Schürer, Gerhard

Lebensdaten
1921 – 2010
Geburtsort
Auerbach bei Zwickau
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Politiker ; Vorsitzender der Staatlichen Plankommission der DDR
Konfession
unbekannt
Normdaten
GND: 119367831 | GND-Explorer | OGND | VIAF
Namensvarianten

  • Schürer, Gerhard Paul
  • Schürer, Gerhard
  • Schürer, Gerhard Paul
  • Schürer, Paul Gerhard

Vernetzte Angebote

Verknüpfungen

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Schürer, Gerhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd119367831.html#indexcontent [05.07.2026].

CC0

  • Schürer, Gerhard Paul

    1921 – 2010

    Politiker, Vorsitzender der Staatlichen Plankommission der DDR

    Gerhard Schürer war am Aufbau der Zentralverwaltungswirtschaft in der SBZ/DDR beteiligt und leitete von 1965 bis 1990 die Staatliche Plankommission. Die ostdeutsche Planwirtschaft stellte er nicht grundsätzlich infrage, obwohl er ihre Defizite kannte. Er äußerte seine Kritik nicht öffentlich und akzeptierte die Führungsrolle der SED. Die desolate Wirtschaftslage, in der sich die DDR Ende der 1980er Jahre befand, konnte er nicht abwenden.

    Lebensdaten

    Geboren am 14. April 1921 in Auerbach bei Zwickau
    Gestorben am 22. Dezember 2010 in Berlin
    Grabstätte unbekannt
    Konfession unbekannt
    Gerhard Schürer, BArch / Bildarchiv (InC)
    Gerhard Schürer, BArch / Bildarchiv (InC)
  • 14. April 1921 - Auerbach bei Zwickau

    1927 - 1936 - Auerbach bei Zwickau

    Schulbesuch

    Volksschule

    1936 - 1939 - Zwickau

    Lehre als Maschinenschlosser

    Knopf- und Bürstenmaschinen-Fabrik

    Anfang 1939 - September 1939 - Speyer

    Reichsarbeitsdienst

    1939 - 1945 - Eger (Böhmen, heute Cheb, Tschechien); Wien; Pilsen (Böhmen, heute Plzeň, Tschechien); Dresden

    Kriegsdienst; Flugschüler; Fluglehrer

    Luftwaffe

    Juni 1945 - Oktober 1945 - Dresden

    Stahlbauschlosser

    Elbtaleisenwerk

    Oktober 1945 - 1947 - Dresden

    Autoschlosser; Kraftfahrer

    1947 - Mittweida bei Chemnitz

    Schulbesuch

    Industrie-Verwaltungs-Wirtschaftsschule

    1947 - 1951 - Dresden

    Sachbearbeiter; Hauptabteilungsleiter

    Abteilung für Wirtschaftsplanung der Landesregierung Sachsen

    1948 - Januar 1990

    Mitglied (Ausschluss)

    SED

    Februar 1951 - Dezember 1951 - Berlin-Ost

    Abteilungsleiter

    Abteilung regionale Planung der Staatlichen Plankommission (SPK)

    1952 - 1952 - Schloss Wiligrad bei Schwerin

    Besuch

    Landesparteischule der SED

    1953 - 1955 - Berlin-Karlshorst

    Fernstudium

    Hochschule für Ökonomie und Planung

    Januar 1953 - Dezember 1955 - Berlin-Ost

    Mitarbeiter; Instrukteur; Sektorenleiter

    Abteilung Planung und Finanzen des Zentralkomitees (ZK) der SED

    1955 - 1958 - Moskau

    Studium (Abschluss: Diplom-Gesellschaftswissenschaftler)

    Parteihochschule der KPdSU

    1958 - 1962 - Berlin-Ost

    stellvertretender Abteilungsleiter; 1960 Abteilungsleiter

    Abteilung Planung und Finanzen des ZK der SED

    1962 - Januar 1990 - Berlin-Ost

    stellvertretender Vorsitzender; 1963 1. stellvertretender Vorsitzender; 1965 Vorsitzender

    SPK

    1965 - 1986 - Berlin-Ost

    Präsidiumsmitglied

    Ministerrat

    1973 - Dezember 1989 - Berlin-Ost

    Kandidat; November 1989 Mitglied (Rücktritt)

    Politbüro des ZK der SED

    22.1.1990 - Mai 1990 - Berlin

    Verhaftung; Ermittlungsverfahren (eingestellt)

    seit 1990

    selbstständiger Unternehmensberater

    22. Dezember 2010 - Berlin

    alternativer text
    Gerhard Schürer (im Vordergrund links), Imago Images (InC)

    Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte Schürer von 1936 bis 1939 eine Lehre als Maschinenschlosser in Zwickau, ehe er Anfang 1939 zum Reichsarbeitsdienst einberufen und anschließend zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Am Zweiten Weltkrieg nahm Schürer bei der Luftwaffe teil, wurde zum Flugzeugführer ausgebildet und war als Rekrut und Gefreiter in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Österreich stationiert; Fluglehrer war er in Deutschland und in der Tschechoslowakei. Nach Kriegsende arbeitete Schürer als Stahlbauschlosser, dann als Kraftfahrer in Dresden. Von 1947 bis 1951 war er in der Landesregierung Sachsen als Sachbearbeiter, zuletzt als Leiter der Hauptabteilung für Wirtschaftsplanung tätig. Ende 1948 trat Schürer der SED bei und besuchte 1952 die Landesparteischule in Schloss Wiligrad bei Schwerin. 1953 nahm er ein Fernstudium an der Hochschule für Ökonomie und Planung in Berlin-Karlshorst auf, das er 1955 beendete; anschließend besuchte er bis 1958 die Parteihochschule beim ZK der KPdSU in Moskau (Abschluss: Diplom-Gesellschaftswissenschaftler).

    Nachdem Schürer auf Landesebene Leitungserfahrung in der Wirtschaftsverwaltung gesammelt hatte, wechselte er Anfang 1951 als Leiter der Abteilung Regionale Planung in Berlin-Ost in die Staatliche Plankommission (SPK) und 1953 in den SED-Parteiapparat, wo er 1953 Sektorenleiter in der Abteilung Planung und Finanzen des Zentralkomitees (ZK) der SED wurde und nach seiner Rückkehr aus Moskau 1958 zum stellvertretenden Abteilungsleiter, 1960 zum Abteilungsleiter aufstieg. Mitte 1962 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden und nach dem Tod Erich Apels (1917–1965) zum Vorsitzenden der SPK ernannt. Diesen rasanten Aufstieg verdankte Schürer auch dem SED-Chef Walter Ulbricht (1893–1973), der Anfang der 1960er Jahre mit der Wirtschaftsreform „Neues Ökonomisches System der Planung und Leitung“ (NÖSPL) Strukturreformen in der DDR-Zentralverwaltungswirtschaft durchführen wollte und mehr Wert auf fachliche Kompetenz an Schaltstellen der SPK legte. Nach dem Abbruch der Wirtschaftsreformen wegen mangelnder Erfolge konnte sich Schürer bis Anfang 1990 an der Spitze der SPK halten.

    Mit dem Machtwechsel 1971 von Ulbricht zu Erich Honecker (1912–1994) erfolgte eine Rezentralisierung der Wirtschaftspolitik, verbunden mit einer Stärkung des ZK-Apparats zu Lasten der SPK sowie einer Expansion der Sozialpolitik, die Honecker zur Stabilisierung der SED-Herrschaft nutzen wollte. Schürer wies wiederholt auf die langfristige Überforderung der ökonomischen Leistungsfähigkeit der DDR und die damit verbundene Zahlungsbilanzkrise, insbesondere die steigende Westverschuldung hin. Er scheiterte erstmals 1978 mit dem Versuch, Honecker zu einem Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik zu bewegen. In einem erneuten Versuch Ende der 1980er Jahre schlug Schürer u. a. vor, die Investitionen nicht auf das Mikroelektronikprogramm zu konzentrieren und die Ausgaben für den gesellschaftlichen Konsum zu begrenzen, was insbesondere von Günter Mittag (1926–1994) zurückgewiesen wurde, dem sich Honecker anschloss, der an der „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ festhielt. Schürer exponierte sich nicht in den internen Auseinandersetzungen und akzeptierte den Führungsanspruch der SED-Spitze um Honecker vorbehaltlos.

    Nach Honeckers Sturz am 17. Oktober 1989 dokumentierte eine von Schürer erarbeitete Analyse über die wirtschaftliche Lage der DDR („Schlussbilanz“) das Scheitern der SED-Wirtschaftspolitik. Der Regierung Hans Modrows (1928–2023) gehörte Schürer als SPK-Vorsitzender und Mitglied des Ministerrats noch bis Anfang 1990 an. Er wurde am 20./21. Januar 1990 aus der SED-PDS ausgeschlossen und verhaftet. Ein Ermittlungsverfahren wegen „verbrecherischer Untreue“ stellte die Staatsanwaltschaft der DDR rasch wieder ein. Danach war Schürer als selbstständiger Unternehmensberater tätig.

    1964 Vaterländischer Verdienstorden in Silber (1971 in Gold)
    1981 Karl-Marx-Orden
    1986 Held der Arbeit

    Nachlass:

    nicht bekannt.

    Weitere Archivmaterialien:

    Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, SAPMO-Barch, DY 30/93105, BArch, DC 20/28041. (Kaderakten)

    Die Aufgaben der Perspektivplangruppen der VVB und der Bezirkswirtschaftsräte und der Stand der Arbeiten an den Grundfragen des Perspektivplanes sowie der Stand der Bildung der Perspektivplangruppen, 1963.

    Zu einigen Grundfragen des Perspektivplanes und seiner Durchführung, 1967.

    Grundfragen einer wissenschaftlich begründeten Planung, 1968.

    Die Hauptaufgaben des Volkswirtschaftsplanes 1974 und der Weg zu seiner Verwirklichung, 1974.

    Die Aufgaben bei der weiteren Verwirklichung der sozialistischen ökonomischen Integration, 1975.

    Gewagt und verloren. Eine deutsche Biographie, 1996, Neuaufl. 2014.

    Hans-Hermann Hertle, Der Weg in den Bankrott der DDR-Wirtschaft. Das Scheitern der „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ am Beispiel der Schürer-Mittag-Kontroverse im Politbüro 1988, in: Deutschland Archiv 25 (1992), S. 127–145.

    Theo Pirker/M. Rainer Lepsius/Rainer Weinert/Hans-Hermann Hertle, Der Plan als Befehl und Fiktion. Wirtschaftsführung in der DDR. Gespräche und Analysen, 1995.

    André Steiner, Von Plan zu Plan. Eine Wirtschaftsgeschichte der DDR, 2004.

    Christoph Boyer/Klaus-Dietmar Henke/Peter Skyba (Hg), Deutsche Demokratische Republik 1971–1989. Bewegung in der Sozialpolitik, Erstarrung und Niedergang, 2008, S. 1–143.

    Andreas Malycha, Ungeschminkte Wahrheiten. Ein vertrauliches Gespräch von Gerhard Schürer, Chefplaner der DDR, mit der Stasi über die Wirtschaftspolitik der SED im April 1978, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 59 (2011), S. 283–305. (Onlineressource)

    Dierk Hoffmann (Hg.), Die zentrale Wirtschaftsverwaltung in der SBZ/DDR. Akteure, Strukturen, Verwaltungspraxis, 2016.

    Lexikonartikel:

    Helmut Müller-Enbergs/Bernd-Rainer Barth, Art. „Schürer, Gerhard Paul“, in: Helmut Müller-Enbergs/Jan Wielgohs/Dieter Hoffmann (Hg.), Wer war wer in der DDR? Ein biographisches Lexikon, 42006 S. 922. (Onlineressource)

    Fotografien, 1968–1985, Digitales Bildarchiv des Bundesarchivs. (Onlineressource)

  • Autor/in

    Dierk Hoffmann (Berlin)

  • Zitierweise

    Hoffmann, Dierk, „Schürer, Gerhard“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd119367831.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA