Lebensdaten
1526 bis 1607
Geburtsort
Grebern bei Bamberg
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
Altphilologe ; schwäbischer Historiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118677446 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kraus, Martin
  • Cruse, Martin
  • Crusius, Martin
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Zitierweise

Crusius, Martin, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118677446.html [25.09.2016].

CC0

Crusius (Kraus), Martin

Altphilologe, * 19.9.1526 Grebern bei Bamberg, 14.2.1607 Tübingen. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Martin Kraus (1490–1553), ev. Pfarrer in Schlichten (Oberpfalz), S des Schneiders u. Bierbrauers Petrus (1460–1516) u. der Marg. Schaller ( 1536); M Maria Magd. ( 1560), T des Heinrich Trummer u. der Anna Laucher; 1) Memmingen 29.4.1558 Sibylle Sus. ( 1561), T des Wolfgang Roner, 2) Tübingen 1.4.1563 Kath. ( 1566), T des Jakob Vogler, 3) Esslingen 12.8.1567 Kath., T des Notars u. Rats Urban Vetscher; 7 S, 8 T.

  • Leben

    C. verbrachte die Schulzeit in Ulm, die Studienjahre in Straßburg. 1554 wurde er Rektor der Lateinschule in Memmingen, 1559 Professor der griechischen und lateinischen Sprache an der Universität Tübingen. C. zog viele Hörer an und stand mit zahlreichen Gelehrten des In- und Auslandes in Verbindung; zumal Griechen kamen nach Tübingen zu dem „Vorkämpfer des Philhellenismus in Europa“ (Zachariades), der auch den Plan einer Vereinigung der griechischen Kirche mit der evangelischen zu fördern bestrebt war. In der Geschichte der Philologie ist C. vor allem als Schöpfer des ersten deutschen Kommentars zum ganzen Homer zu nennen. Mit seinem ehemaligen Schüler, dem genialischen, aber zur Maßlosigkeit neigenden Dichterhumanisten Nicodemus Frischlin, geriet C. in heftige Fehde; die Art, wie C. diese, noch über des Gegners Tod hinaus, führte, hat verschiedene Beurteilung gefunden. In den „Annales Suevici“, C. Hauptwerk (3 Bände, dazu: Paraleipomenos rerum Suevicarum liber, 1595/96; übersetzt und bis 1733 fortgeführt von J. J. Moser) ist mit riesigem Fleiß („otiari non possum“) eine Unsumme von Material zusammengetragen; dadurch ist das Werk, so unverarbeitet es sein mag, noch heute willkommen. Dasselbe gilt für das 1573 von C. begonnene „Diarium“, das für die Zeit ab 1596, als Fortsetzung der „Annales“, eine bedeutsame kultur-, wissenschafts- und landesgeschichtliche Quelle darstellt (Handschrift in der Universitätsbibliothek Tübingen; Band I, II, herausgegeben von W. Göz und E. Conrad, 1927 (Porträt) und 1931, Band III (im Erscheinen).

  • Werke

    Weitere W (ca. 50) bei W. Göz, s. u.; Ein Teil s. Schrr. gedr. v. Erhard Cellius (1546–1606), s. Benzing, Buchdrucker; sämtl. seit 1596 im Diarium erwähnten Werke u. Arbb. in Bd. 3, Index (bearb. v. E. Staiger).

  • Literatur

    ADB IV; W. Göz, M. C. u. d. Büchereiwesen s. Zeit, in: Zbl. f. Bibl.wesen 50, 1933, S. 717-33 (W, ältere L); G. E. Zachariades, Tübingen u. Konstantinopel im 16. Jh., 1941, bes. S. 51 ff.; R. Stahlecker, in: Tübinger Bll. 33, 1942, S. 25-31; ders., M. C. u. Nic. Frischlin, in: Zs. f. württ. Landesgesch. 7, 1943, S. 323-66; G. Reichert, M. C. u. d. Musik in Tübingen um 1590, in: Archiv f. Musikwiss. 10, 1953, S. 185-212; H. Widmann, in: Btrr. z. Namenforschung 5, 1954, S. 285-87; Heyd.

  • Portraits

    Ölgem. (Univ.-Bibl. Tübingen), Abb. in: R. Scholl, Die Bildnisslg. d. Univ. Tüb. 1477-1927, 1927; Kupf. v. J. Zuberlein (Nat.Bibl. Paris).

  • Autor

    Hans Widmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Widmann, Hans, "Crusius, Martin" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 433-434 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118677446.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Crusius, Martin

  • Leben

    Crusius: Martin C. (Kraus), Professor der griechischen Sprache auf der Universität Tübingen von 1559—1607, wurde 19. Sept. 1526 zu Grebern bei Bamberg als Sohn des dortigen evangelischen Geistlichen geboren, machte seine Studien im Gymnasium zu Ulm und im Predigerkloster zu Straßburg. Schon 1551 kam er als Hofmeister zweier junger Leute von Adel nach Tübingen und bewarb sich dort um eine Anstellung, aber ohne Erfolg. Hierauf begab er sich wieder nach Straßburg, und gab am dortigen Gymnasium Unterricht. 1554 wurde er zum Rectorat der lateinischen Schule nach Memmingen berufen, ging dann als Begleiter eines Studiosus Dietlmeyer 1559 wieder nach Tübingen und wurde dort als Professor der griechischen und lateinischen Sprache angestellt, bekam 1564 auch den Lehrauftrag für Rhetorik. Er las über Sophokles, Thukydides, Homer, Aristoteles und Galen und erwarb sich bald als Gräcist einen solchen Ruf, daß man ihm einen neuen Hörsaal bauen mußte und viele Ausländer, namentlich geborene Griechen nach Tübingen kamen um ihn zu hören. Er nahm auch viele junge Leute in Kost und Wohnung auf. Er hatte eine ausgedehnte Verbindung mit auswärtigen Gelehrten und viele kamen, um|ihn zu besuchen nach Tübingen. Von seiner Arbeitskraft und ungeheuern Belesenheit zeugte eine große Anzahl von Manuscripten, und besonders sein 9 Quartbände starkes Diarium, in welchem er nicht nur seine Erlebnisse, sondern auch seine Lectüre verzeichnet und viele Auszüge aus Druckschriften und Handschriften gibt. Bei allem Fleiß in den Studien scheint er auch eine sehr gesellige Natur gewesen zu sein, gar häufig berichtet er von Gastmählern, die er entweder selbst veranstaltet oder zu denen er geladen war, und beschreibt nicht nur die Tischgäste und die geführte Unterhaltung, sondern berichtet auch, was man gegessen und getrunken habe und wie lange getafelt worden sei. Seine litterarischen Leistungen bestehen in verschiedenen kleineren und größeren Arbeiten über griechische und lateinische Grammatik und Rhetorik, akademischen Gelegenheitsschriften, Ausgaben und Scholien verschiedener griechischer Schriften, einer Sammlung von Nachrichten über den Zustand der Griechen unter der türkischen Herrschaft unter dem Titel "Turco-Graecia" und "Germano-Graecia", die in Basel 1584 und 1585 erschienen sind. Sein Hauptwerk sind die "Annales suevici", die in zwei Foliobänden 1593 zu Frankfurt a. M. erschienen sind und eine überaus reichhaltige Chronik Schwabens enthalten, die eine Hauptquelle für die schwäbische Geschichte, besonders für das 16. Jahrhundert ist. Diese wurde später von Joh. Jak. Moser ins Deutsche übersetzt, fortgesetzt und mit einer Lebensbeschreibung des Verfassers begleitet und erschien in Tübingen 1733. Ein eigentümliches Zeugniß von dem Fleiß, mit dem C. seine Zeit auszunützen pflegte, sind die 20 Bände griechisch nachgeschriebener Predigten. Er war, wie man daraus ersieht, ein regelmäßiger Kirchgänger, wollte aber doch die in der Kirche zugebrachte Zeit auch für die Uebung im Griechischen verwerthen. Er erreichte bei seinem Fleiß doch ein hohes Alter bei guter Gesundheit; er starb den 14. Februar 1607 im 81. Jahr. An seinem 80. Geburtstag lud er seine sämmtlichen Collegen zu einem fröhlichen Mahl ein.

    • Literatur

      Die Hauptquelle für seine Lebensgeschichte ist die Einleitung, welche Joh. Jak. Moser der schwäbischen Chronik vorangestellt hat. Vgl. auch Klüpfel, Geschichte der Universität Tübingen. Ebendas. 1849 und David Friedr. Strauß, Leben und Schriften des Dichters und Philologen Nicod. Frischlin. Frankfurt a. M. 1856.

  • Autor

    Klüpfel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Klüpfel, Karl, "Crusius, Martin" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 633-634 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118677446.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA