Lebensdaten
1863 bis 1932
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Clam
Beruf/Funktion
österreichischer Politiker ; Ministerpräsident
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 140067302 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Clam-Martinic, Heinrich Graf von
  • Clam-Martinic, Heinrich Karl Maria Graf von
  • Clam-Martinic, Heinrich
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Zitierweise

Clam-Martinic, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd140067302.html [24.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Richard (1832–91), k. u. k. WGR, Vizepräsident des österr. Abgeordnetenhauses, S des Karl (1792–1840), FML, Militärschriftsteller (s. Wurzbach), u. der Lady Selina Meade, Oberhofmeisterin der Erzherzogin Sophie, T des Richard Lord Guilford, Earl of Clanwilliam, u. der Carol. Gfn. v. Thun u. Hohenstein;
    M Luisa (1836–91), T des Heinr. Gf. Bombelles ( 1850, s. NDB II*) u. der Sophia a. d. H. d. Barone Fraser of Saltoun (1804–84);
    Ov Heinr. Jaroslaw (1826–1887), Führer der tschechischen Nationalisten, Reichsrat, hatte jedoch keinen dauernden Erfolg, da er weder den Deutschen noch Tschechen gerecht wurde (s. ÖBL);
    Wien 1895 Anna (* 1875), T des Otto Gf. v. Abensperg u. Traun (1848–99) u. der Therese Gfn. Trauttmansdorff (1852–1914); kinderlos.

  • Leben

    Als dynastietreuer Tscheche stieg C. im Böhmischen Landtag und im Herrenhaus „auf der Rechten“ zu einem Führer seiner Standesgenossen, aber auch der Tschechen überhaupt auf. Längst war er dem Thronfolger Franz Ferdinand, den er auf seiner Weltreise 1892/93 begleitet hatte, persönlich und politisch nahegetreten. Als Landsturmkompanieführer im Weltkrieg (1914–16) gewann C. ein noch lebendigeres Verhältnis zum Staat und seinen Völkerfragen. Weit realistischer als bisher sah er nun auch die deutsch-tschechisch-österreichischen Probleme an. Mit der politischen Linie des Ministerpräsidenten Karl Graf von Stürgkh nicht einverstanden, wurde er nach dessen Ermordung von dem Nachfolger|Ernst von Koerber als Repräsentant der ausgleichsbereiten Tschechen zum Ackerbauminister (31.10.-13.12.1916) berufen, einem unter dem Kriegsnotstand doppelt verantwortlichen Amt. Da sich Kaiser Karl bald von Koerber trennte und der altbewährte Alexander Freiherr von Spitzmüller die Regierungsbildung ablehnte, berief der junge Kaiser, der nach politisch unverbrauchten Kräften Ausschau hielt, C. zum ersten Ministerpräsidenten seines Vertrauens (20.12.16). Er behielt selbst das Landwirtschaftsressort und nahm Spitzmüller als Finanzminister, Max Ritter von Hussarek als Unterrichtsminister und den besonders an der südslavischen Frage interessierten Joseph Baernreither zum Minister ohne Geschäftsbereich; den zivilen Ernährungsminister tauschte er gegen den General Anton Hoefer aus. Doch in dem von Wünschen für innere und äußere Befriedung und den Tatsachen der unerbittlichen Wirklichkeit wechselhaft bestimmten Milieu um den noch unerfahrenen Kaiser konnte sich auch C. nur unzureichend durchsetzen. Ohne die von ihm und den Deutschen für notwendig befundenen gesetzgeberischen Vorbereitungen durch die Autorität der Krone wurde das Parlament zu einer stürmischen Kriegstagung für Mai 1917 einberufen. C.s Appell „Seien wir vor allem Österreicher!“ wurde eine Zeitlang zum geflügelten Wort, aber seine Idee eines Völkerministeriums scheiterte an dem Widerstand der Polen und Tschechen. Unter diesen Enttäuschungen räumte er 19.6.1917 das unfruchtbar gewordene politische Feld. Zum Militärgouverneur von Montenegro ernannt, lernte C. den besetzten Balkan kennen und bemühte sich auch da um ein humanes Regiment.

  • Literatur

    A. v. Czedik, Zur Gesch. d. k. u. k. österr. Ministerien 1861-1916 IV, 1920;
    J. Redlich, Österr.s Regierung im Weltkrieg, 1925, Kap. 8;
    ders., Schicksalsjahre Österr.s 1908-1919, hrsg. v. F. Fellner, Bd. 2, 1954;
    A. Gf. Polzer-Hoditz, Kaiser Karl, 1929, bes. Kap. 5 u. 9;
    J. Baernreither, Der Verfall d. Habsburgerreichs u. d. Deutschen, Fragmente eines pol. Tageb., 1897-1917, hrsg. v. O. v. Mitis, Wien 1939;
    Uhlirz III;
    R. A. Kann, The Multinat. Empire, Nationalism and Nat. Reform in the Habsburg Monarchy 1848-1918, Bd. 2, New York 1950, S. 241 f. (L);
    ÖBL (L).

  • Autor/in

    Reinhold Lorenz
  • Empfohlene Zitierweise

    Lorenz, Reinhold, "Clam-Martinic, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 259-260 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd140067302.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA