Lebensdaten
1825 bis 1889
Geburtsort
Elberfeld
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Mediziner ; Zoologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116015608 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pagenstecher, Heinrich Alexander
  • Pagenstecher, Heinrich
  • Pagenstecher, Heinrich Alexander

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Pagenstecher, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116015608.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V C[arl] H[einrich] Alexander (1799–1869), aus Herborn, Dr. med., 1817 Mitbegr. d. dt. Burschenschaft in Heidelberg, 1848/49 Abg. d. Frankfurter NV u. 1863 d. II. Bad. Kammer, prakt. Arzt in E. (s. ADB 25; Biogr. Hdb. Frankfurter NV; W), S d. Ernst Gerhard Cornelius (1763–1818), ev. Theol., 1796 Erzieher d. Kinder d. Erbprinzen Friedrich Wilhelm VI. v. Oranien, seit 1798 ao. Prof. d. Philos. in Herborn, seit 1818 Bibliothekar d. Landesbibl. Wiesbaden (s. Nassau. Biogr.), u. d. Henriette Dorothea Otterbein (1772–1865);
    M Julie (1802–72), T d. Friedrich August Jung (1769–1852), Fabr. u. Stadtrat in E., u. d. Dorothea Wuppermann (1778–1846), Cousine d. Textilfabr. Wilhelm Jung (1800–67, s. NDB X);
    Ururur-Gvv Alexander Arnold (1659–1716), Dr. iur.. Prof. in Groningen (s. ADB 25);
    Urur-Gvv Ernst Alexander Otto Cornelius (1697–1753), Dr. iur. utr., Prof. d. Rechte, d. Gesch. u. Beredsamkeit in Lingen, seit 1733 in Herborn, nassau. Rat (s. ADB 25);
    Ur-Gvv Johann Hermann (1729–80), Dr. phil., ev. Prediger, 1757 b. d. Schweizergarde in Den Haag, später in Ewersbach, Freudenberg, Haiger u. Oberneisen (beide s. Nassau. Biogr.);
    B Carl Alexander (1824–65), Oberarzt in E., Erbauer u. Leiter d. Stadt. Krankenanstalten ebd., Ernst Adolf (1826–1901), 1860-71 Prof. d. Rechte in Heidelberg (s. Bad. Biogr. V; Drüll, Heidelberger Gel.lex. I), Wilhelm (1832–95), Großkaufm., Friedrich August (1843–1904), Geh. Sanitätsrat u. Oberarzt d. Krankenanstalten in E.;
    1) Elberfeld 1850 Eugenie Aders (1829–82), 2) Hamburg 1884 Maria Olga Schwartze (1854–1928), aus H.;
    4 S aus 2) (1 früh †); Vt 2. Grades Alexander (1828–79, s. 2).

  • Leben

    Nachdem P. das Gymnasium in Elberfeld absolviert hatte, studierte er Medizin in Göttingen, Heidelberg, Berlin und Paris. Nach der Promotion zum Dr. med. ließ er sich als praktischer Arzt nieder (1847 in Elberfeld, 1848/49 als Badearzt in Salzbrunn, 1849 in Barmen). 1856 habilitierte er sich an der Univ. Heidelberg für Geburtshilfe, verletzte sich aber bald bei einer Operation derart, daß er zwei Fingerglieder verlor. Infolge dieser Verstümmelung hielt er sich für untauglich für „Medizin, Chirurgie und Geburtshilfe“ und wandte sich dem Fach seiner Neigung, der Zoologie, zu.

    Bereits 1857 hielt P. an der Med. Fakultät Vorlesungen (mit mikroskopischen Demonstrationen) über Physiologie, Parasitenkunde, Histologie und Zoologie. Nach dem Tod des Zoologen und Paläontologen Heinrich Georg Bronn (1800–62) übertrug ihm die Physiologische Fakultät die Lehrstuhlvertretung und die Leitung des „Zoologischen Cabinets“. 1863 wurde P. ao. Professor für Zoologie und Paläontologie und übernahm die Direktion des Zoologischen Institutes (1866 o. Prof.). Er verbesserte den Unterricht durch mikroskopische Übungen und vermehrte die Zoologische Sammlung, u. a. 1863 durch die Stiftung seiner Privatsammlung. Nachdem sich seit 1870 wegen der Zuweisung des Unterrichts in Vergleichender Anatomie, den er gerne übernommen hätte, Unstimmigkeiten mit der Med. Fakultät und schließlich wegen des Umfangs der durch P. zu vertretenden Fächer auch mit der Phil. Fakultät und dem Ministerium ergaben, ließ er sich 1878 in den Ruhestand versetzen. Infolge seiner weltweit beachteten morphologisch-systematischen Publikationen, die zudem die Tierphysiologie neu bewerteten und auch die Meeresfauna einbezogen, erhielt P. 1882 einen Ruf als Direktor an das Naturhistorische Museum in Hamburg. Dort widmete er sich mit Erfolg dem Ausbau und der Ordnung der Sammlungen (u. a. Erstellung eines 10-bändigen Vogelkatalogs) und schließlich der Planung des 1890 eröffneten neuen Museumsgebäudes.

    P. begann seine zoologischen Forschungen mit mustergültigen morphologischen Studien über damals noch wenig bekannte wirbellose Tiere: Trematoden (1857), Milben (1857, 1860/61), Echinorhynchus (Kratzer, Eingeweidewürmer in verschiedenen Wirbeltieren, 1863), Taenien (1858) und Trichinen (1865). Ferner wurde er durch Rudolph Leuckart zur Bearbeitung „niederer Seethiere“ (1858, 1862/63) angeregt. Er untersuchte die Perlbildung in Muscheln (1857/58) und schrieb eine zusammenfassende Übersicht über die Geschichte der Meereszoologie sowie über die bis 1879 bekannt gewordenen „Thiere der Tiefsee“. Neben den seinerzeit noch wenig beachteten Fragen der Tiergeographie (1864/65) wandte P. sich schon in Heidelberg (1867/69) den Anliegen der Museumskunde zu. In seinem international beachteten Hauptwerk „Allgemeine Zoologie oder Grundgesetze des thierischen Baues und Lebens“ (4 Bde., 1875–81) legte er im Gegensatz zu der damaligen Gepflogenheit nicht das System, sondern die Organisation und die Funktionen des Tierkörpers zugrunde, so daß die neueren Gebiete der vergleichenden Morphologie und Anatomie sowie der gesamten Tierphysiologie mehr Gewicht erhielten; dieser Ansatz wurde künftig weitergeführt.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Leopoldina (1876).

  • Werke

    Trematodenlarven u. Trematoden, 1857;
    Btrr. z. Anatomie d. Milben, H. 1-2, 1860/61;
    Unterss. üb. niedere Seethiere aus Cette, I.-III. Abt., in: Zs. f. wiss. Zool. 12, 1862, S. 265-311, 486-529, 13, 1863, S. 86-106;
    Zur Naturgesch. d. Cestoden, ebd. 30, 1878, S. 171-93;
    Die Trichinen mit Rücksicht auf d. jetzigen Standpunkt d. Parasitenlehre, in: Der zoolog. Garten (A. F.) 5, 1864, S. 33-39, 65-74, 97-108;
    Vermes, Abth. I. a., in: H. G. Bronn (Hg.), Klassen u. Ordnungen d. Thier-Reichs, IV, 1879;
    Ueber d. Thiere d. Tiefsee, in: R. Virchow u. F. v. Holtzendorff (Hg.), Slg. gemeinverständl. wiss. Vorträge, 14. Serie, H. 315/16, 1879, S. 75-136. – Zu C. H. Alexander:
    Alexander Pagenstecher (Hg), Als Student u. Burschenschaftler in Heidelberg v 1816 bis 1819, Als Abg. in Frankfurt im J. 1848. Revolutionäre Bewegungen im Rheinlande 1830-1850, Lebenserinnerungen v. Dr. med. C. H. A. P., 3 Bde., 1913.

  • Literatur

    ADB 53;
    Catalogue of Scientific Papers of the Royal Soc. of London 4th Series, 17, 1921 (Repr. 1965), S. 674;
    Natura 39, 1889, S. 280 f.;
    Leopoldina. H. 25, 1889, S. 52;
    Stiles-Hassall, in: Medical and veterinary zoology 22, 1909, S. 1629-31;
    H. Querner, Heidelberger Zoologen d. 19. Jh., in: Ruperto-Carola 19, 1967, S. 317-28 (P);
    I. Scheele, Zum Beginn d. Professionalisierung d. Mus.arbeit in Hamburg vor 100 J. etc., in: Verhh. d. Naturwiss. Ver. in Hamburg NF 26, 1983, S. 5-27 (P);
    Drüll, Heidelberger Gel.lex. I;
    Dt.GB 135, 1965, S. 345 f.

  • Autor/in

    Brigitte Hoppe
  • Empfohlene Zitierweise

    Hoppe, Brigitte, "Pagenstecher, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 1 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116015608.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Pagenstecher *)Zu Bd. LII, S. 744.: Heinrich Alexander P. wurde am 18. März 1825 in Elberfeld geboren. Nachdem er das Gymnasium seiner Vaterstadt absolvirt hatte, studirte er in Göttingen, Heidelberg, Berlin und Paris Medicin. Nach der Promotion und bestandenem Staatsexamen ließ er sich 1847 als praktischer Arzt in Elberfeld nieder, war 1848—49 Brunnenarzt in Salzbrunn und von 1849—56 praktischer Arzt in Barmen. 1856 habilitirte er sich als Privatdocent für Geburtshülfe in Heidelberg. Hier hatte er das Mißgeschick, bei einer Operation zwei Fingerglieder zu verlieren, wodurch er sich zu dem erwählten Berufe untauglich fühlte. Er gab daher die Geburtshülfe, die gesammte Medicin und Chirurgie auf. Da er schon immer große Neigung zur Zoologie gehabt und sich mit dieser Wissenschaft eingehend beschäftigt hatte, beschloß er sich ihr völlig zu widmen. Bereits im folgenden Jahre veröffentlichte er drei bemerkenswerthe zoologische Arbeiten: „Trematodenlarven und Trematoden“, Heidelberg 1857, ferner „Ueber Milben, besonders die Gattung Phytoptus“ in Verhandlungen der naturhist. medic. Gesellschaft zu Heidelberg, Bd. I, 1857, und „Ueber Erziehung des Distoma echinatum durch Fütterung“ in Wiegmann's Archiv f. Naturgeschichte, Jahrg. 23, Bd. 1, 1857. Im folgenden Jahre veröffentlichte er in Gemeinschaft mit Rudolf Leuckart: „Untersuchungen über niedere Seethiere“ in Müller's Archiv f.|Anatomie, 1858, und „Zur Kenntniß der Geschlechtsorgane der Taenien“ in Zeitschrift f. wissensch. Zoologie, Bd. 9, 1858. Bemerkenswerth sind ferner aus dieser Periode seine Arbeiten über Milben: „Beiträge zur Anatomie der Milben“, 2 Hefte, Leipzig 1860 u. 61. Nach Bronn's Tode (5. Juni 1862) wurde er zu dessen Vertretung berufen, 1863 zum außerordentlichen, 1866 zum ordentlichen Professor für Zoologie und Paläontologie ernannt. Er setzte zunächst seine sorgfältigen Untersuchungen über Eingeweidewürmer fort und schrieb: „Zur Anatomie von Echinorhynchus proteus“ in Zeitschrift f. wiss. Zoologie, Bd. XIII, 1863, und „Die Trichinen“, Leipzig 1865. 1870 trieb ihn seine patriotische Begeisterung, den Feldzug gegen Frankreich als Arzt mitzumachen.

    Nach seiner Rückkehr begann er sein Hauptwerk: „Allgemeine Zoologie oder Grundgesetze des thierischen Baues und Lebens“, Berlin, 4 Bde., 1875 bis 1881. Er schlug in diesem Werke einen ganz neuen Weg ein, indem er das Thierreich nicht, wie bisher immer geschehen, systematisch, sondern morphologisch-biologisch behandelte. Dies geistvolle Werk fand verdiente Anerkennung. Ferner veröffentlichte er: „Die Thiere der Tiefsee“, Berlin 1879. Dies Werk enthält eine Geschichte der zoologischen Untersuchungen des Meeres von Edward Forbes bis auf die damalige Zeit und eine Zusammenstellung der in größeren Tiefen lebenden Formen. 1882 gab er seine Professur auf und folgte einem Rufe nach Hamburg, um die Direction des dortigen naturhistorischen Museums zu übernehmen.

    P. starb am 4. Januar 1889 an einem Herzleiden.

  • Autor/in

    W. Heß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heß, Wilhelm, "Pagenstecher, Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 53 (1907), S. 789-790 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116015608.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA