Lebensdaten
1925 - 2006
Geburtsort
Ahlbeck (Usedom)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Journalistin ; Publizistin ; Schriftstellerin ; Redakteurin beim WDR ; Drehbuchautorin ; Soziologin
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118809741 | OGND | VIAF: 49267160
Namensvarianten
  • Zöger, Erika (verheiratete)
  • Zöger, Erika Emma Ida (verheiratete)
  • Asmush, Erika (geborene)
  • mehr

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Zitierweise

Stern, Carola (Pseudonym), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118809741.html [25.09.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Otto August Friedrich Asmush (1883–1925, Kreisausschußobersekr.;
    M Ella Ida Wilhelmine Schwandt (1896–1948;
    Köln 1968 Heinz Zöger (1915–2000, aus Leipzig, Schriftsetzer, als Kommunist v. d. Nat.sozialisten verfolgt, 1941 wegen „Vorbereitung z. Hochverrat“ verurteilt, bis 1945 in Waldheim u. Halle inhaftiert, 1946–51 Abt.leiter b. Mitteldt. Rundfunk (Sender Leipzig), 1951–54 b. Berliner Rundfunk, 1952 stellv. Chefredakteur f. Kulturpol. ebd., als Chefredakteur d. auf Reformen drängenden Ostberliner Zs. „Sonntag“ 1957 in d. DDR inhaftiert, 1959 in d. BRD geflüchtet, seit 1964 Redakteur b. WDR (s. Wer war wer DDR); kinderlos.

  • Leben

    S. wuchs in Ahlbeck auf der Insel Usedom auf, wo ihre Mutter – der Vater starb vor S.s Geburt – eine Pension für Badegäste führte. Das Gymnasium besuchte sie in Swinemünde (Abitur 1944). Geprägt durch die Mutter, eine überzeugte Nationalsozialistin, entwickelte S. eine „bescheuerte Gläubigkeit“ an das NS-Regime, wie sie in ihrem autobiographischen Buch „In den Netzen der Erinnerung“ (1986) urteilte, und wurde Jungmädelführerin beim „Bund deutscher Mädel“. Gegen Kriegsende flüchtete S. aus Usedom und fand im Sept. 1945 eine Anstellung als Bibliothekarin im russ. Raketenforschungsinstitut Rabe in Bleicherode (Harz). Als dieses 1947 in die Sowjetunion verlegt wurde, ließ sich S. in Wiesenburg (SBZ) zur Lehrerin ausbilden und war seit Juli 1948 Fachlehrerin für Geschichte an der Volkshochschule Geltow (Potsdam).

    Bereits 1947 hatte sie laut ihrer Autobiographie „Doppelleben“ (2001, danach dokumentar. Spielfilm, Regie u. Buch: Th. Schadt, ARD/Arte, 2004) das Angebot des amerik. Geheimdienstes CIC angenommen, als Mitglied der SED Informationen zu beschaffen, um im Gegenzug Medikamente für ihre krebskranke Mutter zu erhalten. 1950 kam S. auf die SED-Parteihochschule in Kleinmachnow bei Berlin, wo sie bald zur Lehrerin befördert wurde. Nachdem ihr „Doppelleben“ enttarnt und S. einem Verhör durch die SED-Parteikontrollkommission unterzogen worden war, floh sie 1951 nach Westberlin. Hier studierte sie 1951–59 Politikwissenschaft an der Freien Universität und war vorübergehend Assistentin am Institut für Politische Wissenschaft. Während dieser Zeit, in der S. zwei Entführungsversuchen der DDR-Staatssicherheit nur knapp entging, erwarb sie sich mit journalistischen Arbeiten und Buchveröffentlichungen über die SED und deren Machtapparat, die Standardwerke wurden, den Ruf einer DDR-Expertin. Anfänglich unterzeichnete sie ihre journalistischen Beiträge – aus Angst vor der Staatssicherheit der DDR – mit drei Sternen; daraus wurde Ihr Pseudonym „Carola Stern“.

    Nach einem schweren Zusammenbruch trat S. 1959 eine Stelle beim SBZ-Archiv in Köln an, bevor sie 1960 als Leiterin des politischen Lektorats zum Verlag „Kiepenheuer & Witsch“ wechselte. 1961 gründete sie mit Gerd Ruge (* 1928) die dt. Sektion von „amnesty international“ (1961–66 2. Vors., 1966–70 Vors.; 1970–72 Mitgl. d. Internat. Exekutivkomitees v. amnesty international) und engagierte sich seither v. a. für die Anerkennung elementarer Menschenrechte. Unterstützt wurde S. dabei von Bundespräsident Gustav Heinemann und seiner Frau Hilda, die neben dem Theologen Helmut Gollwitzer, dessen Frau Brigitte sowie dem Ehepaar Heinrich und Annemarie Böll ihre engen Freunde wurden. Seit 1970 arbeitete S. beim WDR in Köln als Redakteurin, seit 1977 als Leiterin des Programms „Kommentare und Feature“ (1985 pensioniert). Als streitbare Kommentatorin in Rundfunk und Fernsehen (u. a. in Werner Höfers „Internationalem Frühschoppen“) schrieb sie Journalismusgeschichte. Unüberhörbar trat sie für Willy Brandt, dessen Ostpolitik sowie für die Gleichberechtigung von Frauen ein und trug so entscheidend zum zivilen Grundmuster der Bundesrepublik bei (Mitgl. d. SPD seit Nov. 1972). Ihre Beiträge polarisierten, machten S. aber auch unverwechselbar und bundesweit bekannt. Sie gehörte zu den Mitunterzeichnerinnen der von Alice Schwarzer initiierten Kampagne von 374 Frauen „Wir haben abgetrieben“, die als Titelgeschichte im „stern“ erschien. Mit Heinrich Böll und Günter Grass gab S. 1976 die Zeitschrift „L 76“ (seit 1980 u. d. T. „L 80“, 1988 eingestellt) heraus, die v. a. Dissidenten aus Ostmitteleuropa ein Forum bot. 1978 gründete sie mit Johannes Rau, einem ihrer engsten Weggefährten, und Erhard Eppler die „Gustav-Heinemann-Initiative zur Förderung der Zivilcourage“. Mit Hartmut v. Hentig und Grass rief sie im Juli 2000 mit großem Erfolg die Bundesbürger auf, als Zeichen gegen die weitere Verschleppung von Entschädigungszahlungen 20 DM für den NS-Zwangsarbeiterfonds zu spenden.

    Seit Ende der 1980er Jahre machte sich S., die seit 1997 in Berlin und auf Usedom lebte, zudem einen Namen als Autorin von Biographien. Ihre Arbeiten über bemerkenswerte Frauen wie Dorothea Schlegel (Ich möchte mir Flügel wünschen, 1990), Rahel Varnhagen (Der Text meines Herzens, 1994), Fritzi Massary (Die Sache, d. man Liebe nennt, 1998) und Johanna Schopenhauer (Alles, was ich in d. Welt verlange, 2003) wurden ebenso vielfach aufgelegte Bestseller wie ihre Doppelbiographien über Isadora Duncan und Sergej Jessenin (Der Dichter u. d. Tänzerin, 1996), Helene Weigel und Bertolt Brecht (Männer lieben anders, 2000), das Schauspielerehepaar Marianne Hoppe und Gustaf Gründgens (Auf d. Wassern d. Lebens, 2005) sowie die Schriftstellerin Clara Viebig und den jüd. Verleger Friedrich Theodor Cohn (Kommen Sie, Cohn!, 2006).

  • Auszeichnungen

    A u. a. Tit.-Prof. (1957);
    Jakob-Kaiser-Preis (1970);
    Carl-v.-Ossietzky-Medaille (1972);
    Staatspreis d. Landes NRW (1988);
    Hermann-Kesten-Medaille (1994);
    Hermann-Sinsheimer-Preis (1995);
    Siebenpfeiffer-Preis (1996);
    Roswitha-Preis d. Stadt Gandersheim (1998);
    Louise-Schroeder-Medaille (1998);
    Gr. BVK (2001);
    Mitgl. d. dt. Sektion d. PEN (seit 1972, Vizepräs. 1987–95, seit 1995 Ehrenpräs.);
    – Carola-Stern-Stiftung, Darmstadt.

  • Werke

    Weitere W Die SED, 1954;
    Porträt e. bolschewist. Partei, 1957;
    Ulbricht, 1957;
    Willy Brandt, 1975;
    Zwei Christen in d. Pol., 1979;
    Strategien f. d. Menschenrechte, 1980;
    Uns wirft nichts mehr um, 2004;
    Hg.:
    dtv-Lex. z. Gesch. d. Pol. im 20. Jh., 3 Bde., 1974 (mit Th. Vogelsang, E. Klöss u. A. Graff);
    Was haben d. Parteien f. d. Frauen getan?, 1976;
    Die neue Ges./ Frankfurter Hh., seit 1989 (Mithg.);
    Wendepunkte dt. Gesch. 1848–1990, 1994 (mit H. A. Winkler);
    Nachlaß:
    Archiv d. soz. Demokratie d. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn.

  • Literatur

    P. Bender, in: Die Zeit v. 26. 1. 2006 (P);
    ders., in: Sinn u. Form 58, 2006, H. 2, S. 277–80;
    I. Spittmann, in: Dtld. Archiv 2006, H. 2;
    W. Hinck, in: FAZ v. 21. 1. 2006 (P);
    F. Pleitgen, in: SZ v. 21. 1. 2006 (P);
    H. Rudolph, in: Tagesspiegel v. 21. 1. 2006;
    I. Brodersen, in: C. S., Kommen Sie, Cohn!, 2006, S. 7–18;
    Nordrhein-Westfalen;
    Kosch, Lit.Lex. 3 (W, L);
    Kölner Personenlex. (P);
    Munzinger;
    Dokumentarfilme:
    H. Broeskamp u. A. Leudts, „Ich denke, ja, das bist Du“, WDR, 1990;
    H. Broeskamp u. V. Mauersberger, „Der mühsame Weg zu mir selbst“, Das dt. Leben d. C. S., WDR, 2000;
    C. S. im Gespräch mit A. Linsel, ZDF, 2001.

  • Autor/in

    Ingke Brodersen
  • Empfohlene Zitierweise

    Brodersen, Ingke, "Stern, Carola" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 271-272 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118809741.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA