Diem, Carl
- Lebensdaten
- 1882 – 1962
- Geburtsort
- Würzburg
- Sterbeort
- Köln
- Beruf/Funktion
- Sportfunktionär ; Sportwissenschaftler ; Publizist ; Sportpädagoge
- Konfession
- römisch-katholisch
- Normdaten
- GND: 118525336 | GND-Explorer | OGND | VIAF
- Namensvarianten
-
- Diem, Carl
- Diem, C.
- Diem, Karl
Vernetzte Angebote
- Katalog des Bibliotheksverbundes Bayern (BVB)
- * Katalog der Bayerischen Staatsbibliothek München (BSB)
- Deutsche Digitale Bibliothek
- Archivportal - D
- Normdateneintrag des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes (SWB)
- Österreichischer Bibliothekenverbund (OBV)
- Gemeinsamer Verbundkatalog (GBV)
- Nordrhein-Westfälische Bibliographie (NWBib)
- * Bibliothek des Instituts für Zeitgeschichte München - Berlin
- * musiconn - Für vernetzte Musikwissenschaft
- Personen im Fachinformationsdienst Darstellende Kunst
- Index Theologicus (IxTheo)
- * Jahresberichte für deutsche Geschichte - Online
- * Internationales Quellenlexikon der Musik (RISM)
- Katalog des Bibliotheksverbundes Bayern (BVB)
- * Katalog der Bayerischen Staatsbibliothek München (BSB)
- Deutsche Digitale Bibliothek
- Archivportal - D
- Archivportal-D
- Normdateneintrag des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes (SWB)
- Österreichischer Bibliothekenverbund (OBV)
- Gemeinsamer Verbundkatalog (GBV)
- Nordrhein-Westfälische Bibliographie (NWBib)
- * Bibliothek des Instituts für Zeitgeschichte München - Berlin
- * musiconn - Für vernetzte Musikwissenschaft
- Personen im Fachinformationsdienst Darstellende Kunst
- Index Theologicus (IxTheo)
- * Jahresberichte für deutsche Geschichte - Online
- * Internationales Quellenlexikon der Musik (RISM)
Verknüpfungen
Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel
Personen in der GND - familiäre Beziehungen
Orte
Symbole auf der Karte
Geburtsort
Wirkungsort
Sterbeort
Begräbnisort
Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.
-
Diem, Carl
1882 – 1962
Sportfunktionär, Sportwissenschaftler, Publizist
Als Spiritus Rector der Deutschen Hochschule für Leibesübungen in Berlin 1920, Cheforganisator der Olympischen Spiele 1936, Leiter der Sporthochschule Köln von 1947 bis 1962 sowie Initiator von Maßnahmen zur Förderung des Breitensports prägte Carl Diem die Sportwelt des 20. Jahrhunderts über Deutschland hinaus. Diems Aktivitäten während der NS-Zeit stehen im Zentrum der bis heute andauernden „Diem-Debatte“.
Lebensdaten
Carl Diem, Imago Images (InC) -
Autor/in
→Ansgar Molzberger (Köln)
-
Zitierweise
Molzberger, Ansgar, „Diem, Carl“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118525336.html#dbocontent
Kindheit, Jugend und erste Schritte als Journalist und Sportfunktionär
Diem wuchs in Würzburg, seit 1887 in Berlin auf. Den Besuch des Friedrichs-Werderschen Gymnasiums musste er 1900 mit der Erlangung der Mittleren Reife abbrechen, nachdem der Vater die Familie verlassen hatte. Frühzeitig sportbegeistert, gründete Diem mit Freunden 1899 den Sport Club Marcomannia Berlin. Im Anschluss an eine kaufmännische Ausbildung von 1900 bis 1903 und Ableistung des Militärdiensts wurde er 1906 Schriftleiter beim Berliner Verlag Scherl. Im selben Jahr reiste er als Journalist und Mannschaftsbetreuer des deutschen Teams zu den 2. Internationalen Olympischen Spielen (Zwischenspielen) nach Athen und machte fortan sein Wirken für die Olympische Bewegung zu seiner Lebensaufgabe. Seit 1903 fungierte Diem als Schriftführer, seit 1908 als Vorsitzender der Deutschen Sportbehörde für Athletik in Berlin.
Hauptamtliche Tätigkeit im Sport und Erster Weltkrieg
1913 wurde Diem zum Generalsekretär des Organisationskomitees für die an Berlin vergebenen Olympischen Spiele 1916 bestellt. Von da an stand er in engerem Kontakt mit Pierre de Coubertin (1863–1937), der ihm bis zu seinem Lebensende freundschaftlich verbunden blieb. Der Erste Weltkrieg machte die Austragung der Olympischen Spiele 1916 jedoch unmöglich. Diem wurde im Sommer 1914 zum Kriegsdienst eingezogen, meldete sich freiwillig für den Frontdienst und wurde wenige Wochen später verwundet. Nach der Genesung folgten bis zur Entlassung aus dem Kriegsdienst im Dezember 1918 weitere Kampfeinsätze. Zwischenzeitliche Pausen vom Frontdienst und Heimaturlaube nutzte Diem, um sich dem Sport zu widmen.
Führender Sportgestalter in der Weimarer Zeit
Bereits 1917 war Diem in Berlin zum Generalsekretär des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen (DRA), dem Dachverband der bürgerlichen Turn- und Sportvereinigungen, berufen worden. Die Gründung der Deutschen Hochschule für Leibesübungen (DHfL) 1920 in Berlin als erster sportwissenschaftlicher Hochschule in Deutschland ging maßgeblich auf ihn zurück. Von 1920 bis 1933 fungierte er als DHfL-Prorektor; von 1930 bis 1933 war er zudem Lehrbeauftragter an der Universität Berlin. Diem hatte bereits in den 1910er Jahren begonnen, publizistisch Einfluss auf den deutschen Sport zu nehmen, so mit zwei Entwürfen für ein Spielplatzgesetz (1911/17) sowie Denkschriften zur Einführung einer täglichen Turnstunde (1917/26) und zu einem Reichsspielplatzgesetz (1919). Es folgten Ausarbeitungen zum Fackelstaffellauf Olympia-Berlin (1934) und zur Errichtung einer Olympischen Akademie in Griechenland (1938/48).
Tätigkeiten in der NS-Zeit und Zweiter Weltkrieg
Als Repräsentant der Weimarer Republik nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 und der Umwandlung des DRA in den Deutschen Reichsbund für Leibesübungen (seit 1938 Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen) aus seinen Ämtern entlassen, konnte Diem, der 1930 den IX. Olympischen Kongress in Berlin organisiert hatte und noch zu Weimarer Zeiten zum Generalsekretär des Organisationskomitees für die Olympischen Spiele 1936 in Berlin bestellt worden war, seine olympische Karriere dennoch fortsetzen und wurde zum Cheforganisator der „Spiele unterm Hakenkreuz“, die vom NS-Staat zur glanzvoll inszenierten Eigenwerbung genutzt wurden.
Als anerkannter Experte für die Olympische Bewegung wurde Diem nach Coubertins Tod 1937 Direktor des Internationalen Olympischen Instituts in Berlin und 1939 Generalsekretär des Organisationskomitees der kurzfristig vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) nach Garmisch-Partenkirchen verlegten Olympischen Winterspiele 1940, die kriegsbedingt ausfielen. Ebenfalls 1939 wurde er zum Kommissarischen Führer des Gaues Ausland des Nationalsozialistischen Reichsbunds für Leibesübungen ernannt. Während des Zweiten Weltkriegs führten ihn Vortragsreisen vor Soldaten an die Front. Zum Kriegsende trat Diem, obgleich altersbedingt nicht mehr verpflichtet, auf Bitten des deutschen IOC-Mitglieds und kommissarischen Reichssportführers Karl Ritter von Halt (1891–1964) einer von diesem befehligten Volkssturm-Einheit in Berlin bei, ehe er im April 1945 vom Dienst beurlaubt wurde und zu seiner Familie zurückkehrte.
Nachkriegszeit und Sporthochschule Köln
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Diem, der nicht Mitglied der NSDAP geworden war, noch 1945 als Direktor des Instituts für Körpererziehung und Schulhygiene an die Universität Berlin berufen, ehe er 1947 – trotz innerdeutschen Protesten wegen seiner Funktionen in der NS-Zeit – mit Zustimmung der britischen Alliierten als Leiter der neu gegründeten Sporthochschule Köln (seit 1965 Deutsche Sporthochschule Köln) nach Westdeutschland wechselte. Diem stand der heutigen nationalen Sportuniversität bis zu seinem Lebensende vor und entfaltete über sein Amt hinaus auch internationale Wirkung, etwa als Berater des Japanischen Olympischen Komitees für die Olympischen Spiele 1964 in Tokio und der Regierungen Islands (1954), Indiens (1955), der Südafrikanischen Union (1960) und Argentiniens (1961) in Fragen des Sports. 1951 wurden auf seine Initiative in der Bundesrepublik die Bundesjugendspiele als Nachfolger der 1920 von ihm erstmals initiierten Reichsjugendwettkämpfe eingeführt.
Würdigungen und Diem-Debatte
Diem erhielt zahlreiche Ehrungen. 1964 wurde auf der Grundlage seines umfangreichen Nachlasses das Carl-Diem-Institut (seit 1992 Carl und Liselott Diem-Archiv) als olympische Forschungsstätte der Deutschen Sporthochschule Köln gegründet. In dem 1980er Jahren löste eine Veröffentlichung des ZDF-Chefredakteurs Reinhard Appel (1927–2011) eine erneute „Diem-Debatte“ aus, die bis heute anhält. Im Mittelpunkt steht hierbei die generelle Diskussion über die an den Tag gelegte Nähe Diems zum NS-Regime, v. a. aber eine Rede, die er im Rahmen seiner Volkssturm-Zugehörigkeit und im Beisein Appels am 18. März 1945 auf dem Gelände des Berliner Reichssportfelds vor Mitgliedern der Hitler-Jugend gehalten hatte. Diem habe die Jugendlichen zum Durchhalten gegen die anrückende Rote Armee und zum Opfergang für das Vaterland aufgefordert, so die Erinnerung des Zeitzeugen.
Das öffentliche Bild von Diem ist heute zwiespältig. Wird er einerseits als geniale Leitfigur verehrt, deren Lebenswerk zum Wohle des Sports Anerkennung verdiene, so wird andererseits seine nationalistische wie militaristische Haltung kritisiert, mit der er das NS-Regime unterstützt habe. In der Folge wurden nach ihm benannte Sportstätten, Auszeichnungen und Straßen umgewidmet, besonders symbolträchtig – und gegen den Willen zahlreicher Hochschulvertreter – 2008 die Adresse der Deutschen Sporthochschule Köln. Kurz zuvor war die „Diem-Debatte“ in ein Forschungsprojekt der Deutschen Sporthochschule Köln und des Deutschen Sportbunds (seit 2006 Deutscher Olympischer Sportbund) gemündet, als dessen Abschluss der beauftragte Historiker Frank Becker (geb. 1963) seine Biografie „Den Sport gestalten. Carl Diems Leben (1882–1962)“ (4 Bde., 2009–2011) vorlegte, die aber die Diskussionen nicht beendete.
| 1921 | Dr. med. h. c., Universität Berlin |
| 1940 | Mitglied, des Deutschen Archäologischen Instituts |
| 1948 | Honorarprofessor, Universität Köln |
| 1948 | Ehrengast bei den Olympischen Spielen in London |
| 1952 | Carl-Diem-Plakette des Deutschen Sportbunds für ausgezeichnete sportwissenschaftliche Arbeiten (seit 2006 DOSB-Wissenschaftspreis) |
| 1953 | Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland (mit Stern 1962) |
| 1956 | Olympisches Diplom des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) |
| 1960 | Ehrengast bei den Olympischen Spielen in Rom |
| 1961 | Dr. h. c., George-Williams-College Chicago |
| 1961 | Ehrenbürger von Olympia |
| 1961 | Orden des Heiligen Schatzes 2. Klasse, Japan |
| 1963 | Carl-Diem-Schild des Deutschen Leichtathletik-Verbands (seit 2001 DLV-Ehrenschild) |
| 1963 | Carl-Diem-Weg, Köln (seit 2008 Am Sportpark Müngersdorf) |
| 1964 | Carl-Diem-Institut (seit 1992 Carl und Liselott Diem-Archiv) (weiterführende Informationen) |
| nach 1964 | Benennung zahlreicher Sportstätten und Straßen nach Diem |
Nachlass:
Carl und Liselott Diem-Archiv, Deutsche Sporthochschule Köln. (Veröffentlichungen, Reden, Vorträge, Korrespondenz, Sachakten, Fotografien)
Weitere Archivmaterialien:
Historisches Archiv der Stadt Köln. (Tagebücher 1905–1962, Urkunden, Orden, Kunstwerke)
Friede zwischen Turnen und Sport, 1914.
Die Deutsche Hochschule für Leibesübungen, 1924.
Persönlichkeit und Körpererziehung. Zur Persönlichkeits-Forschung des Turn- und Sportlehrers, 1924.
Die Anlage von Spiel- und Sportplätzen, 1926.
Asiatische Reiterspiele. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte der Völker, 1941.
Olympische Flamme. Das Buch vom Sport, 3 Bde., 1942.
Körpererziehung bei Goethe. Ein Quellenwerk zur Geschichte des Sports, 1948.
Wesen und Lehre des Sports, 1949.
Lord Byron als Sportsmann, 1950.
Alexander der Große als Sportsmann, 1957.
Poesie des Sports, 1957. (Hg.)
Weltgeschichte des Sports und der Leibesübungen, 1960.
Carl-Diem-Institut (Hg.), Ein Leben für den Sport. Erinnerungen aus dem Nachlaß, 1974.
Bibliografie:
Carl-Diem-Institut (Hg.), Bibliographie Carl Diem, 1968.
Wolfgang Buss/Franz Nitsch, Am Anfang war nicht Carl Diem. Die Gründungsphase der Sporthochschule Köln 1945–1947, 1986.
Lorenz Peiffer/Giselher Spitzer/Hans Joachim Teichler (Hg.), Mythos Carl Diem, 1987.
Andreas Höfer, Carl Diem. Ein Leben für den Sport, in: Manfred Lämmer (Hg. im Auftrag des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland), Deutschland in der Olympischen Bewegung. Eine Zwischenbilanz, 1999, S. 261–265.
Achim Laude/Wolfgang Bausch, Der Sport-Führer. Die Legende um Carl Diem, 2000.
Ralf Schäfer, Nationalismus, Militarismus, Antisemitismus. Carl Diem und die Politisierung des bürgerlichen Sports im Kaiserreich, 2009.
Erik Eggers, Carl Diem, Sportpionier oder Nazi?, in: Zeit online v. 4.2.2012. (Onlineressource)
Ralf Schäfer, Carl Diem und der deutsche Sport in der Ambivalenz der Moderne, in: L.I.S.A. Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung v. 17.9.2012. (P) (Onlineressource)
Frank Becker, Den Sport gestalten. Carl Diems Leben (1882–1962), 4 Bde., 2009–2011, 22013.
Dietrich R. Quanz, Mythos Durchhalterede. Die Rede von Carl Diem am 18. März 1945 in der Biographie von Frank Becker. Erweiterter Vortrag, gehalten am 19. April 2011 vor den Mitgliedern des Fördervereins Carl und Liselott Diem-Archiv e. V., 2011.
Ansgar Molzberger/Stephan Wassong/Daniel Quanz/Ralf Sühl, 100 Jahre Sporthochschule. 1920–2020. Deutsche Hochschule für Leibesübungen, Sporthochschule Köln, Deutsche Sporthochschule Köln, 2020.
Belletristisches:
Hugo von Waldeyer-Hartz, Sportmädel, 1926. (an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen angesiedelter Roman)
Carl und Liselott Diem-Archiv, Köln.
Björn Thomann, Carl Diem. Sportfunktionär (1882–1962), in: Portal Rheinische Geschichte. (P)
Anne Sebastian, Carl Diem (1882–1962), in: Bundesministerium des Innern. (P)
Carl Diem und der olympische Gedanke, in: SWR v. 16.11.1956. (Interview mit Diem)
Ariane Hoffmann, Carl Diem. Sportfunktionär mit NS-Vergangenheit, in: WDR ZeitZeichen v. 17.12.2012. (P)
Zeichnung v. Emil Stumpp (1886–1941), 1930, Deutsches Historisches Museum, Berlin.
Büste v. Jean Sprenger (1912–1980), o. J., Deutsche Sporthochschule Köln.
Bronzerelief v. Hans Karl Burgeff (1928–2005), 1964/65, Olympiastadion Berlin, Marathontor, u. Deutsche Sporthochschule Köln.