Sehling, Emil
- Lebensdaten
- 1860 – 1928
- Geburtsort
- Essen
- Sterbeort
- Erlangen
- Beruf/Funktion
- Jurist ; Kirchenrechtler ; Kirchenhistoriker ; Hochschullehrer
- Konfession
- evangelisch-lutherisch
- Normdaten
- GND: 11744815X | GND-Explorer | OGND | VIAF
- Namensvarianten
-
- Sehling, Emil Georg Adolf Heinrich
- Sehling, Emil
- Sehling, Emil Georg Adolf Heinrich
- Sehling, E.
Vernetzte Angebote
- Katalog des Bibliotheksverbundes Bayern (BVB)
- * Katalog der Bayerischen Staatsbibliothek München (BSB)
- Deutsche Digitale Bibliothek
- Normdateneintrag des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes (SWB)
- Österreichischer Bibliothekenverbund (OBV)
- Gemeinsamer Verbundkatalog (GBV)
- Sächsische Bibliographie
- Index Theologicus (IxTheo)
Verknüpfungen
Orte
Symbole auf der Karte
Geburtsort
Wirkungsort
Sterbeort
Begräbnisort
Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.
-
Sehling, Emil Georg Adolf Heinrich
1860 – 1928
Jurist, Kirchenrechtler
Emil Sehlings Name ist v. a. mit der Edition der „Evangelischen Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts“ verbunden, deren ersten Band er 1902 vorlegte und die 2017 postum in 24 Bänden abgeschlossen wurde. Die Erschließung dieses Quellenbestands brachte Sehling hohe fachwissenschaftliche Anerkennung ein. Die auch als „der Sehling“ bekannte Edition wird bis heute disziplinenübergreifend von der Kirchen-, Rechts- und Bildungsgeschichte bis zur Territorial- und Kulturgeschichte genutzt.
Lebensdaten
Emil Sehling, Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg (InC) -
Autor/in
→Sabine Arend (Heidelberg)
-
Zitierweise
Arend, Sabine, „Sehling, Emil“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd11744815X.html#dbocontent
Im Anschluss an das Abitur an einem humanistischen Gymnasium in Essen 1877 studierte Sehling Rechtswissenschaften in Bonn und seit 1878 bei Otto Stobbe (1831–1887) in Leipzig. Hier prägte ihn v. a. der Kirchenrechtslehrer Emil Friedberg (1837–1910). 1881 in Leipzig zum Dr. iur. utr. promoviert, habilitierte sich Sehling nach Referendariat und Assessorat sowie zwischenzeitlichem sächsischen Militärdienst hier 1885 mit der Arbeit „Die Wirkungen der Geschlechtsgemeinschaft auf die Ehe. Eine kirchenrechtliche Abhandlung“ für Kirchenrecht und erhielt 1888 eine außerordentliche Professur.
Noch 1888 wechselte Sehling als Extraordinarius für Kirchenrecht, Deutsches Recht und preußisches Privatrecht an die Universität Kiel, ehe er 1889 einem Ruf als Nachfolger Wilhelm Kahls (1849–1932) auf den Lehrstuhl für Kirchenrecht nach Erlangen folgte. Hier bot er neben regelmäßigen Vorlesungen zu diesem Thema Veranstaltungen u. a. zum bürgerlichen, Handels- und Staatsrecht an; zu seinen Erlanger Schülern zählt u. a. Euchar Albrecht Schmid (1884–1951).
Sehling wird unter den Juristen zu den Vertretern des Positivismus gezählt, einer Strömung, die mit dem Kirchenrecht, in dem Kategorien wie Moral und göttliches Recht eine wichtige Rolle spielen und kirchenrechtliche Fragen theologisch erörtert werden, nur schwer vereinbar war. Sein „Lehrbuch des Kirchenrechts“ (1908) fand wegen seines positivistischen Ansatzes keine weite Verbreitung. Gleich sechs Auflagen erfuhr dagegen seine „Sammlung handelsrechtlicher und wechselrechtlicher Fälle zum akademischen Gebrauch“ (1891), ein Lehrbuch, das aus Sehlings Vorlesungen hervorging. Zum Standardwerk avancierte seine Überblicksdarstellung „Geschichte der Protestantischen Kirchenverfassung“ (1907, 21914), mit der er seine editorische Tätigkeit flankierte. Aus seiner Lehrtätigkeit an der neu gegründeten Wirtschaftshochschule in Nürnberg von 1919 bis 1921 resultierte seine letzte monografische Veröffentlichung, „Deutsches Handelsrecht“ (1924). Seit 1891 fungierte Sehling neben Friedberg als Mitherausgeber, nach dessen Tod 1910 als alleiniger Herausgeber der renommierten „Deutschen Zeitschrift für Kirchenrecht“, deren Erscheinen 1916 kriegsbedingt eingestellt wurde.
Seit den späten 1890er Jahren verfolgte Sehling den Plan einer Gesamtausgabe aller deutschsprachigen evangelischen Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts. 1902 erschien der erste Band seines Hauptwerks, der Edition „Die evangelischen Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts“. Die Vielzahl der gefundenen Quellen und hohe Druckkosten verzögerten das Fortkommen des Projekts, dessen zweiter Band 1904 erschien. Auf Intervention des Deutschen Evangelischen Kirchenausschusses wurde die Reihe seit dem dritten Band 1909 durch die Unterstützung Kaiser Wilhelms II. (1859–1941) finanziell gesichert.
Sehlings Bände werden bis heute als wissenschaftlich dignide und umfassende Quellensammlung geschätzt und brachten ihm auch international große Anerkennung in der Fachwelt ein. Nach dem Erscheinen des fünften Bands 1913 kam das Projekt vorübergehend zum Erliegen, ehe es nach Ende des Zweiten Weltkriegs vom kirchenrechtlichen Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland unter Federführung des Juristen Rudolf Smend (1882–1975) sowie der Theologen Otto Weber (1902–1966) und Ernst Wolf (1902–1971) in Göttingen fortgeführt wurde. Nach dem Tod des seit 1970 tätigen Herausgebers J. F. Gerhard Goeters (1926–1996) abermals für mehrere Jahre unterbrochen, wurde es 2002 unter der Leitung von Gottfried Seebaß (1937–2008) und seit 2006 von Eike Wolgast (geb. 1936) in die Forschungsvorhaben der Heidelberger Akademie der Wissenschaften aufgenommen und 2017 zum Abschluss gebracht. Von Sehling auf vier Bände angelegt, umfasst das komplette Werk 24 Bände in 30 Teilen und ist allgemein als „der Sehling“ bekannt.
| 1877 | Gründungsmitglied des Akademisch-Musikalischen Vereins, Bonn (seit 1883 Akademisch-Musikalische Verbindung Makaria) |
| 1896 | Königlich Bayerischer Verdienstorden vom Heiligen Michael 4. Klasse (1909 3. Klasse) |
| 1908 | Herzoglich Anhaltinischer Hausorden Albrecht des Bären 1. Klasse |
| 1910 | Herzoglich Sachsen-Ernestinischer Hausorden, Ritterkreuz 1. Klasse |
| 1910 | Prinzregent-Luitpold-Medaille in Silber |
| 1911 | korrespondierendes Mitglied des St. Georg-Vereins deutscher Edelleute und Patrizier, Berlin |
| 1912 | Preußischer Roter Adler Orden 4. Klasse |
| 1912 | Komturkreuz des Kaiserlich-Österreichischen Franz-Joseph-Ordens |
| 1913 | Königlich-Bayerischer Geheimer Hofrat |
| 1914 | korrespondierendes Mitglied der Société de Criminologie et de Défense sociale de Paris |
| 1917 | Mitglied des Ehren-Ausschusses der Fürst-Leopold-Akademie für Verwaltungswissenschaften, Detmold |
| 1917 | Orden der Lippischen Rose für Kunst und Wissenschaft 1. Klasse |
| 1917 | Dr. theol. h. c., Universität Erlangen |
| 1918 | Fürstlich Lippischer Leopolds-Orden 1. Klasse |
| 1918 | Medschidieh-Orden 2. Klasse mit Stern (Osmanisches Reich) |
| 1925 | Bayerischer Geheimer Rat |
| Mitglied der Kirchenrechtskommission der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern |
Nachlass:
Universitätsbibliothek Erlangen, Ms 2705. (wissenschaftliche Materialien, Korrespondenz mit Findbuch)
Weitere Archivmaterialien:
Universitätsarchiv Erlangen-Nürnberg, A 2/1 S 47. (Personalakte)
Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München, MK 17 973. (Personalakte)
Monografien:
Die Wirkungen der Geschlechtsgemeinschaft auf die Ehe. Eine kirchenrechtliche Abhandlung, 1885.
Die Schenkung auf den Todesfall nach dem sächsischen bürgerlichen Gesetzbuche. Eine civilrechtliche Abhandlung, 1886. (Habilitationsschrift)
Die Unterscheidung der Verlöbnisse im kanonischen Recht, 1887.
Sammlung der Reichsgesetze civilrechtlichen Inhalts, 1888.
Die religiöse Erziehung der Kinder und der Entwurf eines bürgerlichen Gesetzbuches für das Deutsche Reich, 1891.
Sammlung handelsrechtlicher und wechselrechtlicher Fälle zum akademischen Gebrauch, 1891, 61928.
Daniel von Superville. Das Kanzleramt an der Universität Erlangen. Ein Beitrag zur Universitätsgeschichte, 1893.
Die Gesetzgebung des Deutschen Reiches auf dem Gebiete des buergerlichen und socialen Rechtes mit Ausschluss der handels-, wechsel- und seerechtlichen, sowie der in der Reichsstrafgesetzgebung und in den Reichsjustizgesetzen enthaltenen Bestimmungen. Für die Praxis und den akademischen Gebrauch zusammengestellt, 21894.
Die Kirchengesetzgebung unter Moritz von Sachsen 1544–1549 und Georg von Anhalt, 1899.
Die civilrechtlichen Gesetze des Deutschen Reiches mit Ausschluß des Bürgerlichen Gesetzbuchs und der handels-, wechsel- und seerechtlichen Gesetze sowie der in der Gewerbeordnung, in den Reichsjustizgesetzen, im Zwangsversteigerungsgesetze, in der Grundbuchordnung und in der Reichsstrafgesetzgebung enthaltenen civilrechtlichen Bestimmungen, für die Praxis und zum Gebrauch bei Vorlesungen in zeitlicher Folge zusammengestellt, 1902.
Die Rechtsverhältnisse an den der Verfügung des Grundeigentümers nicht entzogenen Mineralien, mit besonderer Berücksichtigung des Kohlenbergbaus in den vormals sächsischen Landesteilen Preußens, des Eisenbergbaus im Herzogtum Schlesien und des Kalibergbaus in der Provinz Hannover, 1904
Zur Geschichte der doppelten Buchführung, besonders in Nürnberg, 1907.
Geschichte der Protestantischen Kirchenverfassung, 1907, 21914.
Kirchenrecht. II.: Das evangelische Kirchenrecht. Die Stellung des Staates zur Kirche und das Verhältnis der Religionsgemeinschaften zueinander, 1908, 21927.
Deutsches Handelsrecht, 1924.
Herausgeberschaften:
Die evangelischen Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts, Bd. 1, 1902 (Onlineressource), Bd. 2, 1904 (Onlineressource), Bd. 3, 1909 (Onlineressource), Bd. 4, 1911 (Onlineressource), Bd. 5, 1913 (Onlineressource), Bd. 6–15, hg. v. Institut für evangelisches Kirchenrecht der Evangelischen Kirche in Deutschland, 1955–1977 u. Bd. 16–24, hg. v. d. Heidelberger Akademie der Wissenschaften, 2004–2017 (Onlineressource).
Deutsche Zeitschrift für Kirchenrecht, 1891–1916. (1891–1910 mit Emil Friedberg)
Sammelband und Monografie:
Sabine Arend/Gerald Dörner (Hg.), Ordnungen für die Kirche – Wirkungen auf die Welt. Evangelische Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts, 2015.
Eike Wolgast, Die evangelischen Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts als kodifizierte Reformation. Ergebnisse eines Heidelberger Editionsvorhabens, 2021.
Aufsätze und Beiträge:
Hartmut Frommer, Die Erlanger Juristenfakultät und das Kirchenrecht 1743–1810, 1974, [S. 139–141].
Michael Germann/Heinrich de Wall, Kirchenrecht und Staatskirchenrecht in Erlangen 1889–1986, in: dies. (Hg.), Bürgerliche Freiheit und Christliche Verantwortung. Festschrift für Christoph Link zum 70. Geburtstag, 2003, S. 19–48.
Gottfried Seebaß, Die evangelischen Kirchenordnungen und ihre Bedeutung für das neuzeitlich-europäische Staatsverständnis, in: Jahrbuch für badische Kirchen- und Religionsgeschichte 3 (2009), S. 15–28.
Eike Wolgast, Die Evangelischen Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts, in: ders./Volker Sellin/Sebastian Zwies (Hg.), 100 Jahre Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Die Forschungsvorhaben der Heidelberger Akademie der Wissenschaften 1909–2009, 2009, S. 240–244.
Sabine Arend, Emil Sehling (1860–1928). Zum 150. Geburtstag des Erlanger Ordinarius für Kirchenrecht, in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte 128, Kanonistische Abteilung 97 (2011), S. 410–439.
Eike Wolgast, Kirchenordnungen als kodifizierte Reformationen. Bilanz eines Heidelberger Editionsvorhabens, in: Heidelberger Akademie der Wissenschaften Jahrbuch 2017 (2018), S. 90–94.
Friedrich Seven, Die evangelische Freiheit und das Recht. Der Abschluss des „Sehling“, in: Jahrbuch der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte 116 (2018), S. 323–327.
Nachrufe:
Euchar Albrecht Schmid, Nachruf auf Emil Sehling, in: Karl-May-Jahrbuch 12 (1929), S. 403–405.
Rudolf Oeschey, Nachruf auf Emil Sehling, in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte 62, Kanonistische Abteilung 18 (1929), S. VII–XII.
Eugen Locher, Nachruf auf Sehling, in: Fränkischer Kurier Nr. 336 v. 3.12.1928, S. 9.