Lebensdaten
1904 - 1999
Geburtsort
Elberfeld
Sterbeort
Buenos Aires
Beruf/Funktion
Photographin ; Graphikerin ; Fotografin
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 119285347 | OGND | VIAF: 3277323
Namensvarianten
  • Stern, Gretel (geborene)
  • Coppola, Grete (verheiratete)
  • Stern, Grete (geborene)
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Zitierweise

Stern, Grete (geborene), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119285347.html [25.10.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Ludwig (Luis) († 1912), aus Schmallenberg (Westfalen), Textilindustr.;
    M Frida Hochberger ( 1934/35), aus Stuttgart;
    B Walter (1908–65), emigrierte in d. USA, Filmtechniker, dann Filmdir., u. a. am Schnitt v. „Der Blaue Engel“ beteiligt;
    Buenos Aires (?) 1935 1941 Horacio Coppola (* 1906, kath.), aus B. A. (Argentinien), Photograph (s. W, L);
    1 S Andres (1940–65), Architekt in B. A., 1 T Silvia Coppola (* 1936), Med.

  • Leben

    Nach dem Abitur 1923 studierte S. zunächst Musik, dann an der Kunstgewerbeschule „Am Weißenhof“ in Stuttgart Graphik und Typologie. 1925 ging sie als Werbegrafikerin zurück nach Wuppertal. Beeindruckt durch Fotos von Edward Weston und Paul Outerbridge, zog sie 1927 nach Berlin und begann eine fotografische Ausbildung im Atelier von Walter Peterhans (1897–1960). Dessen Art und Weise, Dinge und Strukturen zu betrachten und in eine bildnerische Komposition umzusetzen, prägten sie in ihrer beruflichen Entwicklung und ihrem fotografischen Stil. Als Peterhans 1929 Lehrer für Fotografie am Bauhaus in Dessau wurde, erwarb S. seine Studioausrüstung. Gemeinsam mit Ellen Rosenberg (seit 1937 Auerbach, 1906–2004), die seit 1928 ihre Lehre ebenfalls bei Peterhans absolvierte und sich mit ihr befreundet hatte, gründete sie das Fotostudio ,ringl + pit`, benannt nach ihren Spitznamen aus Kindertagen – ringl für Grete und pit für Ellen. S. und Rosenberg konzentrierten sich auf Werbe- und Gebrauchsfotografie, einen neuen Anwendungsbereich für Fotografie. Im Unterschied zu zeitgenössischen Reklamebildern zeigten ihre Fotos die Gegenstände in engen Bildausschnitten, losgelöst vom realen Raum. 1933 erhielten beide den 1. Preis bei der zweiten „Exposition Internationale de la Photographie et du Cinéma“ in Brüssel für das Werbefoto „Komol“. Seit 1932/33 studierte S. am Bauhaus in Dessau in Peterhans’ Fotokurs, wo sie den argentin. Fotografen Horacio Coppola kennenlernte. Nach der „Machtergreifung“ Hitlers entschieden sich die jüd. Fotografinnen zur Emigration, das Studio wurde aufgelöst. Ellen Rosenberg ging mit Walter Auerbach nach Palästina, später in die USA; S. emigrierte 1934 mit Coppola nach London, wo sie Bertolt Brecht, Helene Weigel, Karl Korsch u. a. portraitierte, und ein Jahr später weiter nach Argentinien.

    In Buenos Aires gründete sie mit Coppola ein Foto- und Werbestudio, das beide bis zu ihrer Trennung 1941 gemeinsam betrieben. Bereits zwei Monate nach der Ankunft in ihrer neuen Heimatstadt hatte S. eine Ausstellung in den Räumen des Verlages Sur. Diese gilt heute als die erste Ausstellung moderner Fotografie in Argentinien. In den folgenden Jahren schuf S. Portraits und Kunstreproduktionen, z. T. in Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Künstlern. 1956–70 war sie als Fotografin am Nationalen Museum der Schönen Künste tätig, daneben arbeitete sie an Landschafts- und Architekturaufnahmen. Für das Frauenmagazin „Idilio“ entwickelte sie zwischen 1948 und 1950 Fotomontagen zu Themen der weiblichen Psyche, Ängsten und Träumen. Sie entstanden als freie Illustrationen zu psychoanalytischen Texten. S. führte mit dieser außergewöhnlichen Serie ihre Fähigkeiten als Grafikerin und Fotografin zusammen. Das grundsätzliche Anliegen der Montagen war immer die Sichtbarmachung gesellschaftlicher Mißstände, insbesondere der Unterdrückung argentin. Frauen. 1959–60 lehrte S. Fotografie an der Universidad Nacional del Nordeste. In dieser Zeit begann ihre umfangreiche Dokumentation über die Lebensweise der Indios im Chaco (1964 fortgesetzt). Die Portraits von Frauen und Kindern, die im Rahmen dieses Projekts entstanden, gehören zu ihren eindruckvollsten Bildnissen. 1965 organisierte sie hierzu im Museum für Moderne Kunst Buenos Aires eine Ausstellung, die danach auch in anderen Städten Argentiniens zu sehen war. 1985 gab S., die sich selbst als argentin. Fotografin bezeichnete, die Fotografie auf.

  • Werke

    W Fotogrr. u. Grafiken u. a. in: Berlin, Bauhaus-Archiv, Berlin. Gal.; Buenos Aires, Collección Jorge y Marion Helft, La Azotea, Editorial Fotográfica, Fundación Antorchas, Fondo Nacional de las Artes, Goethe-Inst.; Caracas, Museo Nacional de Bellas Artes; Essen, Mus. Folkwang; Houston (Texas), Mus. of Fine Arts; Los Angeles, The J. Paul Getty Mus. of Art; New York, Metropolitan Mus. of Art; Paris, Centre Georges Pompidou; Stuttgart, IfA Institut; Yokohama, Mus. of Art;
    Schrr.: South London Hospital for Women and Children, London 1935; Cómo se imprime un libro/Wie wird ein Buch gedruckt, 1942 (mit H. Coppola); Huacos Chancai, Cultura, 1943; Huacos, Cultura Chimú, 1943 (alle Buenos Aires); Esculturales des Noemí Gerstein, Privatdr., Buenos Aires, 1956; El Christo, Skulptur v. Libero Badii, Privatdr., Buenos Aires, 1963; Cultura diaguita, Archäol. Mus. Adán Quiroga, Catamarca, 1964; Cuerpos, Skulpturen v. Osvaldo Stimm, Univ. Wien, 1965; Los patios, Editorial Buenos Aires, Buenos Aires, 1967; Los aborígenes del Gran Chaco Argentinien, Universidad Nacional de la Plata, 1971; Fotógrafos del Siglo XX, Centro Editor de América Latina, Buenos Aires, 1982;
    zu Horacio Coppola: Buenos Aires 1936, 1936.

  • Literatur

    T. Schalcher, Fotostudien camera studies, ringl + pit, in: Gebrauchsgraphik, Jg. 8, 1931, Nr. 2, S. 33 ff.;
    Ch. Zervos, Nouvelles Photographies, in: Cahier d`art, Jg. 9, 1934, Nr. 1, S. 70 f.;
    J. R. Best, Fotograficas de Horacio Coppola y G. S., in: Sur, Jg. 5, 1935, Nr. 13, S. 91 ff.;
    Campo Grafico, Rivista di Estetica e di Tecnica grafica, Jg. 5, 1937, Nr. 3;
    L. Besouchet, La pintura fotografica de G. S., in: Libertad Creadora, 1. Bd., Nr. 2, 1943;
    M. E. Walsh, Los desnudos faciales de G. S., in: Sur, Nr. 215/216, 1952;
    Künstlerinnen International, Berlin 1877–1977, hg. v. d. Arbeitsgruppe Frauen in d. Kunst, Ausst.kat. Berlin 1977;
    E. Bertonati, Das experimentelle Photo in Dtld. 1918–1940, Ausst.kat. München 1978;
    fotografien 1930–1933, ringl pit, hg. v. Bauhaus-Archiv, Berlin, Ausst.kat. 1981;
    Avantgarde-Fotografie in Dtld. 1919–1939, hg. v. V. D. Coke, Ausst.kat. München 1982;
    Photographie am Bauhaus, hg. v. Carl Haenlein, Kestner Gesellschaft Hannover, Ausst.kat. 1986;
    Werbefotografie in Dtld. seit d. zwanziger Jahren, hg. v. Mus. Folkwang, Ausst.kat. 1989;
    C. Sullivan, Women Photographers, 1990;
    ringl + pit, G. S., Ellen Auerbach, hg. v. U. Eskildsen, Ausst.kat. Essen 1993;
    Fotografieren hieß teilnehmen, Fotografinnen d. Weimarer Rep., hg. v. U. Eskildsen, Ausst.kat. Essen 1994;
    J. Keller, Women Photographers in Europe 1919–1939, in: Hist. of Photography, Jg. 18, 1994, Nr. 3;
    G. S., Obra fotográfica en la Argentina, hg. v. Fondo Nacional de las Artes, Buenos Aires, 1995;
    Nachruf in: FAZ v. 31. 12. 1999 (P);
    K. Sykora, Doppelspiele, Die fotograf. Zus.arbeit v. Ellen Auerbach u. G. S., in: R. Berger (Hg.), Liebe, Macht, Kunst, Künstlerpaare im 20. Jh., 2000, S. 87–108 (P);
    G. S., hg. v. Musée des Beaux Arts et d`Archéologie de Besançon, 2008;
    J. Schwartz, Os sonhos de G. S., Fotomontagens, Ausst.kat. Museu Lasar Segall, São Paulo 2009;
    G. S., De la Bauhaus al Gran Chaco/ Vom Bauhaus zum Gran Chaco, Fotoreportagen im Norden Argentiniens (1958–1964), Ausst.kat. Ethnol. Mus. in Berlin 2010;
    J. Dick u. M. Sassenberg, Jüd. Frauen im 19. u. 20. Jh., 1993, S. 360–62 (P);
    BHdE II;
    Doku-mentarfilm:
    Drei Fotografinnen, Regie A. Lerch, ZDF 1993 (Berlin, absolut Medien;
    arte Editions 2007);
    zu Horacio Coppola:
    M. L. Sougez, Diccionario de historia de la fotografı́a, 2003, S. 122 f.

  • Portraits

    Photogr. v. E. Auerbach, Ringl mit Brille, 1929 (Essen, Fotograf. Slg. Mus. Folkwang), Abb. in: Sykora (s. L) u. Dick/Sassenberg (s. L).

  • Autor/in

    Christiane Kuhlmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Kuhlmann, Christiane, "Stern, Grete" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 269-270 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119285347.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA