Lebensdaten
1460 oder 1461 bis 1528
Geburtsort
Memmingen
Sterbeort
Memmingen
Beruf/Funktion
Maler ; Diplomat
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11875596X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Strigel, Bernhard
  • Striegel, Bernardo
  • Strigel, Bernardinus
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Zitierweise

Strigel, Bernhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11875596X.html [24.02.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Hans d. J. (erw. 1450–79), Maler in M., oder Ivo (erw. seit 1430, 1516), Bildhauer oder (auch) Maler, Verl. f. Altarretabel in M. (s. Fam.art.);
    M N. N.;
    Barbara N. N. ( 1513/14);
    1 T Magdalena († 1519/20); Verwandter Victorin(us) (s. 2).

  • Leben

    Über S.s Lehr- und Gesellenjahre geben die Urkunden keine Auskunft, doch ist eine Ausbildung zum Maler bei Hans Strigel d. J. in Memmingen wahrscheinlich. In den 1480er Jahren war S. in der Werkstatt des Ivo Strigel tätig, wo er die Flügel und Gehäuse der Schnitzretabel für Graubünden bemalte (u. a. Disentis, 1489). Seit etwa 1490 arbeitete er in der Ulmer Werkstatt Hans Schüchlins zusammen mit Bartholomäus Zeitblom an den Gemälden des mächtigen Retabels für den Hochaltar des Klosters Blaubeuren (1493/94). 1500 erhielt S. Zahlungen von der Kartause Buxheim, möglicherweise im Zusammenhang mit einem fragmentarisch erhaltenen Passionsretabel (heute u. a. Baltimore, Walters Art Gallery). Am 22. 7. 1507 schloß S. einen Vertrag für ein Retabel mit dem Abt des Kartäuserklosters Salem (heute Karlsruhe, Bad. Landesmus.). Die auf den Retabelflügeln gezeigten Szenen aus dem Marienleben gehören zu S.s bedeutendsten Schöpfungen. Die „Geburt Christi“ ist die erste bekannte Nachtdarstellung im dt. Kulturraum. Um 1515/20 fertigte S. zwei Tafeln mit den Eremiten Paulus und Antonius in der Einöde (Benediktinerstift Marienberg). Die erkennbare Aufwertung des Elements Landschaft im Bild wird auf eine Berührung S.s mit der Kunst Albrecht Altdorfers und seines Kreises zurückgeführt. Zu S.s spätesten Arbeiten für den sakralen Bereich zählen die vier „Schlafenden Landsknechte“ (u. a. München, Bayer. Staatsgem.slgg.). Vermutlich stammen die Tafeln vom Hl. Grab der Pfarrkirche Unser Frauen, Memmingen, welche S. 1521/22 faßte. Die stark plastisch gegebenen Figuren zeugen von einem gereiften Verständnis für die Haltung des menschlichen Körpers.

    S. war in seiner Zeit ein gefragter Bildnismaler. Das typische Muster eines S.-Porträts zeigt das Halbfigurenbildnis Hieronymus Hallers vor Brokatvorhang und Fensterausschnitt, 1503 (München, Bayer. Staatsgem.slgg.). Entwicklungsgeschichtlich bedeutsam sind die beiden Bildnistafeln für Conrad Rehlinger d. Ä. und seine acht Kinder, 1517 (ebd.), die erstmals in der schwäb. Tafelmalerei Ganzfigurendarstellungen enthalten.

    1507 erhielt S. 20 fl. für eine Arbeit im Auftrag Ks. Maximilians I. Die Zahlung wird mit einem Bildnis in Verbindung gebracht, das den Monarchen mit den ksl. Insignien zeigt (Innsbruck, Ferdinandeum) und Teil einer ganzen Serie von Porträts Maximilians als Herrscher ist (u. a. Augsburg, Staatsgal.). Eine zweite Porträtserie zeigt Maximilian als Privatmann (u. a. Wien, Kunsthist. Mus.). Ebenfalls 1507 fertigte S. ein Retabel zur Kreuzlegende, das als diplomatisches Geschenk Maximilians an Papst Julius II. gesandt wurde (Prag, Nat.gal.). 1515 reiste S. nach Wien, wo er ein Gruppenbildnis der ksl. Familie schuf. 1520 bemalte er die Rückseite mit der Darstellung der Hl. Sippe und fertigte als Gegenstück ein Familienbildnis des ksl. Rats Johannes Cuspinian (Privatbes.). Gemäß der rückseitigen Inschrift von 1520 war S. der „pictor ( . . . ) nobilis“, des Kaisers privilegierter Porträtmaler.

    Seit 1505 ist S. regelmäßig in den Memminger Archivalien nachweisbar. 1506/07 wurde er für die Inschriften am Chorgestühl von St. Martin, Memmingen, entlohnt; 1513 erwähnt ihn der Humanist Nikolaus Ellenbog. Seit 1515 hatte S. zahlreiche städtische Ämter in Memmingen inne, so war er 1515 Richter, 1516 auch Zweier der Kramerzunft. Von 1517 bis zu seinem Tod nahm S. turnusmäßig abwechselnd das Amt des Ratgebs und das|des Zunftmeisters der Kramerzunft ein, ferner war er auch Einunger und Steuerherr. 1523–25 war er mehrfach im diplomatischen Auftrag des Memminger Rats unterwegs, u. a. in Augsburg, Innsbruck, Nürnberg und Ulm. 1524 reiste er als Vermittler zu dem Augsburger Bf. Christoph v. Stadion nach Dillingen/Donau, dann während des Reichstags nach Nürnberg. S. setzte sich für den reformatorisch gesinnten Prediger Christoph Schappeler ein, zu dem sich der Memminger Rat offen bekannt hatte. 1524/25 war S. bei Ks. Karl V. und Ehzg. Ferdinand in Innsbruck, um die Tilgung ihrer Schulden bei der Stadt Memmingen zu erwirken.

  • Werke

    Weitere W u. a. zwei Retabelflügel mit Heiligen, um 1485/90 (Stuttgart, Staatsgal.);
    Taufe im Jordan u. Johannes vor den Schriftgelehrten, Zeichnungen, um 1493/94 (Paris, Louvre u. Berlin, Kupf.kab.);
    Kreuztragung Christi, um 1495/1500 (Biberach/Riß, Braith-Mali-Mus.);
    Dreikönigsretabel, um 1500 (Memmingen, S.-Mus.);
    Bildnis e. bärtigen Mannes, um 1500 (Stuttgart, Staatsgal.);
    Mindelheimer Sippenretabel, um 1505/06 (Nürnberg, German. Nat.mus. u. Ulm, Mus.);
    Einzug Davids, um 1510/15 (München, Bayer. Staatsgem.slgg.);
    zwei Retabelflügel z. Marienleben aus Schussenried, um 1515 (Berlin, Gem.gal.);
    Grablegung Christi, Zeichnung, um 1515/20 (Venedig, Accademia);
    Allegorie d. Wollust, Zeichnung, um 1515/ 20 (Berlin, Kupf.kab.);
    Marientod f. Hietzig, bestellt 1518 (ehem. Straßburg, Musée des Beaux Arts);
    Abschied Christi u. Entkleidung Christi, um 1520/25 (Berlin, Gem.gal.);
    Epitaph d. Jacob Meusch, 1521 (Memmingen, S.-Mus.);
    Bildnis d. Johannes d. J. v. Montfort-Rotenfels, 1523 (Dublin, Nat. Gallery of Ireland);
    Bildnis d. Ulrich Wolfhard, sign. 1526 (Privat.bes.);
    Doppelbildnis d. Ehepaars Rott, 1527 (Washington, Nat. Gallery of Art).

  • Literatur

    ADB 36;
    H. Rott, Quellen u. Forsch. z. südwestdt. u. schweizer. Kunstgesch. im 15. u. 16. Jh., Bd. 2, 1934;
    G. Otto, B. S., 1964;
    E. Rettich, B. S., Herkunft u. Entfaltung seines Stils, 1965;
    dies., B. S.s Handzeichnungen, in: FS Kurt Bauch, 1967, S. 101–14;
    K. Honold, Ein unbek. Bildnis Ks. Maximilians I. v. B. S., in: Tiroler Heimatbll. 42, 1967, S. 33–39;
    A. Stange, Krit. Verz. d. dt. Tafelbilder vor Dürer, Bd. 2, 1970;
    L. Madersbacher, B. S.s Kreuzaltar in d. Nat.gal. in Prag u. d. Ks.idee Maximilians I., in: Mitteleuropa, Kunst, Regionen, Beziehungen, 1993, S. 27–36;
    M. Thierbach, Führer durch d. S.-Mus. Memmingen, 1998;
    A. Moraht-Fromm u. W. Schürle (Hg.), Kloster Blaubeuren, 2002;
    M. Müller, Die Individualität des Fürsten als Illusion d. Malerei, in: Fürsten an d. Zeitenwende zw. Gruppenbild u. Individualität, Formen fürstl. Selbstdarst. u. ihre Rezeption (1450–1550), hg. v. O. Auge, 2009, S. 103–27;
    ThB;
    Dict. of Art;
    LexMA;
    BBKL XI.

  • Autor/in

    Manuel Teget-Welz
  • Empfohlene Zitierweise

    Teget-Welz, Manuel, "Strigel, Bernhard" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 554-555 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11875596X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA