Lebensdaten
1845 bis 1919
Geburtsort
Augsburg
Sterbeort
Augsburg
Beruf/Funktion
Maschinenfabrikant
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 136822851 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Riedinger, August
  • Riedinger, Aug.

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Zitierweise

Riedinger, August, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136822851.html [19.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ludwig August (s. 1);
    M Wilhelmine Spellenberg;
    5 Geschw, 1 Halb-B;
    1) Augsburg 1871 Anna (1848–82), T d. Max v. Pettenkofer (1818-|1901, bayer. Adel 1882), Prof. f. Hygiene in München (s. NDB 20), u. d. Helene Pettenkofer (1819–90), 2) Augsburg 1883 Bertha (1863–1946), T d. Wilhelm Brandenberger (1819–1905), techn. Dir. d. Baumwollspinnerei am Stadtbach in A., u. d. Elisabeth Pfifferling (1833–91);
    1 S aus 1) Eugen (1872–1958), Ing. in München, 1 T aus 1) Elsa (1876–1904, Hermann Grotjan, techn. Leiter in München), 1 S aus 2) August (* 1886), Ing. in München, 1 T aus 2) Anna (* 1885, Karl Lochmüller, * 1876, Hptm. in A.).

  • Leben

    Nach Absolvierung der Polytechn. Schule in Augsburg und einem sechsjährigen Studium am Polytechnikum in Zürich trat R. 1877 als Gesellschafter in die väterliche Maschinen- und Bronzewarenfabrik ein. Er übernahm 1883 deren alleinige Leitung und erweiterte die Produktpalette u. a. um Kühlmaschinen und Bühneneinrichtungen. Künstlerisch begabt und kunsthistorisch gebildet, erwarb er wertvolle Sammlungen von historischen Beleuchtungskörpern und Kunstgewerbeerzeugnissen, die den Künstlern der Bronzewarenabteilung zum Vorbild dienten, und errichtete dafür in Augsburg ein eigenes Museum. 1883 gründete er die AG „Vereinigte Gaswerke“ in Augsburg, die eine Reihe von Gasfabriken betrieb. Zudem wirkte er im Vorstand der von seinem Vater 1864 begründeten Gesellschaft für Gasindustrie sowie – neben seinem Bruder Gustav – im Aufsichtsrat der seit 1880 als AG betriebenen väterlichen Buntweberei. Seit der Umwandlung der „L. A. Riedinger Maschinen- und Bronzewarenfabrik“ in eine AG 1887 war er Vorsitzender des Aufsichtsrates.

    Unternehmerisches Neuland betrat R. 1890 mit der Gründung der „Kommanditgesellschaft August Riedinger & Gomp.“ für Kraftübertragung durch Druckluft mit einer Druckluftzentrale in Offenbach/Main, deren Entwicklung aber durch die am Markt bald weit erfolgreichere Technik der elektrischen Kraftübertragung gehemmt blieb. 1910 errichtete er in Augsburg eine Fabrik zur Herstellung von flüssigem Leuchtgas aus Erdöl nach dem Verfahren des Augsburger Chemikers Hermann Blau (* 1871). Seinen Ruf als unternehmerischer Pionier der Luftfahrtindustrie erwarb sich R. 1888 durch den Aufbau einer Versuchswerkstätte für Aviatik unter Mitwirkung von August v. Parseval (1861–1949) und Hans Bartsch v. Sigsfeld (1861–1902), aus der 1897 die „Ballonfabrik August Riedinger“ hervorging. Sie lieferte v. a. Drachenballone für das preuß. Militär und wurde 1907 in eine GmbH, 1915 in eine AG umgewandelt. Die risikoreiche und kapitalintensive Entwicklung der Ballontechnik beeinträchtigte die übrigen Unternehmungen R.s, weshalb er 1892 den Aufsichtsratsvorsitz der Maschinen- und Bronzewarenfabrik niederlegen und 1894/95 die Sammlungen seines Museums versteigern mußte. 1906 gelang ihm die Entwicklung eines unstarren Motorluftschiffs nach Plänen Parsevals, der Kapitalmangel erzwang jedoch eine Veräußerung des Patents. Während des 1. Weltkriegs erlebte die Ballonfabrik mit 800 Beschäftigten einen rasanten Aufschwung, bevor das Verbot des Ballonbaues durch den Versailler Vertrag 1919 den Niedergang des Unternehmens besiegelte. Die „L. A. Riedinger Maschinen- und Bronzewarenfabrik AG“ ging 1927 an die „MAN AG“ Augsburg über.|

  • Auszeichnungen

    Kreuz d. Bayer. Militärverdienstordens (1872); bayer. KR (1909).

  • Literatur

    C. Matschoss (Hg.), Männer d. Technik, 1925, S. 225;
    A. Vetter, in: Augsburger Rdsch. 1, 1919, Nr. 17;
    A. Riedinger Ballonfabrik Augsburg GmbH, 1909;
    A. Riedinger Ballonfabrik AG, 1922;
    F. Hassler, Gesch. d. L. A. Riedinger Maschinen- u. Bronzewaren-Fabrik Aktien-Ges. Augsburg, 1928, bes. S. 27 ff. (P);
    W. Zorn, Ludwig August u. A. R. (1809-1879 u. 1845-1919), in: Lb. Bayer. Schwaben IV, 1955, S. 384-407;
    H. Hesselmann, Das Wirtsch.bürgertum in Bayern 1890-1914, 1985, S. 109 f.;
    Augsburger Stadtlex. |

  • Quellen

    Qu Stadtarchive Augsburg u. München.

  • Autor/in

    Richard Winkler
  • Empfohlene Zitierweise

    Winkler, Richard, "Riedinger, August" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 573-574 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136822851.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA