Lebensdaten
1800 bis 1867
Geburtsort
Kirchen/Sieg
Sterbeort
Beckenried (Schweiz)
Beruf/Funktion
Textilfabrikant
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 137671121 | OGND | VIAF: 81832316
Namensvarianten
  • Jung, Wilhelm

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Zitierweise

Jung, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137671121.html [13.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Lorenz (1767–1837), Textilfabrikant u. Eisenhändler in K., S d. Joh. Christian (1732–1808), Tuchmacher, Kaufm., Schöffe u. Geschworener d. Kirchspiels Kirchen/Sieg, seit 1760 Inh. e. Lohnspinnerei u. seit 1797 einer v. ihm gegr. Handmaschinenspinnerei, u. d. Anna Maria Ermert;
    M Marie Elisabeth (1776–1841), T d. Reidemeisters Christoph Joh. Hermann Bredenbach aus Vollme b. Kierspe (Westf.);
    Ov Joh. Christian (1780–1868), Baumwollfabr.;
    Vt Friedrich (1806–78), Eduard (1809–81), Hermann (1806–86), Textilindustrielle in Elberfeld; Cousine Julie Jung (1802–72, Dr. Alexander Pagenstecher, 1799–1869, Arzt, Pol., s. ADB 25; BLÄ);
    - 1825 Sophie (1804–79, Cousine), T d. Friedrich August Jung (1769–1852), Kaufm. u. Baumwollspinner in K. u. Elberfeld, u. d. Dorothea Wuppermann;
    2 S (früh †), 4 T;
    N Arnold (1859–1911), Lokomotivfabr., gründete 1885 in Jungenthal/Sieg e. Lokomotivfabrik, d. später auch Werkzeug- u. Baumaschinen herstellte (s. L).

  • Leben

    J. besuchte 1804-14 in Kirchen eine Privatschule und arbeitete dann kurze Zeit im Familienunternehmen, der Handmaschinenspinnerei „Jungenthal“ bei Kirchen, die seit 1801 von seinem Vater und von dessen Brüdern Friedrich August und Johann Christian betrieben wurde und 1822 bei einer Tagesproduktion von 1 000 Pfund Baumwollgarn 600 Menschen beschäftigte. Zur weiteren Ausbildung kam er dann in das Haus seines Onkels Friedrich August in Elberfeld. wo er auch die Wilbergsche Privatschule besuchte. Nach einjähriger Militärzeit kehrte J. vorübergehend nach Kirchen und 1825 als Schwiegersohn Friedrich Augusts und Teilhaber des Familienunternehmens nach Elberfeld zurück. – In enger Zusammenarbeit mit Jungenthal verwirklichte J. seit 1835 die Pläne für eine moderne Spinnerei in Elberfeld. Auf dem bereits 1825 erworbenen Gut Hammerstein entstand bald eine der fortschrittlichsten Industrieanlagen Westdeutschlands. 1838 begann die Produktion mit 22 586 Spindeln. Auf wiederholten Geschäfts- und Informationsreisen nach Belgien, Frankreich und England, die er zwischen 1823 und 1842 unternahm, gewann er die Unterstützung W. Fairbairns in Manchester und der Firma A. Koechlin & Co. in Mülhausen i. E. Dank der fruchtbaren Verbindung mit engl. und elsäss. Technikern galt die Spinnerei Hammerstein, die auf einem geschulten Arbeiterstamm aus Kirchen aufbauen konnte und der 1852-66 eine Dampfweberei angegliedert wurde, als Musteranstalt.

    J. und sein Onkel Friedrich August zählen neben J. G. Brügelmann zu den ideenreichsten Textilindustriellen in Westdeutschland. Nach dem Tode Friedrich Augusts begann der Niedergang des Unternehmens, das in der Form der Familiengesellschaft den Konjunkturkrisen weniger gewachsen war als die neuen, kapitalkräftigeren Aktiengesellschaften. Friedrich Augusts Söhne Hermann|und Friedrich traten 1852 bzw. 1858 aus der Firma aus und verkauften ihre Anteile an J. und ihren Bruder Eduard, der nach J.s Tod das Unternehmen nicht fortführte. – J., der 1839 eine Krankenunterstützungskasse und ein Jahr später eine Werkssparkasse einrichtete, modifizierte die feudalen Herrschaftsverhältnisse für den modernen Industriebetrieb; der frommen, patriarchalischen Vorstellungswelt und der Nützlichkeit entsprach die Anlage von Arbeiterkolonien um Jungenthal und Hammerstein. Neben seinen Unternehmungen fand J. die Muße, die Geschichte seiner Familie und ihrer unternehmerischen Erfolge aufzuzeichnen.

  • Werke

    Nachlaß b. Berg. Gesch.ver., Wuppertal-Elberfeld.

  • Literatur

    T. C. Banfield, Industry of the Rhine, II: Manufactures, 1848, S. 145 ff.;
    F. u. P. Goldschmidt, Das Leben d. Staatsrats Kunth, 21888, S. 307;
    W. de Weerth, Ahnentafel v. Ellen de Weerth geb. Jung, 1939;
    E. Stein, Die Spinnerei Jungenthal, in: Siegerland 37, 1960, S. 77-89;
    W. Dietz, Chronik d. Fam. Wuppermann II, 1965, S. 14-22, Bildbd. II, S. 7 (P);
    M. Schumacher, Auslandsreisen dt. Unternehmer 1750-1851, 1968;
    ders., Zweckbau u. Industrieschloß, Fabrikbauten d. rhein.-westfäl. Textilindustrie vor d. Gründungszeit, in: ZUG 15, 1970, H. 1, S. 30 ff. -
    Eigene Anchivstud. - Zu N Arnold: Stahl u. Eisen 31, 1911 (P).

  • Autor/in

    Martin Schumacher
  • Empfohlene Zitierweise

    Schumacher, Martin, "Jung, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 679 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137671121.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA