Lebensdaten
1890 bis 1982
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
Marburg/Lahn
Beruf/Funktion
Rassenhygieniker ; Bakteriologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116142898 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pfannenstiel, Wilhelm Hermann
  • Pfannenstiel, Wilhelm Hermann

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Zitierweise

Pfannenstiel, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd116142898.html [26.09.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes (s. 1); M Elisabeth Behlendorff; Darmstadt 1925 Hildegard, T d. Heinrich Gennes u. d. Johanna Heyne; 3 S, u. a. Peter (* 1934), Prof. f. Innere Med. in Mainz, 1 T (früh †).

  • Leben

    Nach dem Abitur 1908 in Gießen studierte P. Medizin in Oxford, Heidelberg und München, wo er 1914 promoviert wurde. Es folgten Assistentenjahre an verschiedenen Instituten in Frankfurt/M., Heidelberg und Münster, wo er sich 1927 für Hygiene und Bakteriologie habilitierte und zum Privatdozenten ernannt wurde. 1931 wurde P. als o. Professor und Leiter des Hygiene-Instituts und des angeschlossenen Medizinaluntersuchungsamtes nach Marburg berufen; dieses Amt hatte er bis 1945 inne. Seit 1937 war P. in Marburg zudem Lehrbeauftragter für Luftfahrtmedizin. 1934 lehnte er einen Ruf an die Univ. Ankara ab.

    P. arbeitete über allgemeine und Sozialhygiene, Bakteriologie und Serologie, Mikrobiologie sowie über die Rolle der Vitamine bei Infektionskrankheiten, besonders der Tuberkulose. Er publizierte ferner über Serumbakterizide, Tuberkel- und Diphtheriebazillen, Luftfahrtmedizin, Bäder- und Klimaheilkunde sowie über Hygiene bei der Schädlingsbekämpfung. Bekannt wurde P. jedoch v. a. durch seine Schriften zur Rassenhygiene und seine Tätigkeit als Arzt des SS-Oberabschnitts Fulda-Werra sowie als beratender Hygieniker der Waffen-SS (seit 1941 Obersturmbannführer). Daneben war er seit 1940 als einer der vier beratenden Fachärzte der „Stiftung Lebensborn“ zuständig für die Überwachung der Hygienemaßnahmen in den „Lebensborn“-Heimen. Als SS-Arzt wurde P. seit 1940 von seinen Dienstgeschäften in Marburg beurlaubt und als Sanitätsinspekteur nach Berlin abkommandiert. Zu seinen Aufgaben gehörte auch die Inspektion von Konzentrations- und Vernichtungslagern in den besetzten Ostgebieten. Als Lehrbeauftragter für Luftfahrtmedizin trat P. während des Krieges für die kriegstechnische Nutzbarmachung dieses Faches ein und befürwortete entsprechende Menschenversuche (häufig tödlich verlaufende Kälte- u. Unterdruckexperimente), ohne allerdings an deren Planung und Duchführung maßgeblich beteiligt zu sein. Die Amerikaner internierten P. nach Kriegsende bis 1950. Danach ohne Anstellung, bezeichnete er sich als „freier Wissenschaftler“.

    P. vertrat bereits vor 1933 einen explizit rassenhygienischen Standpunkt. 1931 hielt er|in Marburg eine vielbeachtete Vorlesung zur Rassen- und Fortpflanzungshygiene. 1933 gründete er in Marburg eine Ortsgruppe der „Deutschen Gesellschaft für Rassenhygiene“. Seine 1934 formulierten rassenhygienischen Ziele, die Verminderung der „überschießenden Fruchtbarkeit“, die „Auslese der Hochwertigen“ sowie die „Ausmerzung der Minderwertigen durch Ausschaltung der Fortpflanzung“ versuchte er bis 1945 konsequent zu verwirklichen. So beobachtete er während einer Inspektionsreise in das Vernichtungslager Belzec im August 1942 mit Genugtuung die „Ausmerze fremdrassiger Ostjuden“, d. h. die Ermordung von 700 bis 800 Menschen in der Gaskammer. In den Nachkriegsausgaben von „Kürschners Deutschem Gelehrten-Kalender“ und anderen Wissenschaftlerverzeichnissen finden sich keine Hinweise auf P.s Tätigkeit als SS-Arzt und führenden Rassenhygieniker.

  • Werke

    u. a. Btrr. zu d. histolog. Befunden an Skleralnarben nach Glaukomoperationen mit Berücks. ihrer Filtrationsfähigkeit, 1914 (Diss.); Von Erblichkeit, Eugenik u. Bevölkerungspol., Rassenhygien. Betrachtungen d. Frage d. Knabengeburtenüberschusses u. d. willkürl. Geschl.beeinflussung beim Menschen, in: Münchner Med. Wschr. 78, 1931, S. 446 f.; Die tierexperimentellen Grundlagen d. Behandlung v. Typhus- u. Paratyphusbazillenausscheidern, 1931 (mit K. W. Jötten, P. Krause u. G. Roesler); Bevölkerungspol. Entwicklung u. Rassenhygiene im nat.sozialist. Staat, in: Vergangenheit u. Gegenwart 24, 1934, S. 95-109; Der Aufgabenkreis d. hygien. Institute in d. Volksgesundheitspflege, in: Der off. Gesundheitsdienst 1935, H. 1, S. 313-23; Die Sicherstellung d. Ernährung d. Dt. Volkes im Vierj.plan, in: Der öff. Gesundheitsdienst im Dt. Reich 22, 1939, S. 913-16; Der moderne Krieg als Lehrmeister d. Hygiene, 1944; Die Verpflichtung d. dt. Gesundheitswiss. im Kriege, in: Ziel u. Weg 1944, H. 5, S. 94-100.

  • Literatur

    Cat. professorum academiae Marburgensis, Die akad. Lehrer d. Philipps-Univ. Marburg, II, S. 338; H. H. Lauer, Die Med. in Marburg während d. Zeit d. NS, in: „Bis endlich d. langersehnte Umschwung kam …“, Von d. Verantwortung d. Med. unter d. NS, hg. v. d. Fachschaft Med. d. Philipps-Univ. Marburg 1991, S. 147-77 (L); E. Krähwinkel, Formen d. Umsetzung d. „Gesetzes z. Verhütung erbkranken Nachwuchses“ an d. Marburger Med. Fak., in: Med.-hist. Journal 34, 1999, S. 159-209; Fischer; Kürschner, Gel.-Kal. 1940/41-1980. |

  • Quellen

    Qu StA Marburg (Bestand 307c, Acc. 1969/33, Nr. 174, 273; Bestand 310, Acc. 1992/55, Nr. 6370, Bd. 2, Personalakten Pfannenstiel); Hess. HStA Wiesbaden (Best. 520/Ma-St. 1537/48 Pfannenstiel).

  • Autor

    Werner E. Gerabek
  • Empfohlene Zitierweise

    Gerabek, Werner E., "Pfannenstiel, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 298 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd116142898.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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