Lebensdaten
1696 bis 1760
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Musiker ; Musiktheoretiker ; Lautenist ; Theorbist ; Komponist
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 100422977 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Baron, Ernst Gottlieb

Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Baron, Ernst Gottlieb, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100422977.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V ( 1717), Posamentier, dann Küster an der Kirche St. Barbara.

  • Leben

    Seine Schulausbildung empfing B. im Collegium Elisabethianum seiner Vaterstadt. Nach dem Studium der Rechte und der Philosophie an der Leipziger Universität (1715) ging er ganz zur Musik über und wirkte als Lautenist an vielen Orten, unternahm auch weite Kunstreisen durch die deutschen Lande. Ein Besuch am Dresdener Hof scheint von besonderer Wichtigkeit für ihn gewesen zu sein. 1728 wurde er Lautenist am Gothaer Hof und übersiedelte 1732 nach Eisenach. 1735 ernannte ihn Kronprinz Friedrich von Preußen zu seinem „Kammertheorbisten“ in Rheinsberg; er blieb auch weiterhin in preußischen Diensten, in sehr angesehener Position. - B. ist einer der letzten wesentlichen Vertreter|der barocken Lauten-Spielweise, die er auch theoretisch zu unterbauen und gegen zeitgenössische Angriffe zu verteidigen versucht hat. Bisher noch kaum gewürdigt sind seine musikästhetischen Abhandlungen, welche der Affektenlehre huldigen und französische Einflüsse erkennen lassen.

  • Werke

    u. a. Literar. Veröffentlichungen: Hist.-theoret. u. pract. Unters, d. Instruments d. Lauten, Nürnberg 1727 (Ergg. hierzu in: F. W. Marpurg, Hist.-crit. Beyträge, Bd. 2, Berlin 1756);
    Überss. musikästhet. Schrr. aus d. Französ.;
    Kompositionen: s. a. MGG.

  • Literatur

    ADB II;
    H. Sommer, Das Unterrichtswesen in d. Lauten-Traktaten d. 16. u. 17. Jh.s, Diss. Berlin 1922 (ungedr.);
    H. P. Kosack, Gesch. d. Laute u. Lauten-Musik in Preußen, Diss. Königsberg 1934;
    Fétis I, 1866, S. 250 f.;
    W. Boetticher, in: MGG.

  • Portraits

    Kupf. v. J. W. Stör, Nürnberg 1727 (Öffentl. Wiss. Bibl. Berlin).

  • Autor/in

    Werner Bollert
  • Empfohlene Zitierweise

    Bollert, Werner, "Baron, Ernst Gottlieb" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 596 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100422977.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Baron: Ernst Gottlieb B., berühmter Lautenist und Theorbist, auch musikalischer Schriftsteller, geb. 17. Febr. 1696 zu Breslau, wo sein Vater Posamentier und nachher Küster bei St. Barbara war; nach Gerber's Angabe 12. April 1760. — Anfänglich wurde er zur väterlichen Profession angehalten, doch empfing er schon seit 1710 durch den Böhmen Kohott Unterricht im Lautenschlagen und wandte sich außerdem bald wissenschaftlichen Studien zu. Nachdem er das Elisabeth-Gymnasium seiner Vaterstadt absolvirt hatte, studirte|er von 1715—19 in Leipzig Philosophie und die Rechte, dann bis 1722 noch in Halle und Jena, reiste ungefähr 6 Jahre mit vorübergehendem Aufenthalte in Cassel, Fulda, Würzburg, Regensburg, Nürnberg, wo ihm seine Meisterschaft auf der Laute in Verbindung mit einem heitern liebenswürdigen Naturell überall die beste Aufnahme bereitete, war darauf seit 1728 als Lautenist in gothaischen, von 1732—37 in eisenachischen Diensten, ließ sich an verschiedenen Höfen mit Beifall hören, und kam endlich gegen Ablauf des J. 1737 nach Berlin, wo er vom damaligen Kronprinzen als Theorbist angestellt wurde. Nachdem er noch eine Reise nach Dresden und daselbst die Bekanntschaft namhafter Kunstgenossen (Weiß, v. Hofer, Kropfganß und Schwester, Belgratzky) gemacht hatte und nach Berlin zurückgekehrt war, wurde er 1740 in die königl. preuß. Capell- und Kammermusik aufgenommen und blieb deren Mitglied bis zu seinem Tode. — Vgl. Walther, Lex.; Marpurg, Beiträge I. 544. Eine belustigende Geschichte, wie und mit welchem Erfolge er, nach antikem Vorbilde, die Leidenschaften einiger Commilitonen zu Jena durch die Macht der Musik erregte, steht in Marpurg's Anekdotensammlung „Legende einiger Musikheiligen von Metaphrastes“ Cöln 1786, S. 158.

    Als Künstler auf der Laute gehörte B. zu den vorzüglichsten seiner Zeit; auch hat er viel für sein Instrument componirt: Concerte mit Begleitung, Sonaten, Partiten, Solo's, Duo's, Trio's; doch ist Alles Manuscript geblieben. Seine im Drucke erschienenen, meist der Beachtung nicht unwerthen Schriften sind: „Historisch-theoretisch und practische Untersuchung des Instruments der Lauten" ect. 1727, eines der besseren Bücher dieser Gattung und noch heute schätzbar; „Beytrag zur historisch-theoretisch- und practischen Untersuchung der Laute, in Marpurg's Beiträgen II. 65; „Abhandlungen von dem Notensystem der Laute und der Theorbe", ebd. II, 119; „Zufällige Gedanken über verschiedene musikalische Materien“, ebd. II. 124; „Abriß einer Abhandlung von der Melodie“ 1756. Auch diese kleineren Abhandlungen enthalten Interessantes. Uebersetzt hat er außerdem noch: „Versuch über das Schöne etc. aus dem Französischen des Jesuiten Yves Marie André“ (1741), Altenburg 1757; angehängt: „Von dem uralten Adel und Nutzen der Musik, aus dem Französischen des Gresset“ (1751).

  • Autor/in

    v. Dommer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Dommer, Arrey von, "Baron, Ernst Gottlieb" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 82-83 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100422977.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA