Lebensdaten
1897 bis 1957
Geburtsort
Linz
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Eisenhüttenmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 136806724 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pölzguter, Franz

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Zitierweise

Pölzguter, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136806724.html [20.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (1873–1951), Werkmeister in Donawitz, später Bgm. in Wagna b. Leibnitz (Südsteiermark), S d. Werkmeisters Johannes (1831–1908), aus Reichraming. u. d. Anna Maria Fechter (1842–1918), aus Arzberg;
    M Maria (1876–1941), T d. Martin Gstöttner (* 1832), Bauer in Holzheim b. Leonding, u. d. Johanna Lengauer (* 1855);
    1926 Hilde Acker (1903–83).

  • Leben

    P. besuchte das Realgymnasium in Leoben (Reifeprüfung 1915) sowie anschließend die dortige Montanistische Hochschule und beendete 1921 das Studium, das durch den Militärdienst unterbrochen wurde, als Diplom-Eisenhütteningenieur. Nach kurzer Tätigkeit in der österr. Industrie kam er in die Versuchsanstalt der „Glockenstahlwerke AG vorm. Richard Lindenberg“ in Remscheid-Hasten, wo seit 1906 der erste deutsche Elektrostahlofen der Bauart Héroult in Betrieb war. P. wurde hier zum Edelstahl- und Gießereifachmann. 1924 wurde er mit einer Arbeit über Schnellarbeitsstähle von der TH Aachen zum Dr.-Ing. promoviert. Im selben Jahr beauftragte ihn der Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation mit dem Bau einer Elektrostahl-Versuchsschmelze, in der in 10 kg- bzw. 250 kg-Elektrolichtbogenöfen erstmals Werkzeugstähle-Feinguß erzeugt wurde. 1927 wurde das Werk Stahlindustrie, das mittlerweile zur „Vereinigten Stahlwerke AG“ (VSt) gehörte, zusammen mit 7 weiteren Edelstahlbetrieben, darunter die „Glockenstahlwerke AG vorm. Richard|Lindenberg“, zur „Deutsche Edelstahlwerke AG“ (DEW) zusammengefaßt. In der Forschungsanstalt wurde mit 600 kg- und 1000 kg-Hochfrequenzöfen gearbeitet, u. a. zum Stahlschleuderguß und zum Magnet-Feinguß. Das Werk Stahlindustrie wurde 1929 wieder auf die VSt rückübertragen; der Betrieb firmierte jetzt als „Versuchsschmelze Bochum des Forschungsinstituts der Vereinigte Stahlwerke AG“ und wurde im Zuge der Reorganisation der VSt 1933/34 als „Hochfrequenz-Tiegelstahl GmbH“ verselbständigt. P., bisher Oberingenieur, stieg zum Geschäftsführer auf. Es wurden 2000 kg- und 6000 kg-Hochfrequenzöfen sowie eine Schweißelektrodenfabrik und eine Drahtzieherei gebaut und große Schleudergußmaschinen für Stahlrohre (Geschützrohre) entwickelt. Ende 1944 wurden die Anlagen bei alliierten Luftangriffen schwer beschädigt. Nach Kriegsende begann zwar der Wiederaufbau, aber die kriegswichtige Anlage stand auf der Demontageliste (Demontage 1947–50). Nach der Entflechtung wurde das Werk dank P.s Tatkraft seit 1.10.1951 als „Deutsche Edelstahlwerke AG, Werk Hochfrequenz-Tiegelstahl“ fortgeführt; die eigentliche „Hochfrequenz-Tiegelstahl GmbH“ wurde 1955 liquidiert.

    Zu den organisatorischen Fähigkeiten P.s gesellten sich herausragende wissenschaftliche und technische Leistungen. In Zusammenarbeit mit der Firma Siemens u. Halske entwickelte er den kernlosen Induktionsofen als Hochfrequenz- bzw. Mittelfrequenz-Tiegelofen zur Betriebsreife weiter. Der Ofentyp bewährte sich besonders bei der Herstellung von neuartigen Dauermagnetlegierungen und gegossenen Werkzeugen aus Hartgußmetallen bzw. Metallkarbiden. Seine Forschungsarbeiten über den Formguß von nichtrostendem und hitzebeständigem Edelstahl führten zur Übertragung des Schleuderverfahrens von Gußeisenrohren auf Stahlrohre (Geschützrohre). Ebenso erfolgreich war P. bei der Weiterentwicklung des Formmaskenverfahrens nach Croning und des Wachsausschmelzverfahrens zur Erzeugung von Feinguß mit hoher Maßgenauigkeit.|

  • Auszeichnungen

    Dr. Fritz-Todt-Preis (1944).

  • Werke

    Btr. z. Kenntnis d. Einflusses v. Kobalt u. Vanadin auf d. Eigenschaften v. Schnellarbeitsstahl (mit W. Oertel), in: Stahl u. Eisen 44, 1924, S. 1165-69 u. Tafel 2 (Auszug d. Diss);
    Werkstoffe f. Dauermagnete, in: Stahl u. Eisen 47, 1927, S. 2187 f., 55, 1935, S. 853-60;
    Kernloser Induktionsofen, ebd. 51, 1931, S. 513-20, 55, 1935, S. 773-79 u. 825-28;
    Hartmetalle, in: Berr. d. Eidgen. Material-Prüfungsanst. 65, 1932, S. 23-32;
    Stahlschleuderguß, in: CI- OS Report XXVII-40, Target Nr. 21/8A, 1946, sowie in: Gießerei 42, 1955, S. 493-500;
    Edelstahlformguß, in: Werkstoff u. Korrosion 6, 1955, S. 375-85.

  • Literatur

    Stahl u. Eisen 77, 1957 (P);
    Gießerei 44, 1957 Nr. 1, S. 3 f. (P), S. 476 (P);
    Berg- u. hüttenmänn. Mhh. 102, 1957, S. 295;
    Lb. aus d. rhein.-westf. Ind.gebiet 1955–57, 1960, S. 128 f.

  • Portraits

    Bildarchiv Stahleisen (Bochum).

  • Autor/in

    Günter Bauhoff , Manfred Rasch
  • Empfohlene Zitierweise

    Bauhoff, Günter; Rasch, Manfred, "Pölzguter, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 564 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136806724.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA