Lebensdaten
um 940 oder 950 bis nach 1019
Sterbeort
Hildesheim
Beruf/Funktion
Hildesheimer Domherr
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 10096186X | OGND | VIAF: 284016986
Namensvarianten
  • Thangmarus
  • Tangmarus
  • Tankmarus
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Zitierweise

Thangmar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd10096186X.html [30.09.2020].

CC0

  • Leben

    Über T.s familiäre Abkunft sind keine Quellen bekannt. Er muß eine solide Schulbildung genossen haben, empfing zu ungewissem Zeitpunkt die Priesterweihe und amtierte innerhalb der Hildesheimer Domgeistlichkeit als Bibliothekar, Notar und Dekan sowie lange als Scholaster, zeitweilig gar als Leiter der Domschule. In dieser Funktion gewann er prägenden Einfluß auf den etwa 970 in die Domschule eingetretenen Zögling und nachmaligen Hildesheimer Bischof Bernward ( 1022). Während dessen Pontifikat 993–1022 agierte der kanonistisch beschlagene T. wiederholt als Interessenvertreter und Sprachrohr der Hildesheimer im sog. Gandersheimer Streit um die diözesane Zugehörigkeit des Kanonissenstifts Gandersheim zum Hildesheimer oder zum Mainzer Sprengel. Schriftlichen Niederschlag fand dieses Engagement in dem von ihm abgefaßten, bis 1007 berichtenden Teil der sog. Hildesheimer Denkschrift, einem parteilichen Memorandum zur Bekräftigung und Absicherung der eigenen Rechtsposition in dem im Jahr 1000 erneut ausgebrochenen Konflikt. Beteiligt war T. außerdem an der zu Argumentationszwecken besorgten systematischen Zusammenstellung und Durchsicht von kanonistischen Texten in Hildesheim.

    T. nahm persönlich an mehreren Synoden teil, die wegen der Gandersheimer Causa tagten, so in Gandersheim 1000, in Rom, Pöhlde, Frankfurt und Todi 1001. Er scheint eine singuläre Vertrauensstellung bei Bernward bekleidet zu haben, jedenfalls suggeriert dies die noch zu Bernwards Lebzeiten und mit dessen Einverständnis von T. unter Zugrundelegung der Hildesheimer Denkschrift als Materialkern begonnene Vita Bernwardi (VB), in deren Prolog und Kapiteln sich T. selbstbewußt namentlich nennt. Zweifellos ist die VB eine Schlüsselquelle der ausgehenden Ottonenzeit, und T. war gewiß Autor ihrer Urfassung. Wegen der textkritisch komplizierten, da handschriftlich heute nicht mehr bis zu T.s Urfassung greifbaren Überlieferung (30 lat. Repräsentanten in mindestens elf Redaktionen) und wegen der unzureichenden Editionslage bereitet die exakte Beurteilung, welchen Umfang und welche Textgestalt diese Urvita hatte, jedoch nach wie vor Probleme. So repräsentiert der älteste erhaltene Textzeuge eine erst aus Anlaß von Bernwards Kanonisationsverfahren 1192/93 redigierte Version (ed. v. G. H. Pertz). Eine eigenhändige (für die Jahresberichte 995–97) sowie inhaltliche Federführung T.s im Autograph der Annales Hildesheimenses ist postuliert, jedoch bislang nicht wissenschaftlich fundiert worden. Ein enges Verhältnis von T. zu Bernwards Memorialstiftung St. Michael in Hildesheim offenbart das Nekrolog dieses Klosters, worin u. a. seine Schenkung von 55 Büchern an den Konvent knapp notiert ist.

  • Quellen

    Qu Annales Hildesheimenses, hg. v. G. Waitz (MGH SS rer. Germ. [8]), 1878; Vita Bernwardi episcopi Hildesheimensis auctore Thangmaro, hg. v. G. H. Pertz, in: MGH SS 4, 1841, S. 754–82 (die Hildesheimer Denkschr. auszugsweise im Variantenapparat); Teile d. Hildesheimer Denkschr., in: Die Konzilien Dtlds. u. Reichsitaliens 916–1001, T. 2: 962–1001, hg. v. E. D. Hehl unter Mitarb. v. C. Servatius (MGH Concilia 6), 2007.

  • Literatur

    L ADB 37;
    Bernward v. Hildesheim u. d. Za. d. Ottonen, 2 Bde., hg. v. M. Brandt u. A. Eggebrecht, 1993;
    M. Stumpf, Zum Quellenwert d. Vita Bernwardi, in: DA 53, 1997, S. 461–96;
    F. Lotter u. S. Gäbe, Die hagiogr. Lit. im dt. Sprachraum unter d. Ottonen u. Saliern (ca. 960–1130), in: Hagiographies, Bd. 4, hg. v. G. Philippart, 2006, S. 273–521;
    M. Giese, Die Textfassungen d. Lebensbeschreibung Bf. Bernwards v. Hildesheim, 2006;
    dies., Ma. Urkk. aus d. Hildesheimer Michaeliskloster in Abschrr. v. Augustinus Schübeler (gest. 1791), in: AfD 55, 2009, S. 33–66;
    dies., Das „Goldene Testament“ v. 1419, Die ungedr. niederdt. Lebensbeschreibung Bernwards v. Hildesheim, in: 1000 J. St. Michael in Hildesheim, hg. v. G. Lutz u. A. Weyer, 2012, S. 249–69;
    Schätze im Himmel – Bücher auf Erden, Ma. Hss. aus Hildesheim, Ausst.kat. Hzg. August Bibl. in Wolfenbüttel, hg. v. M. Müller, 2010;
    Ch. Schulz-Mons, Das Michaeliskloster in Hildesheim, Unterss. z. Gründung durch Bf. Bernward 993–1022, 2 Bde., 2010;
    K. Görich, in: LexMA u. in: BBKL 18;
    M. Stumpf, in: Vf.-Lex. MA2; Thangmarus presb. Hildesheimensis, in: Repert. Fontium.

  • Autor/in

    Martina Giese
  • Empfohlene Zitierweise

    Giese, Martina, "Thangmar" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 77-78 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10096186X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Thangmar, ein geborener Sachse, Priester und Domherr der Kirche zu Hildesheim, später auch Domdechant, zugleich Bibliothekar und Notar, ist uns nur durch die von ihm verfaßte Biographie des Bischofs Bernward (993—1022, s. A. D. B. II, 505) bekannt. Seine Hauptthätigkeit bestand in der Leitung der Domschule, und hier wurde er auch der Lehrer und Erzieher Bernward's. Durch diesen, dessen volles Vertrauen er besaß, wurde er mehr als früher zu den Geschäften der bischöflichen Verwaltung herangezogen, besonders als durch die Herrschsucht des Erzbischofs Willigis von Mainz der Streit über die Zugehörigkeit des Klosters Gandersheim entbrannt war, vom Jahre 1000 an. Den Bischof begleitete er u. A. nach Rom und 1002 mußte er, da Bernward erkrankt war, dieselbe Reise allein ausführen, welche ihm Gelegenheit gab, dem Kaiser Otto III. noch kurz vor dessen Ende wiederum nahe zu treten; 1008 hat er auch mit seinem Bischof Heinrich II. auf seinem Feldzuge gegen Balduin von Flandern begleitet. Nachdem er 1022 der Einweihung des von Bernward gestifteten Michaelsklosters beigewohnt hatte, wurde er tief betrübt durch den Tod des so hochverehrten Bischofs; selbst schon betagt — er scheint um 950 geboren zu sein — entäußerte er sich seiner Aemter und fand seine Ruhestätte im Michaelslkoster, dem er 55 Bücher, eine für jene Zeit sehr ansehnliche und kostbare Sammlung, geschenkt hat. Er starb am 25. Mai, das Jahr aber ist unbekannt. Vorher jedoch hatte er noch die Lebensbeschreibung des Bischofs zum Abschluß gebracht; schon lange war sie begonnen und Bernward selbst hatte, wenn auch widerstrebend, seine Einwilligung gegeben. Zwischen 1008 und 1013 sind die ersten 10 Capitel geschrieben und mit großer Sorgfalt ausgearbeitet; dazu fügte er nach des Bischofs Tod den Schluß, schob aber in die Mitte|zwischen beide Theile einen ausführlichen Bericht über den Gandersheimer Streit, welcher das Ebenmaaß stört, an sich jedoch sehr werthvoll ist. Wir besitzen in dieser Biographie eine wichtige und zugleich höchst anziehende Geschichtsquelle der ottonischen Zeit, von warmem Gefühl belebt und zugleich sachlich ungewöhnlich reichhaltig. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß Th. auch die Geschichte der Uebertragung der Reliquien des h. Epiphanius von Pavia nach Hildesheim (962) verfaßt hat, welche erst nach B. Otwin's Tod (1. December 984) geschrieben ist.

    Vita Bernwardi ed. Pertz, Mon. Germ. SS. IV, 754—782. Uebersetzung v. H. Hüffer, 2. Ausg. 1893 (Geschichtschr. d. deutsch. Vorzeit XI, 2). — Ch. Beelte, Progr. d. Gymn. Joseph, in Hildesheim 1881. — Wattenbach, Geschichtsqu. (6. Ausg.) I, 346—349.

  • Autor/in

    Wattenbach.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wattenbach, Wilhelm, "Thangmar" in: Allgemeine Deutsche Biographie 37 (1894), S. 651-652 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10096186X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA