Lebensdaten
1794 bis 1875
Geburtsort
Celle
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Schokoladenfabrikant ; Unternehmer
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 138786941 | OGND | VIAF: 95413425
Namensvarianten
  • Timaeus, August Friedrich Christian
  • Timaeus, Friedrich August (ADB)
  • Timaeus, Friedrich
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Zitierweise

Timaeus, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138786941.html [26.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Friedrich (1759–1837), aus Rosental, Kaufm. in C.;
    M Louise Eleonore Margarethe Reinecke (1771–1829), aus C.;
    B Eduard (1809–91), Teilh. d. „Chocoladen- und Cichorienfabrik Jordan & Timaeus“ in D., Schw Johanne (1799–1826, Gottfried Jordan, 1791–1860, 1823 mit T. Gründer d. „Chocoladen- und Cichorienfabrik Jordan & Timaeus“ in D., 2] Emilia Concordia Eisenstuck, 1803–55, T d. Friedrich David Eisenstuck, 1768–1832, Pfarrer in Aue u. Forchheim, Erzgebirge, N d. Therese Eisenstuck, s. u.);
    – ⚭ Therese (1791–1862), aus D., T d. Christian Gottlob Eisenstuck (1773–1853), Jur., Advokat, Obersteuerprokurator in D., sächs. Pol. (s. ADB V);
    T (früh †);
    Ov d. Ehefrau Friedrich David Eisenstuck (s. o.).

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums in Celle und der Beendigung seiner Lehrzeit 1809–14 in einer Materialwarenhandlung in Wolfenbüttel lernte T. im Geschäft der Gebrüder Reiners in Braunschweig Gottfried Heinrich Christoph Jordan (1791–1860) kennen. T. und Jordan arbeiteten dort gemeinsam zehn Jahre als Kontoristen und Reisende. Mit Unterstützung von Gönnern und Freunden als Kreditgebern und nach dem Erwerb eines Grundstücks in der heutigen Dresdner Äußeren Neustadt nahmen T. und Jordan 1824 die „Cichorien und Runkelrüben Caffee Fabrik“ in Betrieb. 1828 begannen sie mit der Schokoladenproduktion und legten damit den Grundstein für die erste sächs. Schokoladenfabrik, eine der ältesten und größten dt. Schokoladenfabriken.

    T. zählt zu den Pionieren der Branche; 1828 stellte er eine Niederdruck-Dampfmaschine mit einer Leistung von 8 PS „zur ChocoladenFabrikation“ auf. 1839 erschien eine Anzeige der Firma „Jordan & Timaeus“, in der weltweit erstmals feste Milchschokolade in Tafelform für Speisezwecke angeboten wurde.

    1845 zerstörte ein Brand die Fabrikgebäude. Der Wiederaufbau wurde zur Erweiterung von Gebäuden und Sortiment genutzt. Neben den seit Firmengründung hergestellten Produkten wie Kaffeeersatz, Bleiweiß, Blaufarben, Weizenstärke und Kartoffelmehl nahm die Verarbeitung von Kakao immer breiteren Raum ein. Angeboten wurden u. a. „TrinkChocoladen und Cacao-Massen in Tafelform“, „Vanille, Gewürz- und Sanitäts-Chocoladen“, „sogenannte arabische Chocoladen, Dessert-Chocoladen in Täfelchen, Pasten, Pastilloten, Blumen, Bonbons, Vanille-, Gewürz- und Gesundheits-Pastillen, Chocolat praliné“ sowie „figurirte Chocoladen“, die bis nach Australien, Süd- und Nordamerika exportiert wurden. Mit über 200 Mitarbeitern galt „Jordan & Timaeus“ um 1857 als größter Industriebetrieb Dresdens. Die Firma stellte auf der Weltausstellung in London 1851 einen 50 Pfund schweren, aus Schokolade modellierten Kopf des damals im Bau befindlichen Hermannsdenkmals und ein aus 5 Pfund Schokolade bestehendes „Nelson Monument“ aus.

    Nach der letzten gemeinsamen Entscheidung von T. und Jordan zur Errichtung einer zweiten Fabrik im böhm. Bodenbach zog sich T. 1853 aus der Firma zurück. An seiner Stelle trat sein Bruder Johann Christian Eduard als Teilhaber ein. T. lebte seitdem als Rentier in Dresden und errichtete 1873 eine „Stiftung zur Prämierung treuer Arbeiter“. T.s Erben stellten finanzielle Mittel zur Gründung einer Timaeus-Stiftung bereit. 1860–92 führten die Nachkommen aus der Familie Timaeus gemeinsam mit Ernst Albert Jordan (1831–92) die Geschäfte fort. Auf sie folgten 1892–1921 weitere Mitglieder der Familie Timaeus gemeinsam mit Max Hustig, Ehemann der Nichte von Gottfried Heinrich Christoph Jordan. 1921 verkauften die Firmeninhaber das Unternehmen an Friedrich Mittenzwei ( 1925), der als Konditormeister bei „Jordan & Timaeus“ gearbeitet hatte. Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise führten 1930 zur Schließung und 1935/36 zum Abriß der Fabrik in Dresden. Die Bodenbacher Fabrik bestand als Betriebsteil des volkseigenen Kombinats „Č okoládovny O.P.“ bis 1989.

  • Auszeichnungen

    A Rr.kreuz 1. Kl. d. kgl. sächs. Albrechtsordens (1873); T.-Str. in Dresden (Ende d. 1930er J.).

  • Literatur

    L ADB 38;
    Dresdner Anz. v. 23. 5. 1839 u. 2 .4. 1875, 4. Beil.;
    Ill. Ztg., N. F. VIII, Bd. 508, 1853, S. 204 f.;
    Die Dampfmaschinen im Kgr. Sachsen, Ein Btr. z. gewerbl. Statistik, 1847;
    Kat. d. Weltausst. London 1851, Dt. Länder, S. 206;
    Album d. Sächs. Ind. 1, S. 61;
    Theodor Timaeus, 260 J. Gesch. d. Fam. Eduard T. v. 1637–1897 u. deren Stammbaum, 1897;
    Hundert J. Jordan & Timaeus Dresden, in: Gordian 20, 1923, Nr. 573, S. 5521;
    Werner Timaeus, Nachtrag z. Gesch. d. Fam. Eduard T. u. deren Stammbaum, 1929;
    WIMAD e. V. (Hg.), Btrr. z. Gesch. d. Süßwarenind. in Dresden, 2000 (ungedr. Ms., StadtA Dresden, Signatur 13.27, Archivalie 18);
    St. Krámsky u. J. Feitl, Kniha o čokoláde ˘, Historie výroby čokolády a cukrovinek v českých zemích, 2008, S. 54 f.;
    J. Feldkamp u. A. Dresler (Hg.), Das süße Herz Dtlds., Sachsens Schokoladenseite, Begleitbd. z. Sonderausst. im sächs. Ind.mus. Chemnitz, 2011;
    H. C. Jacobs, Die älteste Dresdner Schokoladenfabrik „Jordan & Timaeus“ (1823–1931), in: E. Eschebach u. H. Starke (Hg.), Schokoladenstadt Dresden, Süßigkeiten aus Elbflorenz, 2013, S. 74–77; – Qu Geh. StA Preuß. Kulturbes.,|Berlin, Logenarchiv, Bestand 5.1.8, Gr. Landesloge v. Sachsen, Dresden.

  • Autor/in

    Uwe Hessel
  • Empfohlene Zitierweise

    Hessel, Uwe, "Timaeus, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 287-288 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138786941.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Timaeus: Friedrich August T. wurde am 7. Januar 1794 zu Celle im Königreich Hannover als Sohn des Kaufmanns Johann Friedrich Timaeus ( 1837) geboren und auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt für seinen späteren Beruf vorgebildet. Nachdem er in den Jahren 1809—1814 seine kaufmännische Lehrzeit in einer Materialwaarenhandlung in Wolfenbüttel durchgemacht, in der Zeit von 1814—1817 in Braunschweig das Droguengeschäft kennen gelernt und 1817—1823 den „Gebrüder Reiners“ in Braunschweig als Comtorist und Reisender gedient hatte, verband er sich mit seinem Freunde Gottfried Heinrich Christoph Jordan aus Hasserode im Harz zu Errichtung einer Cichorien- und Runkelrübenkaffeefabrik in Dresden, deren Betrieb bereits zu Anfang des Jahres 1824 in Angriff genommen werden konnte. Die Fabrik, die anfangs ohne Dampfmaschine arbeiten mußte, erweiterte sich von Jahr zu Jahr. Im Jahre 1830 konnten die beiden Unternehmer eine Dampfmaschine aufstellen und zur Chocoladenfabrikation übergehen, auf welchem Gebiet ihre Firma einen Weltruf gewann und wesentlich dazu beitrug, den Verbrauch ausländischer Chocolade in Deutschland zu Gunsten der einheimischen Production zurückzudrängen. Obwohl eine Feuersbrunst im Spätherbst des Jahres 1845 ihr Fabrikgebäude zerstörte, erlitt ihr Geschäft dadurch keine dauernde Störung. Vielmehr erweiterten sie dasselbe, indem sie nach dem Wiederaufbau der Fabrik im Winter von 1845 auf 1846 neben der Fabrikation von Trinkchocoladen und Cacaomassen in Tafeln, auch feinere Chocoladen für den Dessert und zum Naschen herzustellen begannen, womit sie gleichfalls großen Erfolg im In- und Auslande erzielten. Am 1. October 1853 zog sich T. vom Geschäfte zurück und lebte seitdem als Rentier in Dresden, wo er im 82. Lebensjahr am 1. April 1875 starb.

    • Literatur

      Vgl. Illustrirte Zeitung. N. F. VIII. Band Nr. 508. S. 204. 205. Leipzig 1853. — Dresdener Anzeiger 2. April 1875. 4. Beilage.

  • Autor/in

    H. A. Lier.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lier, Hermann Arthur, "Timaeus, Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 38 (1894), S. 352 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138786941.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA