Lebensdaten
1808 bis 1869
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Wirtschaftspolitiker ; Philosoph ; Kameralist
Konfession
jüdisch,katholisch
Normdaten
GND: 100356877 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hock, Karl (bis 1852)
  • Hock, Karl von (1852-1859)
  • Hock, Karl Freiherr von
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Zitierweise

Hock, Karl Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100356877.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Josef Karl (1774–1855), Handelsmann in W., S d. Handelsmanns Salomon in Prag u. d. Maria Wiener;
    M Karoline (1777–1825), T d. Handelsmanns Salomon Rosenberg in P. u. d. Josefa Tachau;
    Wien-Hietzing 1835 Sophie (1811–74), T d. Landrats Karl v. Appeltauer u. d. Aloisia Wolf;
    2 S, 1 T, u. a. Paul (1857–1924), Rat am Verwaltungsgerichtshof in W. u. Reichsratsabg.

  • Leben

    H. studierte seit 1823 in Wien Philosophie und Jurisprudenz (Dr. phil. 1828, abs. iur. 1830) und trat dann als Konzeptspraktikant in den Kameraldienst. Bereits während des Studiums schloß er sich dem Kreis um den Philosophen und Weltgeistlichen Anton Günther an. Dessen Einfluß mag dazu beigetragen haben, daß er zum Christentum konvertierte. H.s erste philosophische Schriften vertreten einen spekulativen Theismus. In „Cholerodea“ (1832) schuf er ein satirisches Zeitgemälde, in dem er die geistigen Probleme seiner Epoche aufgriff, in „Cartesius und seine Gegner“ (1835) beleuchtete er die philosophischen Bestrebungen der Zeit aus der Sicht seines Lehrers Günther. Es folgten weitere schriftstellerische Versuche auf philosophischem, historischem und tagespublizistischem Gebiet; 1834/35 übernahm H. die Redaktion des Wochenblattes „Der Jugendfreund“.

    Neigung und dienstliche Verwendung führten H. dann bald auf das Studium nationalökonomischer Fragen. Tätigkeit im Zolldienst in Triest und als Direktor der Hauptzollämter in Salzburg und Wien lenkte sein Interesse auf Probleme der österreichischen Handelspolitik. Noch während seiner Triestiner Zeit veröffentlichte er in dem als Sprachrohr des Hofkammerpräsidenten Karl Freiherr von Kübeck geltenden „Journal des österreichischen Lloyd“ Stellungnahmen zu aktuellen ökonomischen Fragen. 1847 wurde H. in die Generaldirektion der Eisenbahnen berufen und 1848 zu deren 2. Direktor ernannt. Jedoch bereits im folgenden Jahr holte Handelsminister von Brück H. ins Handelsressort. Hier nahm dieser bald eine zentrale Stellung in den Zollkonferenzen mit den süd- und mitteldeutschen Staaten (1852/53) ein und wirkte am Abschluß des sogenannten Februarvertrages mit dem Deutschen Zollverein maßgeblich mit. Daneben widmete er sich der Reform der Zollwache und erzielte 1855 mit Bayern ein Übereinkommen für die Donauschiffahrt. Als Präsident der Kommission für die Pariser Weltausstellung 1855 faßte er die Anregung zu seinem Werk „Die Finanzverwaltung Frankreichs“ (1857). Noch im Juni 1855 wechselte H. unter Ernennung zum Ministerialrat und Vizepräsidenten der Zollkommission ins Finanzressort, wo er als engster Mitarbeiter Brucks dessen wirtschaftliche Mitteleuropapläne zu realisieren trachtete. Er war ein konsequenter Verfechter des Freihandels und wandte sich, dabei den Widerstand der traditionell schutzzöllnerisch gesinnten österreichischen Unternehmer herausfordernd, insbesondere gegen Friedrich Lists nationales System. Später sollte er allerdings in seinem Werk „Die öffentlichen Abgaben und Schulden“ (1863) für eine modifizierte Behandlung der Zollfragen eintreten. H. war maßgeblich beteiligt an der Aufhebung des Prohibitivsystems und der Binnenzollgrenzen, an der Schaffung der Handels- und Gewerbekammerorganisation sowie an den Zollanschlußverträgen mit Modena, Parma und Liechtenstein und dem Handelsvertrag mit Sardinien. 1856 erfolgte die Ernennung zum Sektionschef im Finanzministerium. Seine Tätigkeit während der nächsten Jahre umfaßte vor allem Fragen der Steuerreform und die Weiterführung der|Verhandlungen mit dem Zollverein (1858, 1865). H. suchte auch nach dem Tode Brucks dessen Wirtschaftskonzept zu vertreten, doch fanden seine Intentionen bei dessen Nachfolger Ignaz von Plener keinen Widerhall. Ein neues Betätigungsfeld erwuchs ihm in den Ausgleichsverhandlungen mit Ungarn 1867, als er zum ständigen Mitglied der österreichischen Delegation berufen wurde.

    H. war Präsident des von ihm mitbegründeten Volkswirtschaftlichen Vereins, gehörte dem Doktorenkollegium der Wiener Universität an und war 1846/47 Dekan der philosophischen Fakultät. 1861 wurde er in den niederösterreichischen Landtag gewählt, 1867 ins Herrenhaus berufen. Im Staatsdienst war er zum Mitglied des Staatsrates, dessen Geschichte zu schreiben er unternahm, jedoch nicht mehr vollenden konnte, und schließlich zum Wirklichen Geheimen Rat und Präsidenten des Gemeinsamen Obersten Rechnungshofes vorgerückt.

    Privat zeichnete H., der nur bescheidenes Vermögen hinterließ, ein Hang zur Philanthropie aus; schon 1832 schuf er einen Verein mit karitativer Zielsetzung und wurde zum Mitbegründer des katholischen Severinusvereins, den er jedoch 1861, von dessen Wirken unbefriedigt, wieder verließ, wodurch er sich den Anfeindungen konservativer Kreise aussetzte.

  • Werke

    Weitere W Novellen u. Erzz., 1835;
    Gerbert od. Papst Sylvester II. u. s. Jh., 1837, ital. 1846;
    Über d. österr. Handelsmarine, 1842;
    Der Handel Österreichs, 1844;
    Gegen d. ungar. Schutzver. u. s. Tendenzen, 1846;
    Die Wiener Zollkonferenzen, 1852;
    Österreich u. s. Bestimmung, 1859;
    Ein Votum in d. Steuerfrage, 1864;
    Die Verhh. üb. e. österr.-dt. Zollbündnis, in: Österr. Revue, 1864-63;
    Die Finanzen u. d. Finarzgesch. d. Vereinigten Staaten v. Amerika, 1867;
    Der österr. Staatsrath 1760-1848, 1879.

  • Literatur

    ADB XII;
    J. v. Hoffinger, Von d. Universität, 1869;
    A. v. Matlekovits, Die Zollpol. d. österr.-ungar. Monarchie, 1877;
    A. Beer, Österreichs Handelspol., 1891;
    G. Kolmer, Parlament u. Vfg. in Österreich I, 1903;
    A. E. Schäffle, Aus m. Leben I, 1904, S. 59 ff.;
    Wurzbach IX;
    Uhlirz;
    Nagl-Zeidler-Castle I;
    ÖBL (W, L).

  • Portraits

    Lith. v. V. Katzler (in Gruppenbild d. verantwortl. gemeinsamen Min.), Xylogr. n. e. Zeichnung v. F. Kriehuber (Wien, Nat.bibl.).

  • Autor/in

    Herbert Matis
  • Empfohlene Zitierweise

    Matis, Herbert, "Hock, Karl Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 294 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100356877.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hock: Karl Freiherr von H., Philosoph und Kameralist, geb. den 18. März 1808 zu Prag, gest. am 3. Januar 1869 zu Wien, stammt aus einer mäßig bemittelten jüdischen Familie, vollendete die in Prag begonnenen Universitätsstudien in Wien, gelangte in Dr. Anton Günther's Kreise, wurde Christ. 1828 Doctor der Philosophie und trat nach zurückgelegtem juridischen Quadriennium in den Kameraldienst. Einer der begabtesten Schüler Günther's verfaßte er nach dessen in „Peregrin's Gastmahl“ eingehaltener humoristischer Manier ein Zeitgemälde, in dem er unter dem unglücklich gewählten Titel „Cholerodea“ (Wien 1832) die großen Probleme und geistigen Krankheiten|der Zeit mit der Sonde seines Meisters untersuchte. Von 1833—34 leitete er die Wochenschrift „Jugendfreund“, ohne jedoch den glücklichen Ton ihres Begründers, v. Seyfried zu treffen, woran ihn eben sein scharf kritischer Kopf hinderte. Seine hier veröffentlichten Novellen erschienen später. 1855, gesammelt. Heimischer fand er sich auf wissenschaftlichem Gebiete, wie das zum Verständniß der Günther'schen Philosophie unentbehrliche Buch: „Cartesius und seine Gegner“ (Wien 1835) und seine ebenfalls durch das Interesse des Philosophen an dem vielseitigen Freunde der großen Ottonen veranlaßte Monographie „Gerbert oder Papst Sylvester II. und sein Jahrhundert“ (Wien 1837) beweisen. Doch alles dieses war nur allgemeine Grundlage, methodische Vorarbeit und Uebung für die folgenden Leistungen auf dem Gebiete, das bald zu seiner Domäne wurde. Sein Dienstweg führte ihn nämlich nach Triest, dessen großartiges Verkehrsleben seinen Blick für die allgemeinen Handelsbeziehungen öffnete und datirt sich von hier aus seine folgenreiche Bekanntschaft mit dem genialen Kaufmann und Lloyddirector Karl Bruck, der später als Minister ihn an seine Seite ins Handels-, dann ins Finanzministerium berief. Als Zollamtsdirector in Triest und Wien machte sich H. durch einschneidende Werke über den Handel Oesterreichs (Wien 1844) und den „Ungarischen Schutzverein“ (Wien 1846), den er auch in der Augsb. Allg. Zeitung scharf bekämpft hatte, sehr bemerkbar; Friedr. List, gegen dessen Schutzzollsystem er auftrat, erkannte ihn als würdigen Gegner an, prophezeite ihm aber, daß er bei längerer praktischer Erfahrung seine Hinneigung zu völlig freier wirthschaftlicher Bewegung stark modificiren werde, was auch, obwol spät, offen eingestanden erst in dem Werke „Die öffentlichen Abgaben und Schulden“ (Stuttgart 1863) geschah. Inzwischen trugen seine amtlichen Arbeiten, besonders die auf Brucks und seiner Nachfolger Weisung gelieferten für Abschluß der meisten neueren wirthschaftlichen Staatsverträge noch stark freihändlerisches Gepräge, daher ihm die österreichischen Industriellen nicht grün waren, und er 1861 nur in den niederösterreichischen Landtag, nicht aber in den Reichsrath gewählt ward. — Dafür ernannte ihn 1867 der Kaiser zum Mitglied des Herrenhauses. Mit dem Berichte über die 1855er Pariser Ausstellung betraut, sollte er zugleich das französische Finanzsystem studiren; das Resultat war das epochemachende und selbst noch von keinem Franzosen erreichte Werk „Die Finanzverwaltung Frankreichs“ (Stuttgart 1857),dem 1867 ebendort ein analoges wo möglich noch schwierigeres „Die Finanzen und die Finanzgeschichte der Ver. Staaten von Amerika“ folgte. H. war allmählich zum Sectionschef im Finanzministerium, zum Mitglieds des Staatsrathes, dessen Geschichte er zu schreiben unternahm, aber nur bis zu Josef II. zu führen vermochte, endlich zum wirkl. geh. Rath und Präsidenten des gemeinsamen obersten Rechnungshofes vorgerückt, als welcher er reich mit Auszeichnungen aller Art bedacht, mitten aus seiner unermüdlichen Thätigkeit dem Leben entrissen wurde. Letztere bewies er auch durch seine in die Oesterr. Wochenschrift für Wissenschaft, Kunst und öffentliches Leben gelieferten, nationalökonomischen und auch philosophischen (über Lecomte, Günther u. a.) Artikel. Auch hatte er 1846 dir Würde eines Decans der philosophischen Facultät an der Wiener Universität bekleidet, 1848 die „Constitutionelle Donauzeitung“ herausgegeben und sich als Mitarbeiter an dem von seinem Freunde J. E. Veith redigirten geistvollen Wochenblatte „Aufwärts“ betheiligt. Aufrichtig entschiedener Katholik, war er doch, wie Veith und Günther, jedem Zelotismus abhold und protestirte öffentlich gegen Neuerungen und Uebertreibungen, wie er überhaupt Extreme gerne vermied und selbst immer maßvoll auftrat. Stoisch widerstand er allen Versuchungen sich durch eigene Betheiligung am sogenannten wirthschaftlichen Aufschwunge zu bereichern, daher er nur ein sehr mäßiges Vermögen aber dafür einen makellosen Namen hinterließ. Seine|Wittwe, eine geb. v. Appelbauer und der älteste Sohn folgten ihm bald ins Grab; ein Sohn und eine Tochter sind noch am Leben.

    • Literatur

      Wiener Zeitung 1869. — Wurzbach, Biogr. Lex. 9. Bd. —
      v. Hoffinger. Von der Universität, 1869. — Aus dem persönlichen Verkehr.

  • Autor/in

    Hoffinger.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hoffinger, "Hock, Karl Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 530-532 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100356877.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA