Lebensdaten
1886 bis 1964
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Pickering (Kanada)
Beruf/Funktion
Wirtschaftshistoriker ; Sozialwissenschaftler
Konfession
jüdische Familie
Normdaten
GND: 118836404 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Polanyi, Károly
  • Polanyi, Karl
  • Polanyi, Károly
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Zitierweise

Polanyi, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118836404.html [02.06.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Michel (Mihály) Pollacsek (1848–1905), Ziviling., Eisenbahnuntern., S d. Adolf (1820–71) u. d. Zsófia Schlesinger (1826–98);
    M Cecilia Wohl (1862–1939), T e. Rabbiners aus Vilnius;
    B Adolph (1883–1966), Wirtsch.pol., Kaufm., Michael (s. 2);
    Schw Laura Striker (1882–1959), Bibliothekarin, Schriftst.;
    1923 Ilona (Helene Maria) Duczynska (1897–1978), Schriftst., Sozialwiss., emigrierte 1930 n. Großbritannien, 1942 in d. USA, 1947 n. Kanada (s. BHdE I), T d. Alfred v. Duczynski ( 1907);
    1 S Karl P.-Levitt (* 1923 ?), Prof. f. Wirtsch.wiss. an d. McGill Univ., Montreal (Kanada) (s. L).

  • Leben

    P. wuchs in Budapest auf, studierte dort Rechtswissenschaften und Philosophie (Dr. iur. 1909) und arbeitete dann als Rechtsanwalt. Nach kurzer Tätigkeit in der Politik – P. zählte u. a. zu den Gründern des Galilei-Kreises – übersiedelte er 1919 aus politischen Gründen nach Wien. Hier avancierte er in den 1920er Jahren, zunächst als Redakteur, später als Mitherausgeber des „Österreichischen Volkswirts“, zum renommierten Wirtschaftsjournalisten und politischen Leitartikler. Die wirtschaftlichen Probleme der Nachkriegszeit sowie die in Rußland entstehende neue Wirtschaftsordnung veranlaßten ihn zu einer eingehenden Auseinandersetzung mit der marxistischen Analyse der kapitalistischen Ordnung und deren sozialistischen Alternative. Bereits 1922 griff P. in einem für das „Archiv für Sozialwissenschaft“ verfaßten Artikel „Sozialistische Rechnungslegung“ das Thema des ökonomischen Systemvergleichs auf und ließ seine Präferenz für eine staatlich geplante Wirtschaft deutlich erkennen.

    Unter dem Druck des aufkommenden Nationalsozialismus emigrierte P. 1933 nach England, wo er seinen Lebensunterhalt durch eine rege Lehr- und Vortragstätigkeit im Rahmen der „Workers Educational Association“ sowie als Dozent an den Externistenabteilungen der Universitäten Oxford und London bestritt. In diese Zeit fällt der Beginn seiner umfassenden Analyse der wirtschaftlichen und insbesondere sozialen Konsequenzen der Industriellen Revolution in England. Ihren Niederschlag fanden diese Studien in seinem Hauptwerk „The Great Transformation“ (1944, dt. 1978, 41997), das er am Bennigton College in Vermont verfaßte, an dem er seit 1940 arbeitete. Von 1947 bis zu seiner Emeritierung 1953 lehrte P. als Gastprofessor für Wirtschaftsgeschichte an der Columbia University in New York und leitete dort noch bis Ende der 1950er Jahre ein in den USA stark beachtetes Forschungsprojekt zur Analyse der Entwicklung und Wirkung ökonomischer Institutionen.

    „The Great Transformation“, heute noch verlegt und in zahlreiche Sprachen übersetzt, analysiert die mit der Industriellen Revolution einhergehende und vom Staat forcierte Umwandlung traditioneller, nicht marktwirtschaftlich organisierter Gesellschaften in liberale Marktwirtschaften. Ein zentrales Problem dieser Transformation sah P. in der Verselbständigung der Ökonomie gegenüber der Gesellschaft, in deren kulturelles und soziales Gefüge sie ehedem integriert war. P. plädierte daher stets für eine staatlich geplante Wirtschaft als notwendige Voraussetzung für individuelle Freiheit.

    In seinem zweiten großen Werk „Trade and Market in the Early Empires“ (1957) untersuchte P. nun vorindustrielle marktlose Gesellschaften, wobei sein Interesse vornehmlich dem „Stellenwert des wirtschaftlichen Lebens in der Gesellschaft“ sowie der Erörterung der Ursprünge ökonomischer Institutionen galt. Insbesondere die methodologischen und konzeptionellen Aspekte dieser Studie übten einen nachhaltigen Einfluß auf Wirtschaftsarchäologie, -anthropologie und -geschichte aus, nicht zuletzt da P. zur Charakterisierung der Haupteigenschaften vorindustrieller Ökonomien mit Begriffen wie „Reziprozität“, „Umverteilung“ oder „Handelsplatz“ eine heute gängige Terminologie entwarf. Aus der anhaltend und intensiv geführten Diskussion über die von der „Neuen Wirtschaftsgeschichte“ postulierte Anwendbarkeit von Methoden der modernen Wirtschaftstheorie auf die Analyse vorindustrieller Volkswirtschaften bezieht P.s Werk seine ungebrochene Aktualität.

  • Werke

    Weitere W Sozialist. Rechnungslegung, in: Archiv f. Sozialwiss. 49, 1922, S. 377-420;
    Trade and Market in the Early Empires: Economies in Hist. and Theory, 1957 (Hg. mit C. M. Arensberg u. H. W. Pearson;
    Dahomey and the Slave Trade, An Analysis of an Archaic Economy, 1966 (mit A. Rotstein);
    Primitive, Archaic and Modern Economies, Essays, hg. v. G. Dalton, 1968;
    The Livelihood of Man, 1977.

  • Literatur

    S. C. Humphreys, Gesch., Volkswirtsch. u. Anthropol., Das Werk K. P.s, in: K. P., Ökonomie u. Ges., 1979, S. 7-59;
    G. Dalton, in: The New Palgrave, III, 1987, S. 898 f.;
    K. Polanyi-Levitt (Hg.), The life and work of K. P., 1990 (P);
    BHdE II;
    BHdwE.

  • Autor/in

    Gerhard J. Mauch
  • Empfohlene Zitierweise

    Mauch, Gerhard J., "Polanyi, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 596 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118836404.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA