Choltitz, Dietrich von
- Lebensdaten
- 1894 – 1966
- Geburtsort
- Wiese-Gräflich (Oberschlesien, heute Łąka Prudnicka, Polen)
- Sterbeort
- Baden-Baden
- Beruf/Funktion
- Offizier ; Kommandierender General von Paris ; General
- Konfession
- römisch-katholisch
- Normdaten
- GND: 118669281 | GND-Explorer | OGND | VIAF
- Namensvarianten
-
- Choltitz, Dietrich Hugo Hermann von
- Choltitz, Dietrich von
- Choltitz, Dietrich Hugo Hermann von
- Choltitz, Dietrich
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Choltitz, Dietrich Hugo Hermann von
1894 – 1966
Offizier, Kommandierender General von Paris
1940 als Bataillonskommandeur an der Eroberung Rotterdams beteiligt, wurde der Wehrmachtsoffizier Dietrich von Choltitz nach dem Scheitern des Umsturzversuchs vom 20. Juli 1944 Kommandierender General von Paris. Beim Herannahen der Alliierten widersetzte er sich dem Befehl Adolf Hitlers (1889–1945), Brücken und Kulturdenkmäler der Stadt zu sprengen, wofür er als „Retter von Paris“ Berühmtheit erlangte. Heute werden Choltitz’ Handeln und Motive differenzierter betrachtet.
Lebensdaten
Dietrich von Choltitz, BArch / Bildarchiv (InC) -
Autor/in
→Winfried Heinemann (Berlin)
-
Zitierweise
Heinemann, Winfried, „Choltitz, Dietrich von“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118669281.html#dbocontent
Choltitz besuchte seit 1907 die Kadettenschule in Dresden, diente seit März 1914 als Fähnrich im 8. Königlich Sächsischen Infanterie-Regiment Nr. 107 und wurde im Ersten Weltkrieg als Offiziersstellvertreter an der Westfront eingesetzt. Ende 1918 in die Reichswehr übernommen, verlief die weitere militärische Karriere von Choltitz, dessen Stärke in der Truppenführung lag, eher durchschnittlich (1924 Oberstleutnant, 1929 Rittmeister, 1935 Major); Choltitz war kein Generalstabsoffizier. Über seine Haltung zur Weimarer Republik und zum aufkommenden Nationalsozialismus liegen keine gesicherten Informationen vor.
Seit Februar 1937 kommandierte Choltitz das III./Infanterieregiment 16 in Oldenburg und wurde am 1. April 1938 zum Oberstleutnant befördert. Nach Einsätzen bei der Besetzung des Sudetenlands (Oktober 1938) und bei dem Überfall der Wehrmacht auf Polen (September 1939, Teilnahme an der Schlacht an der Bzura) spielte Choltitz im Mai 1940 eine führende Rolle bei der Eroberung von Rotterdam; es gibt Hinweise, dass sich Choltitz an den ergebnislosen Versuchen beteiligte, die NS-Luftwaffe von einer Bombardierung der Stadt abzuhalten. Im Sommer 1942 wirkte er als Regimentskommandeur an der Belagerung und Eroberung der Festung Sewastopol mit, nicht aber an der Niederschlagung des Warschauer Aufstands im Sommer 1944, wie gelegentlich behauptet worden ist. Choltitz hatte vor dem 20. Juli 1944 mit Claus Graf Schenk von Stauffenberg (1907–1944) Kontakt und wusste im Groben von Staatsstreichplanungen, wohl aber nichts über das geplante Attentat auf Adolf Hitler (1889–1945). Nach dem 20. Juli hatte Choltitz noch ein Gespräch mit Carl Goerdeler (1884–1945).
Zum 1. August 1944 ernannte Hitler Choltitz zum General der Infanterie sowie als Nachfolger Hans von Boineburg-Lengsfelds (1889–1980) zum Kommandierenden General und Wehrmachtbefehlshaber von Paris. Choltitz verfügte über zu wenige militärische Machtmittel, um in die Kämpfe an der heranrückenden Front ernstlich eingreifen zu können. Als ihn am 23. August – übermittelt durch Generalfeldmarschall Walter Model (1891–1945) – der Befehl Hitlers erreichte, Paris allenfalls als „Trümmerfeld“ in die Hände der Alliierten fallen zu lassen, widersetzte sich Choltitz dieser Order, kapitulierte am 25. August und ging in britische, dann US-amerikanische Kriegsgefangenschaft. Während seiner Inhaftierung in dem nahe London gelegenen Kriegsgefangenenlager Trent Park bekannte er sich – laut in Abschrift überlieferter Abhörprotokolle – einer Mitwirkung an der „Liquidation der Juden“ schuldig, ohne dass sich Ort und Zeit feststellen ließen; es kann sich hierbei um seinen Einsatz als Regimentskommandeur auf der Krim handeln.
Im April 1947 aus seiner Haft in Clinton (Mississippi, USA) entlassen, übersiedelte Choltitz nach Baden-Baden, wo er an seinen Memoiren arbeitete, die 1951 u. d. T. „Soldat unter Soldaten“ erschienen. Basierend auf seiner Selbstdarstellung als von moralischen Maximen geleiteter Offizier, der Hitlers Wahnvorstellungen durchschaut habe, wurde Choltitz in der Folgezeit als „Retter von Paris“ international bekannt und geehrt. Zu seinem hohen Ansehen trug die wohlwollende Darstellung seiner Rolle bei der Befreiung von Paris in dem Bestseller „Paris brûle-t-il?“ (1964, dt. 1966 u. d. T. „Brennt Paris?“) der Schriftsteller Dominique Lapierre (1931–2022) und Larry Collins (1929–2005) bei. 1966 wurde der Roman von Regisseur René Clément (1913–1996) mit Gert Fröbe (1913–1988) in der Rolle des Choltitz verfilmt.
Die moderne historische Forschung führt Choltitz’ Weigerung, Hitlers Zerstörungsbefehl gegen Paris auszuführen, nur z. T. auf seinem Respekt vor den Kulturschätzen der Stadt zurück. Handlungsleitend waren ebenso seine Sorge, mit den ihm anvertrauten Soldaten in die Hände der Pariser Bevölkerung oder kommunistischer Partisanen zu fallen. Zudem, so die Forschung, wäre eine systematische Durchführung von Hitlers Befehl zu diesem späten Zeitpunkt aufgrund der politisch-militärischen Lage in Paris nicht mehr möglich gewesen.
| 1914 | Eisernes Kreuz II. und I. Klasse |
| 1914–1918 | Verwundetenabzeichen in Silber |
| 1917 | Ritterkreuz des Königlich Sächsischen Militär St. Heinrichs-Ordens |
| 29.5.1940 | Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes |
| 8.2.1942 | Deutsches Kreuz in Gold |
Nachlass:
nicht bekannt.
Weitere Archivmaterialien:
Bundesarchiv-Militärarchiv, Freiburg im Breisgau, PERS 6/108, PERS 6/299 513. (Personalakten)
Bundesarchiv, Koblenz, B 122/2057. (Korrespondenz mit Theodor Heuss)
Quellenedition:
Sönke Neitzel, Abgehört. Deutsche Generäle in britischer Kriegsgefangenschaft 1942–1945, 2007.
...Brennt Paris? Adolf Hitler... Tatsachenbericht des letzten deutschen Befehlshabers in Paris, [1950], Neuaufl., hg. v. Timo von Choltitz, 2023.
Soldat unter Soldaten, 1951, 21953, franz. 1964 u. 1969.
Joachim Ludewig, Der deutsche Rückzug aus Frankreich 1944, 1994, S. 150–174.
Detlef Vogel, Deutsche und alliierte Kriegführung im Westen, in: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 7, hg. v. d. Militärgeschichtlichen Forschungsamt, 2001, S. 417–639, hier S. 563 f.
Peter Lieb, Konventioneller Krieg oder NS-Weltanschauungskrieg? Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44, 2007, S. 228 f. u. 480–484. (Onlineressource)
Jean-François Muracciole, La Libération de Paris. 19-26 août 1944, 2013.
Fotografien, ca. 1938–1944, Digitales Bildarchiv des Bundesarchivs.