Lebensdaten
1861 bis 1903
Geburtsort
Obercunewalde (Sachsen)
Sterbeort
Bautzen
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118803336 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Polenz, Wilhelm Christoph Wolf von
  • Polenz, Wilhelm von
  • Polenz, Wilhelm Christoph Wolf von
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Zitierweise

Polenz, Wilhelm von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118803336.html [25.04.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Julius (1828–1900), auf O., sächs. Kammerherr, Klostervogt v. Marienthal, S d. Wilhelm (1780–1852), auf Linz, sächs. Geh. Finanzrat, Klostervogt v. Marienthal, u. d. Ida v. Kiesewetter (1797–1854);
    M Clara (1831–1900), T d. Karl Frhr. v. Wechmar, preuß. Major, u. d. Thekla v. Minckwitz;
    2 Schw;
    1 B Benno (1867–1934), sächs. Kammerherr, Min.rat;
    London-Kensington 1888 Beatrice (1869–1947), T d. Bankiers William Robinson u. d. Elizabeth Allen;
    1 S Erich (* 1895), auf O., Dr. iur., Land- u. Forstwirt, Vf. v. fam.hist. Schrr.), 2 T;
    E Peter (* 1928), Prof. f. Sprachwiss. in seit 1961 in Heidelberg, seit 1975 Trier, 1992 korr. Mitgl. d. Sächs. Ak. d. Wiss., 1993 Ehrenmitgl. d. wiss. Beirats d. Inst. f. dt. Sprache (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1996).

  • Leben

    P. legte 1882 die Reifeprüfung am Dresdner Vitzthumschen Gymnasium ab und absolvierte anschließend das „Einjährige“ bei den Dresdner Gardereitern. Dort lernte er Moritz v. Egidy (1847–98) kennen, dessen religiös geprägte Erziehungsliteratur ihn beeinflußte. Früh entfalteten sich starke musische Neigungen, doch studierte P. auf Wunsch des Vaters Rechtswissenschaften in Breslau, Berlin und Leipzig (1882–86). Das juristische Referendariat in Dresden brach er 1897 ab, um sich in Berlin der Schriftstellerei zu widmen. Dort war er häufiger Besucher literarischer Salons, Klubs und von Zusammenkünften kritischer Intellektueller wie des „Ethischen Klubs“ und erwarb sich einen inspirierenden Freundeskreis, zu dem neben Egidy auch Gerhart Hauptmann (1862–1946), die Brüder Heinrich (1855–1906) und Julius Hart (1859–1930), Otto Erich Hartleben (1864–1905) und Hermann Conrady (1862–1890) gehörten. Seit dem Tod des Vaters 1894 hielt sich P. zumeist in Cunewalde auf. Aus einer Studienreise in die USA 1902 ging der sozial- und kulturkritische Essay „Das Land der Zukunft“ (1903) hervor.

    Nach Erscheinen seines wenig erfolgreichen Erstlingswerks, dem autobiographische Züge tragenden Eheroman „Sühne“ (2 Bde., 1890), und zweier Dramen (Heinrich v. Kleist, 1891; Preuß. Männer, 1891), erzielte P. mit dem Roman „Der Pfarrer von Breitendorf (3 Bde., 1893) einen ersten Erfolg. Hier wie auch in den späteren Werken verarbeitet er naturalistisch Erfahrungen und Anregungen, die er in Berlin gesammelt hatte: die Prachtentfaltung Preußens mit dem faszinierenden Aufschwung von Industrie, Wissenschaft und Technik auf der einen und den sozialen Problemen auf der anderen Seite, die Abkehr von seiner frühen Bismarckverehrung sowie die Auseinandersetzung mit den Werken Zolas, Maupassants, Balzacs, Ibsens, Wedekinds, Turgenjews und Tolstojs sowie den Schriften Treitschkes und Bebels. P.s bedeutendste Romane entstanden nach seiner Rückkehr nach Cunewalde. „Der Büttnerbauer“ (1895, mehrere Aufl.), „Der Grabenhäger“ (2 Bde., 1897), „Thekla Lüdekind“ (2 Bde, 1900) und „Wurzellocker“ (2 Bde., 1902) schildern die gesellschaftlichen Umbruchprobleme und Krisen der Landbevölkerung. P.s zentrales Motiv wird dabei vor allem in dem häufig als wichtigstes Werk des deutschen Naturalismus bezeichneten „Büttnerbauer“ deutlich: der Gegensatz zwischen agrarstaatlich-ständischer Tradition und modern-urbaner kapitalistischer Wirtschaft.

    P. zählt neben Peter Rosegger (1843–1918) und Gustav Frenssen (1863–1945) zu den prominentesten Vertretern der konservativen Ausrichtung des Naturalismus. Sein bedeutender Beitrag zur Herausbildung der literarischen Moderne in Deutschland wurde nach 1945 unterschätzt, da P. vor allem wegen antisemitischer Implikationen seines Werks von der Heimatkunstbewegung stark rezipiert worden war.

  • Werke

    Ges. Werke, hg. v. A. Bartels, 10 Bde., 1909. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Sächs. Landesbibl. Dresden (Msc. Dresd. App. 1203); Prof. Dr. Peter v. Polenz, Trier.

  • Literatur

    H. Ilgenstein, W. v. P., 1904;
    ders., in: BJ IX, 1904, S. 430-35 u. Tl.;
    A. Bartels, W. v. P., 1909;
    M. Krell, W. v. P., 1910, H. Krause, W. v. P. als Erzähler, Diss. München 1937;
    O. Schwär, in: Sächs. Lb. II, 1938, S. 311-23 (P);
    H. Heuberger, Die Agrarfrage b. Roseggers „Jakob d. Letzte“ u. „Erdsegen“, Frenssens „Jörn Uhl“ u. P.s „Büttnerbauer“, Diss. Wien 1949;
    W. Killy (Hg.), 20. Jh., Texte u. Zeugnisse 1880-1933, 1967;
    M. Salyámosy, Der Entwicklungsroman im 20. Jh., in: Német filólogiai tanulmányok 13, 1979;
    ders., W. v. P., 1985 (Bibliogr.);
    W. Schwarz, in: Gedenktage d. mitteldt. Raumes, 1986, 18 f.;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy. – Zur Fam.: Geneal. Hdb. d. adeligen Häuser A XVI, 1977, S. 378 ff.

  • Portraits

    Gem. im Bes. v. Peter v. Polenz, Trier (Univ.).

  • Autor

    Siegfried Rönisch
  • Empfohlene Zitierweise

    Rönisch, Siegfried, "Polenz, Wilhelm von" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 598 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118803336.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA