Lebensdaten
um 1330 bis 1392
Geburtsort
Basel
Sterbeort
Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Augustinereremit ; Theologe ; Bischof von Lombès
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 100948812 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Johannes de Basilea (gewöhnlich)
  • Johannes de Hiltelingen (auch)
  • Hiltelingen, Johannes von
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Zitierweise

Hiltalingen, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100948812.html [18.12.2018].

CC0

  • Leben

    Nach Lehrjahren als Lektor in Avignon (seit 1357) und Straßburg und als Sentenziarier (wohl 1365/66) in Paris erwarb H. um 1371 hier den Magistertitel. 1371-77 war er Provinzial der rheinisch-schwäbischen Augustinerprovinz und wurde im Mai 1377 zum Ordensprokurator bei der päpstlichen Kurie bestellt. Während seiner 2jährigen römischen Tätigkeit weilte er auch als Abgesandter Gregors XI. im Juli 1377 in Florenz, arbeitete an der Prüfung der Gesichte und dem Beatifikationsprozeß Birgittas von Schweden mit und predigte im Sommer 1378 bei einem Pontifikalamt Urbans VI. Nach Ausbruch des Schismas trat er zu Clemens VII. über und wurde von ihm am 18.9.1379 zum Ordensgeneral ernannt, ein Amt, in welchem er sich durch Eifer für die Ordenszucht und Sorge für das Wohl der ihm anhangenden Provinzen auszeichnete. Gleichzeitig setzte er sich als Prediger und päpstlicher Legat in Frankreich, England und am Oberrhein sehr aktiv für Clemens VII. ein. Seinem Einfluß wird es zugeschrieben, daß sich Herzog Leopold III. von Österreich für den avignonesischen Papst entschied. Deshalb erließ Rom am 17.3.1389 gegen den mittlerweile (10.3.1389) zum Bischof von Lombez (in der Gascogne) erhobenen H. als einen „schismaticorum non minimus defensor et protector“ einen Haftbrief, der aber wirkungslos blieb. Auch in seinen letzten Lebensjahren war er noch im Auftrag Clemens' VII. mehrfach am Oberrhein tätig.

    Als Theologe zeigt H. eine starke historischpositive Grundhaltung; kennzeichnend dafür ist seine gute Kenntnis der theologischen Quellen, die Akribie seiner Zitationsmethode, seine reiche Schrift- und Väterbenützung und die außerordentlich häufige, zum Teil kritische Bezugnahme auf die Ansichten anderer mittelalterlicher, zumal zeitgenössischer Autoren (in seinem Sentenzenkommentar rund 2 000 derartige Zitate). D. Trapp hat sein Hauptwerk deshalb als einen „petit dictionnaire de la théologie du XIVe siècle“ charakterisiert. In seiner noch wenig erforschten theologischen Lehre scheint er von den Extremen sowohl des Thomas Bradwardine wie auch des Wilhelm Ockham frei zu sein.

  • Werke

    hs. erhalten: Commentaria in quatuor libros Sententiarum, ca. 1365/66;
    Decem Responsiones, 1366-70 (die meisten vf. in Paris, je eine in Toulouse u. Avignon);
    Vesperiae, ca. 1371;
    Sermo de sancto Johanne Evangelista;
    Propositiones duo pro canonisatione beatae Birgittae exaratae (auch in gekürzter Fassung überliefert);
    Dictamen super sermones angelicos a beata Birgitta auditos (unvollendet);
    Justificationes constitutionum beatae Birgittae, die 3 letzten W vf. 1377-79.

  • Literatur

    ADB 50;
    Pastor I, Anh. Nr. 6;
    F. Ehrle, Der Sentenzenkommentar Peters v. Candia, 1925, S. 87 ff., 266, 272 ff.;
    A. Lang, Die Wege d. Glaubensbegründung b. d. Scholastikern d. 14. Jh., 1930, S. 202-09;
    Fr. X. Duijnstee, 'S Pausen Primaat in de latere Meddeleeuwen en de Aegidiaansche School III, 1939, S. 156-65 (Lehre üb. d. Schlüsselgewalt);
    E. Borchert, Der Einfluß d. Nominalismus auf d. Christologie d. Spätscholastik, 1940, S. 90-93, 138-40 (Lehre v. d. Idiomenkommunikation);
    A. Zumkeller, Hugolin v. Orvieto, 1941, S. 99 f. u. ö.;
    ders., S. Augustinus vitae spiritualis Magister II, 1959, S. 274 ff. (geistl. Lehre);
    ders., in: Analecta Augustiniana 27, 1964, S. 231-33 (theol. Bedeutung);
    ders., Mss. v. Werken d. Autoren d. Augustiner-Eremitenordens in mitteleurop. Bibliotheken, 1966, S. 242 f., 599-601;
    G. Tummineļlo, L'immacolata concezione di Maria e la scuola Agostiniana del secolo XIV, 1942, S. 51-62;
    D. Trapp, H.s Augustinian Quotations, in: Augustiniana 4, 1954;
    ders., ebd. 6, 1956, S. 242-50, 254 (Lehrrichtung);
    ders., in: Archivo Agustiniano 48, 1954, S. 291-95;
    J. M. Ozaeta, in: La Ciudad de Dios 171, 1958, S. 73-75 (Lehre v. Formal-Konstitutiv d. geschaffenen Suppositums);
    F. Roth, in: Augustiniana 8, 1958, S. 282-88 (Tätigkeit als Ordensgen.);
    J. Koch, in: Archivum fratrum Praedicatorum 30, 1960, S. 20 f., 43-47.

  • Autor/in

    Adolar Zumkeller OSA
  • Empfohlene Zitierweise

    Zumkeller OSA, Adolar, "Hiltalingen, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 162 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100948812.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hiltalinger: Johannes H., Bischof von Lombès, 1392. — Johannes Hiltalinger (auch Johannes von Hiltelingen, Johannes von Basel, Johannes Angelus genannt) war im zweiten Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts zu Basel geboren. Er trat in den Augustinerorden, zu dessen hervorragendsten Gliedern er in der Folge zählte, studirte zu Paris und erwarb dort 1371 den theologischen Magistergrad. Nie er der Vertraute und Rathgeber des Ordensgenerals Thomas von Straßburg ( 1357) gewesen war, so wurde ihm von seinem Ordensbruder Jordan von Sachsen ( 1380) dessen Werk „Vitae fratrum ordinis s. Augustini“ gewidmet. Längere Zeit war er Lector des Straßburger Augustinerklosters, 1371—77 und wiederholt 1379 Provincial der rheinisch-schwäbischen Ordensprovinz, dazwischen Generalprocurator seines Ordens. Bei Ausbruch der großen Kirchentrennung trat H. sofort auf die Seite des Gegenpapstes Clemens VII., dessen Dienst er sich bis zu seinem Tode mit hingebender Treue widmete. Am 18. September 1379 übertrug ihm Clemens VII. nach Absetzung des bisherigen Augustinergenerals das Regiment des Augustinerordens, der alsdann auf dem Generalcapitel des Jahres 1381 H. zum Ordensgeneral erwählte. Bis zum Jahre 1389 hat H. dieses Amt bekleidet, daneben aber bedeutsame Verwendung im diplomatischen Dienste der Curie gefunden. So treffen wir ihn im J. 1381 in Südwestfrankreich, 1384 als Gesandten an den englischen Hof und an die niederländischen Prälaten und gleichzeitig beauftragt, als Prediger den Urbanisten in der Provinz Rheims, das heißt wol in den flandrischen Bisthümern Doornik und Terwaan, entgegenzutreten. Als nach dem Tode Herzog Leopold's III. in der Schlacht bei Sempach (1386) der Verlust der bisher der Obedienz von Avignon zugehörenden vorderösterreichischen Gebiete zu befürchten stand, wurde H. von Clemens VII. entsandt, um an den zwischen Herzog Albrecht III. von Oesterreich und Philipp dem Kühnen von Burgund geführten Verhandlungen theilzunehmen, die zur Vermählung des jugendlichen Herzogs Leopold's IV. von Oesterreich mit Katharina von Burgund führten (Sept. 1387). Wenn Leopold IV. in der Folge der Obedienz von Avignon die weitgehendste Duldung in seinem Lande gewährte, so hat man wol nicht mit Unrecht diese Haltung auf Hiltalinger's Ginfluß zurückgeführt. Auch zwischen den Herzogen von Burgund und Lothringen, heißt es, habe H. Frieden gestiftet. Als 1388 für den österreichischen, zur Obedienz Clemens' IV. haltenden Theil der Konstanzer Diöcese ein besonderes Kirchenregiment errichtet wurde, finden wir H. daselbst als päpstlichen Vertrauensmann wiederholt in leitender Stellung. Am 10. März 1389 zum Bischof von Lombès (westlich von Toulouse) ernannt, ist H. auch in dieser Stellung fortgesetzt mit diplomatischen Aufträgen bedacht worden. Im J. 1390 wurde er nach Spanien entsandt; im gleichen Jahre ist er für den Anschluß der Straßburger Diöcese an Avignon mit Erfolg thätig gewesen, zu Ende des Jahres 1391 wird er mit der Entscheidung in der Ehescheidungsangelegenheit des Markgrafen Bernhard I. von Baden beauftragt, im Mai 1392 führt er Verhandlungen über die Aussöhnung Berns mit der Curie von Avignon. Im gleichen Jahre ist H. hochbetagt in Freiburg im Breisgau gestorben. Von seinen Schriften werden genannt: „Scriptum in quatuor sententiarum libros; sermonum diversorum volumen; orationes et collationes plures ad clerum, sed et multae coram papa et collegio cardinalium dictae“.

    M. Fr. A. Höhn, Chronologia provinciae Rheno-Suevicae ordinis f. eremitarum s. p. Augustini (Würzburg 1744), S. 65 ff. — H. Haupt, Johannes Malkau, in Zeitschr. f. Kirchengesch. VI, 334 ff., 385; — derselbe, Das Schisma des ausgehenden 14. Jahrhunderts in seiner Einwirkung auf die oberrheinischen Landschaften, in Zeitschr. f. d. Gesch. d. Oberrheins, N. F. V, 291, 296, 318 f.; N. F. VI, 212, 231. — C. Eubel, Die Provisionen praelatorum während des großen Schismas, in der Römischen Quartalschr. f. christl. Alterthumsk. u. Kirchengesch. Bd. VII (1893), S. 412 und Bd. VIII (1894), S. 261 f.; — derselbe, Die Avignonesische Obedienz der Mendikanten-Orden (Paderborn 1900), S. XII und Nr. 57—59, 64, 96, 159 f., 166, 321, 342, 357, 435, 559, 579, 613. — N. Valois, La France et le grand schisme T. II (1896), S. 287, 293, 305—307, 367. — Denifle-Chatelain, Chartularium universitatis Parisiensis T. II (1891), S. 684 und T. III (1894), S. 302, 319, 395, 411 ff. — Die Angaben der älteren bibliographischen Werke über Hiltalinger sind zum Theil höchst irreführend. Noch H. Hurter, Nomenclator liter. recent. theologiae cathol. T. IV (1899), S. 555, 609 macht aus H. zwei verschiedene Persönlichkeiten.

  • Autor/in

    Herman Haupt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Haupt, Herman, "Hiltalingen, Johannes" in: Allgemeine Deutsche Biographie 50 (1905), S. 341-342 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100948812.html#adbcontent

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