Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Künstlerfamilie in Memmingen ; Malerfamilie ; Künstler ; Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 138563950 | OGND | VIAF: 90842518
Namensvarianten
  • Strigel

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Zitierweise

Strigel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138563950.html [25.07.2021].

CC0

  • Leben

    Die S. waren spätestens seit 1430 über mehrere Generationen in Memmingen tätig, wo sie hohes Ansehen genossen und zahlreiche städtische Ämter besetzten. In ihrer produktiven Werkstatt entstanden hauptsächlich Altarretabel mit bemalten Flügeln und Skulpturen, aber auch Faß- und Wandmalereien. Die S. bedienten nicht nur den lokalen Markt, sondern exportierten auch bis nach Graubünden und Tirol. Ihre Werke zählen zu den bedeutendsten Arbeiten der schwäb. Kunst des Spätmittelalters. Am Beginn steht der Maler Hans d. Ä. (seit 1430 in Memmingen nachweisbar, 1462), welcher 1433 das Haus des Malers Conrad Menger († 1427/28) erwarb. 1446–62 war Hans d. Ä. Hauptmann am Inneren Niedergassentor. Einziges erhaltenes signiertes Werk ist das Retabel in der Kirche von Zell bei Oberstaufen (1442). Die Malereien zeigen Hans d. Ä. als Vertreter der Internationalen Gotik.

    Die Geburtsdaten seiner drei Söhne sind unbekannt. Petrus ist 1457–65 nachweisbar. 1457 war er an der Univ. Heidelberg immatrikuliert, wo er am 17. 1. 1460 den Grad eines Baccalaureus erwarb. In Memmingen war er als Bücherschreiber und Miniaturenmaler für die Antoniter tätig.

    Sein Bruder Hans d. J., 1450–79 in Memmingen nachweisbar, wird seine Ausbildung zum Maler beim Vater erhalten haben. Seit 1450 zahlte er Steuer für ein Haus bei der Antoniuskapelle, das er 1472 verkaufte. 1478/79 war er Zweier der Kramerzunft. Die Flügel des Montfort-Werdenberg-Retabels von 1465 (Stuttgart, Staatsgal.) signierte er zusammen mit seinem Bruder Ivo. In der Darstellung der Verkündigung an Maria zeigt sich ein Bemühen um Wirklichkeitsnähe, das die stilistischen Errungenschaften der Generation Hans Multschers voraussetzt.

    Ivo ( 17. 8. 1516), seit 1459 in Memmingen nachweisbar, erwarb 1462 von der Mutter und den Geschwistern das Elternhaus und damit die väterliche Werkstatt. Als er 1478 das Anwesen weiterverkaufte, bezeichnete er sich selbst als „bildhöwer“. Da Ivo in anderen Urkunden aber auch „maler“ genannt wird, kann nicht eindeutig bestimmt werden, ob er nun Bildhauer, Maler oder vielleicht beides war. Hauptsächlich wird sich Ivo auf die Werkstattleitung konzentriert und das Fertigen der Kunstwerke seinen zahlreichen wechselnden Mitarbeitern überlassen haben. In den 1480er Jahren setzte der Export nach Graubünden ein. Signiert ist das Retabel in S. Gions, Disentis (1489), an das sich stilistisch weitere Werke u. a. in Brigels (1486) u. Lumbrein (1490) anschließen. Zu einer zweiten Gruppe gehört das Retabel aus Seth (1505, heute Frankfurt/M., Dom), dessen Bildwerke ein Schüler des Ulmer Bildhauers Niklaus Weckmann fertigte. Von ca. 1506 an arbeitete für Ivo der Bildhauer Christoph Scheller († 1530/31). Er schnitzte die Skulpturen des Retabels aus Sta. Maria Calanca (1512, heute Basel, Hist. Mus.).

    Ein Sohn Hans’ d. J. oder des Ivo war Bernhard (s. 1). Ivos gleichnamiger Sohn ( 1527) war Leibarzt des Feldobristen Georg v. Frundsberg zu Mindelheim, später Stadtphysicus in Kaufbeuren. Sein Sohn Victorin (s. 2) lehrte als Professor für Theologie an der Univ. Jena und für Geschichte an der Univ. Heidelberg.

  • Werke

    Weitere W d. Künstlerfam. S. u. a. Baldachin-Retabel, um 1435 (München, Bayer. Nat.mus.); Marien-Retabel, 1438 (Berghofen b. Sonthofen, Leonhardskapelle); zwei Retabelflügel aus Mickhausen, um 1465/75 (Budapest, Mus. d. Bild. Kunst); Wandmalereien z. Passion Christi, 1477 (Tiefenbach b. Oberstdorf, St. Barbara); Marien-Retabel, um 1490 (Obersaxen-Maierhof, Georgskapelle); Marien-Retabel, 1494 (Osogna, Sta. Maria del Castello); Marien-Retabel, 1499 (Chiavenna, Sta. Croce); Marien-Retabel, 1506 (Degen, St. Sebastian); Marien-Retabel, d. Flügel mit d. Monogramm d. Malers Hans Goldschmid, 1514 (Tartscher Bühel, Veitskapelle).

  • Literatur

    ADB 36;
    F. X. Weizinger, Die Malerfam. S. in d. ehemals freien Reichsstadt Memmingen, Diss. München 1908, auch in: FS d. Münchener Altertums-Ver. z. Erinnerung an d. 50j. Jub., 1914, S. 99–146;
    G. Otto, Grundsätzliches z. plast. Tätigkeit Ivo S.s, in: Memminger Gesch.bll., 1935, S. 1–6;
    ders., Hans S. d. Ä., ebd., 1957, S. 1–6;
    A. Miller, Der Bildhauer Christoph Scheller aus Memmingen u. d. Meister v. Heiligenblut, in: Veröff. d. Mus. Ferdinandeum 48, 1968, S. 81–122;
    ders., War Ivo S. wirkl. Bildhauer?, in: FS Norbert Lieb, 1987, S. 62–72;
    E. Rettich u. a., Staatsgal. Stuttgart, Alte Meister, 1992;
    A. v. Beckerath u. a. (Hg.), Spätgot. Flügelaltäre in Graubünden u. im Fst. Liechtenstein, 1998;
    C. Dupeux u. a., Le Retable de Morissen, in: Revue du Louvre 49, 1999, S. 39–50;
    E. Zsellér, Ein Altarflügel v. Hans d. J. u. Ivo S. in Schloss Wolfegg?, in: Kunstchronik 64, 2011, S. 270–73;
    ThB;
    Dict. of Art.

  • Autor/in

    Manuel Teget-Welz
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Teget-Welz, Manuel , "Strigel" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 553-556 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138563950.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Strigel, Malerfamilie in Memmingen des 15. und 16. Jahrhunderts.

    Hans St., Maler, kommt 1433 in einer Memminger Urkunde vor. Er mag identisch sein mit dem Hans St., von dem ein hölzern gemaltes Altarwerk (von 1442) in der Kirche von Zell bei Staufen existirt. Ein Sohn von ihm war Ivo St., von dem die mittelalterliche Sammlung zu Basel kürzlich einen Schnitzaltar aus S. Maria im Val Calanca in Graubünden erwarb. Ivo war, als er es malte (1512), 81 Jahre alt.

    Von einem Claus St. besitzt die Münchener Frauenkirche zwei Altarflügel mit den Heiligen Achatius und Urbanus vom Jahre 1500. Unbedeutende, an Zeitblom erinnernde Gemälde.

    Wahrscheinlich ein Sohn des Ivo und vielleicht ein Bruder des Claus war Bernhard St., der bedeutendste Künstler der Familie. Er ist 1460—1461 zu Memmingen geboren. Seine unzweifelhafte Verwandtschaft mit B. Zeitblom in Ulm macht es wahrscheinlich, daß er bei diesem einige Zeit gearbeitet habe. Im J. 1506 ist er zuerst in Memmingen urkundlich bezeugt. St., der mit der linken Hand malte, erfreute sich bereits damals eines Rufes und war mindestens schon 1507 für den Kaiser Maximilian I. thätig. Im Auftrage dieses Fürsten machte er wiederholt Reisen nach Augsburg, Innsbruck und Wien, an welch letzterm Orte er 1520 bezeugt ist. In seiner Vaterstadt bekleidete er viele Ehrenstellen, und der Rath schickte ihn wiederholt mit Aufträgen an andere Städte.

    Bernhard Strigel's Werke sind sehr zahlreich. Man erkennt sie ziemlich leicht an dem spitzigen Kinn seiner Figuren, den meist häßlichen Händen und dem unangenehmen Knitterwerk. Doch verfügte er über eine klare, warme Farbe. Früher gingen seine Bilder unter dem Namen „Meister der Hirschers’schen Sammlung“, weil der verstorbene Domcapitular Hirscher in Freiburg i. Br. eine größere Anzahl dieser besaß. Der Name des Künstlers wurde erst durch W. Bode auf der Rückseite eines Bildes des Berliner Museums (Rath Cuspinian und seine Familie von 1520) entdeckt.

    Wie bemerkt steht Bernhard unter dem Einflusse des B. Zeitblom, mit dem er sich jedoch nicht messen kann. Die größere Entwicklung der Malerei im Beginne des 16. Jahrhunderts wirkte auch auf ihn einigermaßen. Seinen religiösen Bildern sind seine Porträts vorzuziehen. Hier hielt er sich doch näher an die schlichte Natur, und seine klare tiefgestimmte Farbe kam ihm sehr zu statten. Größere Feinheiten der Beobachtung und Malerei wird man allerdings auch bei ihm vermissen. Werke von ihm findet man in zahlreichen Galerien; besonders interessante besitzt Berlin (vier Altarflügel von 1515), Wien, München, Nürnberg, Karlsruhe etc. Auch im Schloß Tratzberg in Tirol finden sich Werke, und das Kloster Wilten bei Innsbruck besitzt von ihm eine allegorische Tafel von 1521, die, etwas decorativ gemalt, ein gutes Beispiel seines späteren, breitern Stiles ist. R. Vischer glaubt auch, daß St. einen Theil der Wandgemälde im Kreuzgang des Franciscanerklosters zu Schwaz gemalt habe. Von seinen Bildnissen sind hervorzuheben die Porträts Maximilian's I. und seiner Familie in der k. k. Sammlung zu Wien, das Bildniß des Königs Ludwig II. von Ungarn (1524), daselbst das Ferdinand's I. zu Rovigo (1525), der schon genannte Cuspinian in Berlin etc. Besonders interessant sind die lebensgroßen Bildnisse des Augsburger Patriciers Konrad Rehlinger von 1517 (Münchener Pinakothek), die schon die spätere Manier des Künstlers kenntlich andeuten.

    • Literatur

      Für die Kenntniß B. Strigel's hat R. Vischer die bedeutendsten Verdienste; Artikel von ihm finden sich u. a. in der Allgemeinen Zeitung 1881 und dem Jahrbuch der preußischen Kunstsammlungen VI, 1885. Scheibler und Bode hatten schon im II. Bande des Jahrbuches der Preuß. Kunstsamml. 1881 eine erste Uebersicht der Malereien Strigel's gegeben. Vgl. auch meine Bemerkung im Repertorium für Kunstwissenschaft 1888, XI, 357.

  • Autor/in

    W. Schmidt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Wilhelm, "Strigel" in: Allgemeine Deutsche Biographie 36 (1893), S. 589-590 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138563950.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA