Heymann, Lida Gustava

Lebensdaten
1868 – 1943
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Frauenrechtlerin ; Herausgeberin ; Feministin
Konfession
evangelisch-lutherisch
Normdaten
GND: 118704524 | OGND | VIAF: 39505624
Namensvarianten

  • Heymann, Lida Gustava
  • Heymann, Lida G.
  • Heymann, Lida
  • Heymann, Lyda Gustava
  • Schlösser, Adele
  • Schloesser, Adele
  • b8

Vernetzte Angebote

Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen in der GND - Bekannte und Freunde

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Heymann, Lida Gustava, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118704524.html [19.01.2026].

CC0

  • Heymann, Lida Gustava

    1868 – 1943

    Frauenrechtlerin, Pazifistin, Herausgeberin

    Als Mitglied der bürgerlichen Frauenbewegung setzte sich Lida Gustava Heymann seit Ende des 19. Jahrhunderts v. a. für das Frauenwahlrecht und die rechtliche Gleichstellung von Frauen ein. Während des Ersten Weltkriegs war sie Mitorganisatorin des Internationalen Frauenkongresses in Den Haag und engagierte sich nach 1918 weiter für Frieden und Völkerverständigung. Heymann war eine offene Gegnerin des Nationalsozialismus und emigrierte 1933 mit ihrer Lebenspartnerin Anita Augspurg (1857–1943) in die Schweiz.

    Lebensdaten

    Geboren am 15. März 1868 in Hamburg
    Gestorben am 31. Juli 1943 in Zürich
    Grabstätte Friedhof Fluntern in Zürich
    Konfession evangelisch-lutherisch
    Lida Gustava Heymann, BArch / Bildarchiv (InC)
    Lida Gustava Heymann, BArch / Bildarchiv (InC)
  • 15. März 1868 - Hamburg

    1882 - 1884 - Hamburg

    Schulbesuch

    Höhere Töchterschule (Kreuslerschule)

    1885 - 1885 - Dresden

    Schulbesuch

    Rosebery House (Mädchenpensionat)

    1885 - 1896 - Hamburg

    Rückkehr ins Elternhaus; seit 1895 Pflege des Vaters

    1896 - Hamburg

    Einbürgerung; Beginn des sozialen Engagements

    1896 - Berlin

    Teilnehmerin

    Erster Internationaler Frauenkongress für Frauenwerke und Frauenbestrebungen

    1896 - Hamburg

    Gründungsmitglied des Ortsvereins Hamburg des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins

    1899 - 1919 - Hamburg

    Gründerin; Leiterin

    Industria (Handelsschule)

    1899 - Berlin

    Gründerin; Mitglied im Vorstand

    Verband fortschrittlicher Frauenvereine (Dachorganisation der radikalen bürgerlichen Frauenbewegung)

    1902 - 1912 - Hamburg

    Gründerin; Vorsitzende

    Deutscher Verein für Frauenstimmrecht

    ca. 1903 - München; Berlin

    Gasthörerin

    Universität

    ca. 1903 - ca. 1908

    Mitglied

    Freisinnige Volkspartei

    ca. 1905 - München

    Übersiedlung

    1915 - Den Haag

    Mitorganisatorin; Teilnehmerin

    Internationaler Frauenkongress

    1915 - München; Zürich

    Gründerin; Leiterin des deutschen Ausschusses; seit Mai 1919 Vizepräsidentin der deutschen Sektion

    Internationaler Frauenausschuss für dauernden Frieden (seit Mai 1919 Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit)

    1918 - 1919 - München

    Mitglied

    provisorischer Nationalrat des Volksstaats Bayern

    1919 - 1933

    Redakteurin; Herausgeberin

    Die Frau im Staat (Zeitschrift)

    1933 - Zürich

    Übersiedlung; Mitgründerin

    PAX Jugendwerk

    31. Juli 1943 - Zürich

    alternativer text
    Lida Gustava Heymann (rechts), BSB / Bildarchiv (InC)

    Heymann wuchs in einer wohlhabenden Hamburger Kaufmannsfamilie auf, erhielt eine für Mädchen ihres Stands übliche Ausbildung durch Hauslehrerinnen und lebte – nach dem Besuch einer Höheren Töchterschule in Hamburg und eines Mädchenpensionats in Dresden – seit 1885 wieder im elterlichen Haushalt. Von ihrem 1896 verstorbenen Vater als Testamentsvollstreckerin eines Nachlasses in Höhe von sechs Millionen Mark eingesetzt, konnte Heymann – trotz Verlusten während der Inflation Anfang der 1920er Jahre – bis 1933 davon ein auskömmliches Leben bestreiten und errichtete 1897 eine private Wohlfahrtseinrichtung für soziale und bald auch frauenbewegte Zwecke.

    1896 lernte Heymann auf dem Internationalen Frauenkongress in Berlin Anita Augspurg (1857–1943) kennen, mit der sie ihr Leben lang zusammenlebte. Unter Augspurgs Einfluss verlagerte Heymann ihr Engagement von der Wohlfahrtspflege auf frauenrechtlerische Themen; eine zentrale Forderung ihrer Publizistik und Reden bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs war die Einführung des allgemeinen und gleichen Frauenstimmrechts. Heymann war (Mit-)Gründerin mehrerer Frauenvereine, so 1902 des Deutschen Vereins für Frauenstimmrecht (seit 1904 Deutscher Verband für Frauenstimmrecht) und 1897 einer Dependance der Internationalen Abolitionistischen Föderation, die sich für die Abschaffung der Reglementierung der Prostitution einsetzte.

    1905 übersiedelte Heymann nach München und bewirtschaftete in der Folgezeit mit Augspurg ein landwirtschaftliches Gut im Isartal bei Irschenhausen, später zogen beide auf den Siglhof in der Nähe von Peißenberg. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs engagierten sich beide Frauen für den Pazifismus und zählten zu den Organisatorinnen des Internationalen Frauenkongresses 1915 in Den Haag. Hier wurde der Internationale Frauenausschuss für dauernden Frieden (IFDF) gegründet und Heymann zur Leiterin der deutschen Sektion bestimmt. Nach Einführung des Frauenwahlrechts bekam Heymann 1918/19 in München durch den Bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner (1867–1919) einen Sitz in der Erziehungskommission, wo sie sich für den Aufbau zukünftiger Schulen in Bayern einsetzte. Heymanns Kandidatur für die Nationalversammlung 1919 als Parteilose auf der Liste der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands blieb ohne Erfolg.

    1919 gründete Heymann mit Augspurg die Zeitschrift „Die Frau im Staat“, in der sie als Herausgeberin bis März 1933 über 100 Artikel veröffentlichte und die darauf abzielte, den Zusammenhang von Frauenpolitik, Völkerverständigung und Frieden aufzuzeigen sowie den neuen Staatsbürgerinnen der Weimarer Republik politische Orientierung zu geben. Die Zeitschrift beeinflusste v. a. die Frauenfriedensbewegung, hatte aber wenig Einfluss auf die bürgerliche Frauenbewegung, die im Bund Deutscher Frauenvereine zusammengeschlossen war. In der Weimarer Republik verstärkte Heymann ihr pazifistisches Engagement und engagierte sich in der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit, wie die IFDF sich nun nannte, mit Sitz in Genf.

    Heymann positionierte sich früh entschieden gegen den Nationalsozialismus; bereits im Frühjahr 1923 forderte sie mit Augspurg und der Politikerin Ellen Ammann (1870–1932) eine Ausweisung Adolf Hitlers (1889–1945) durch das Bayerische Innenministerium. Noch im Januar 1933 organisierten Heymann und Augspurg eine Kundgebung in München gegen die NSDAP. Von einer anschließenden Auslandsreise, die über Spanien, Mallorca, Algier, Tunis, Palermo und Florenz nach Genf führte, kehrten beide nicht nach Deutschland zurück, da ihnen im NS-Staat die Verhaftung drohte. Nach mehreren Umzügen innerhalb der Schweiz ließen sich Heymann und Augspurg um 1937 in Zürich nieder und lebten – nach der Konfiszierung des verbliebenen Vermögens durch den NS-Staat – von Geldgeschenken ehemaliger Weggefährtinnen sowie von kleinen journalistischen Arbeiten. Von 1938 bis 1941 verfasste Heymann unter Mitarbeit Augspurgs ihre Memoiren „Erlebtes – Erschautes. Deutsche Frauen kämpfen für Freiheit, Recht und Frieden 1850–1940“, fand allerdings keinen Verleger. Der Text wurde erstmals 1972 von der Historikerin Margit Twellmann (1930–2013) herausgegeben.

    Anfang der 2010er Jahre wurde eine „rassenhygienische“ Äußerung Heymanns aus dem Jahr 1907 auf einer Veranstaltung des Verbands Fortschrittlicher Frauenvereine in Frankfurt am Main bekannt. Daher entschloss sich die Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in Nordrhein-Westfalen 2017, ihren seit 2009 vergebenen „Augspurg-Heymann-Preis“ in „CouLe. Preis für Couragierte Lesben“ umzubenennen.

    1946 Heymannstraße, Hamburg
    20.12.1993 Gedenkstein für Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann, Friedhof Flundern, Zürich
    2009 Gedenktafel, Europapassage, Hamburg
    2009–2015 Augspurg-Heymann-Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in Nordrhein-Westfalen (seit 2017 CouLe. Preis für Couragierte Lesben)
    bis 2017 Lida-Heymann-Platz, München
    2020 Lida-Gustava-Heymann-Straße, Gartenstadt Werdersee (Bremen)
    Lida-Gustava-Heymann-Straße, Brühl bei Köln
    Lida-Heymann-Straße, Endingen am Kaiserstuhl

    Nachlass:

    nicht bekannt.

    Weitere Archivmaterialien:

    Archiv der deutschen Frauenbewegung, Kassel. (Manuskript der Memoiren)

    Gleiches Recht, Frauenstimmrecht. Wacht auf Ihr deutschen Frauen aller Stände, aller Parteien!, 1907.

    Das Wahlrecht der Frauen zu den Handelskammern in den deutschen Bundesstaaten, 1910. (Onlineressource)

    Das kommunale Wahlrecht der Frauen im Deutschen Reiche, 1910.

    Wird die Mitarbeit der Frauen in den politischen Männerparteien das Frauenstimmrecht fördern?, 1911.

    Frauenstimmrecht und Völkerverständigung. Nach dem Weltkrieg. Schriften zur Neuorientierung der auswärtigen Politik, 1919. (Onlineressource)

    Erlebtes – Erschautes. Deutsche Frauen kämpfen für Freiheit, Recht und Frieden 1850–1940, hg. v. Margit Twellmann, 1972, Nachdr. 1977, Neuausg. 1992. (Autobiografie, unter Mitarbeit von Anita Augspurg)

    Biografien:

    Christiane Himmelsbach, „Verlaß ist nur auf unsere eigne Kraft!“. Lida Gustava Heymann. Eine Kämpferin für die Frauenrechte, 1996.

    Anna Dünnebier/Ursula Scheu, Die Rebellion ist eine Frau. Anita Augspurg und Lida G. Heymann. Das schillerndste Paar der Frauenbewegung, 2002.

    Monografien:

    Gertrude Bussey/Margaret Tims, Pioneers for Peace. Women’s International League for Peace and Freedom 1915–1965, 1980.

    Karen Hagemann/Jan Kolossa, Gleiche Rechte – Gleiche Pflichten? Der Frauenkampf für „staatsbürgerliche“ Gleichberechtigung. Ein Bilder-Lese-Buch zu Frauenalltag und Frauenbewegung in Hamburg, 1990.

    Anne-Françoise Gilbert, Kampf um die Welt – Sorge um sich selbst. Lebensentwürfe und kulturelle Räume lediger Frauen in der Moderne, 2001.

    Rita Bake/Brita Reimers, So lebten sie! Spazieren auf den Wegen von Frauen in Hamburgs Alt- und Neustadt, 2003.

    Anne-Laure Briatte, Bevormundete Staatsbürgerinnen. Die „radikale“ Frauenbewegung im Deutschen Kaiserreich, 2020.

    Elisa Heinrich, Intim und respektabel. Homosexualität und Freundinnenschaft in der deutschen Frauenbewegung um 1900, 2022, S. 33 f., 125 f., 129–131, 212 f. u. 262.

    Aufsätze und Artikel:

    Johanna Waescher, Dr. Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann, in: dies., Wegbereiter der deutschen Frau. 18 Lebensbilder aus der Frühzeit der deutschen Frauenbewegung, 1931, S. 53–58. (Onlineressource)

    N. N., Art. „Heymann. Lida Gustava“, in: Werner Röder/Herbert A. Strauss (Hg.), Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933, Bd. 1, 1980, S. 294.

    Amira Gelblum, „Frieden ohne Freiheit ist ein Schwindel“. Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann. Leben und Politik im Exil, in: Ariadne. Almanach des Archivs der deutschen Frauenbewegung 31 (1997), S. 26–32.

    Cornelia Wenzel, „Organisiert Euch für Frieden und Freiheit“. Lida Gustava Heymann (1868–1943), in: Ingaburgh Klatt (Hg.), „Wir wollen lieber fliegen als kriechen“. Historische Frauenportraits, 1997, S. 107–119.

    Hans-Jürgen Arendt, Lida Gustava Heymann, in: Manfred Asendorf/Rolf Bockel (Hg.), Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus fünf Jahrhunderten, 1997, S. 267–269.

    Susanne Kinnebrock, „Man fühlt sich, als wäre man geistig ein lebender Leichnam“. Lida Gustava Heymann (1868–1943). Eine genuin weibliche Exilerfahrung?, in: Markus Behmer (Hg.), Deutsche Publizistik im Exil 1933 bis 1945. Personen – Positionen – Perspektiven, 2000, S. 108–133.

    Walter Ziegler, Art. „Versuchte Ausweisung Adolf Hitlers aus Bayern“, in: Historisches Lexikon Bayerns, 2006. (Onlineressource)

    Hiltrud Häntzschel, Art. „Frauenfriedensbewegung“, in: Historisches Lexikon Bayerns, 2006. (Onlineressource)

    Sabine Hoffkamp, Lida Gustava Heymann, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv. Akteurinnen, 2017. (P) (Onlineressourcen)

    Adelheid Schmidt-Thomé, Lida Gustava Heymann, in: dies., Sozial bis Radikal. Politische Münchnerinnen im Porträt, 2018, S. 90–97.

    Ute Gerhard, Anita Augspurg (1857–1943) und Lida Gustava Heymann (1868–1943). Für das Recht der Frauen, Rechte zu haben, in: Frank-Walter Steinmeier (Hg.), Wegbereiter der deutschen Demokratie. 30 mutige Frauen und Männer. 1789–1918, 2021, S. 375–389.

    Fotografie, ca. 1928, Abbildung in: Frau und Gegenwart 5 (1928), Nr. 11, S. 3.

  • Autor/in

    Kerstin Wolff (Kassel)

  • Zitierweise

    Wolff, Kerstin, „Heymann, Lida Gustava“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.01.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118704524.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA