Lebensdaten
erwähnt 15.-17. Jahrhundert
Beruf/Funktion
süddeutsche Familie ; Ulmer Patrizier
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 138953309 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Marchtaller
  • Marchthaler
  • Marchtaler, von
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Zitierweise

Marchtaler, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138953309.html [22.05.2019].

CC0

  • Leben

    Aus dem westlich von Ulm gelegenen Ermingen stammend, wurden die Brüder Ulrich, von Beruf Schneider, und Bartholomäus I. (ca. 1476–1530) am 8. und 9.8.1499 ins Ulmer Bürgerrecht aufgenommen. Als Tucher- und Färbermeister assoziierte sich Bartholomäus mit dem angesehenen Kaufmann Martin Scheler, lernte in Como die Samtfabrikation kennen und wurde als Zunftmeister 1529 in den Rat gewählt. Seine Söhne Veit I. (1506–64) und Bartholomäus II. (1519–79), der 1546 in den Rat aufstieg und das Amt eines Stadtrechners übernahm, führten die Firma fort und erhielten einen am 12.10.1547 von Kaiser Karl V. ausgestellten Wappenbrief. Aufschluß über den Bildungsgang und die mit wiederholten Reisen nach Frankreich verbundene wirtschaftliche Tätigkeit dieser zweiten Generation in Ulm bieten die in die Chronik von Bartholomäus II. zahlreich eingestreuten Nachrichten. Für das Mittelalter auf ältere Darstellungen zurückgreifend und ab 1530 chronologisch angelegt, berichtet die bis 1579 reichende Chronik mit Ausblick auf die europ. Ereignisse über Bündnis-, Innen- und Wirtschaftspolitik der Reichsstadt aus der Sicht eines der führenden Handels- und Ratsherren.

    Familienereignisse und Autobiographisches (Besuch der deutschen und der Lateinschule, Unterricht bei einem Rechenmeister) mit politischen Ereignissen verbindet auch die von Bartholomäus II. älterem Sohn Johann Bartholomäus (* 1556) verfaßte kleine Chronik, die mit dessen 1573 angetretener Reise nach Frankreich abbricht. In reichsstädtischen Diensten avancierte sein Bruder Veit II. (1564–1641); seit 1600 Ratsherr und mit dem Ausbau der Ulmer Verteidigungsanlagen beauftragt, gelang ihm dank seinem diplomatischen Geschick 1632 der Aufstieg in den Geheimen Rat und 1640 die Wahl zum Vorsteher der Kaufleutezunft, der er seit 1600 angehörte. Vor seiner endgültigen Niederlassung in Ulm hatte er Ungarn und Siebenbürgen bereist, seine Reiseroute und seine Erfahrungen geschildert und eine Landesbeschreibung verfaßt. Abweichend vom chronologischen Prinzip gliedert sich diese in drei sachlich zusammenhängende Abschnitte über Geschichte, wirtschaftliche Verhältnisse sowie Sitten und Gebräuche, Religion und Bildung. Aufenthalte in fürstlichen Diensten in Prag, Frankfurt und in der Steiermark schlossen sich an, ehe er zusammen mit seinen Brüdern Hans Sigmund (1567–1615) und Matthäus (* 1574) unter Wappenverbesserung am 3.3.1599 in Prag in den Reichsadelsstand erhoben wurde, ohne diesen Titel in Ulm zu führen.

    Veit III. (1612–76), dem Sohn Veits II., verdanken wir eine große Ulmische Chronik, die nur in Abschriften überliefert ist (diejenige des Ulmer Stadtarztes Dr. Eberhard Gokkel, 1636–1703, im Stadtarchiv Ulm dürfte dem Original am nächsten stehen). Nach Abschluß des Gymnasium academicum in Ulm bezog Veit III. 1633 zum Studium der Rechte die Univ. Tübingen; 1635 trat er in die Dienste der Reichsstadt und 1636/37 in die des|Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien und Nassau im Haag, ehe er 1638 in die Kaufleutezunft aufgenommen und, obwohl nicht Mitglied des Rats, mit verschiedenen Aufgaben, u. a. denen eines Bücherzensors und Schulinspektors, betraut wurde. Seine Tätigkeit in der Verwaltung, Informationen durch seinen Vater Veit II. und die Hauschroniken seiner Vorfahren, besonders jene des Großvaters Bartholomäus II., boten zusammen mit publizierten und handschriftlichen Chroniken sowie den Arbeiten seines Ulmer Zeitgenossen Martin Zeiller (1589–1661) die Quellen für seine umfassende „Ulmische Chronik oder Beschreibung der Stadt Ulm“. In elf „Abtheilungen“ gegliedert und damit das schon beim ältesten Ulmer Geschichtsschreiber Felix Fabri (um 1441–1502) vorgeformte thematische Prinzip konsequent fortführend, schildert sie Entstehung und Bauten der Stadt mit dem Münster als Mittelpunkt, skizziert – hier unter dem Einfluß Zeillers – die topographischen und geographischen Gegebenheiten, beschreibt die sozialen Schichten der Patrizier und Zunftmitglieder, den Ausbau des Ulmer Territoriums und den Handel der Stadt, dann die Verfassung, die Kirchen, Klöster und Schulen und schließt mit „Abschriften briefflicher Dokumente“. Den Schwerpunkt der um 1672 abgeschlossenen Chronik bildet der Bericht über „Regiment und Policey der Stadt Ulm“, der den auch an anderen Stellen ablesbaren Standort des Verfassers auf Seiten der Obrigkeit erkennen und das Ziel der Chronik als „Haus- und Handbuch für Untertanen wie Regenten“ (Pfeifer) deutlich werden läßt. Noch am Ende der Reichsstadtzeit galt unter den vielen Ulmer Chroniken die von Veit III. als die inhaltsreichste und beste, wofür auch die große Zahl der seit Ende des 17. Jh. meist anonym gefertigten und in Einzelfällen den Text ergänzenden und fortführenden Abschriften spricht.

    Im 19. Jh. verlagerte sich der Mittelpunkt der Familie nach Heilbronn, wo sich Adolf (1808–76) als Kaufmann niederließ. Sein Sohn Adolf (1840–1902) war Direktor der Heilbronner Zuckerfabrik, sein Sohn Erhard (1851–1909) Sanitätsrat in Heilbronn, sein Enkel Adolf (1868–1931) Landgerichtsdirektor, sein Urenkel Kurt (1896–1947) Genealoge in Hamburg, sein Urenkel Hans Ulrich (1906–77) Diplomat, zuletzt Botschafter in Stockholm. Kurt war mit Hildegard Seelig (* 1897, 1928) verheiratet, die ebenfalls als Genealogin hervortrat. Eine zweite Linie der Familie geht auf den aus Esslingen stammenden württ. Major Hans (1786–1848) zurück, dessen Söhne in württ. Kriegsdiensten standen, Anton (1821–1903) als Generalleutnant, Heinrich (1822–91) als Oberst im Landjägerkorps, und dessen Enkel Otto (s. u.) württ. Kriegsminister wurde.

  • Werke

    Chroniken v. Bartholomäus II., Joh. Bartholomäus u. Veit III. im Stadtarchiv Ulm;
    Veit II., Beschreybung Ungar. Sachen, 1588, ebd.

  • Literatur

    ADB 20;
    H. Ihme, Südwestdt. Persönlichkeiten, Ein Wegweiser zu Bibliogrr. u. biogr. Sammelwerken, Bd. 2, 1988, S. 573;
    V. Pfeifer, Die Gesch.-schreibung d. Reichsstadt Ulm v. d. Ref. bis z. Untergang d. Alten Reiches, 1981, bes. S. 41-73. -
    Eigene Archivstud.

  • Autor/in

    Hans Eugen Specker
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Specker, Hans Eugen; Cordes, Günter, "Marchtaler" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 116-117 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138953309.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Marchtaler, auch Marchtaller, Marchthaler geschrieben, ist der Name einer Familie, welche in verschiedenen Reichsstädten, in Eßlingen, Augsburg, namentlich in Ulm ausgezeichnete Männer erzeugt hat. Sie stammt aus Ermingen, auf dem Hochgesträß westlich von Ulm, nahe bei Allewind, wo der erste bekannte Hans M. einen Meierhof und acht Söhne hatte. Von diesen und ihren Nachkommen haben sich folgende in Ulm einen Namen gemacht:

    Bartholomäus M. (geb. 1476, 1560), von der Marner (= Grautucher) Zunft, hatte sich an den Begründer der Sammetfabrikation in Ulm Martin Scheler angeschlossen, war selbst nach Como gegangen, um die Geheimnisse der Sammtweberei zu ergründen und hatte hinter dem Rücken der Welschen die Webstühle abgemessen. Er wurde früh in den Rath der Stadt gewählt, und erhielt 1547 von Karl V. für sich und seine Brüder Veit und Hans einen Adelsbrief und ein Wappen (ein Kranich in natürlicher Farbe in blauem Felde). Von Kaiser Rudolf II. wurde die Familie im J. 1599 in den Reichsadelstand erhoben. Die Wolle zu seinem Sammt holte er selbst aus Frankreich und besuchte regelmäßig die Frankfurter und Straßburger Messen.

    Veit M. (geb. 1564, 1641?), war in jüngeren Jahren längere Zeit in Ungarn und erbeutete bei der Erstürmung der Grenzfestung Fillek 1593 ein werthvolles Manuscript, welches er mit nach Ulm brachte. Er theilte es dem Professor Ulrich Schmid in Ulm und dem Professor Schickard in Tübingen mit, der es herausgab unter dem Titel: „Tarich, h. e. series regum Persiae ab Ardschir-Babekan usque ad Jazdigerdem a Caliphis expulsum, per annos fere 400 cum prooemio longiori ... omnia ex fide manuscripti voluminis ... quod primus in Germaniam invexit Vitus Marchthaler Ulmanus Opusculum recens, serviturum historicis, philologis, geographis et quibuslicet curiosis, indicibus quoque ornatum authore Wilhelmo Schickardo, Prof. hebr. Tubingae, typis Theod. Werlini“, 1628. 4°. Das Original war zuletzt in dem Besitz der Familie Marchtaler in Eßlingen; eine Abschrift in Wien, von Veit M. selbst verfertigt, in Wolfenbüttel, ebenfalls von ihm, und eine in Ulm, von Dr. Frank sorgfältig abgeschrieben. Sie ist noch jetzt auf der Stadtbibliothek.

    Vgl. Lessing's Beiträge zur Geschichte d. Litteratur aus der Wolfenbüttelschen Bibliothek II, 51—74. — Chr. Fr. Schnurrer's Nachrichten von ehemaligen Lehr. d. hebr. Litteratur in Tübingen, Ulm 1792. S. 212—225.

    Veit M. (? des vor. Sohn, geb. 1612, 1676) ist der Verfasser einer ausführlichen Chronik der Stadt Ulm, welche augenscheinlich auf einem sorgfältigen Quellenstudium beruht, und auch in dieser Hinsicht gänzlich verschieden ist von den zahlreichen Miscellenchroniken, welche wir haben. Der wohlgeordnete Stoff ist in zehn, allerdings ungleich große Abtheilungen gebracht mit einer elften als Anhang. Die Marchtaler'sche Chronik ist in zahlreichen Abschriften vorhanden, welche allerdings nicht ganz gleich, sondern von den Abschreibern da und dort abgekürzt, geändert, auch wohl von Späteren mit Zusätzen und Anhängen versehen sind. Die Ulmer Stadtbibliothek besitzt deren sieben in Folio. Der Verfasser citirt öfters Aufzeichnungen von B. M. (Bartholomäus M., nicht der oben genannte, vielleicht ein Sohn oder Enkel desselben); da seine Verwandten und Vorfahren bedeutende städtische Aemter bekleideten, als Kriegsherren, Oberrichter u. dgl., so konnte er viele den gemeinen Chronisten unbekannt bleibende Thatsachen und Notizen mittheilen. — Der Stammbaum der Familie weist die Namen Bartholomäus und Veit mehrfach auf; es ist nicht leicht, die richtigen Träger derselben zu erkennen, und auch in unseren Quellen scheint einige Verwirrung obzuwalten. — Die Stadtbibliothek hat auch eine merkwürdige Hauschronik von Johann Bartholomäus Marthaler von 1566 an, mit vielen Anhängseln von Späteren, und eine zweite, angeblich von einem Bartholomäus Marchthaler, viel interessantes enthaltend, beide in Quarto. Die Familie blüht noch heute in Württemberg: ihr Senior ist dermalen der Generallieutenant Anton von Marchtaler.

    Conrad M., studirte um 1545 in Wittenberg, war nachher Rechenmeister, 1547 Eichmeister und Visierer in Ulm. Von ihm ist verfaßt: „Visierbüchlin“. Gestellt und gemacht durch Conrad Marchtaller Inn Vlm. 1554. 4°.

    • Literatur

      Vgl. überhaupt den viel berufenen, aber hier mit besonderer Vorsicht zu benutzenden Albr. Weyermaun, Nachrichten von Gelehrten, Künstlern etc. aus Ulm. Ulm 1798. 8°. S. 384 ff. Fortsetzung Ulm 1829, S. 295.

  • Autor/in

    Veesenmeyer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Veesenmeyer, Karl Gustav, "Marchtaler" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 300-301 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138953309.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA