Lebensdaten
1890 bis 1972
Geburtsort
Eilenburg (Provinz Sachsen)
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Völkerkundler
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 116245573 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Plischke, Hans Hermann Joseph
  • Plischke, Hans
  • Plischke, Hans Hermann Joseph
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Zitierweise

Plischke, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116245573.html [16.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Max (1850–1927), Bürovorsteher, Landwirt, S d. Joseph Franz (1826–75), Posamentierer, u. d. Emilie Auguste Berta Müller (1824–80);
    M Elisabeth (1854–1941), T d. Ferdinand Sieg (1825–1910), Graveur, u. d. Pauline Knoll (1827–1912);
    1920 Eleonore (1896–1978, kath.), Dipl.handelslehrerin, T d. Peter Helff (1860–1934), Handelsschuldir., u. d. Hermine Grone (1870–1949);
    4 S (2 früh +) Hermann (1925–94), Verlagskaufm., Heinz (* 1932), Druckerei-Ing.

  • Leben

    P. studierte in München, Göttingen und v. a. in Leipzig Völkerkunde, Deutsche Volkskunde und Geschichte, wurde 1914 in Leipzig promoviert und 1924 bei Karl Weule (1864–1926) habilitiert. 1928 erhielt er als Dozent in Göttingen den Auftrag, die ethnographische Sammlung der Universität zu erschließen, systematisch zu erweitern und verstärkt für die Lehre zu verwenden. 1934/35 wurde das Instituts- und Museumsgebäude am Theaterplatz errichtet. P.s Tätigkeit führte zur Gründung eines Seminars, des jetzigen Instituts für Ethnologie in Göttingen. 1929 wurde er planmäßiger ao., 1934 o. Professor (1934/35 Dekan; 1941-43 Rektor). P., der 1933 der NSDAP beitrat, fungierte u. a. als Gutachter für die „Parteiamtliche Prüfungskommission zum Schutz des NS-Schrifttums“. Im Januar 1946 amtsenthoben, wurde er nach einem mehrstufigen Entnazifizierungsverfahren als „entlastet“ eingestuft und zum Wintersemester 1949/50 als Ordinarius und Institutsdirektor wieder eingestellt. 1958 emeritiert, vertrat er noch bis Sept. 1959 seinen Lehrstuhl.

    P. war der letzte Vertreter einer Ethnologengeneration, die versuchte, trotz raschen Anwachsens der Quellen und weiterer Differenzierung der Fragestellungen die gesamte regionale Völkerkunde zu überschauen und zu vermitteln. Seine wissenschaftlichen Interessen lagen vor allem im Grenzgebiet von Entdeckungsgeschichte und Völkerkunde. P. befaßte sich mit den wechselseitigen Auswirkungen der durch die Entdeckungsfahrten seit dem 15. Jh. begründeten Kontakte Europas mit der Welt in Übersee. Durch die Bearbeitung der vor allem auf die Reisen von James Cook zurückgehenden alten Göttinger Sammlungsbestände gelangte P. nach 1928 stärker zur völkerkundlichen Ozeanistik. Er stellte die Geschichte der Ethnographischen Sammlung der Univ. Göttingen dar und beschrieb mit exzellenter Quellenkenntnis einige ihrer wertvollsten Stücke (Kukailimoku, Ein Kriegsgott von Hawaii, 1929; Tahitische Trauergewänder 1931 u. a.). P. arbeitete mit an der 15. und 16. Auflage des „Großen Brockhaus“ und verfaßte mehrere Bände für die Reihe „Alte Reisen und Abenteuer“. Nach 1945 war P.s Stellung wegen seiner Nähe zum Nationalsozialismus belastet. Er hatte ein kolonialpolitisches Engagement der Völkerkundler gefordert und sich als Dekan und Rektor im Sinne des NS-Staates geäußert.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Berliner Ges. f. Anthropol., Ethnol. u. Urgesch.

  • Werke

    u. a. Von d. Barbaren zu d. Primitiven, Die Naturvölker durch d. Jhh., 1926;
    Die Ethnograph. Slg. d. Univ. Göttingen, Ihre Gesch. u. ihre Bedeutung, 1931;
    Entdeckungsgesch. v. Altertum bis z. Neuzeit, 1933;
    Von Cooper bis Karl May, Eine Gesch. d. völkerkundl. Reise- u. Abenteuerromans, 1951;
    Der Stille Ozean, Entdeckung u. Erschließung, 1959;
    Hg.:
    Göttinger Völkerkundl. Studien, I, 1939, II, 1957;
    - W-Verz. M. Urban, Verz. d. Schrr. v. H. P., 1960.

  • Literatur

    W. Lang, W. Nippold u. G. Spannaus (Hg.), Von fremden Völkern u. Kulturen, H. P. z. 65. Geb.tag gewidmet, 1955 (P);
    E. Schlesier u. M. Urban, in: Zs. f. Ethnol. 97, H. 1, 1972, S. 1-3 (P);
    Hans Fischer, Völkerkde. im NS, 1990;
    R. Kulick, Die Göttinger Völkerkde. während d. Zeit d. NS, Mag.arb. Göttingen 1993 (Ms.);
    Die Univ. Göttingen unter d. NS, hg. v. Heinrich Becker u. a., 21998;
    Killy.

  • Portraits

    Ölgem. v. G. Stein, 1957 (Inst. f. Ethnol. d. Univ. Göttingen).

  • Autor/in

    Erhard Schlesier
  • Empfohlene Zitierweise

    Schlesier, Erhard, "Plischke, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 545 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116245573.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA