiter ein, betreute sie seelsorglich und versorgte sie mit Dingen des täglichen Bedarfs. Zusammen mit dem an der Lübecker Luther-Kirche tätigen ev. Pastor Karl Friedrich Stellbrink (1894–1943), mit dem er seit Sommer 1941 in Kontakt stand, und den kath. Geistlichen Hermann Lange (1912–43) und Eduard Müller (1911–43) von der Herz-Jesu-Kirche vervielfältigte und verteilte er regimekritische Schriften. P. und die anderen drei Geistlichen hörten ausländische Rundfunksender und verbreiteten die Informationen weiter. Für die Rettung zahlreicher Menschen in der Bombennacht zum 29.3.1942 in Lübeck unter Einsatz seines Lebens wurde P. am 15. Mai mit dem „Luftschutz-Ehrenabzeichen zweiter Stufe“ ausgezeichnet. Am 28.5.1942 wurde er, von einem Gestapo-Spitzel denunziert, verhaftet. Stellbrink saß bereits seit Anfang April im Gefängnis, Lange und Müller sowie achtzehn Laien wurden bald darauf ebenfalls in Haft genommen. Am 22.6.1943 kam es in Lübeck zum Prozeß vor dem 2. Senat des Volksgerichtshofs unter Vorsitz des Richters Wilhelm Crohne. Zwei Tage später wurden die vier Geistlichen wegen Zersetzung der Wehrkraft in Verbindung mit landesverräterischer Feindbegünstigung und Rundfunkverbrechen zum Tode verurteilt. Interventionen Bf. Wilhelm Bernings (1877–1955) beim Justizminister und beim Vizepräsidenten des Volksgerichtshofs sowie ein Gnadengesuch an den Justizminister waren erfolglos. P., Lange, Müller und Stellbrink wurden am 10.11.1943 im Hamburger Zuchthaus Holstenglacis enthauptet.

  • Literatur

    J. Schäfer, Wo seine Zeugen sterben, ist sein Reich, 1946 (P);
    E. Pelke, Der Lübecker Christen-prozeß 1943.1961. Nachdr. 1974 (P);
    dies., Die vier Lübecker Blutzeugen J. P., Hermann Lange, Eduard Müller, Karl Friedrich Stellbrink, in: J. Pottier (Hg.), Christen im Widerstand gegen d. Dritte Reich, 1988, 21995, S. 54-83;
    B. M. Kempner. Priester vor Hitlers Tribunalen, 1966;
    B. Templin u. I. Klatt, „Lösch mir die Augen aus …“, Leben u. gewaltsames Sterben d. vier Lübecker Geistlichen in d. Zeit d. NS, 1994 (P);
    Priester unter Hitlers Terror, Eine biogr. u. statist. Erhebung, bearb. v. U. v. Hehl, 31996;
    K. A. Recker, „Wem wollt ihr glauben?“, Bf. Berning im Dritten Reich, 1998 (P).|

  • Quellen

    Qu Archiv d. Propsteigde. Herz-Jesu (P).

  • Autor/in

    Brigitte Templin
  • Empfohlene Zitierweise

    Templin, Brigitte, "Prassek, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 675 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119439999.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA