Lebensdaten
1902 bis 1983
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
Hampstead Heath bei London
Beruf/Funktion
Kunsthistoriker
Konfession
jüdisch,evangelisch
Normdaten
GND: 118790692 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Donner, Peter F. R. (Pseudonym)
  • Pevsner, Sir Nikolaus Bernhard Leon
  • Pevsner, Nikolaus Bernhard Leon (bis 1969)
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Zitierweise

Pevsner, Sir Nikolaus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118790692.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus großbürgerl. Kaufmannsfam. in Leipzig;
    V Hugo ( 1940), Pelzkaufm.;
    M Anna ( um 1941, Freitod vor drohender Deportation);
    1923 Karola Kurlbaum;
    2 S, 1 T;

  • Leben

    Nach dem Abitur an der Thomasschule 1921 nahm P. in seiner Heimatstadt ein Kunstgeschichtsstudium auf, das er in München, Berlin und Frankfurt fortsetzte. Zu seinen akademischen Lehrern gehörten Heinrich Wölfflin (1864–1945), Adolph Goldschmidt (1863–1944) und Rudolf Kautzsch (1868–1945). Nach Leipzig zurückgekehrt, wurde P. 1924 von Wilhelm Pinder (1878–1947) mit einer Arbeit zur Leipziger Barockarchitektur promoviert. Noch im Exil bewahrte er ein freundschaftliches Verhältnis zu seinem Lehrer und widmete ihm 1940 sein Buch über die Kunstakademien. 1924-28 hatte P. eine Assistentenstelle an der Dresdener Gemäldegalerie inne, entschloß sich aber zu einer Universitätslaufbahn: Nach der Habilitation über „Die ital. Malerei vom Ende der Renaissance bis zum ausgehenden Rokoko“ wurde er 1929 neben Wolfgang Stechow (1896–1974) Privatdozent an der Univ. Göttingen. Aus der Aufgabe, am dortigen Seminar für engl. Philologie eine kunstgeschichtliche Abteilung einzurichten, erwuchs P.s Interesse an der engl. Kunst, das entsprechende Studienreisen und Lehrveranstaltungen zur Folge hatte. 1933 seiner Lebens- und Arbeitsgrundlage in Deutschland beraubt und entlassen, emigrierte P. noch im selben Jahr nach England, wo ihm die professionelle Etablierung zunächst schwer fiel. In den Anfangsjahren war er als Einkaufsberater für eine Möbelfirma tätig; während des Krieges konnte er den Lebensunterhalt für sich und die Familie nur durch das Räumen von Trümmern bestreiten. In den folgenden Jahren aber entfaltete er eine erstaunliche Karriere. Akademische Anbindung bot das Londoner Birkbeck-College, das P. zwar erst 1959 eine reguläre Professur offerierte, ihm aber genügend Freiheit zu umfangreicher publizistischer Tätigkeit ließ; er gehörte dem College bis zu seiner Emeritierung 1969 an. Seine intensive Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur Englands und seine besondere Fähigkeit zur Vermittlung komplexer Zusammenhänge trugen ihm die Berufung auf die Slade-Professur an der Univ. Cambridge ein, die er 1949-55 innehatte; 1950-55 war P. Fellow des St. John's College. 1968-69 lud man ihn, erneut als Slade-Professor, nach Oxford ein. 1969 wurde er in den brit. Adelsstand erhoben, eine Ehrung, die unter den nach England eingewanderten Kunsthistorikern nur noch Ernst Gombrich (* 1909) zuteil wurde.

    P.s Publikationen zeugen von der besonderen Fähigkeit, aus äußeren Anregungen reichen wissenschaftlichen Ertrag zu ziehen. Die ital. Barockmalerei bildete den thematischen Schwerpunkt der in Deutschland entstandenen Arbeiten P.s, der jedoch immer wieder durch originelle Vorstöße, etwa in den Bereich der zeitgenössischen Architektur, und durch grundsätzliche Erörterungen – wie diejenige über den Manierismus als Stilproblem – erweitert wurde. Methodisch orientierte sich P. an den stilgeschichtlichen Entwicklungsmodellen seines Lehrers Pinder. Grundlage seiner kunstgeschichtlichen Arbeiten aber blieb, auch in England, die auf Wölfflin zurückgehende Konzentration auf die formale Beschaffenheit des Kunstwerks. Seinen Erfolg verdankte P. nicht zuletzt dem differenzierten Ausdrucksvermögen, das er in der fremden Sprache erwarb, vor allem aber der Herausgabe zweier vielbändiger Reihen, der „Pelican History of Art“ und den „Buildings of England“ – letztere zumeist von ihm selbst verfaßt – mit denen er die Konzeption zweier deutschsprachiger Nachschlagewerke auf engl. Verhältnisse übertrug. Hier hat er sich besonders um die Rettung der unterschätzten Viktorianischen Architektur verdient gemacht.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Royal Inst. of British Architects, d. Soc. of Antiquaries (1950), d. Ac. di Belle Arti, Venedig; Commander d. Order of the British Empire (1953); Howland-Preis d. Yale-Univ. (1963); Member of the British Ac. (1965); Goldmedal of the Royal Inst. of British Architects (1967); Gr. BVK (1967).

  • Werke

    u. a. Gegenref. u. Manierismus, in: Repert. f. Kunstwiss. 46, 1925, S. 243-62;
    Leipziger Barock, Die Baukunst d. Barockzeit in Leipzig, 1928, Nachdr. 1990;
    Barockmalerei in d. roman. Ländern, T. I: Die ital. Malerei vom Ende d. Renaissance bis z. ausgehenden Rokoko, 1928;
    Pioneers of the Modern Movement from William Morris to Walter Gropius, 1936, 21949, weitere rev. Aufll. 1960, 1964 etc., sowie dt. 1957, ital., Japan., portugies. Überss.;
    Academies of Past and Present, 1940, Nachdr. 1973;
    An Outline of European Architecture, 1942, zahlr. erw. u. rev. Aufll., zuletzt dt. 1997, ital., japan., niederl., span., franz. Überss.;
    The Buildings of England, 46 Bde., 1951 ff.;
    The Englishness of English Art, 1956, erw. u. komm. Ausg. 1976;
    A Hist. of Building Types, 1976, Nachdr. 1984, dt. Übers. 1999. – Hg.: Architect. Review 1941^15 (bis 1971 Mitgl. d. Editorial Advisory Board). – Bibliogrr.: J. Barr, A Select Bibliogr. of the Publications of N. P., in: J. Summerson (Hg.), Concerning Architecture, Essays on Architectural Writers and Writing Presented to N. P., 1968 (P);
    ders., A Bibliogr., 1970.

  • Literatur

    P. Murray, in: Proceedings of the Brit. Ac. 70, 1984, S. 501-04 (P);
    St. Muthesius, in: H. Dilly (Hg.), Altmeister moderner Kunstgesch., 1990, S. 188-202;
    U. Wollenhaupt-Schmidt, „Hitler hat d. Bäume geschüttelt u. Amerika hat d. Früchte geerntet“, Zur Gesch. d. Kunstgeschichtl. Seminars während d. NS, in: Die Univ. Göttingen unter d. NS, hg. v. H. Becker u. a., 21998, S. 469-90;
    BHdE II;
    U. Wendland, Biogr. Hdb. dt.sprachiger Kunsthistoriker im Exil, 1999, S. 506-17;
    Metzler, Kunsthist. Lex.;
    A. Szabó, Vertreibung, Rückkehr, Wiedergutmachung, Göttinger Hochschullehrer im Schatten d. NS, 2000, S. 363-67, 625-27.

  • Autor/in

    Karen Michels
  • Empfohlene Zitierweise

    Michels, Karen, "Pevsner, Sir Nikolaus" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 284 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118790692.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA