Lebensdaten
um 1535 bis 1597
Geburtsort
Löwen (Leuven, Louvain)
Sterbeort
Frankfurt am Main
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 118935593 | OGND | VIAF: 8186766
Namensvarianten
  • Valckenberge, Lucas van
  • Valkenberch, Lucas van
  • Valkenborch, Lucas van
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Zitierweise

Valckenborch, Lucas van, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118935593.html [25.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus niederl.-fläm. Malerfam., d. zw. etwa 1560 u. 1635 über drei Generationen zahlr. Künstler hervorbrachte hat;
    V Laureys ( v. 1568), S d. Laureys, Bäcker u. Stadtbote in L., u. d. Anna Willemans;
    M Anna Meys ( 1540/45);
    B Marten I. (Martin) (1534/35–1612, Luycke Vleminckx), Maler in Antwerpen, dann in F. (s. BWN);
    vor 1566 N. N.;
    S Marten II. (Martin) (v. 1566–97), Maler u. Bürger in F.;
    E Lucas II. (1596–1625?), Maler in Nürnberg, Michiel (* 1597), Maler;
    N Frederik I. (Friedrich d. Ä.) (um 1566–1623), Maler, emigrierte 1586 n. F., 1597 Bürger ebd., ging 1602 n. Nürnberg, 1605 Bürger ebd. (s. NBW; Nürnberger Künstlerlex.), Gillis I. (1570–1622, Barbara, T d. Josse van Hilden [Hilten], 1567 aus Antwerpen verbannt, Bürger in F.), Maler (s. NBW);
    Gr-N Friedrich d. J. (1598–1653), Handelsmann in Nürnberg (s. Nürnberger Künstlerlex.), Moritz (1600–32), Maler in Nürnberg (s. NBW; Nürnberger Künstlerlex.).

  • Leben

    V. erhielt seine Ausbildung in Mecheln. Am 26. 8. 1560 trat er in die dortige Malergilde ein und hatte bald darauf mindestens einen Schüler. Sein Frühwerk ist jedoch nicht bekannt; das älteste gesicherte Werk, „Landschaft mit Angler auf dem Steg“, ist nur wenig vor 1567 zu datieren.

    Nach dem Scheitern des Aufstandes der calvin. Niederländer gegen die span. Herrschaft 1566 verließ V. Mecheln, auch um den drohenden Konfiskationen zu entgehen. Landschaftsbilder wie die Ansichten von Lüttich (1567, 1945 verbrannt) und Dinant (1569, New York, The New York Historical Society) belegen, daß er sich in der Folgezeit im Maastal aufhielt. 1570 ist er in Aachen nachweisbar, zusammen mit seinem Bruder Martin und Hans Vredeman de Vries. 1574/75 übersiedelte er nach Antwerpen.

    Ehzg. Matthias (1557–1619), der jüngere Bruder von Ks. Rudolf II. (1552–1612) und ab 1577 Statthalter der Niederlande, berief V. 1579 in seine Dienste. Als Matthias im Okt. 1581 das Statthalteramt niederlegen mußte, zog V. mit ihm nach Linz/Donau, wo der Erzherzog sich einen bescheidenen Hofstaat einrichtete. V. darf als der bedeutendste Künstler|in seinen Diensten angesehen werden. Viele der Bilder aus der Linzer Zeit gehören zum ältesten Bestand des Kunsthistorischen Museums Wien.

    V. porträtierte seinen Dienstherrn wiederholt. Daneben schuf er für ihn zahlreiche Landschaftsgemälde und mehrere Folgen von Monatsbildern, u. a. den großformatigen Zyklus von 1584–87, von dem fünf Bilder in Wien und zwei in Brünn erhalten sind. Sie präsentieren genrehaft die typischen Arbeiten und Vergnügungen des jeweiligen Monats, eingestellt in Landschaftszusammenhänge.

    Als Ehzg. Matthias 1593 ein Kommando gegen die Türken erhielt, verließ auch der alternde V. Linz. Er zog nach Frankfurt/M., wo sein Bruder Martin bereits seit 1586 ansässig war. Auf die Fürsprache des älteren Bruders von Matthias, Ehzg. Ernst (1553–95), erhielt V. am 10. 1. 1594 das Bürgerrecht der Freien Reichsstadt und verbrachte hier seine letzten Lebensjahre. Trotz häufiger Krankheit stand er bis zu seinem Tod einem großen und produktiven Werkstattbetrieb vor. Neben Landschaften entstanden idealtypische Gastmahlbilder sowie Jahreszeitenallegorien in Gestalt von Markt-, Früchte- oder Erntebildern.

    V. war v. a. als Landschaftsmaler tätig. Die Figuren sind stets klein und der weiten Landschaft untergeordnet. Dank seiner Fähigkeiten als Miniaturist sind dennoch Porträts identifizierbar. Die Landschaften sind sämtlich idealtypisch komponiert, zumeist nach dem Schema des einseitigen Ausblicks. Ab 1567 verwendete er zudem Diagonalkompositionen mit einer oder mehreren Raumgassen. In einigen Bildern lassen sich konkrete Örtlichkeiten erkennen. Fels- und Gebirgslandschaften wurden ab den 1570er Jahren zu einer Spezialität V.s. Häufig enthalten sie Motive aus dem Bergbau und der Erzverhüttung. Ab 1573 entstanden zudem Nahlandschaften: Waldszenen mit Durchblick, Kirmessen und Bauernfeste. V. orientierte sich auch an den Werken anderer fläm. Künstler wie Pieter Brueghel d. Ä. (etwa am Bildthema der Babeltürme, das V. zwischen 1568 und 1595 viermal wiederholte). Im Lauf seines Lebens änderte sich sein Stil kaum, daher ist eine Datierung der Werke V.s, die durchgängig hohes handwerkliches Niveau zeigen, anhand stilistischer Kriterien schwer möglich.

  • Werke

    W 94 gesicherte Ölgem., 9 Zuschreibungen, 11 Graphiken lt. krit. W-Kat. b. Wied, 1990 (s. L), u. a. Sommerlandschaft mit Kornschnitt, 1585, Herbstlandschaft mit Obsternte, 1585, Winterlandschaft, 1586, Frühlingslandschaft, 1587, alle Öl/Lwd.;
    Ksl. Waldspaziergang mit d. Neugebäude in Wien, 1595 (?), Öl/Kupfer (alle Wien, Kunsthist. Mus.).

  • Literatur

    L ADB 40;
    C. van Mander (1604, fol. 259 v –260r), Das Leben d. niederl. u. dt. Maler, übers. v. H. Floerke, 1905, Neuausg. 2000, S. 250 f.;
    H. F. Friederichs, Die fläm. Malersippe van V. in Frankfurt a. M., 1955;
    A. Wied, in: Jb. d. kunsthist. Slgg. in Wien 67, NF XXXI, 1971, S. 119–231 (P, W-Verz.);
    ders., L. u. Marten v. V. (1535–1597 u. 1534–1612), Das Gesamtwerk mit krit. Œuvrekat., 1990 (P, W-Verz.);
    ThB;
    BWN; Frankfurter Biogr.

  • Portraits

    P Selbstporträts als Staffagefigur: als Dudelsackspieler in e. Ges. v. Humanistenfreunden in „Kirmeslandschaft“, 1577 (St. Petersburg, Eremitage) u. Zweitfassung als Angler in „Der Angler am Waldteich“, 1590 (Wien, Kunsthist. Mus.), als Zeichner in „Ansicht d. Stadt Linz“, 1593 (Frankfurt/M., Städel) u. in „Landschaft mit Linz im Hintergrund“, undat. (Oldenburg, Landesmus. f. Kunst u. Kulturgesch., Augusteum) sowie „Ksl. Waldspaziergang mit d. Neugebäude“, 1595 (?) (s. W), gemeinsam mit Ehzg. Matthias in „Weinleselandschaft“, 1597 (Privatbes.)

  • Autor/in

    Kathrin Ellwardt
  • Empfohlene Zitierweise

    Ellwardt, Kathrin, "Valckenborch, Lucas van" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 694-695 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118935593.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Valckenborch *)Zu Bd. XXXIX, S. 458.: Lucas van V., Landschaftsmaler, stammte aus Mecheln, wo er in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts — wir wissen nicht, in welchem Jahre — geboren wurde. Nachdem er im J. 1560 Mitglied der Lucasgilde von Mecheln und im J. 1564 Meister derselben geworden war, verließ er im J. 1566 seine Vaterstadt, um fortan ein unruhiges Wanderleben zu führen. Begleitet von seinem Bruder Maerten und dem Architekturmaler Hans Vredeman de Vries begab er sich zuerst nach Antwerpen und dann nach Lüttich und Aachen. Durch den Erzherzog Matthias wurde er nach Linz berufen, wo er für ihn vier Bilder malte, die mit den Jahreszahlen 1585, 1586 und 1587 bezeichnet sind, und für die er am 1. August die Summe von 200 Reichsthalern ausgezahlt bekam. Zeitweilig hielt er sich auch in Nürnberg auf, wo er im J. 1597 für das Praun'sche Cabinet malte. Das letzte datirte Bild von seiner Hand ist die „Bauernschenke“ in der kaiserlichen Galerie zu Wien. Es stammt aus dem Jahre 1598. Ob er bald nach dieser Zeit oder erst nach 1622 gestorben ist, wo ihn Sandrart in Nürnberg gesehen haben will, ist noch nicht ermittelt worden. — V. ist der Maler der Berglandschaft, deren Motive er dem wallonischen Maßthal oder deutschen Gebirgen entnahm: „er bevorzugt den Blick von der halben Berghöhe, auf der wir uns im Vordergrunde befinden, in ein von grauen Gebirgen begrenztes Flußthal hinab; alte, Burgen, neue Schlösser, von hohen Bäumen beschattete ländliche Wohnungen, am häufigsten aber Gebäudeanlagen der Wald- und Bergindustrie bilden die nächste Nähe. Die Staffage, welche auf dem Bergpfade sichtbar wird, ist meist nicht mehr der biblischen oder profanen Geschichte, sondern dem täglichen Leben in der Landschaft entlehnt“. Zu beachten ist der Umstand, daß V. den Wechsel der Jahreszeiten im Bilde darstellt und selbst nicht vor einem winterlichen Schneefall zurückschreckt. Vortrefflich gelingt ihm der Baumschlag. Seine Technik ist für alle hauptsächlichen Theile des Bildes breit, die Figuren aber und die kleinen Sachen im Vordergrund führte er meist fein aus. Am besten ist V. in der kaiserlichen Galerie in Wien vertreten, die allein zehn Bilder von seiner Hand besitzt. Acht von ihnen aus den Jahren 1580 bis 1590 sind bezeichnet, die beiden übrigen nur durch die Art der Ausführung als Arbeiten Valckenborch's erkennbar. Eines dieser Bilder ist ein Porträt und stellt vermuthlich den jugendlichen Grafen Karl von Burgau, einen Sohn des Erzherzogs Ferdinand von Tirol und seiner Gemahlin Philippine Welser, dar. Im Braunschweiger Museum findet man drei Landschaften des Künstlers aus den Jahren 1595 und 1596, die früher fälschlich dem Lucas van Uden zugeschrieben|wurden. Außerdem ist er in den Gemäldesammlungen zu Madrid, Frankfurt a. Main, Oldenburg, Antwerpen, Rom (Palazzo Doria) und in der Ambraser Sammlung in Wien mit einem oder mehreren Bildern vertreten. — Neben Lucas van V. erfreut sich auch sein Bruder Maerten (Martin) einer gewissen Berühmtheit. Maerten van V. wurde im J. 1542 in Mecheln geboren und trat im J. 1559 in die Gilde seiner Vaterstadt ein. Im J. 1564 war er in Antwerpen thätig, von wo aus er sich nach Frankfurt a. Main wandte, wo er nach van Mander schon vor 1604, nach Andern aber erst im J. 1636 gestorben sein soll. Maerten van V. scheint ein Schüler seines Bruders Lucas gewesen zu sein, dessen Art er nachahmte, ohne sein Vorbild ganz zu erreichen. Er malte Landschaften, Dorffeste, Bauernbelustigungen und Städteansichten, die er gern mit einer großen Zahl kleiner Figuren versah, wobei er sich mitunter von Georg Flegel helfen ließ. Die meisten Bilder von seiner Hand waren in der früheren Ambraser Sammlung in Wien zu sehen, wo elf, die Monate des Jahres darstellende Gemälde mit biblischer Staffage aufbewahrt werden. In der kaiserlichen Galerie findet man nur ein Bild Maerten's, das die Kirchmeß vor einem Dorfe schildert. In der Dresdener Galerie gibt es ebenfalls nur ein Bild seines Pinsels, den „Thurmbau zu Babel“, das bezeichnet und mit der Jahreszahl 1595 datirt ist. — Ein Sohn von Lucas van V. war Frederic van V. Er war um die Mitte des 16. Jahrhunderts in Mecheln geboren und soll angeblich in Nürnberg 1623 gestorben sein. Von ihm besitzt die kaiserliche Galerie in Wien zwei Bilder, einen Jahrmarkt und ein Kirchweihfest, die in der Art seines Vaters gehalten sind. — Möglicher Weise war auch Gilis van V., der in dem Anfang des 17. Jahrhunderts als Maler vorkommt und im Braunschweiger Museum mit einem die „Niederlage Sanherib's“ vorstellenden Gemälde vertreten ist, ein Sohn des Lucas oder auch des Maerten. Aber auch sonst kommt der Name V. noch mit einer Anzahl von Vornamen vor, doch sind wir über die Träger dieser Namen und ihre Kunst nicht näher unterrichtet.

    • Literatur

      Vgl. Carel van Mander, Le livre des peintres. Vie des peintres flamands, hollandais et allemands (1604). Traduction, notes et commentaires par Henri Hymans. Paris 1885. Th. II, S. 47—51. — H. Riegel, Beiträge zur niederländischen Kunstgeschichte. Berlin 1882. I, 29, 34, 35, 37; II, 21—23, 34, 36, 104. — E. von Engerth, Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses. Gemälde. Beschreibendes Verzeichniß. Wien 1884. II, 504—513. — A. Woltmann und K. Woermann, Geschichte der Malerei. Leipzig 1888. III, 91, 92.

  • Autor/in

    H. A. Lier.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lier, Hermann Arthur, "Valckenborch, Lucas van" in: Allgemeine Deutsche Biographie 40 (1896), S. 392-393 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118935593.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA