Lebensdaten
um 905 - 938
Sterbeort
Eresburg (Obermarsberg/Diemel)
Beruf/Funktion
Halbbruder Ottos des Großen ; Sohn König Heinrich I.
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 138794502 | OGND | VIAF: 95420068
Namensvarianten
  • Thangmar
  • Tammo
  • Thankmar
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Thankmar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138794502.html [28.09.2021].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Dynastie d. Liudolfinger (s. NDB 14);
    V Heinrich I., Kg. (um 876–936, s. NDB VIII), S d. Otto d. Erlauchten, dux in Sachsen ( 30. 11. 912, s. ADB 24), u. d. Hathui (Hadwig) v. Babenberg ( 903?);
    M Hatheburg, T d. Erwin, senior (Gf.?) v. Merseburg;
    Halb-B Otto I., Ks. (912–73, s. NDB 19), Heinrich I., Hzg. v. Bayern (919/22–55, s. NDB VIII), Brun, Ebf. v. Köln ( 965, s. NDB II).

  • Leben

    Der älteste Sohn Kg. Heinrichs I. blieb auch nach der Trennung seiner Eltern (vor 909) in der Umgebung seines Vaters und wurde von diesem mit Verwaltungsaufgaben im Gebiet der Elbslawen betraut, geriet aber gegenüber seinen Halbbrüdern Otto und Heinrich aus Kg. Heinrichs zweiter Ehe mit Mathilde ins Hintertreffen. So übertrug Heinrich T.s mütterliches Erbe im Raum Merseburg an seinen gleichnamigen Sohn. Otto, 936 König geworden, behandelte T. brüsk. Er verweigerte ihm weiterhin die Herausgabe seines Merseburger|Erbes und berücksichtigte ihn auch nicht bei der Vergabe eines hohen, mit königlichen Stellvertreteraufgaben versehenen Amtes (legatio) im slaw. Grenzgebiet, das bislang ein naher Seitenverwandter T.s, Gf. Siegfried, innegehabt hatte. In seinem Ehrgefühl gekränkt, schloß sich T. 938 zusammen mit weiteren sächs. Adeligen der Aufstandsbewegung Hzg. Eberhards von Franken gegen Otto an. Im militärischen Austrag dieses Konflikts eroberte T. die Burg Belecke, wo er seinen Halbbruder Heinrich in seine Gewalt nahm. Danach setzte er sich in der Eresburg fest und verwüstete von dort die Umgebung. Dem heranrückenden Heer Ottos I. leistete die Besatzung der Eresburg keinen Widerstand, sondern öffnete die Tore. T. flüchtete sich in die Burgkirche und leistete dort demonstrativ Verzicht auf alle seine Ansprüche, indem er auf dem Altar seine Waffen und einen goldenen Halsring – vermutlich ein königliches Würdezeichen – niederlegte. Trotzdem wurde er von Kriegern aus Ottos Heer unter grober Mißachtung des Kirchenasyls, auf das T. wohl gebaut hatte, hart bedrängt. Einer der Angreifer schleuderte von außen durch das Fenster der Burgkirche seinen Speer nach T. und traf ihn damit tödlich. Danach brach der Aufstand zusammen.

  • Literatur

    L ADB 37;
    W. Glocker, Die Verwandten d. Ottonen u. ihre Bedeutung in d. Pol., 1989, S. 46–53;
    J. Laudage, Otto d. Gr., 2001, S. 113–15, 120 f. u. 124;
    E. Hlawitschka, Die Ahnen d. hochma. dt. Könige, Kaiser u. ihrer Gemahlinnen, Bd. I/2, 2006, S. 65–67;
    W. Giese, Heinrich I., 2008, S. 127 f. u. 171; LexMA

  • Autor/in

    Wolfgang Giese
  • Empfohlene Zitierweise

    Giese, Wolfgang, "Thankmar" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 78-79 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138794502.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Thankmar (Tammo), Sohn des Königs Heinrich I., am 28. Juli 938, entsprossen aus der Verbindung Heinrich's mit Hatheburg, der Erbtochter Ervin's von Merseburg, einer Ehe, die von dem Bischof Sigmund von Halberstadt wegen des vorher von Hatheburg geleisteten Gelübdes angefochten und dann auch von Heinrich gelöst wurde. Der Herzog behielt zwar das Erbgut der verstoßenen Frau für sich, entschädigte aber den Sohn durch Zuweisung andern Besitzes und später durch Verleihung eines Amtes an der Ostgrenze des Reiches gegen die Wenden. Trotzdem empfand der gewaltthätige, waffen- und kriegskundige Jüngling, in dessen Charakter wir einen starken Einschlag ungezähmter Naturkraft erkennen, die Behandlung der Mutter und die Verkürzung seines Rechtes aufs schwerste. Sein Ingrimm mußte wachsen, als er nach dem Tode des Vaters vor den Söhnen aus der zweiten legitimen Ehe weit zurücktreten mußte, als sein mütterliches Erbgut mit der Masse des königlichen Hausbesitzes vereinigt blieb und wahrscheinlich zur Ausstattung des jüngern Heinrich verwendet wurde. Es ist begreiflich, daß er die politische Nothwendigkeit, welche den Vater zwang, sich aus dem Kreise, in den er sich gestellt, mit Gewalt zu befreien und empor zu heben, nicht erkannte, daß ihm die durch den Erwerb der Königskrone veränderte Stellung des Hauses nicht zum klaren Bewußtsein kam und daß seine Gedanken nur auf die Folgen gerichtet waren, die für ihn aus Heinrich's I. Verhalten entstanden und die er immer schmerzlicher empfinden sollte. Als nach dem Tode des Grafen Siegfried (Juli oder December 937), der seiner Mutter Hatheburg nahe verwandt war, dessen Grafschaft an Gero übertragen wurde und damit für Th. die letzte Hoffnung geschwunden schien, zu seinem Erbe und zu Macht und Ansehen zu gelangen, erhob er sich in offener Empörung gegen den König, ohne die Mittel, die ihm zu Gebote standen, abzuwägen und die Aussichten seines Unterfangens zu überdenken. Er verband sich mit dem aufständischen Herzog Eberhard und richtete seine Waffen vornehmlich gegen den Verhalten Halbbruder Heinrich. Es gelang ihm, die Burg Belecke zu erobern und daselbst Heinrich gefangen zu nehmen, den er an Eberhard auslieferte. Dann nahm er in der Eresburg (Stadtberge a. Diemel) festen Stand und verwüstete das umliegende Land. Hier Wandel zu schaffen, zog der König selbst mit seinen Scharen heran, seinem Ansehen beugte sich die ansässige Besatzung der Eresburg, welche die räuberischen Streifzüge der Leute Thankmar's ohnehin nur widerwillig geduldet haben mochte, und öffnete dem königlichen Heere die Thore. Th. flüchtete sich in die Kirche, wo er seine Waffen und seine goldene Kette auf den Altar niederlegte. Die Leute Heinrich's, von der Begier erregt, die ihrem Herrn angethane Schmach zu tilgen, drangen in die Kirche ein, und es entbrennt an heiliger Stätte ein Kampf von alter, sagenhafter Art. Auf den wehrlosen Mann, der sich in Gottes Schutz gestellt hat, dringt mit Schmähreden und Waffen Thiadbold ein und verwundet ihn, da reißt Th. das Schwert vom Altare und erschlägt den Angreifer. Nicht in ehrlichem Kampfe fällt der Sohn Heinrich's I.; während er sich der auf ihn einstürmenden Gegner erwehrt, steigt durch ein Fenster beim Altare Maincia (Maginzo) ein und durchbohrt den Helden von rückwärts mit einem Speere (28. Juli 938). Der König war der That nicht froh, er beklagte in einigen Worten den Hingang seines Halbbruders und rühmte dessen gute Eigenschaften. Maincia trug die Kette Thankmar's, die er vom Altare weggenommen hatte, nicht lange. In dem Zwiespalt zwischen Heinrich und Otto I., an dem auch ihm eine Schuld beigemessen wird, stand er auf Seite seines Herrn, er fiel im März 939 in dem Gefecht bei Bierthen.

    • Literatur

      Widukind, Rer. gest. Saxon. lib. II. c. 9—11, 17.Thietmari Chron. 1, c. 5, 9; 2. c. 2.
      Ottenthal, Regesten Heinrich's I. u. Otto's I. —
      Waitz, Jahrb. Heinrich's I. — Dümmler, Jahrb. Otto's I.

  • Autor/in

    Uhlirz.
  • Empfohlene Zitierweise

    Uhlirz, Karl, "Thankmar" in: Allgemeine Deutsche Biographie 37 (1894), S. 652-653 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138794502.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA