Lebensdaten
1933 – 2013
Geburtsort
Cham (Oberpfalz)
Sterbeort
Gräfelfing bei München
Beruf/Funktion
Publizist ; Verleger ; Politiker ; Jurist ; Fernsehredakteur
Konfession
römisch-katholisch
Normdaten
GND: 11922075X | OGND | VIAF: 30341977
Namensvarianten
  • Frey, Gerhard Michael
  • Frey, Gerhard
  • Frey, Gerhard Michael

Biografische Lexika/Biogramme

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Zitierweise

Frey, Gerhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11922075X.html [25.05.2024].

CC0

  • Als Verleger und Politiker nahm Gerhard Frey großen Einfluss auf die Entwicklung des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik. Mit der Deutschen National-Zeitung hielt er seit 1963 das zeitweise auflagenstärkste Wochenblatt der rechten Szene in seiner Hand. Über die von ihm gegründete Deutsche Volksunion (DVU), deren Vorsitzender er bis 2009 blieb, bemühte sich Frey um parlamentarischen Einfluss. In den 1990er Jahren erzielte die Partei einige Achtungserfolge.

    Lebensdaten

    Geboren am 18. Februar 1933 in Cham (Oberpfalz)
    Gestorben am 19. Februar 2013 in Gräfelfing bei München
    Grabstätte Waldfriedhof in München
    Konfession römisch-katholisch
    Gerhard Frey, Imago Images (InC)
    Gerhard Frey, Imago Images (InC)
  • Lebenslauf

    18. Februar 1933 - Cham (Oberpfalz)

    1945 - 1951 - Cham (Oberpfalz); Ettal (Oberbayern)

    Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    Gymnasium

    1951 - 1956 - München; Graz (Steiermark)

    Studium der Rechts- und Staatswissenschaften

    Universität

    - München

    Referendariat

    Regierung Oberbayern

    - Passau

    Volontariat (von Frey 1988 bestritten, vermutlich um geschäftliche Kontakte zu schützen)

    Passauer Neue Presse

    1958 - München

    Verlagsgründer

    Deutscher Allgemeiner Verlag, seit 1968 Druckschriften- und Zeitungsverlags GmbH (DSZ-Verlag)

    1959/60 - 2013 - München

    Herausgeber; Chefredakteur

    Deutsche Soldaten-Zeitung, seit 1963 Deutsche National-Zeitung (DNZ), seit 1999 National Zeitung (NZ)

    1960 - Graz

    Promotion (Dr. rer. pol.)

    Universität

    1971 - München

    Verlagsgründer

    FZ Freiheitlicher Zeitungsverlag

    1971 - München

    Gründer

    Deutsche Volksunion e. V.

    1975 - 1979

    Mitglied

    Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD)

    1987 - 2009 - München

    Parteigründung und Bundesvorsitz

    Deutsche Volksunion – Liste D, seit 1991 Deutsche Volksunion

    19. Februar 2013 - Gräfelfing bei München
  • Genealogie

    Vater Adalbert Frey 1889–1944 Unternehmer; Politiker (Bayerische Volkspartei); 1919–1929 Stadtrat in Cham (Oberpfalz)
    Großvater väterlicherseits Mathias Frey 1841–1920 Strickermeister; Kaufmann
    Großmutter väterlicherseits Therese Frey 1857–1931 Wirtstochter
    Mutter Fri(e)da Elsa Frey 1898–1989
    Großvater mütterlicherseits Joseph Biber Kaufmann
    Großmutter mütterlicherseits Paula Biber
    Bruder Adalbert Frey 1922–2006 Dr. oec. publ.; Unternehmer; 1997 Ehrenbürger von Cham (Oberpfalz); Träger des Bayerischen Verdienstordens
    Heirat
    Ehefrau Regine Frey Verlagsleiterin
    Kinder ein Sohn, eine Tochter, zwei weitere Kinder
    Diese Grafik wurde automatisch erzeugt und bietet nur einen Ausschnitt der Angaben zur Genealogie.

    Frey, Gerhard (1933 – 2013)

    • Vater

      Adalbert Frey

      1889–1944

      Unternehmer; Politiker (Bayerische Volkspartei); 1919–1929 Stadtrat in Cham (Oberpfalz)

      • Großvater väterlicherseits

        Mathias Frey

        1841–1920

        Strickermeister; Kaufmann

      • Großmutter väterlicherseits

        Therese Frey

        1857–1931

        Wirtstochter

    • Mutter

      Fri(e)da Elsa Frey

      1898–1989

      • Großvater mütterlicherseits

        Joseph Biber

        Kaufmann

      • Großmutter mütterlicherseits

        Paula Biber

    • Bruder

      Adalbert Frey

      1922–2006

      Dr. oec. publ.; Unternehmer; 1997 Ehrenbürger von Cham (Oberpfalz); Träger des Bayerischen Verdienstordens

    • Heirat

      • Ehefrau

        Regine Frey

        Verlagsleiterin

  • Biografie

    Nach dem Abitur in Cham (Oberpfalz) studierte Frey seit November 1951 Rechts- und Staatswissenschaften in München und wechselte im Sommer 1956 nach Graz, wo er 1960 bei dem späteren Präsidenten des österreichischen Verfassungsgerichtshofs, Erwin Melichar (1913–2000), zum Dr. rer. pol. promoviert wurde. Von Haus aus wohlhabend, nutzte Frey 1958 seinen Anteil am Familienerbe zum Aufbau des Deutschen Allgemeinen Verlags (seit 1968 Druckschriften- und Zeitungsverlags GmbH, DSZ-Verlag).

    1958 übernahm Frey die wirtschaftlich angeschlagene „Deutsche Soldaten-Zeitung“ zur Hälfte, 1960 vollständig. Unter dem Namen „Deutsche National-Zeitung“ (DNZ) baute er das Blatt seit 1963 zum rechtsradikalen Leitorgan der Bundesrepublik mit einer Auflage von über 100 000 Exemplaren bis Anfang der 1980er Jahre aus. Viele Artikel schrieb er selbst, meist ohne seinen Namen zu nennen. Frey erwarb mehrere Zeitungen, darunter die „Deutsche Wochen-Zeitung“, die 1999 mit der DNZ zur „National-Zeitung“ (NZ) verschmolz. Die Zeitungen propagierten eine Politik der nationalen Größe, polemisierten scharf gegen etablierte Parteien und positionierten sich geschichtsrevisionistisch. Ende der 1990er Jahre betrug die Auflage noch rund 50 000 Exemplare. 2019 wurde die NZ eingestellt und im Herbst 2020 der DSZ-Verlag liquidiert.

    Zur Bundestagswahl 1969 bemühte sich Frey erfolglos um eine Kandidatur für die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD). Als sich nach seinem Parteieintritt 1975 seine Hoffnung zerschlug, Teil des Bundesvorstands zu werden, verließ er 1979 die NPD und konzentrierte sein politisches Engagement auf den 1971 von ihm gegründeten Verein Deutsche Volksunion (DVU). Dieser avancierte zu einem überparteilichen Sammelbecken der radikalen Rechten in Konkurrenz zur NPD, was strategische Bündnisse jedoch nicht ausschloss.

    Ab Ende der 1960er Jahre trat Frey als scharfer Kritiker der neuen Ostpolitik Willy Brandts (1913–1992) und Egon Bahrs (1922–2015) hervor. Kampagnen zur Rehabilitierung deutscher „Kriegshelden“, bei denen u. a. mit dem Kampfpiloten Hans-Ulrich Rudel (1916–1982) geworben wurde, verschafften ihm und der DVU zusätzlich Aufmerksamkeit. Wiederholte Ausfälle gegen die westdeutsche Erinnerungskultur und Repräsentanten der Bundesrepublik brachten Frey mehrere hundert Strafanträge ein. Rechtskräftig verurteilt wurde er nicht. Den 1969 vom Bundesminister des Innern, Ernst Benda (1925–2009), unternommenen Versuch, Frey die Grundrechte zu entziehen, wies das Bundesverfassungsgericht 1974 mit der Begründung zurück, es sei nicht ausreichend deutlich gemacht geworden, warum Frey eine reale Gefahr für die Bundesrepublik darstelle.

    1987 gründete Frey die DVU als Partei und war bis 2009 deren Bundesvorsitzender. Diesen Schritt begründete er damit, dass die von Bundeskanzler Helmut Kohl (1930–2017) angekündigte „geistig-moralische Wende“ in der Bundesrepublik ausgeblieben sei. Frey trat 1989 als Spitzenkandidat der DVU zur Europawahl an, erreichte aber nur 1,6 % der Stimmen. Seit Beginn der 1990er Jahre gelangen der DVU mit ausländerfeindlichen, nationalistischen und EU-feindlichen Positionen Achtungserfolge, etwa bei der Bürgerschaftswahl in Bremen (1991) und der Landtagswahl in Schleswig-Holstein (1992). Zwar büßte die DVU in Norddeutschland rasch an Zustimmung ein, erzielte in Ostdeutschland jedoch beachtliche Erfolge. Ihr bestes Ergebnis erzielte sie 1998 bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit 12,9 %.

    Frey führte die DVU mit autoritärer Hand. Kritikern galt sie als Phantompartei, da sie vor Ort kaum Aktivität entfaltete. Die von ihm im Zuge des Partei-Niedergangs befürwortete Fusion der DVU und NPD wurde im Juli 2010 per Urabstimmung bestätigt. Obwohl in der Szene aufgrund seines geschäftlichen Hintergrunds umstritten, war Frey ein zentraler Protagonist der bundesdeutschen Rechten nach 1945. Öffentliches Aufsehen erregte die 1993 von ihm enthüllte Kooperation der DVU mit dem Staatsrechtler und CSU-Politiker Theodor Maunz (1901–1993), der anonym für die DNZ geschrieben und die DVU juristisch beraten hatte.

    Frey knüpfte internationale Kontakte u. a. zu dem britischen Historiker und Holocaust-Leugner David Irving (geb. 1938), dem Vorsitzenden der Liberaldemokratischen Partei in Russland, Wladimir Schirinowski (geb. 1946), und zu Jean-Marie Le Pen (geb. 1928) vom französischen Front National. Gleichwohl entfaltete er im eigenen Lager keine integrierende Wirkung. Einer seiner prominenten Kritiker aus dem rechten Lager war der Vorsitzende der Freiheitlichen Partei Österreichs, Jörg Haider (1950–2008), der ihm im April 1994 öffentlich politischen Egoismus vorwarf. Freundschaftliche Beziehungen entwickelten sich hingegen zu Freys ehemaligen Konkurrenten Franz Schönhuber (1923–2005), dem Vorsitzenden der Republikaner. Ein an die Presse durchgegebener „Meinungsaustausch“ über die Zusammenarbeit von DVU und REP trug 1994 zum Sturz Schönhubers bei.

    Zu den von Frey zeitweise protegierten Akteuren der radikalen Rechten zählen der Publizist und Politiker Harald Neubauer (1951–2021) sowie Karl-Heinz Hoffmann (geb. 1937), 1973 Gründer einer nach ihm benannten Wehrsportgruppe.

  • Auszeichnungen

  • Quellen

    Nachlass:

    Privatbesitz.

    Weitere Archivmaterialien:

    Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München, Nachlass Theodor Maunz (Verfassungsbeschwerde des Bundesjustizministers. Schreiben an das Bundesverfassungsgericht in Sachen Gerhard Frey 1969); Nachlass Franz Schönhuber (Korrespondenz mit Frey in verschiedenen Akten, u. a. 56, 57, 171, 178, 284).

    Bundesarchiv, Koblenz, 12-1/E (Kopien aus Polizeiakten); B 122/13277, Aktenzeichen 7001; B 136/4402, Bd. 1–2, Aktenzeichen 10215; B 106/101959, Bd. 1–10, Aktenzeichen 601 029/01 (Verfahren der Bundesregierung gegen Verleger Gerhard Frey wegen Verwirkung von Grundrechten; B 136/59027, Aktenzeichen 26000 (19) Ze 1 (VS) (Materialbeschaffung gegen den Herausgeber Gerhard Frey in der DDR durch Rechtsanwalt Winterfeld); MfS ZAIG/28733 (Informationen des Ministeriums für Staatssicherheit und Presseinformation über den rechtsextremen Druckschriften- und Zeitungsverlag GmbH und dessen Inhaber Gerhard Frey).

    Stadtarchiv München, Nachlass Theodor Maunz, DE-1992-NL-MAU-192 u. 193.

  • Werke

    Monografien:

    Die Handelsverflechtung Österreichs mit Deutschland, 1950. (Diss. rer. pol., unveröff.)

    Polens verschwiegene Schuld. Das ungesühnte Unrecht am deutschen Volk, 1990.

    Deutsche Einheit, deutsche Freiheit, 2010.

    Herausgeberschaften:

    Prominente ohne Maske. 1000 Lebensläufe bekannter Zeitgenossen, 1984.

    Prominente ohne Maske international. 1000 Lebensläufe einflussreicher Zeitgenossen aus 100 Staaten, 1989.

    Prominente ohne Maske DDR. 1000 Lebensläufe einflussreicher Zeitgenossen aus Mitteldeutschland, 1991.

    Vorsicht Fälschung. 1000 antideutsche Lügen in Bild und Text, 1991, 21992.

    Deutschlands Ausplünderung. Das deutsche Volk als Melk-Kuh der Welt, 1993.

    Deutschland wie es wirklich war. 1000 Bilder, die das Fernsehen nicht zeigt, 1994.

    Befreiung? Die Wahrheit über den 8. Mai 1945, 2004.

    Die Erpressung: Wie Deutschlands Milliarden über den Jordan gehen, 2005.

    Wer? Wann? Was? Zitate entlarven Prominente, 2008.

  • Literatur

    Monografien:

    Hermann Bott, Die Volksfeind-Ideologie. Zur Kritik rechtsradikaler Propaganda, 1969.

    Peter Dudek/Hans-Gerd Jaschke, Die Deutsche National-Zeitung. Inhalt, Geschichte, Aktionen, 1981.

    Annette Linke, Der Multimillionär Frey und die DVU. Daten, Fakten, Hintergründe, 1994.

    Uwe Backes/Patrick Morau, Die extreme Rechte in Deutschland, 1994.

    G. Hertel, Die DVU. Gefahr von Rechtsaußen, 1998.

    Cas Mudde, The Ideology of the Extreme Right, 2000, bes. S. 60–79. (Onlineressource)

    Everhard Holtmann, Die angepassten Provokateure. Aufstieg und Niedergang der rechtsextremen DVU als Protestpartei im polarisierten Parteiensystem Sachsen-Anhalts, 2002.

    Thomas Grumke/Bernd Wagner (Hg.), Handbuch Rechtsradikalismus. Personen – Organisationen – Netzwerke vom Neonazismus bis in die Mitte der Gesellschaft, 2002.

    Aufsätze und Artikel:

    Michael Stolleis, Theodor Maunz. Ein Staatsrechtslehrerleben, in: Kritische Justiz 26 (1993), 4, S. 393–396.

    Rainer Fromm, Art. „Deutsche Volksunion (DVU)“, in: ders., Am rechten Rand. Lexikon des Rechtsradikalismus, 21994, S. 47–53.

    Stefan Mayer, Biographisches Porträt: Gerhard Michael Frey, in: Jahrbuch Extremismus & Demokratie 14 (2002), S. 169–181.

    Stefan Mayer, Aufstieg und Fall einer rechtsextremistischen Partei. Die Mitgliederentwicklung der Deutschen Volksunion, in: Eckhard Jesse/Hans-Peter Niedermeier (Hg.), Politischer Extremismus und Parteien, 2007, S. 255–277.

    Barbara Distel, Art. „Frey, Gerhard“, in: Wolfgang Benz (Hg.): Handbuch des Antisemitismus. Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart, Bd. 2/1, 2009, S. 252–253.

    Lars Normann, Vorstandswechsel, Fusion und Ende der „Phantompartei“ DVU, in: Jahrbuch Extremismus & Demokratie 23 (2011), S. 165–184.

  • Onlineressourcen

  • Autor/in

    André Postert (Dresden)

  • Zitierweise

    Postert, André, „Frey, Gerhard“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2022, URL: https://www.deutsche-biographie.de/11922075X.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA