Lebensdaten
um 1455 – 1521
Geburtsort
Ulm
Sterbeort
Ulm
Beruf/Funktion
Bildhauer ; Schreiner
Konfession
-
Normdaten
GND: 120128764 | OGND | VIAF: 5754139
Namensvarianten
  • Sürlin, Jörg der Jüngere
  • Syrlin, Jörg
  • Syrlin, Jörg der Jüngere
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Zitierweise

Sürlin, Jörg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120128764.html [14.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Jörg Syrlin d. Ä. (s. 1).

  • Biographie

    S. begann seine Laufbahn in der väterlichen Werkstatt. Diese scheint ihm schon im Vorfeld der Arbeiten zum Ulmer Fischkasten zu Beginn der 1480er Jahre übergeben worden zu sein, da S. bereits 1483–1516 als Zunftmeister der Schreiner in Ulm auftritt. 1516 wurde er wegen Anstiftung zum Aufruhr für fünf Jahre aus Ulm verbannt, aber bereits 1517 vom Rat der Stadt begnadigt. S.s Werkstatt florierte und lieferte – wie schon zu Zeiten des Vaters – Arbeiten nach ganz Schwaben und in die Schweiz. Die Frage, ob S. Schreiner oder auch Bildhauer war, gilt durch die Forschungen Wolfgang Deutschs als geklärt: Lange unter der „stilistischen Geschlossenheit großplastischer Werke“ verborgen, ist das eigentliche Werk nicht mehr mit dem jüngeren S. in Verbindung zu bringen, sondern vielmehr dem Bildschnitzer Niklaus Weckmann von Ulm (nachweisbar seit 1481, 1526) zuzuschreiben. S. arbeitete mit Weckmann oft zusammen und übernahm bei den jeweiligen Aufträgen die Schreinerund Kistlerarbeiten.

    Neben einer Anzahl von Rissen und in Kupfer gestochenen Entwürfen wurde S. besonders durch seine Chorgestühle bekannt, die meist – wie bei seinem Vater auch – mit ausgeprägtem Künstlerstolz signiert und datiert sind („Weil du den Namen des Künstlers wirst preisen wollen, Sürlin, ist’s der in hochherrlichen Figuren den Herrn vom Himmel abgebildet hat 1496“). Alle signierten Werke des Sohnes sind einheitlich mit dem Namenszug „Jörg Sürlin“ versehen.

    Mindestens fünf Chorgestühle sind mit S.s Namen verbunden – in Oberstadion (1486/87), Blaubeuren (1493), Zwiefaltendorf (1499), Ennetach (1509) und Geislingen (1512). Damit sind für den jüngeren S. vornehmlich Werke ein und derselben Gattung überliefert, was in dieser Weise für sonst keinen anderen Künstler im dt.sprachigen Raum des Spätmittelalters und der beginnenden Neuzeit gegeben ist. In mindestens vier Fällen war er neben dem Chorgestühl auch für die Schreinarchitektur des dortigen Retabels verantwortlich. Außer in Blaubeuren sind sie heute noch in Geislingen (1512 u. um 1520) erhalten; dokumentiert sind sie für|die großen Abteien Ochsenhausen (1496/99 u. 1514) und Zwiefalten (1512–17). Das Chorgestühl in der ehem. Benediktinerklosterkirche in Blaubeuren orientierte sich weitgehend an demjenigen, welches Syrlin d. Ä. 30 Jahre zuvor im Ulmer Münster errichtet hatte. Dies wird insbesondere an den Pultwangen deutlich, die in Blaubeuren bis ins Detail mit denjenigen in Ulm übereinstimmen. Trotz weitreichender Zitate und Übereinstimmungen sind jedoch die Abweichungen in der Quantität des Schmucks und der Qualität der Ausführung bei den Sitzen und Pultwangen unübersehbar. Aufgrund der steigenden Nachfrage entwickelte S. eine Art der seriellen Fertigung, die es ihm und seiner Werkstatt ermöglichte, die wachsende Zahl der Aufträge zum Ende des 15. Jh. zu bewältigen. Der Generationswechsel in der S.schen Werkstatt fällt ungefähr zusammen mit der gesteigerten Nachfrage immer breiterer Kundenkreise nach repräsentativen Ausstattungsstücken im Kirchenraum. Weite Teile dieser Auftraggeber gehörten zu einer weniger finanzkräftigen Gruppe, der S. mit seiner preisgünstigeren Serienproduktion von Gestühlen entgegenkam.

  • Werke

    Weitere W Eines d. frühen Werke ist d. 1475 datierte Riss z. (zerstörten) Vespertolium auf d. Südseite d. Ulmer Chores, ausgef. zw. 1482 u. 1484;
    Entwürfe f. d. Weihwasserbecken d. Münsters, vor 1477, f. d. Münsterturm, 1480, u. f. d. Fischkastenbrunnen, Fischmarkt am Ulmer Rathaus, 1482.

  • Literatur

    ADB 37;
    E. Mauch, Georg S., Vater, u. Georg S., Sohn, Bildner in Stein u. Holz, in: Württ. Bildersaal, I. Bd., 1859, S. 75–77;
    J. Baum, Ulmer Plastik, 1911;
    G. Otto, Die Ulmer Plastik d. Spätgotik, 1929;
    W. Deutsch, J. S. d. J. u. d. Bildhauer Niklaus Weckmann, in: ZWLG 27, 1968, S. 39–82;
    ders., S. d. J. od. Niklaus Weckmann, in: Meisterwerke – massenhaft, Die Bildhauerwerkstatt d. Niklaus Weckmann u. d. Malerei in Ulm um 1500, Ausst.kat. Stuttgart 1993, S. 7–17;
    B. Rommé, Die Chorgestühle v. J. S. d. J., in: Jb. d. Staatl. Kunstslgg. in Baden-Württ. 28, 1990, S. 52–71;
    dies., J. S. d. J. u. d. Bildschnitzerfrage, in: ZWLG 50, 1991, S. 105–21;
    dies., Das Schaffen v. J. S. d. J., in: Ulm u. Oberschwaben 49, 1994, S. 61–110;
    dies., Serielle od. nur massenhafte Produktion?, Rationalisierungstendenzen in d. Kunst d. Spätgotik u. Renaissance, in: Unter d. Lupe, Neue Forschungen zu Skulptur u. Malerei d. Hoch- u. SpätMA, hg. v. A. Moraht-Fromm, 2000, S. 277–90;
    H. Meurer, Die bewegl. Ausstattung aus Holz, in: Blaubeuren, Der Chor u. sein Hochaltar, hg. v. A. Moraht-Fromm, 2002, S. 113–29;
    A. Miller u. M. Teget-Welz, Der Meister d. Ulmer Vespertoliums u. sein Werk, in: Ulm u. Oberschwaben 57, 2011, S. 105–14;
    ThB;
    LexMA;
    BBKL XI;
    Dict. of Art.

  • Autor/in

    Anna Moraht-Fromm
  • Zitierweise

    Moraht-Fromm, Anna, "Sürlin, Jörg" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 740-741 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120128764.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA