Lebensdaten
1776 bis 1837
Geburtsort
Bremen
Sterbeort
Bremen
Beruf/Funktion
Physiologe ; Biologe ; Zoologe
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 118760866 | OGND | VIAF: 47557694
Namensvarianten
  • Treviranus, Gottfried Reinhold
  • Treviranus, G. R.
  • Treviranus, Gottfried
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Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Treviranus, Gottfried Reinhold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118760866.html [21.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Joachim Johann Jacob (1746–1806), Kaufm., später Notar u. Dispacheur in B.;
    M Catharina Margarethe Talla (1754–1805/10);
    10 jüngere Geschw (3 früh †) u. a. B Ludolph Christian (1779–1864), Botaniker, Prof. in Rostock, Breslau u. Bonn (s. ADB 38; Lex. Bryologen; Qu, L), Johann Jakob (1782–1824), Schiffskpt., Ludwig Georg (1790–1869), Ing. in B., später Fabrikinsp. in Breslau;
    1797 Elisabeth (Tibeta) (1770–1830), aus B., T d. Heinrich Focke (1732–1801) u. d. Maria Sophia Elisabeth Hanewinkel (1734–1803);
    2 S Eduard (1798–1851), Heinrich (1802–65, Sophia Lohmeyer, * 1803), Domänenpächter in Barntrup/Lippe, pachtete 1839 d. Domäne Schieder/Lippe, 1 T Marie Sophie Elisabeth (1801–58);
    Urur-E Gottfried (s. 2).

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums illustre in Bremen studierte T. 1792–96 an der Univ. Göttingen Mathematik und Medizin. Einflußreiche Lehrer waren in der Mathematik Abraham Gotthelf Kästner und in der Naturgeschichte Johann Friedrich Blumenbach. Er entschied sich – v. a. aus finanziellen Gründen – zu einem Abschluß in Medizin. 1796 wurde er mit einer Dissertation „De emendanda physiologia“ zum Dr. med. et chir. promoviert. Nach der Rückkehr nach Bremen war T. als prakt. Arzt tätig und lehrte bis 1816 als Professor für Mathematik und Medizin am Gymnasium illustre. Als praktizierender Arzt stand er dem damaligen Kenntnisstand der Medizin kritisch gegenüber. Er vertraute der Heilkraft der Natur mehr als den therapeutischen Mitteln. Schon bald wandte er sich neben seiner ärztlichen Tätigkeit naturwissenschaftlichen Studien zu. Dabei ging es ihm sowohl um eine philosophische Durchdringung der Probleme als auch um spezielle Studien, v. a. in der Zoologie. Angebotene Professuren in Göttingen (1815) und Leipzig (1824) lehnte er ab.

    T.s Wirken fällt in die Blütezeit der Romantischen Naturphilosophie, von der er zweifellos beeinflußt war. T. war aber mehr ein philosophischer Naturforscher als ein Naturphilosoph. Von der von Friedrich v. Schlegel ausgehenden spekulativen Richtung, wie sie z. B. Lorenz Oken vertrat, grenzte er sich immer ab. Wichtig war ihm der Gedanke der Einheit der Natur, in der alles mit allem zusammenhängt und alles im Wandel ist. In diesem Sinne ist auch sein Hauptwerk „Biologie oder Philosophie der lebenden Natur“ (6 Bde., 1802–22) zu verstehen. T. versuchte erstmals eine Gesamtdarstellung der Lebenswissenschaften und verwendete dafür den Begriff Biologie. Dabei setzte er sich mit der Definition des Lebens auseinander, gab einen Überblick über das System der Organismen, ihre Verbreitung (Biogeographie), Paläontologie und die Fortpflanzung. Breiten Raum nahm die Frage der Urzeugung ein, die er anhand der Literatur und aufgrund eigener Versuche als erwiesen ansah. Die Analyse der Lebensformen in den geologischen Schichten führte ihn als einen der ersten zur klaren Bejahung einer Evolution durch Anpassung an sich ändernde Umweltbedingungen (ohne die erst von Darwin begründete Selektionstheorie). Weitere Teile waren der Anatomie und Physiologie gewidmet. Durchgehend wurden die Verhältnisse bei Pflanzen, Tieren und dem Menschen verglichen. Sein späteres Werk „Die Erscheinungen und Gesetze des organischen Lebens“ (2 Bde., 1831/32) ist eine gestraffte und überarbeitete Fassung der „Biologie“. Die Rolle der „Lebenskraft“ wird stärker hervorgehoben, und T. neigt gemäß der Romantischen Naturphilosophie zur Vorstellung einer Beseelung der gesamten Natur. Zahlreiche Spezialarbeiten behandeln v. a. die Anatomie und Physiologie des Nervensystems und der Sinneswerkzeuge verschiedener Tiergruppen. T. illustrierte sie durch selbst gestochene Abbildungen. Einige Ungenauigkeiten der Beobachtung lassen sich darauf zurückführen, daß er lange Zeit nur eine unzureichende optische Ausrüstung besaß. T. starb an den Folgen einer nie ausgeheilten Lungentuberkulose.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Ges. Mus. in Bremen (Vorstandsmitgl.), d. Göttinger Physikal. Ges. (1794), d. Ges. d. Wiss. z. Göttingen (1817) u. d. Leopoldina (1818); korr. Mitgl. d. Ak. d. Wiss. z. Berlin (1812).

  • Werke

    Weitere W Btrr. z. Aufklärung d. Erscheinungen u. Gesetze d. organ. Lebens, 4 Bde., 1835–38;
    Mithg.: Zs. f. Physiol., 1824–35.

  • Literatur

    L G. Barkhausen, G. H. Schumacher u. G. Hartlaub, in: Biogr. Skizzen Brem. Aerzte u. Naturforscher, 1844, S. 433–590;
    W. O. Focke, in: Abhh. hg. v. Naturwiss. Vereine zu Bremen 6, 1879, S. 11–48;
    ders., in: Brem. Biogr. d. 19. Jh.;
    H. Knittermeyer, G. R. T., 1937;
    B. Hoppe, Le concept de biologie chez G. R. T., in: Colloque internat. „Lamarck“, hg. v. J. Schiller, 1971, S. 199–237;
    J. Nitzsche, Leben u. Werk d. Bremer Arztes u. Naturforschers G. R. T. (1776–1837), Diss. Lübeck 1989;
    ders., in: Darwin & Co., hg. v. I. Jahn u. M. Schmitt, Bd. 1, 2001, S. 202–20 (P);
    T. F. DeJager, G. R. T. (1776–1873) and the Biology of a World in Transition, Diss. Toronto 1991;
    Complete DSB;
    Nachlaß: Staats- u. Univ.bibl. Bremen, hierzu: M. Hermes, Der Nachlass v. G. R. T. u. L. Ch. Treviranus Staats- u. Univ.bibl.|Bremen, 2011;
    zu Ludolph Christian: ADB 38;
    B. Hoppe, L. C. T. (Leben u. Werk), in: Naturphilosophie n. Schelling, hg. v. Th. Bach u. O. Breidbach, 2005, S. 737–73;
    Lex. Naturwiss.; Lex. Bryologen (P).

  • Portraits

    P Marmorbüste, Abb. in: Abhh. hg. v. Naturwiss. Vereine zu Bremen 31, 1939, S. 27; Lith. v. R. Suhrlandt u. C. Wildt, posthum (Focke-Mus., Bremer Landesmus. f. Kunst u. Kulturgesch.).

  • Autor/in

    Gerhard Wagenitz
  • Empfohlene Zitierweise

    Wagenitz, Gerhard, "Treviranus, Gottfried Reinhold" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 408-409 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118760866.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Treviranus: Gottfried Reinhold T., Physiolog und Naturforscher, wurde als Sohn des 1806 verstorbenen Notars Joachim Johann Jakob T., dessen Vorfahren aus Trier stammten (daher der Name), sowie als das älteste von 11 Geschwistern und Bruder des später berühmt gewordenen Botanikers Ludwig Christian T. am 4. Februar 1776 in Bremen geboren. Schon als Kind beschäftigte er sich viel mit physikalischen Experimenten. Nach Absolvirung des Gymnasiums seiner Vaterstadt bezog er zum Studium der Medicin und Mathematik 1793 die Göttinger Universität, wo er bereits als Student eine Abhandlung „Ueber Nervenkraft und deren Wirkungsart“ (in Reil's Archiv) veröffentlichte (wiederabgedruckt in Treviranus' physiologischen Fragmenten 1797) und am 24. September 1796 mit der „De emendanda physiologia“ betitelten Inauguralabhandlung die Doctorwürde erlangte. Darauf ließ er sich, einem Wunsche seines Vaters zufolge, in Bremen nieder, wo er ein Jahr später zum Professor der Mathematik und Medicin an dem damals noch bestehenden „gymnasium illustre“ ernannt wurde. Als solcher hatte er auch abwechselnd mit den beiden anderen Professoren der Medicin den ärztlichen Dienst am Bremer Stadtkrankenhause zu versehen, ein Amt, das indessen mit dem Beginn der französischen Invasion aufhörte. T., der am 16. Februar 1837 zu Bremen starb, hat bis auf wenige, durch wissenschaftliche Reisen hervorgerufene Unterbrechungen sein ganzes Leben lang ausschließlich in seiner Vaterstadt zugebracht und hier eine vielseitige gelehrte und schriftstellerische Thätigkeit entfaltet. Letztere kam besonders der biologischen Wissenschaft zu gute. Er publicirte: „Biologie oder die Philosophie der lebenden Natur für Naturforscher und Aerzte“ (6 Bde., Göttingen 1802—22), das Werk seines Lebens, in dem er die Summe seiner Forschungen niedergelegt hat, sowie das gleichbedeutende Werk, betitelt: „Die Erscheinungen und Gesetze des organischen Lebens“ (2 Bde., Bremen 1831 bis 33). T. war unter den Ersten (seit 1816), die vom Mikroscop in umfassender Weise besonders zu histologischen Studien Gebrauch machten und den Werth der Induction und des Experiments für Forschungen auf dem Gebiete der Heilkunde betonten. Seine übrigen Arbeiten betreffen theils mathematische Themata, theils Gegenstände der praktischen Medicin. Letztere, im ganzen kaum die Zahl von einem halben Dutzend überschreitend, sind von geringer Bedeutung. Ein Verzeichniß derselben liefert die im Biogr. Lex. VI, 5 angegebene Quelle.

  • Autor/in

    Pagel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pagel, Julius Leopold, "Treviranus, Gottfried Reinhold" in: Allgemeine Deutsche Biographie 38 (1894), S. 588 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118760866.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA