Lebensdaten
1907 – 2002
Geburtsort
Passau
Sterbeort
Unterhaching bei München
Beruf/Funktion
Bibliothekar ; Orientalist ; Generaldirektor der Bayerischen Staatlichen Bibliotheken
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117318752 | OGND | VIAF: 27196147
Namensvarianten
  • Striedl, Johann Baptist Anton
  • Striedl, Hans
  • Striedl, Johann Baptist Anton

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Zitierweise

Striedl, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117318752.html [23.02.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Johann (1881–1916 ⚔), Lagerarbeiter, Hausmeister in P., später in M.;
    M Therese Klostermann (1878–1928;
    3 B (2 früh †), 2 Schw;
    Finsterau (Bayer. Wald) 1935 Paula Klostermann (1911–90;
    2 T Anna (* 1938), Paula Kupka (* 1941), Soz.referentin u. Gleichstellungsbeauftragte d. Gde. U., Bürgermedaille mit Ehrennadel in Gold ebd.

  • Biographie

    Nach dem Besuch von Knabenseminar und Gymnasium in Passau begann S. 1928 an der dortigen Phil.-Theol. Hochschule ein Theologiestudium, das er 1930 an der Univ. München fortsetzte. Aus Interesse für alte wie lebende oriental. Sprachen wechselte er 1932 ganz zur Orientalistik, hörte u. a. bei Fritz Hommel, Karl Süßheim und Gotthelf Bergsträsser und wurde 1934 mit einer sprachwiss. Untersuchung des hebr. Buches Esther promoviert. Im selben Jahr begann S. als wiss. Hilfsarbeiter an der Bayer. Staatsbibliothek (BSB), absolvierte 1936/37 die bibliothekarische Ausbildung, war 1937/38 an der Universitätsbibliothek Würzburg tätig, anschließend wieder an der BSB. 1941 zum Militärdienst einberufen, wurde er seit 1944 wegen seiner türk. Sprachkenntnisse an der Dolmetscher-Lehrabteilung des Heeres in Berlin als Dolmetscher eingesetzt und arbeitete an einem dt.-türk. Militärwörterbuch mit. 1945 geriet S. in brit., später amerik. Kriegsgefangenschaft, wurde 1946 wegen Mitgliedschaft in der NSDAP (Beitritt 1. 5. 1933) vom Dienst suspendiert und war zeitweise als Lagerarbeiter tätig. 1948 kehrte er in den Bibliotheksdienst zurück und stieg nun rasch auf: Zunächst Fachreferent für den Vorderen Orient wurde er 1952 Leiter der Benutzungsabteilung der BSB, 1953 Leiter der Katalogabteilung. Letzteres blieb S. auch, als man ihn 1962 zum Direktor der BSB ernannte. 1967–72 war er als Nachfolger von Gustav Hofmann (1900–82) Generaldirektor der Bayer. Staatlichen Bibliotheken. Zu den bleibenden Leistungen seiner Amtszeit gehören der Abschluß des Wiederaufbaus der weitgehend zerstörten BSB (Neueröffnung der Handschriftenabteilung im Südflügel 1970) und der Anstoß zu den großen Erschließungsprojekten für die im dt. Sprachraum erschienenen Drucke des 16. Jh., die Inkunabeln der BSB und die musikalischen Quellen. 1969 initiierte S. die Erstellung eines elektronisch geführten Zeitschriftenkatalogs, mit dem für die BSB der Einstieg in das EDV-Zeitalter begann. Für den Bereich der staatlichen Bibliotheken in Bayern wie des öffentlichen Bibliothekswesens übernahm S. integrierende und koordinierende Aufgaben, zudem war er entscheidend an der Planung der neugegründeten Universitätsbibliotheken in Regensburg und Augsburg beteiligt.

    Neben und nach seiner dienstlichen Tätigkeit arbeitete S. bis ins hohe Alter wissenschaftlich besonders auf dem Gebiet der Judaistik. In einer Reihe von Aufsätzen untersuchte er v. a. die Hebraica-Sammlung der BSB und ihre Genese; mehrfach beschäftigte er sich mit Johann Albrecht Widmanstetter (1506–57), dessen Bibliothek den Grundstock der BSB bildet. S. beteiligte sich an der Katalogisierung hebr. Handschriften und gehörte u. a. dem Herausgebergremium des „Verzeichnisses der oriental. Handschriften in Deutschland (VOHD)“ an. S., der als „einer der bedeutenden Bibliothekare der Nachkriegszeit“ (F. G. Kaltwasser) gilt, vermachte seine 2000 Bände umfassende Bibliothek der Staatlichen Bibliothek Passau.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Bibl.ausschusses d. DFG (1967–72), d. Beiräte d. Dt. Bibl., Frankfurt/M., d. Stiftung Preuß. Kulturbes., d. Dt. Bucharchivs, München, u. d. Internat. Jugendbibl., München;
    Medaille d. kgl. Bibl. Belgiens (1969);
    Ordre des Palmes Académiques (1970);
    ausw. korr. Ehrenmitgl. d. Grolier Club, New York (1970);
    Israel State Medal (1972);
    Bayer. Verdienstorden (1973);
    Gr. BVK (1991);
    Ehrenvors. v. RISM, AG Dtld. (1997).

  • Werke

    u. a. Unters. z. Syntax u. Stilistik d. hebr. Buches Esther, in: Zs. f. d. alttestamentl. Wiss. 55, 1937, S. 74–108 (Kurzfassung d. Diss.);
    Die Bücherei d. Orientalisten Johann Albrecht Widmanstetter, in: H. J. Kissling u. A. Schmaus (Hg.), Serta Monacensia, FS f. Franz Babinger, 1952, S. 201–44;
    Gesch. d. Hebraica-Slg. d. BSB, in: H. Franke (Hg.), Orientalisches aus Münchener Bibliotheken u. Slgg., 1957, S. 1–37;
    Hg.:
    Verz. d. oriental. Hss. in Dtld., VI/2 u. VI /3, Hebr. Hss., 1965/84 (Mitvf.);
    Nachlaß:
    BSB Ana 725 (P), hierzu Repert. v. P. Kuhn, 2007/08, hierin auch autobiogr. Aufzeichnungen: Vita u. Tätigkeit, 1987 (Typoskr., Ana 725, C. 1).

  • Literatur

    F. G. Kaltwasser, in: Zs. f. Bibl.wesen u. Bibliogr. 50, 2003, H. 2, S. 106–08 (P);
    P. Kuhn, in: Orient als Grenzbereich? Rabbin. u. außerrabbin. Judentum, hg. v. A. Kuyt u. G. Necker, 2008, S. 201–15;
    Lex. wiss. Bibliothekare.

  • Autor/in

    Stephan Kellner
  • Zitierweise

    Kellner, Stephan, "Striedl, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 552-553 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117318752.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA