Lebensdaten
1669 bis 1692
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Königin von Bayern ; Erzherzogin von Österreich
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 100976905 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Maria Antonia von Österreich
  • Antonie
  • Maria Antonia
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Zitierweise

Maria Antonia, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100976905.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus dem Geschl. d. Habsburger;
    V Kaiser Leopold I. ( 1705, s. NDB 14): M Margarethe v. Spanien (Margarita Maria Teresa, 1673, s. NDB 16);
    Halb-B Kaiser Joseph I. ( 1711, s. NDB X). Kaiser Karl VI. ( 1740, s. NDB XI);
    Halb-Schw Maria Elisabeth ( 1741), Statthalterin d. Niederlande (s. NDB 16), Kgn. Maria Anna v. Portugal ( 1754, s. NDB 16);
    - Wien 1685 Kf. Maximilian II. Emanuel v. B. ( 1726. s. NDB 16);
    3 S (2 früh †) Joseph Ferdinand (1692–99), Thronerbe v. Spanien (1698).

  • Leben

    M. war von Kindheit an still und zurückhaltend, keine Schönheit, aber apart. Als das einzig lebende Kind der Kaiserin Margarethe, der Schwester des letzten span. Habsburgers Karl II. (1661–1700), besaß sie gültige Ansprüche auf das span. Erbe. Um die Einheit des Gesamthauses Österreich zu sichern, wurde 1676 auf Betreiben des Wiener Hofes ein Heiratsvertrag für Karl II. und die siebenjährige M. abgeschlossen. Doch kam die Verbindung der Familienzweige in Wien und Madrid durch die Veränderung der Kräfteverhältnisse in Spanien und durch den Einfluß der europ. Mächte nie zustande.

    Als 1684 der bayer. Kf. Maximilian II. Emanuel um die Hand Maria Antonias anhielt, war das Karussell der europ. Diplomatie längst in vollem Gang. Um den Preis der Abkehr Bayerns von Frankreich und der Hilfe gegen die Türken machte der ob seiner Tapferkeit bewunderte „blaue König“ das Rennen. Es war eine rein politische Ehe. Der Kontrakt vom 12.4./15.5.1685 legte ein Heiratsgut von 100 000 fl. und eine Ausstaffierung der Braut mit 200 000 fl. fest. M. und Max Emanuel mußten auf das span. Erbe mit Ausnahme der Niederlande, die dem Kurfürsten in Aussicht gestellt wurden, verzichten. Er tat dies leichten Herzens: Schließlich blieb seine Frau Infantin von Spanien, und der Vertrag konnte infolge von Verfahrensmängeln angefochten werden. Als Nahziel behielt der Kurfürst das span. und als Fernziel das österr. Erbe im Auge.

    Der Einzug des Paares in München (9.10.1685) wurde mit barockem Glanz gefeiert; u. a. gelangte die Huldigungsoper „Servio Tullio“ von Agostino Steffani zur Aufführung. Schon lange zuvor hatte Max Emanuel Enrico Zucalli mit dem Bau des Schlößchens Lustheim für seine künftige Frau beauftragt. All dies konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Paar nur wenig gemeinsam hatte: M., schüchtern und zart, kam mit dem temperamentvollen Kurfürsten nicht zurecht. Sie war nicht dazu geschaffen, der strahlende Mittelpunkt des Hofes in dem ununterbrochenen Reigen der Feste zu sein, und vermochte auch nicht die Mätressen ihres Gatten vom Hofe fernzuhalten. Im Gegenteil – Max Emanuel behandelte M. in unerträglicher Weise. Als er 1692 endlich Generalstatthalter der Niederlande wurde, begleitete die schwangere M. ihn nicht mit nach Brüssel, sondern begab sich zu ihrem Vater nach Wien, wo sie am 28.10.1692 den sehnsüchtig erwarteten Erben Joseph Ferdinand zur Welt brachte. Danach erholte sie sich nur schwer, verfiel in Melancholie und starb am Weihnachtsabend desselben Jahres. Ihrem Ehegatten verzieh sie auch angesichts des Todes nicht: In ihrer letzten Verfügung verzichtete sie nochmals für sich und ihre Erben auf die span. Monarchie, enterbte Max Emanuel und vermachte ihren Privatbesitz dem kleinen Kurprinzen und im Falle von dessen Tod dem Kaiser und seinen Verwandten. Nur einige Erinnerungsstücke sollten unveräußerlich beim Hause Wittelsbach bleiben.

  • Literatur

    Eine Biogr. fehlt;
    O. Redlich, Weltmacht d. Barock, Österreich in d. Zeit Kaiser Leopolds I., 41961;
    L. Hüttl, Max Emanuel, Der blaue Kurfürst (1679–1726), Eine pol. Biogr., 1976;
    Kf. Max Emanuel, Bayern u. Europa um 1700, 2 Bde., Ausst.kat. München 1976;
    B. Hamann (Hrsg.), Die Habsburger, 1988;
    Wurzbach VII.

  • Portraits

    Ölgem. v. Benjamin v. Blockh, um 1684 (Wien, Kunsthist. Mus., Gem.gal.), Abb. in: Max Emanuel, Ausst.kat. II, Nr. 235 (s. L).

  • Autor/in

    Karl Möckl
  • Empfohlene Zitierweise

    Möckl, Karl, "Maria Antonia" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 180 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100976905.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA