Brost, Erich
- Lebensdaten
- 1903 – 1995
- Geburtsort
- Elbing (Westpreußen, heute Elbląg, Polen)
- Sterbeort
- Essen
- Beruf/Funktion
- Journalist ; Verleger ; Politiker ; Sozialdemokrat ; Stifter
- Konfession
- evangelisch-lutherisch
- Normdaten
- GND: 119454017 | OGND | VIAF: 59894558
- Namensvarianten
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- Brost, Erich Eduard
- Brost, Erich
- Brost, Erich Eduard
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Brost, Erich Eduard
1903 – 1995
Journalist, Verleger, Politiker
Erich Brost war bis zu seiner Ausbürgerung 1936 ein führender Sozialdemokrat und Journalist in der Freien Stadt Danzig (heute Gdańsk, Polen). Nach dem Zweiten Weltkrieg formte er von 1948 bis zu seinem Tod als Chefredakteur, Herausgeber und Verleger die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ zu einer der größten Regionalzeitungen der Bundesrepublik mit identitätsstiftender Wirkung für das Ruhrgebiet.
Lebensdaten
Erich Brost, Imago Images (InC) -
Autor/in
→Peter Oliver Loew (Darmstadt)
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Zitierweise
Loew, Peter Oliver, „Brost, Erich“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.01.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd119454017.html#dbocontent
Politische Prägung und journalistische Karriere in Danzig bis 1936
Brost wuchs in Elbing (Westpreußen, heute Elbląg, Polen), Memel (heute Klaipėda, Litauen) und seit 1915 in Danzig (heute Gdańsk, Polen) auf, wo er seit 1918 die Oberrealschule zu St. Petri und Pauli besuchte und 1920 mit dem Einjährigen-Examen abschloss. Politisch von seinem gewerkschaftlich aktiven Vater beeinflusst, trat er 1918 der Sozialistischen Arbeiter-Jugend bei. In dieser Zeit lernte er den späteren SPD-Vorsitzenden Erich Ollenhauer (1901–1963) kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband.
Nach einer Buchhändlerlehre entschloss sich Brost 1924 unter dem Einfluss des führenden Danziger Sozialdemokraten Julius Gehl (1869–1939) zu einem Volontariat bei der SPD-Tageszeitung „Danziger Volksstimme“, die mit einer Auflage von 15 000 bis 20 000 Exemplaren zu den einflussreichsten Blättern der Stadt gehörte. Unter den Chefredakteuren Ernst Loops (1891–1974) und Fritz Weber (1894–1944), der ihn journalistisch besonders prägte, gehörte Brost bis 1936 der Redaktion der „Volksstimme“ an, die sich nach der nationalsozialistischen Machtübernahme zum wichtigsten Sprachrohr der demokratischen Opposition der Stadt entwickelte. Brost arbeitete in der Redaktion u. a. mit Erich Dombrowski (1882–1972) zusammen, kommentierte als Berichterstatter für den Volkstag, das Parlament der Freien Stadt, die politischen Auseinandersetzungen und leitete seit 1933 die politische Redaktion der Zeitung.
Brost wurde 1933 in den neunköpfigen Vorstand der Danziger SPD berufen und bei den letzten Volkstagswahlen im April 1935 zum Abgeordneten gewählt. Unterstützt von dem Hochkommissar des Völkerbunds, Seán Lester (1888–1959), unternahm Brost 1936 Reisen u. a. nach Warschau, Wien, Brüssel, Kopenhagen, London und Paris, wobei er Vertreter der ausländischen Presse und Politik auf die zunehmende Einschränkung politischer Freiheit in Danzig aufmerksam machte.
Exil (1936–1945)
Wenige Tage vor der Auflösung der Danziger SPD durch die Nationalsozialisten am 14. Oktober 1936 floh Brost nach Polen und vertrat von Warschau aus die Interessen der Danziger Opposition. Zugleich nutzte er sein Netzwerk in sozialdemokratischen Exilkreisen, korrespondierte u. a. mit Paul Hertz (1888–1961), Ollenhauer sowie Hermann Rauschning (1887–1982) und verfasste zahlreiche Artikel für den „Neuen Vorwärts“, das Organ der Exil-SPD. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs floh Brost mit seiner Frau über Litauen, Estland und Finnland nach Schweden. In Stockholm und Uppsala lebend, wurde er von der schwedischen Gewerkschaftsbewegung unterstützt, baute neue Kontakte u. a. zu Bruno Kreisky (1911–1990) auf und schrieb für die deutsche Exilpresse sowie schwedische Zeitungen.
Seit Anfang 1940 befand sich Brost aufgrund seiner politischen Betätigung für drei Monate in Untersuchungshaft und wurde von Juli 1940 bis Sommer 1941 nach Finnland ausgewiesen, ehe ihm im Dezember 1942 – mit Unterstützung Ollenhauers und der polnischen Exilregierung – die Übersiedlung mit seiner Ehefrau nach London gelang. Hier trat er auf Vermittlung u. a. des Journalisten Sefton Delmer (1904–1979) in die deutschsprachige Sektion der BBC ein und verfasste Rundfunkmanuskripte für die britische Kriegspropaganda gegen das NS-Regime.
Verleger und Chefredakteur der „Westdeutschen Allgemeine Zeitung“
Im Juni 1945 reiste Brost als britischer Ziviloffizier nach Deutschland, trat in die Redaktion des „Kölnischen Kuriers“, einem Blatt der US-amerikanischen Besatzungsmacht, ein und schrieb zugleich für die „Essener Ruhrzeitung“. Im Juli 1946 übernahm er die Chefredaktion der sozialdemokratisch orientierten „Neuen Ruhr Zeitung“ des Verlegers Dietrich Oppenberg (1917–2000) in Essen und wirkte von Februar bis Ende 1947 als Verbindungsmann des SPD-Vorstands im Alliierten Kontrollrat in Berlin, wo er u. a. Ernst Reuter (1889–1953) und Willy Brandt (1913–1992) kennenlernte.
Nachdem er Brandt als seinen Nachfolger vorgeschlagen hatte, gründete Brost Anfang 1948 mit Jakob Funke (1901–1975) die überparteiliche „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ), die am 3. April 1948 mit einer Auflage von 253 000 Exemplaren erstmals erschien. Unterstützt von seinen Mitarbeitern, u. a. Siegfried Maruhn (1923–2011), formte Brost die WAZ als Chefredakteur zur größten Regionalzeitung der Bundesrepublik. Brost, dessen Denken von sozialdemokratischen Grundidealen und einem liberalen Wirtschaftsverständnis getragen war und der enge Verbindungen zu Bonner Spitzenpolitikern pflegte, hatte 1966 als Netzwerker und Brückenbauer zwischen SPD und CDU bedeutenden Anteil am Zustandekommen der Großen Koalition unter Kurt Georg Kiesinger (1904–1988). Außenpolitisch unterstützte die WAZ unter Brosts Führung vehement die von Brandt und Egon Bahr (1922–2015) geprägte Neue Ostpolitik.
Im Dezember 1970 zog sich Brost als Chefredakteur zurück und konzentrierte sich in der Folgezeit mit Erfolg auf die unternehmerische Leitung der Zeitung. Er veranlasste die Übernahme mehrerer Konkurrenzblätter, darunter die „Westfälische Rundschau“ und die „Westfalenpost“, unter dem Dach der Zeitungsgruppe WAZ (später WAZ-Mediengruppe, heute Funke Mediengruppe), beließ den einzelnen Redaktionen jedoch ihre Eigenständigkeit.
| 1963 | Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1978 mit Stern, 1983 mit Schulterband) |
| 1986 | Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen |
| 1994 | Erich-Brost-Stiftung in der Friedrich-Ebert-Stiftung |
| 1996 | Gedenktafel, Gdańsk (Polen), Kramarska 7 (früher Danzig, Große Krämergasse) (Onlineressource) |
| 1996 | Erich und Anneliese Brost-Stiftung, Essen |
| 1998 | Erich-Brost-Berufskolleg, Essen |
| 2006 | Erich-Brost-Pavillon auf dem Dach der ehemaligen Kohlenwäsche des Weltkulturerbes Zeche Zollverein |
| Erich Brost University Lecturership in German and European Union Law, Institute of European and Comparative Law, University Oxford (Großbritannien) | |
| Gedenktafel im Archäologisch-Historischen Museum, Elbląg (Polen) |
Nachlass:
Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn, 1/EBAI. (weiterführende Informationen)
Weitere Archivmaterialien:
Universitätsbibliothek Basel, NL 110, G 947,1-25. (Korrespondenz mit Carl Jacob Burckhardt)
Der lange Weg von der Weichsel an die Ruhr, in: Reinhard Appel (Hg.), Es wird nicht mehr zurückgeschossen… Erinnerungen an das Kriegsende 1945, 1995, S. 67–76.
Kommentare Erich Brosts in der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ). Im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung zusammengest. v. Hubert Rinklage, 1997.
Marek Andrzejewski/Patrick von zur Mühlen (Bearb.), Wider den braunen Terror. Briefe und Aufsätze aus dem Exil, hg. v. d. Friedrich-Ebert-Stiftung, 2004.
N. N., Art. „Brost, Erich Eduard“, in: Werner Röder/Herbert A. Strauss (Hg.), Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933, Bd. 1, 1980, S. 98.
Kurt Koszyk, Erich Brost. Sketching the Life of a Journalist in Europe, in: Gerd G. Kopper (Hg.), Innovation in Journalism Training. A European Perspective, 1993, S. 169–177.
Herbert Riehl-Heyse, Erich Brost oder: Der reichste Sozialdemokrat, in: ders., Götterdämmerung. Die Herren der öffentlichen Meinung, 1995, S. 58–67.
Marek Andrzejewski/Hubert Rinklage, „Man muß doch informiert sein, um leben zu können“. Erich Brost. Danziger Redakteur, Mann des Widerstandes, Verleger und Chefredakteur der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“, 1997.
Marek Andrzejewski, Erich Brost. Życie i działalność gdańskiego socjaldemokraty, 2003.
Fotografien, 1935–1993, Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn.