Lebensdaten
1820 bis 1883
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Musikpädagoge ; Chorleiter ; Dirigent ; Komponist ; Geiger ; Leiter des Stern'schen Konervatoriums der Musik in Berlin
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 117658316 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stern, Julius
  • Stern, J.
  • Stern, Julius G.
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Zitierweise

Stern, Julius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117658316.html [25.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., Lotteriekollektor in Breslau;
    M N. N.;
    Schw Julie (* vor 1820), Pianistin in Berlin;
    1852 N. N.;
    5 K u. a. S Richard (1863–1938?), Dr. (s. L), T Dora (* 1868), Gesangslehrerin am Stern`schen Konservatorium in B.; Schwägerin (?) Jenny Meyer (1834 /37?–94), aus Berlin, Schülerin v. S., Sängerin (Altistin), Gesangslehrerin, übernahm 1883 nach S.s Tod d. Ltg. d. Stern`schen Konservatoriums (s. Kutsch-Riemens), T e. Bankiers.

  • Leben

    S., als zweites Kind geboren, erhielt ersten Geigenunterricht bei Ignaz Peter Lüstner (1793–1873) und gab gemeinsam mit seiner älteren Schwester Julie, die ihn auf dem Klavier begleitete, bereits seit 1828 öffentliche Konzerte in Breslau. Um den beiden Kindern eine bessere musikalische Ausbildung zu ermöglichen, zog die Familie 1832/33 nach Berlin. Hier erhielt S. weiteren Geigenunterricht bei Ludwig Maurer (1789–1878), nach dessen Fortgang aus Berlin seit 1834 bei Léon de St. Lubin (1805–50) und danach von Leopold Ganz (1810–69). Aufgrund seiner großen Begabung und schönen Stimme wurde S. schon als 14jähriger von Carl Friedrich Rungenhagen (1778–1851) in die Berliner Sing-Akademie aufgenommen und wirkte als Choraltist bei der Aufführung großer Oratorien mit.

    1835 mußte S. eine kaufmännische Lehre in einer Berliner Seidenfabrik beginnen, bis er 1837 auf Vermittlung Rungenhagens ein Kompositionsstudium an der Akademie der Künste absolvieren durfte. Er schrieb erste Lieder, die insbesondere von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–47) wohlwollend aufgenommen wurden. Über dessen Empfehlung erhielt S. 1843 von Kg. Friedrich Wilhelm IV. (1795–1861) ein zweijähriges Reisestipendium: zunächst für ein einjähriges Gesangsstudium bei Johannes Aloys Miksch (1765–1845) in Dresden, danach für einen Aufenthalt in Paris seit 1844, wo er die Leitung des dt. Gesangsvereins übernahm. 1846 kehrte S. nach Berlin zurück und rief dort 1847 den Stern’schen Gesangsverein ins Leben, der mit der Aufführung u. a. von Werken Mendelssohn Bartholdys Aufsehen erregte. 1850 gründete S. gemeinsam mit dem Komponisten Adolf Bernhard Marx (1795–1866) und dem Pianisten Theodor Kullak (1818–82) die erste private Musikschule in Berlin, die großes nationales und internationales Ansehen erlangte. Von 1855 bis zu seinem Tod leitete S. dieses Institut allein unter dem Namen „Stern’sches Konservatorium der Musik“. Als Nachfolger Kullaks konnte er 1855 Hans v. Bülow gewinnen (bis 1863); S. selbst dirigierte 1869–71 zudem die Berliner Symphoniekapelle und übernahm danach 1873–75 die Leitung der Reichshallenkonzerte. 1936 in „Konservatorium der Reichshauptstadt Berlin“ umbenannt, wird die Musikschule heute als „Julius-Stern-Institut“ innerhalb der Universität der Künste Berlin weitergeführt und gehört bundesweit zu den größten und renommiertesten Einrichtungen der musikalischen Nachwuchsförderung.

  • Auszeichnungen

    A preuß. Musikdir. (1849); preuß. Prof. (1860).

  • Literatur

    ADB 36;
    Richard Stern, Erinnerungsbll. an J. S., 1886;
    E. O. Nodnagel, Gedenkbll. z. Einweihungsfeier d. neuen Räume d. Stern`schen Konservatoriums d. Musik zu Berlin, 1899;
    W. Klatte u. L. Misch, Das Sternsche Konservatorium d. Musik zu Berlin, FS z. 75j. Bestehen, 1925;
    C. Dahlhaus (Hg.), Studien z. Musikgesch. Berlins im frühen 19. Jh., 1980;
    L. Hoffmann-Erbrecht, Jüd. Musiker aus Breslau, in: FS f. Winfried Kirsch z. 65. Geb.tag, 1996, S. 352–58, D. Fischer-Dieskau, J. S. u. sein Btr. z. Berliner Musikleben, in: Das Julius Stern-Inst., hg. v. O. Hahn, 2005, S. 10–12 (P);
    P. Dinslage, Die Gründung d. Stern`schen Konservatoriums d. Musik, ebd., S. 48–52;
    D. Schenk, Das Stern`sche Konservatorium d. Musik, in: Berlin in Gesch. u. Gegenwart, Jb. d. Landesarchivs Berlin 2000, S. 57–79.

  • Autor/in

    Geertje Andresen
  • Empfohlene Zitierweise

    Andresen, Geertje, "Stern, Julius" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 271 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117658316.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Stern: Julius St., königl. Professor und Musikdirector zu Berlin, geboren am 8. August 1820 zu Breslau von jüdischen Eltern, am 27. Februar 1883 zu Berlin. Schon als Knabe zeichnete er sich als Violinvirtuose aus und trat öffentlich auf. Als die Eltern 1832 nach Berlin übersiedelten, erhielt er Leopold Ganz, St. Lubin und E. Maurer zu Lehrern; später trat er als Schüler in die Akademie ein, in der Rungenhagen unterrichtete Durch ein Stipendium, vom König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen gewährt, war es ihm möglich nach Paris zu gehen, um sich weiter auszubilden, doch schon auf der Hinreise durch Dresden lernte er den Gesanglehrer Miksch kennen und wurde von ihm in die italienische Gesangskunst eingeweiht. Er gab das Violinspiel ganz auf und betrieb auch in Paris hauptsächlich Gesangsstudien, leitete dort einen Gesangverein und gab öffentliche Aufführungen von deutschen Meistern. 1846 wieder nach Berlin zurückgekehrt, leitete er bei der Gräfin Rossi (der einstigen Sängerin Sontag) die dort stattfindenden Musikausführungen, gründete 1847 selbst einen Gesangverein, der sich bald zu einer umfangreichen Mitgliederzahl hob, besonders durch jüdische Elemente, denen der Beitritt zu der schon lange bestehenden von Fasch gegründeten Singakademie verschlossen war. 1849 trat er zum ersten male mit ihm vor die Oeffentlichkeit. Sowol die jugendliche Frische der Stimmen, als die feurige Wiedergabe der großen Chorwerke rief eine allgemeine Bewunderung hervor und Vergleiche mit der Singakademie zu deren Ungunsten blieben nicht aus. Diese wurde seit Zelter's Tode zwar von gelehrten Musikern geleitet, die aber nichts weniger als im Stande waren große Chor- und Orchestermassen zu leiten. Ihre Aufführungen waren daher schlaff, die Singstimmen meist mit älteren Damen besetzt, der Männerchor zu schwach vertreten, und da die Soli in den Oratorien nach altem Herkommen nur von|Mitgliedern gesungen wurden, dem Orchester ein genialer Dirigent fehlte, so zehrte sie nur noch von ihrem einstigen Rufe. St. war dagegen ein geborener Dirigent. Staunenswerth war es, wenn er bei kleinen Aufführungen am Flügel mit der linken Hand die Orchesterbegleitung spielte und mit der rechten Hand einen Chor von gegen 500 Sängern leitete. Musterhaft waren die großen Oratorienaufführungen, bei denen die Soli von anerkannten Solosängern vorgetragen wurden. Anfänglich sangen sie fast nur Mendelssohn'sche Werke, erst später gingen sie zu Händel und Beethoven über. Die neunte Sinfonie und die große Messe von Beethoven wurden wohl überhaupt in Berlin erst durch St. zu Gehör gebracht und bildeten fast jährlich ein stehendes Repertoire. Im J. 1850 errichtete er im Vereine mit A. B. Marx und Theodor Kullack ein Conservatorium für Musik, das erste in Berlin, vielleicht in ganz Deutschland, mit Ausschluß Leipzigs und abgesehen von Oesterreich, welches schon fast seit einem halben Jahrhundert in Prag und Wien bedeutende Anstalten besaß. Marx vertrat das theoretische Fach, Kullack das Clavierspiel und St. das Gesangfach. Trotz seiner gesanglichen Bildung nach italienischem Muster drängten ihn seine natürlichen Anlagen zu sehr auf den äußeren Effect und daher kam es, daß er seinen Schülern nicht Zeit genug ließ, die Stimmorgane nach und nach zu kräftigen, so daß er das Unglück hatte, mehr Organe verdorben als gebildet zu haben. Nur wer von Natur mit einem außerordentlich kräftigen Organe versehen war, konnte diesen Strapazen widerstehen. St. kann keinen bedeutenden Sänger aus seiner Schule nachweisen. 1855 trat Kullack aus dem Conservatorium und gründete die „Neue Akademie der Tonkunst“, Marx folgte ihm 1857 und von da ab leitete St. allein das Conservatorium, welches alle Musikfächer umfaßte und sich eines großen Zuspruches erfreute. Nicht genug zwei so große Institute zu leiten — (er war auch an der Synagoge Dirigent des Gesangschores) — bildete er im J. 1855 auch noch einen Orchesterverein, mit dem er ältere und neuere große Orchesterwerke aufführte. Leider war damals das kunstliebende und wohlhabende Publikum in Berlin noch ein sehr kleines, auch waren die Concertsäle von einer Kleinheit, daß Ausgaben und Einnahmen in keinem Verhältnisse zu einander standen. So dankbar die Bestrebungen Stern's anerkannt wurden, so waren sie doch aus obigen Ursachen nicht von langer Dauer. Später übernahm er noch einmal die Leitung der „Berliner Symphoniecapelle“, dann 1873 die Concerte in den Reichshallen. Wenn die früheren Unternehmungen an der Kleinheit der Säle scheiterten, so krankte das letzte an dem allgemeinen Krach, der alle begüterten Kreise in dieser Zeit in Mitleidenschaft zog. Abgespannt und lebensmüde legte er 1874 für immer den Dirigentenstab nieder und behielt nur noch das Conservatorium. Ein Schlaganfall machte auch dieser Thätigkeit ein Ende und der einst so thatkräftige Mann war ein Bild irdischen Jammers geworden, bis ihn ein sanfter Tod erlöste. Aus seinem Conservatorium ist mancher hervorragende Musiker in die Welt eingetreten, jedoch sein Hauptverdienst bestand in dem Einflusse, den er auf das öffentliche Musiktreiben durch seine eminente Begabung als Dirigent ausübte. Nur bis in die vierziger Jahre trat er auch als Liedercomponist auf und erreichte als solcher eine gewisse Beliebtheit, die aber sehr bald wieder verschwand, als er es selbst aufgab, Componist zu sein. In Ledebur's Tonkünstler-Lexikon findet man ein genaues Verzeichniß der Lieder, sowie die älteren Daten auch demselben entnommen sind; alles übrige beruht auf Miterlebtem.

  • Autor/in

    Rob., , Eitner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eitner, Robert, "Stern, Julius" in: Allgemeine Deutsche Biographie 36 (1893), S. 106-107 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117658316.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA