Lebensdaten
1889 bis 1979
Geburtsort
Augsburg
Sterbeort
Dachau
Beruf/Funktion
klassischer Philologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118740814 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pfeiffer, Rudolf Carl Franz Otto
  • Pfeiffer, Rudolf
  • Pfeiffer, Rudolf Carl Franz Otto
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Zitierweise

Pfeiffer, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118740814.html [18.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Carl (1861–1931), Buchdruckereibes. in A., S d. Jakob Philipp (1819–98), aus Mainz, Buchdruckereibes. in A., Gde.bevollmächtigter, erwarb 1862 d. ehem. Wohnhaus d. Humanisten Conrad Peutinger, u. d. Emma Henriette Karolina Katharina Boettger (1830–90), aus A.;
    M Elise (1861–1930), T d. Kaufm. Otto Naegele u. d. Augusta Hacker;
    München 1913 Lili (1887–1969), Malerin, T d. Sigismund Beer, Kaufm. in Budapest, u. d. Wilhelmine Herzog; kinderlos.

  • Leben

    P. wuchs im historischen Haus des Conrad Peutinger auf und besuchte in seiner Heimatstadt das Gymnasium der Benediktiner von St. Stephan, an dem er 1908 das Abitur ablegte. Im selben Jahre begann er in München das Studium der Klassischen und der Deutschen Philologie, vor allem bei Otto Crusius, Franz Muncker und Hermann Paul, das er 1911/12 mit den beiden Staatsexamina und 1913 mit einer bei Muncker angefertigten Dissertation über Johannes Spreng abschloß. Nach Eintritt in den Bibliotheksdienst, Teilnahme am 1. Weltkrieg und schwerer Verwundung bei Verdun (1916) wurde er Kustos und Staatsbibliothekar an der Universitätsbibliothek in München. Während eines einjährigen Urlaubs 1920 beschäftigte er sich mit den Kallimachospapyri in Berlin, wo er u. a. mit Wilhelm Schubart und Ulrich v. Wilamowitz-Moellendorff in Verbindung trat. Im folgenden Jahr habilitierte er sich in München mit „Kallimachosstudien“. Im April 1923 erhielt er in Berlin ein Extraordinariat, wechselte jedoch bereits zum Oktober auf einen o. Lehrstuhl an der Univ. Hamburg, 1927 nach Freiburg (Br.) und 1929 als Nachfolger von Eduard Schwartz nach München. 1937 wurde er, da seine Frau Jüdin war, in den einstweiligen Ruhestand versetzt, fand jedoch 1938 in Oxford eine neue Heimat. 1940 kurzzeitig interniert, erhielt er später die brit. Staatsangehörigkeit. 1948 wurde er in Oxford Senior Lecturer und 1950 Reader. Zum Wintersemester 1951/52 kehrte er auf seinen Lehrstuhl nach München zurück (Emeritierung 1957).

    Seine Dissertation galt Leben und Werk des Augsburger Meistersingers und Homerübersetzers Johannes Spreng (1524–1601), insbesondere dessen 1610 postum erschienener Iliasübersetzung. P. suchte die Vorlagen dieser ersten vollständigen deutschen Iliasübersetzung zu bestimmen und prüfte sie auf ihre Richtigkeit und inhaltliche Treue.

    Nach der Rückkehr aus dem Krieg wandte sich P. den damals in rascher Folge ans Licht tretenden Papyri mit Texten des hellenist. Dichters Kallimachos zu. Erste Früchte dieser Bemühungen waren seine Ausgabe „Callimachi fragmenta nuper reperta“ (1921, ed. maior 1923) sowie die ergänzenden kritischen und exegetischen „Kallimachosstudien“ (1922). P. nahm auch weiterhin zu Kallimachos-Neufunden Stellung, bis 1949 der erste, die Fragmente enthaltende Band seiner monumentalen Ausgabe erschien. 1953 folgte der 2. Band mit den Hymnen und Epigrammen, das Ganze eine der herausragenden editorischen Leistungen des 20. Jh.

    Auch anderen Neufunden, wie den Resten von Satyrspielen des Aischylos und des Sophokles, kam P.s Rekonstruktions- und Editionskunst zugute. Intensive Beschäftigung mit den griech. Lyrikern (Plan e. neuen Gesamtausgabe) fand ihren Ausdruck u. a. in seinem grundlegenden Beitrag über Gottheit und Individuum in der frühgriech. Lyrik (1929). Parallel zu diesen Arbeiten konzentrierte sich P.s Interesse auf die Gestalt des Erasmus von Rotterdam (Humanitas Erasmiana, 1931) und zunehmend auf eine umfassend angelegte „History of Classical Scholarship“ (From the Beginnings to the End of the Hellenistic Age, 1968, dt. 1970, 21978; From 1300 to 1850, 1976, dt. 1982). Auch wenn P.s Auffassung, die kritische Philologie sei bei den Griechen „aus dem Geist der schöpferischen Hingabe an die große Dichtung der Vergangenheit geboren“, nicht unumstritten ist, so bleibt sein Werk für die darin behandelten Perioden doch die bedeutendste Darstellung einer „Philologia perennis“.|

  • Auszeichnungen

    o. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1934) u. d. British Ac. (1949); korr. Mitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss. (1953) u. d. Ac. des Inscriptions et Belles-Lettres (1971); Bayer. Verdienstorden (1959); Griech. Phoenix-Orden (1959); Dr. phil. h. c. (Wien 1963, Thessalonike 1971); Gr. BVK (1964).

  • Werke

    W-Verz. Ausgew. Schrr., hg. v. W. Bühler, 1960, S. 292-97 (P);
    Nachtrag in: Gnomon 52, 1980, S. 409. Anm. 1;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Bayer. Staatsbibl., München.

  • Literatur

    K v. Fritz, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1979, S. 257-66 (P);
    W. Bühler, in: Gnomon 52, 1980, S. 402-10 (P);
    H. Lloyd-Jones. Proceedings of the British Ac. 65, 1979, 1981, S. 771-81 (P);
    H. Tränkle, in: HJb. 101, 1981, S. 506-12;
    M. Lausberg (Hg.), Philologia Perennis, Colloquium z. Ehren v. R. P., 1996 (mit Btrr. v. M. Lausberg. A. v. Schirnding, P. E. Weidenhiller, O. Hiltbrunner, Ch. O. Brink, J. Latacz, W. Bühler; P);
    BHdE II. |

  • Quellen

    Qu Personalakte d. Bayer. Ak. d. Wiss.

  • Portraits

    Büste v. B. Bleeker (Inst. f. Klass. Philol. d. Univ. München).

  • Autor/in

    Ernst Vogt
  • Empfohlene Zitierweise

    Vogt, Ernst, "Pfeiffer, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 323 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118740814.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA