Lebensdaten
1717 bis 1798
Geburtsort
Bad Tatzmannsdorf- Jormannsdorf
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Buchdrucker ; Buchhändler ; Verleger ; Papierfabrikant
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118760726 | OGND | VIAF: 102385744
Namensvarianten
  • Trattner Edler von Trattnern, Johann Thomas
  • Trattner, Johann Thomas Ritter von (seit 1764)
  • Trattner, Johann Thomas Edler von
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Zitierweise

Trattner, Johann Thomas Edler von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118760726.html [21.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Mathias T. ( 1721, ev.), Kleinbauer in J.;
    M Elisabeth Stubenvoll ( 1719);
    Tante-m Therese Stubenvoll (⚭ N. N. Weyringer, Pulvermüller in Wiener Neustadt);
    1) Wien 1750 Maria Anna v. Retzenheim (1721–74/75), evtl. T d. Johann Anton v. Retzenheim, Reichshofratsagent, 2) Wien 1776/77 Maria Theresia (Therese) (1758–93), Pianistin, Schülerin v. W. A. Mozart, Patin v. dessen T Theresia Constanzia, T d. Josef Anton v. Nagel (1717–94), Hofmath. in W., Dir. d. phil. Fak. d. Univ. Wien u. d. physikal. Kab. (s. L);
    S aus 1) Josef Anton (um 1754–79, ⚭ Josepha v. Martschläger, wohl T d. Mathias Ferdinand Edler v. Martschläger, 1713–92, erbländ. Adel 1792, k. k. niederösterr. Reg.rat, Sekr. d. Obristhoffalkenamtes, s. Meusel), Buchhändler, T Franziska Xaveria (1782/85–1856, ⚭ Ignaz Paul Frhr. v. Lederer, 1769–1849, k. k. Gen. d. Kav., Feldmarschall, s. ADB 18);
    E Johann Thomas (1776–1845, ⚭ Maria Regina Kleebinder, * 1791), auf Ebergassing, niederösterr. Landmann, k. k. privilegierter Buchhändler, übernahm 1793 T.s Buchhandlung in W.); Verwandte Matthias T. de Petrosza (ungar. Adel 1822), Buchdrucker, dessen S Karl Frhr. v. T. (österr. Frhr. 1859), k. k. FML, Dir. d. Ing.ak. in Klosterbruck, Rr. d. Eisernen Kronenordens, WGR (s. Wurzbach).

  • Leben

    T. wuchs nach dem frühen Tod beider Eltern bei seiner Tante Therese Weyringer auf. 1735 trat er bei dem Wiener Neustädter Buchdrucker Samuel Müller in die Lehre und war seit 1739 als Drucker und Setzer in der Offizin Peter van Ghelens in Wien tätig. 1748 erwarb er die sog. Jahn’sche Buchdruckerei in Wien. Seit 1749 fungierte er als Universitätsbuchdrucker. Sukzessive baute T. ein Beziehungsnetzwerk zu einflußreichen Personen des öffentlichen Lebens auf, darunter der Abt des Stifts Melk, Urban Hauer, der Hofmathematiker Josef Anton v. Nagel, der Hofphysicus Jean François de Marci ( 1791) und der Präsident der Zensurhofkommission Gerard van Swieten (1700–72). Dank der Gunst der Ksn. Maria Theresia gewann T. Einfluß auf die Formulierung und Umsetzung obrigkeitlicher Maßnahmen zur Förderung des Buch- und Verlagswesens in der Habsburgermonarchie. Dabei sicherte er sich zahlreiche Begünstigungen für den eigenen Betrieb, so etwa das alleinige Recht, bestimmte Schulbücher und Kalender zu drucken. Aufgrund mehrfacher Subventionen und Kredite durch den Wiener Hof konnte T. sein Geschäft seit 1750/51 zu einem Großunternehmen ausbauen, in dem alle Zweige des Buchgewerbes vertreten waren und das Niederlassungen in allen Teilen der Habsburgermonarchie sowie Buchlager an den Messeplätzen Leipzig und Frankfurt/M. unterhielt. Beim Aufbau seines Filial- und Vertriebsnetzes machte sich T. besonders um die Erschließung bis dahin buchhändlerisch schlecht versorgter Gebiete im Süden und Osten der Habsburgermonarchie verdient. Das Unternehmen umfaßte auf seinem Höhepunkt um 1780 zwei Papiermanufakturen, eine Schriftgießerei, verschiedene Papierlager, eine Buchbinderei, Kupferstecherei und -druckerei sowie mindestens neun Buchhandlungen, sechs Druckereien und 18 Buchniederlagen. Schon 1759 hatte T. alle Wiener Unternehmensteile in einem repräsentativen Firmengebäude in Alt-Lerchenfeld (heute Wien-Josefstadt), dem „Typographischen Palast“, vereinigt. 1773 erwarb er den am Graben in Wien gelegenen Freisingerhof, an dessen Stelle er ein prächtiges Miets- und Geschäftshaus, den sog. Trattnerhof errichtete, wo er eine Buchhandlung und seit 1777 ein Lektürekabinett betrieb.

    Wahrscheinlich angeregt durch seinen sächs. Mitarbeiter Christian Gottlieb Klemm (1736– 1802) gab T. seit Mitte der 1760er Jahre verstärkt Nachdrucke gefragter wissenschaftlicher und belletristischer Werke heraus. Diese z. T. enzyklopädisch angelegten Nachdruckprojekte führten zu wachsenden Konflikten mit den v. a. in Sachsen ansässigen Originalverlegern und zur Kritik österr. Intellektueller, wie Josef v. Sonnenfels und Alois Blumauer, die die „selbstverständliche“ Aneignung fremden geistigen Eigentums durch T. kritisierten. Obwohl nur ca. ein Drittel der etwa 8000 Titel umfassenden Gesamtproduktion T.s Nachdrucke waren, beförderte T.s Nachdrucktätigkeit die zeitgenössischen Diskussionen zur Frage des geistigen Eigentums. In kulturhistorischer Perspektive waren T.s Nachdrucke für die Vermittlung der|aufkommenden dt. Nationalliteratur und aufklärerischen Gedankenguts im kath. Süden des Reichs wichtig. Neben T.s Bedeutung als Verleger, Musikverleger und Herausgeber zahlreicher Zeitungen und Zeitschriften ist auch sein Einsatz innovativer Werbemethoden (z. B. „Zirkulare“ zur Ankündigung seiner Nachdruckreihen) hervorzuheben.

    Der Abbau von Privilegien sowie die Freigabe des Buchhandels und Buchdrucks durch Ks. Joseph II. leiteten den Niedergang des Unternehmens seit den 1790er Jahren ein. T.s Enkel Johann Thomas verkaufte es 1805 an den damaligen Faktor des Hauses, Georg Überreuter ( 1836); damit wurde es zur Keimzelle des bis heute bestehenden Überreuter-Verlags.

  • Auszeichnungen

    A Aufnahme in d. niederösterr. Landstände (1791).

  • Werke

    W Ode an seine Excellenz Leopold Gf. v. u. z. Daum, 1759;
    – Verlagsprogr.: C. Granelli, Germania austriaca seu topographia, 1752;
    R. Coronini, Tentamen Genealogico-Chronologicum Promovendæ Seriei Comitum Et Rerum Goritiæ, 1753; A. F. Kollar, Analecta monumentorum omnis aevi Vindobonensia, 1761–1762; M. Denis, Einl. in d. Bücherkde., 1777–1778.

  • Literatur

    L ADB 38;
    A. Mayer, Wiens Buchdrucker-Gesch., 1482–1882, Bd. 2, 1887;
    J. Goldfriedrich u. F. Kapp, Gesch. d. dt. Buchhandels, Bd. 3, 1909;
    H. Cloeter, J. T. T., Ein Großuntern. aus d. Theresian. Wien, 1952 (P);
    U. Giese, J. T. E. v. T., Seine Bedeutung als Buchdrucker, Buchhändler u. Hg., in: Archiv f. Gesch. d. Buchwesens 3, 1961, Sp. 1013–1454 (unvollst. Bibliogr. d. Verlagsproduktion);
    R. Wittmann, Der gerechtfertigte Nachdrucker, in: G. Barber u. B. Fabian (Hg.), Buch u. Buchhandel in Europa im achtzehnten Jh., 1981, S. 293–320;
    M. Lehmstedt, „Ein Strohm der alles überschwemmet“, Dok. z. Verhältnis v. Philipp Erasmus Reich u. J. T. v. T., Ein Btr. z. Gesch. d. Nachdr. in Dtld. im 18. Jh., in: Bibl. u. Wiss. 25, 1991, S. 176–267;
    I. Jaklin, Das österr. Schulbuch im 18. Jh., Aus d. Wiener Verlag T. u. d. Schulbuchverlag, 2003 (P);
    P. R. Frank u. J. Frimmel, Buchwesen in Wien 1750–1850, 2008, S. 198–200;
    LGB2 2;
    MGG2;
    Qu Österr. StA Wien;
    Dt. Buch- u. Schriftmus. d. Dt. Bücherei Leipzig;
    StadtA Leipzig;
    HStA Dresden;
    zu Josef Anton v. Nagel: J. Schönburg-Hartenstein, J. A. N., e. Dir. d. physikal. Kab., in: SB d. Österr. Ak. d. Wiss., Phil.-hist. Kl. 482, 1987;
    Pogg. II; Wurzbach.

  • Portraits

    P Gem. v. J. Hickel, 1770; Kupf. v. J. E. Mansfeld, 1781

  • Autor/in

    Christof Capellaro
  • Empfohlene Zitierweise

    Capellaro, Christof, "Trattner, Johann Thomas Edler von" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 360-361 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118760726.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Trattner: Johann Thomas Edler v. T., geboren am 8. Juli 1717 zu Jahrmannsdorf bei Güns in Ungarn, wo sein Vater ein armer Pulvermüller war, kam früh verwaist nach Wiener-Neustadt. Hier begann er im Alter von 15 Jahren die Buchdruckerei zu erlernen, die für ihn das Glück seines Lebens werden sollte. Im J. 1739 wanderte er nach Wien und trat hier in eine der ersten Officinen, in die des Johann Peter van Ghelen, um sich hier in seinem Berufe vollends auszubilden. Bereits nach neun Jahren gelang es ihm mit|Unterstützung eines Gönners die Zahn'sche Officin zu kaufen und wurde er schon im folgenden Jahre „Universitätsbuchdrucker“. „Das war die erste Sprosse der Leiter, auf der er nun zu Reichthum und Ansehen emporsteigen sollte; von nun ging es mit Unterstützung einflußreicher Freunde bei Hof und in den kaiserlichen Aemtern rasch vorwärts, und als es ihm gar gelungen war, die Protection van Swietens und des Hofphysikers Marci zu gewinnen und eine Audienz bei Maria Theresia zu erhalten (1750), trat der wachsenden Beliebtheit im Publicum die entscheidende Protection des Hofes an die Seite“. Es ist daher unter solchen günstigen Umständen nicht auffällig, daß T. rasch die ersten und einträglichsten Aufträge zur Ausführung erhielt. Am 5. October 1754 wurde ihm nach Ghelen's Tod das Privilegium impressorium auf die Hofarbeiten gegeben, nachdem ihm bereits 1751 das Privilegium als Hofbuchhändler ertheilt worden war. Schon um diese Zeit (1752) hatte er auf Veranlassung des Commercialrathes eine eigene Schriftgießerei eingerichtet, so daß man die Schriften nicht mehr von Prag zu beziehen brauchte, obgleich noch die Schriftgießereien von Kalliwoda und v. Ghelen in Wien bestanden. Solche Privilegien, die später immer erneuert wurden und wozu auch immer neue kamen, sowie der schwungvoll betriebene Nachdruck deutscher Verlagswerke, wobei ihm die in Oesterreich herrschende Ansicht über denselben sehr zu statten kam, wurden die Quelle seines großen Reichthums. Daß gegenüber der Bevorzugung Trattner's auch außer den Buchdruckerkreisen einige Opposition sich kund gab, ist erklärlich; selbst sein einstiger Gönner, Gerhard van Swieten, war in seiner Eigenschaft als Präsident der „Censur-Hof-Commission“ sein Gegner geworden; dieser scheint aber doch nicht so sehr aus amtlichen Gründen, als durch die vielen persönlichen Vortheile erbittert gewesen zu sein, die T. so zu sagen in den Schooß fielen. Dessen ungeachtet erhielt T. noch nach dem Jahre 1759 zahlreiche Privilegien. Gerade in diesem Jahre wurde er nach dem Tode der Maria Eva Schilgen auch „Landschaftsbuchdrucker“ und erbaute in der Josefstadt die im Munde des Volkes als „typographischer Pallast“ bezeichnete T. Buchdruckerei mit Setzerei, Buchbinderei, Schriftgießerei, Kupferstecherei und Kupferdruckerei. Aus Anlaß der Krönung Josef's II. zu Frankfurt a. M. (1764) wurde ihm über sein Ansuchen der Ritterstand des „Heiligen Römischen Reiches“ verliehen. Er ließ durch den Architekten Peter Mollner an Stelle des Freisingerhofes den heute noch nach seinem Namen bestehenden „Trattnerhof“ erbauen, der 1776 vollendet wurde. 1788 kaufte er vom Fürsten Alois von Lichtenstein die Herrschaft Eberpassing, wo sich auch seine Papierfabrik befand. „Aus dem armen, unbemittelten Waisenknaben .... war des Heil. Röm. Reiches Ritter, des Königreiches Ungarn Edelmann, niederösterreichisches Ständemitglied, Herrschaftsbesitzer, Besitzer von blühenden Officinen, acht Buchhandlungen und achtzehn Bücherniederlagen und zwei Papierfabriken, sowie des größten Zinshauses in Wien geworden“. — Es läßt sich nicht leugnen, daß zu einem solch ungestörten Entwicklungsgange ganz hervorragende persönliche Eigenschaften nothwendig sind; und T. hat auch deren nicht wenige besessen: ungewöhnlicher Fleiß, Ausdauer, Klugheit und Muth. „Schnell erfaßte T. jederzeit den günstigsten Moment; aus dem Aufschwunge des geistigen Lebens in Oesterreich nach dem siebenjährigen Kriege, aus der herrschenden Ansicht über den Nachdruck und aus dem damals geltenden national-ökonomischen Systeme, daß das Geld im Lande erhalten bleiben müsse, zu dessen Verwirklichung die Regierung selbst zu materiellen Opfern sich herbeiließ, hat er, wie Keiner, energisch, ja mitunter rücksichtslos wie beim Nachdruck, seinen Vortheil gezogen“. Namentlich hat der Nachdruck T. in Deutschland viele erbitterte Feinde, die sich oft in Pasquillen und heftigen persönlichen Anfeindungen ergingen, wachgerufen; war er ja der eifrigste Nachdrucker des In- und Auslandes, besonders deutscher Classiker. (Vgl. hierüber die Klage Klopstock's in einem Briefe desselben [Kopenhagen am|4. August 1767] an Denis, wegen eines Nachdruckes seines Messias. Ueber den Nachdruck in Wien siehe: Mayer, Wiens Buchdruckergeschichte von 1482 bis 1882, II. Band, S. 105 f., 293, 295 ff.) — T. starb am 31. Juli 1798 im Alter von 81 Jahren. Er war zweimal verehelicht und mit Kindern reich gesegnet; seine zweite Gemahlin — Maria Theresia — war eine Tochter des berühmten Hof-Mathematikers Josef Anton v. Nagel. Ueber Trattner's typographisch oder litterarisch bemerkenswerthe Werke vgl. Mayer a. a. O. S. 42 f.

  • Autor/in

    Anton Mayer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Mayer, Anton, "Trattner, Johann Thomas Edler von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 38 (1894), S. 499-501 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118760726.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA