Arendsee, Martha

Lebensdaten
1885 – 1953
Geburtsort
Berlin-Wedding
Sterbeort
Berlin-Ost
Beruf/Funktion
Politikerin ; Journalistin ; Gewerkschafterin ; Feministin
Konfession
spätestens seit 1919 konfessionslos
Normdaten
GND: 10461840X | GND-Explorer | OGND | VIAF
Namensvarianten

  • Arendsee, Hulda Martha
  • Alexandra Bukina / Pseudonym (1934–1936)
  • Arendsee, Martha
  • Arendsee, Hulda Martha
  • Alexandra Bukina / Pseudonym (1934–1936)
  • alexandra bukina / pseudonym

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Zitierweise

Arendsee, Martha, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd10461840X.html#indexcontent [08.07.2026].

CC0

  • Arendsee, Hulda Martha

    Pseudonym: Alexandra Bukina (1934–1936)

    1885 – 1953

    Martha Arendsee war während der Weimarer Republik eine führende Sozialpolitikerin der KPD und verantwortliche Redakteurin der Parteizeitschrift „Die Kommunistin“. Seit 1934 im sowjetischen Exil, war sie 1943 als einzige Frau Mitgründerin des Nationalkomitees Freies Deutschland und gehörte 1946/47 kurzzeitig dem SED-Parteivorstand an.

    Lebensdaten

    Geboren am 29. März 1885 in Berlin-Wedding
    Gestorben am 22. Mai 1953 in Berlin-Ost
    Grabstätte Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Gedenkstätte der Sozialisten) in Berlin
    Konfession spätestens seit 1919 konfessionslos
    Martha Arendsee, Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek(InC)
    Martha Arendsee, Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek(InC)
  • 29. März 1885 - Berlin-Wedding

    ca. 1890 - ca. 1898 - Berlin

    Schulbesuch

    Volksschule

    1898 - 1901 - Berlin

    Lehre als kaufmännische Angestellte

    Wäschefabrik

    1901 - 1910 - Berlin

    u. a. Kontoristin; seit 1903 Krawattennäherin in Heimarbeit

    1906 - 1908 - Tegel (heute Berlin)

    Mitglied (1907/08 Vorsitzende)

    Frauen- und Mädchenbildungsverein

    1906 - April 1917 - Berlin

    Mitglied (seit 1908 offiziell); Mitglied des Zentralen Jugendausschusses

    SPD

    1906 - 1916 - Berlin

    Vertreterin der Frauen

    Zentralvorstand der SPD

    1906 - 1916 - Niederbarnim bei Berlin

    Mitglied des Kreisvorstands; Leiterin der Frauenarbeit

    SPD-Unterbezirk

    Februar 1907 - 1908 - Borsigwalde (heute Berlin)

    Vorsitzende

    Frauen- und Mädchenbildungsverein

    seit 1908 - Tegel (heute Berlin)

    Zweite Vorsitzende

    Sozialdemokratischer Wahlverein

    1910 - 1919 - Berlin

    Buchhalterin; seit 1913 Lohnbuchhalterin

    Konsumgenossenschaft

    1917 - 1919 - Berlin

    Bezirksvorsitzende

    Zentralverband der Handlungsgehilfen

    April 1917 - 1919 - Berlin-Wedding

    Mitglied; Bezirksvorsitzende, verantwortlich für Frauenagitation

    Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD)

    1919 - 1920 - Berlin

    Redakteurin

    Die Kämpferin (USPD-Wochenzeitung)

    1919 - 1921 - Berlin

    Abgeordnete der USPD; seit Dezember 1920 der KPD

    verfassunggebende preußische Landesversammlung

    1920 - 1922 - Berlin

    Mitarbeiterin

    Frauenreichssekretariat der KPD

    1921 - 1924 - Berlin

    Abgeordnete der KPD

    Preußischer Landtag

    1924 - 1933 - Berlin

    Chefredakteurin

    Die Kommunistin (KPD-Frauenzeitschrift)

    1924 - 1930 - Berlin

    Abgeordnete der KPD

    Reichstag

    1924 - Oktober 1935 - Berlin; seit März 1934 Moskau

    Mitarbeiterin im Reichsvorstand; seit 1931 Sekretärin für Sozialpolitik und Mitglied des Zentralkomitees; seit Mai 1934 Abteilungsleiterin für Sozialpolitik

    Internationale Arbeiterhilfe

    1927/28 - 1931 - Berlin

    Reichssekretärin

    Arbeitsgemeinschaft sozialpolitischer Organisationen

    1927/28 - 1931 - Berlin

    Redakteurin

    Proletarische Sozialpolitik (Monatsschrift)

    April 1933 - September 1933 - Berlin (Barnimstraße)

    „Schutzhaft“

    Frauengefängnis

    März 1934 - Moskau

    Emigration auf Beschluss des KPD-Zentralkomitees

    November 1935 - Mai 1936 - Moskau

    Referentin für Sozialpolitik

    Sozialwirtschaftliche Abteilung der Roten Gewerkschafts-Internationale

    1941 - 1945 - Moskau

    Redakteurin

    u. a. Radio Moskau; Deutscher Volkssender

    Dezember 1942

    Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft

    Juli 1943 - Moskau

    Mitgründerin; einziges weibliches Mitglied

    Nationalkomitee Freies Deutschland

    Juni 1945 - April 1946 - Berlin

    Mitglied des Zentralkomitees

    KPD

    seit August 1945 - Berlin

    Mitgründerin; Vorsitzende

    Berliner Frauenausschuss

    Sommer 1945 - Oktober 1948 - Groß-Berlin

    Leiterin der Abteilung Sozialpolitik

    Landesvorstand des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds (FDGB)

    seit 1945 - 1950 - Berlin

    Mitglied des Vorstands

    Versicherungsanstalt Berlin

    April 1946 - September 1947 - Berlin

    Mitglied des Parteivorstands

    SED

    1948 - 1950 - Berlin

    Mitglied des Bundesvorstands

    FDGB

    Februar 1949 - 1950 - Berlin-Ost

    Vorsitzende

    (Sozial-) Versicherungsanstalt Berlin (Ost)

    1950 - 1953 - Berlin-Ost

    Dozentin; Publizistin

    22. Mai 1953 - Berlin-Ost

    Nach dem Besuch einer Berliner Volksschule und einer Ausbildung zur kaufmännischen Angestellten war Arendsee von 1901 bis 1903 u. a. als Kontoristin und danach bis 1910 in Heimarbeit als Krawattennäherin tätig. Anschließend arbeitete sie als Buchhalterin bei der Konsumgenossenschaft Tegel und Umgebung und seit 1913 als Lohnbuchhalterin bei der Berliner Konsumgenossenschaft (1917/18 Vorsitzende des Angestelltenrats). Seit 1908 offiziell Mitglied der SPD, fungierte sie bis 1916 u. a. als Frauenvertreterin im Vorstand der Berliner SPD und als Leiterin der SPD-Frauenarbeit im Kreis Niederbarnim.

    Nach Beginn des Ersten Weltkriegs engagierte sich Arendsee pazifistisch und kritisierte in mehreren mit Otto Gäbel (1885–1953) und Paul Schwenk (1880–1960) herausgegebenen Schriften die Burgfriedenspolitik ihrer Partei. Im März 1915 begleitete sie Clara Zetkin (1857–1933) als Berichterstatterin zur Internationalen Frauenkonferenz in Bern, was im Mai 1915 eine kurzzeitige Inhaftierung in Berlin aufgrund illegaler Antikriegsaktivitäten zur Folge hatte. Im April 1917 trat Arendsee zur Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) über, die sie 1919/20 in der verfassungsgebenden preußischen Landesversammlung vertrat und deren illustrierte Wochenzeitung „Die Kämpferin“ sie redigierte. Zugleich engagierte sie sich gewerkschaftlich, u. a. im Zentralverband der Handlungsgehilfen (1917–1919 Bezirksvorsitzende in Berlin-Wedding) und im Verband der Versicherungsangestellten (1915 Mitglied der Bezirksleitung Berlin-Wedding).

    Seit Dezember 1920 Mitglied der KPD, verantwortete Arendsee bis 1922 die Frauenpropaganda in der Bezirksleitung Berlin-Brandenburg und war von 1921 bis 1924 Abgeordnete im Preußischen Landtag, danach bis 1930 im Reichstag. Hier profilierte sie sich u. a. durch ihre Arbeit im Ausschuss für soziale Angelegenheiten als maßgebliche Sozialpolitikerin ihrer Partei. Von 1924 bis 1933 war Arendsee zudem Chefredakteurin der KPD-Frauenzeitschrift „Die Kommunistin“ sowie seit 1927 Redakteurin der Zeitschrift „Proletarische Sozialpolitik“. Seit 1924 arbeitete sie in der von Willi Münzenberg (1889–1940) geführten Hilfsorganisation Internationale Arbeiterhilfe (IAH) als Sekretärin für Sozialpolitik, seit 1931 als Mitglied des Zentralkomitees.

    Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Arendsee von April bis September 1933 in „Schutzhaft“ genommen und stand danach unter Polizeiaufsicht. Im März 1934 emigrierte sie mit ihrem Lebensgefährten Paul Schwenk (1880–1960) nach Moskau, wo sie bis Oktober 1935 erneut für die IAH und anschließend bis Mai 1936 für die Rote Gewerkschafts-Internationale (Profintern) tätig war, ehe sie im Rahmen der stalinistischen „Säuberungen“ ihre Anstellung verlor. In der Folgezeit veröffentlichte sie sozialpolitische Artikel in deutschsprachigen Exilzeitungen und arbeitete von 1941 bis 1945, u. a. als Redakteurin von Radio Moskau, für die sowjetische Kriegspropaganda.

    Im Juli 1943 war Arendsee als einzige Frau Mitgründerin des von Erich Weinert (1890–1953) geführten Nationalkomitees Freies Deutschland, das die Rote Armee im Kampf gegen das NS-Regime unterstützte. Im Juni 1945 kehrte sie mit einer Gruppe um Walter Ulbricht (1893–1973) nach Berlin zurück, gehörte bis April 1946 dem Zentralkomitee der KPD an und wurde anschließend bis September 1947 im SED-Parteivorstand mit der Frauenarbeit betraut. Daneben setzte sie – u. a. als Leiterin der Abteilung Sozialpolitik im Landesvorstand des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds Groß-Berlin – ihr gewerkschaftliches Engagement fort und hatte als Vorsitzende der (Sozial-)Versicherungsanstalt Berlin (Ost) 1949/50 großen Anteil am Aufbau der Sozialversicherung in der Sowjetischen Besatzungszone und DDR, ehe sie 1950 aus gesundheitlichen Gründen von allen Ämtern zurücktrat.

    1901 Mitglied des Arbeitersportvereins „Fichte“
    1906 Mitglied des Frauen- und Mädchenbildungsvereins Tegel (1907/08 Vorsitzende)
    1907 Mitglied des Berufsverbands der Wäschearbeiter bzw. der Schneider
    1910 Mitglied des freigewerkschaftlichen Zentralverbands der Handlungsgehilfen (1917–1919 Bezirksvorsitzende)
    1919 Mitglied des Zentralverbands der Angestellten
    1945 Mitgründerin und Vorsitzende des parteiübergreifenden Berliner Frauenausschusses
    1945 Vorstandsmitglied des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds, Groß-Berlin
    1975 10-Pfennig-Briefmarke der Deutschen Post (DDR) (Onlineressource)
    um 1975 Polytechnische Oberschule Martha Arendsee, Berlin-Ost
    um 1975 Seniorenheim Martha Arendsee, Berlin-Ost
    1978 Martha-Arendsee-Straße, Berlin-Ost
    2006 Fotografie zur Erinnerung an die im Nationalsozialismus verfolgten Berliner Stadtverordneten und Magistratsmitglieder, Abgeordnetenhaus, Berlin

    Nachlass:

    Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, NY 4017. (Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR) (weiterführende Informationen)

    Weitere Archivmaterialien:

    Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, TONY 1/2865 u. 1/1686 (Tondokumentensammlung der SED, u. a. Rede v. Arendsee zur Reichstagswahl 1928); R 15011 501/20 680 (Jahrgang 1932 der Zeitschrift „Proletarische Sexualpolitik“, umfasst u. a. Artikel von Arendsee)

    Monografien:

    Der Vater Staat und die arbeitenden Frauen, 1924.

    Sozialversicherung. Krankenkassen-, Invaliden- und Angestelltenversicherung, 1924.

    Sozialpolitik in Deutschland. Vortrag auf der Dritten Landeskonferenz der Internationalen Arbeiterhilfe Bezirk Berlin-Brandenburg, 1926.

    Kampfruf an die Arbeiterfrauen. Zum internationalen Frauentag, 1926.

    Kinder hungern! Kinder sterben! Wir klagen an!, 1932.

    Martha Arendsee/Ernst Fischer/Erich Weinert, The National Comitee „Free Germany“ Speaks, 1944.

    Martha Arendsee/Hilde Benjamin, Über Sozialpolitik, 1946.

    Soziale Sicherung, 1950.

    Aufsätze und Artikel:

    Jugendwohlfahrt und Jugendämter, in: Proletarische Sozialpolitik 1 (1928), S. 13–17.

    Die Aufgaben der „Arso“ auf den Gebieten des Wohlfahrts- und Fürsorgewesens, in: Proletarische Sozialpolitik. Organ der Arbeitsgemeinschaft Sozialpolitische Organisationen 3 (1930), S. 170–175.

    Ein Vorkämpfer für die Befreiung der Frauen, in: Wilhelm Pieck, dem Vorkämpfer für ein neues Deutschland zum 70. Geburtstag, 1946, S. 91–99.

    Auguste Zörner, Martha Arendsee, in: Guste Zörner (Hg.), Sie kämpften auch für uns, 1967, S. 59–66.

    Elfriede Fölster, Martha Arendsee (1885–1953), in: Karl-Heinz Leidigkeit (Red.), Kommunisten im Reichstag. Reden und biographische Skizzen, 1980, S. 387–394.

    Hans-Jürgen Arendt, Zur Frauenpolitik der KPD und zur Rolle der Frauen in der kommunistischen Bewegung in Deutschland, in: Ernest Bornemann (Hg.), Arbeiterbewegung und Feminismus, 1982, S. 45–52.

    Christl Wickert, Unsere Erwählten. Sozialdemokratische Frauen im Deutschen Reichstag und im Preußischen Landtag 1919–1933, 1986.

    Heide-Marie Lauterer, Parlamentarierinnen in Deutschland 1918/19–1949, 2002, bes. S. 335–338.

    N. N., Art. „Arendsee, Martha“, in: Christine Fischer-Defoy (Red.), Vor die Tür gesetzt. Im Nationalsozialismus verfolgte Berliner Stadtverordnete und Magistratsmitglieder 1933–1945, 2006, S. 141 f.

    Sigrid Koch-Baumgarten, Arendsee, Martha (1885–1953). Doppelte Diskriminierungserfahrung und Berufsaufstieg in der Arbeiterbewegung, in: Siegfried Mielke (Hg.), Gewerkschafterinnen im NS-Staat, Bd. 1, 2008, S. 33–49.

    Barbara von Hindenburg, Art. „Arendsee, Martha“, in: dies. (Hg.), Biographisches Handbuch der Abgeordneten des Preußischen Landtags. Verfassunggebende Preußische Landesversammlung und Preußischer Landtag 1919–1933, 2017, S. 77–81.

    N. N., Art. „Arendsee, Hulda Martha“, in: Eckhard Hansen/Florian Tennstedt (Hg.), Biographisches Lexikon zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1871 bis 1945, Bd. 2, 2018, S. 2–4. (Onlineressource)

    Grit Bühler, Eigenmächtig, frauenbewegt, ausgebremst. Der Demokratische Frauenbund Deutschlands und seine Gründerinnen (1945–1949), 2022.

    Fotografie, ca. 1924, Abbildung in: Reichstags-Handbuch. III. Wahlperiode 1924, hg. v. Bureau des Reichstags, 1925, S. 484. (Onlineressource)

    Fotografie, ca. 1928, Abbildung in: Reichstags-Handbuch. IV. Wahlperiode 1928, hg. v. Bureau des Reichstags, 1928, S. 527. (Onlineressource)

    vier Fotografien v. Abraham Pisarek (1901–1983), ca. 1950, Deutsche Fotothek. (Onlineressource)

  • Autor/in

    Laura Baumgarten (Kassel) unter Mitarbeit von Tamara Block (Kassel)

  • Zitierweise

    Baumgarten, Laura, „Arendsee, Martha“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd10461840X.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA