Lebensdaten
um 1487 oder 1488 – nach 1558
Geburtsort
Chemnitz
Sterbeort
Magdeburg
Beruf/Funktion
Dramatiker ; Meistersänger
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 130349763 | OGND | VIAF: 39300102
Namensvarianten
  • Vogt, Valten
  • Voit, Valten
  • Voigt, Valten
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Voith, Valten, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130349763.html [18.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    Eltern unbek.;
    N. N.;
    2 S Johannes ( 1548), Jakob ( 1548), beide studierten in Wittenberg.

  • Biographie

    Auskunft über V.s Lebensumstände geben die Vorworte zu seinen zwei Spielen sowie sein Hauptwerk, die von ihm angelegte Jenaer Handschrift seiner Meisterlieder (Ms. El. f. 100, Thür. Univ.- u. Landesbibl. Jena), deren ersten Abschnitt er nach eigenen Angaben 1557 im Alter von 70 Jahren abschloß. Die Wittenberger Universitätsmatrikel für 1507 nennt ihn als „Valentinus voydt de Kemnitz“. Nach dem Studium ließ sich V. in Magdeburg nieder, wo er 1541 als Ziesenmeister (Steuereinnehmer) bezeugt ist. Hier wurden auch seine zwei Dramen gedruckt: das seiner Frau zuliebe geschriebene Stück „Esther“ (1537) und „Ein schön Lieblich Spiel von dem herlichen vrsprung“ (1538, auch als „Spiel vom Menschen“ bekannt). 1550 gab er unter dem Titel „Geistliche Ringeltenze“ eine Sammlung von 17 religiösen Liedern heraus. In ihr finden sich Werke Luthers, Jacob Klibers und Hermann Vulpius’ sowie 10 Lieder von V. selbst. V. wird auch als Autor des Dialogs „Ein schön Gesprech Christi und Sanct Petri von der welt laufft“ identifiziert, der 1559 anonym erschien und bis ins 17. Jh. hinein etliche Neuauflagen erlebte.

    V. schrieb seine ersten Meisterlieder nach eigener Auskunft um 1535. Demnach begann seine schriftstellerische Tätigkeit erst um sein 48. Lebensjahr herum. Dennoch leistete V. in der folgenden Zeit Bahnbrechendes für die nachreformatorischen Magdeburger Traditionen des Schuldramas sowie des Meistersangs. Die Jenaer Handschrift enthält insgesamt 351 Meisterlieder, die alle nur hier überliefert sind; unter Einfluß von Hans Sachs versifizierte V. neben weltlichen Stoffen auch das 1. Buch Mose, die Sonntagsevangelien des Kirchenjahres sowie den ganzen Psalter. Die 73 Melodieaufzeichnungen der Handschrift machen sie für die Meistersangforschung besonders wertvoll. V. plante ursprünglich, seine Meisterlieder seinen Söhnen zu hinterlassen, die jedoch 1548 der Pest zum Opfer fielen. Er widmete die durch eine Genealogie des sächs. Fürstenhauses eingeleitete, kalligraphisch anspruchsvolle Handschrift später Kf. Johann Friedrich II. (1529–95) und dessen zwei Brüdern.

    V. pflegte Beziehungen zu den luth. Theologen Georg Major (1502–74) und Joachim Greff (um 1510–52) und gehörte mit ihnen zu den Ersten, die biblische Stoffe nach Luthers Vorgaben auf die prot. Bühne brachten. Sein „Spiel von dem herlichen vrsprung“ wurde angeregt durch das luth. „Gesetz und Gnade“-Gemälde aus der Cranach-Werkstatt und bezeugt das Interesse von prot. Dramatikern an einer bildlich-szenischen Umsetzung der neuen Glaubenslehre.

  • Werke

    |Satiren u. Pasquille aus d. Ref.zeit, hg. v. O. Schade, Bd. 1, 2. Ausg. 1863, S. 154–75 u. 242–45;
    Dramen v. Ackermann u. V., hg. v. H. Holstein, 1884;
    E. Klesatschke u. H. Brunner, Meisterlieder d. 16. bis 18. Jh., 1993, Nr. 3, 20;
    Dt. Dramen v. Hans Sachs bis Arthur Schnitzler, hg. v. M. Finkbeiner, 2005 (CD-ROM);
    – Digitalisat v. V.s Meisterliederhs. in d. Internetpräsenz d. Univ.- u. Landesbibl. Jena.

  • Literatur

    |ADB 40;
    O. Clemen, Sprüche v. d. Meistersänger V. V. aus Chemnitz, in: Neues Archiv f. sächs. Gesch. 42, 1924, S. 130–36, erneut in: ders., Kleine Schrr. z. Ref.gesch., hg. v. E. Koch, Bd. 5, 1984, S. 178–84;
    W. F. Michael, Das dt. Drama d. Ref.zeit, 1984, S. 60–62;
    F. Pensel, Verz. d. altdt. u. ausgew. neuerer dt. Hss. in d. Univ.bibl. Jena, 1986;
    Repert. d. Sangsprüche u. Meisterlieder d. 12. bis 18. Jh., hg. v. H. Brunner u. B. Wachinger, Bd. 1, 1994, S. 182–85, Bd. 12, 1989, S. 325–416 (L);
    G. Ehrstine, Seeing is Believing, V. V.‘s „Ein schön Lieblich Spiel v. d. herlichen vrsprung“ (1538), Protestant „Law and Gospel“ Panels, and German Ref. Dramaturgy, in: Daphnis 27, 1998, S. 503–37;
    C. Schmidt, Nur (poet.) Mittel z. Zweck? Die Sachsengeneal. d. Magdeburger Meistersängers V. V., in: Parthenopolis, Jb. f. Kultur- u. Stadtgesch. Magdeburgs 1, 2007 / 08, S. 225–38;
    Killy1+2;
    Kosch, Lit.-Lex.³ (L).

  • Autor/in

    Glenn Ehrstine
  • Zitierweise

    Ehrstine, Glenn, "Voith, Valten" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 79 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130349763.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographie

    Voith: Valten V. (Voit, Vogt), deutscher Dramatiker und Meistersänger, geboren um 1487, nach 1558. Wenn er der Valentinus Voiydt de Kemnitz ist, der zum Jahre 1507 im Album der Wittenberger Universität verzeichnet ist, so ist sein Geburtsort Chemnitz. Aber seiner Wirksamkeit nach gehört er Magdeburg an, wo er in Verbindung mit den gelehrten Kreisen steht, obwol er sich schlechtweg als Magdeburger Bürger bezeichnet und 1541 als Ziesenmeister (Steuereinnehmer) der Stadt erscheint. Unter den Magdeburger Dramatikern nimmt er der Zeit nach eine der frühsten Stellen ein. Sein Drama von der Esther vom Jahre 1537 erschien anonym, aber in einem Akrostichon am Schluß ist sein Name sichtbar. Der dramatische Werth des Stückes ist gering, die Handlung vertheilt sich nach Maßgabe der biblischen Erzählung in 5 Acte, deren Scenen zusammenhangslos an einander gereiht sind; aber der Verfasser verfolgt einen ethischen Zweck: er will Vasthi und Haman zur Warnung, Esther und Mardachai zur Nachahmung hinstellen. Auch eine symbolische Deutung der Fabel wird in einem „Beschluß“ gegeben. Voith's Drama ist von Marcus Pfeffer (s. A. D. B. XXV, 619) benutzt worden. Das zweite Drama vom Jahre 1538 „vom herrlichen Ursprung, betrübend Fall, gnädiger Wiederbringung, mühseligen Leben, seligen Ende und ewiger Freud des Menschen“ gehört zu den sog. Erlösungsspielen, die im Every Man, Homulus und Hekastus zur Darstellung gebracht sind. Es verfolgt einen theologisch-ethischen Zweck, ist aber ohne alle dramatische Entwicklung und macht den Eindruck einer gereimten Dogmatik. Als Liederdichter kennen wir V. durch eine Sammlung geistlicher Ringeltänze (1550), die aus der heil. Schrift für die Jugend gezogen sind. Zuletzt ist V. auch als Meistersänger zu nennen. Seine Dichtungen sind von ihm im J. 1558 in einen großen 464 Blatt zählenden Folioband der Universitätsbibliothek zu Jena eingetragen, den er nach dem Tode seiner Söhne den Herzögen von Sachsen gewidmet und geschenkt hat. Vorwiegend sind es biblische Stoffe, denen V. seine Aufmerksamkeit zuwendet, und zwar behandelt er das erste Buch Mose, die Postille und den Psalter.

    • Literatur

      Die litterarischen Nachweise über V. habe ich in der Einleitung zu dem von mir in der Publication des Literarischen Vereins zu Stuttgart, Bd. 170 (1884) veranstalteten Neudruck der beiden Dramen gegeben. Neuerdings haben W. Kawerau ebenfalls über die Dramen (Beibl. zur Magdeb. Zeitg. 1893, Nr. 27) und R. Schwartz. Esther im deutschen und lateinischen Drama des Reformationszeitalters, Oldenburg u. Leipz. (1893), S. 12—20 über das Estherdrama Voith's gehandelt.

  • Autor/in

    H. Holstein.
  • Zitierweise

    Holstein, H., "Voith, Valten" in: Allgemeine Deutsche Biographie 40 (1896), S. 223 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130349763.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA