Lebensdaten
1782 bis 1845
Geburtsort
Untereisenheim
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Theaterdirektor
Konfession
jüdisch,evangelisch
Normdaten
GND: 135708117 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Cerf, Raphael Friedrich Rudolf
  • Cerfberr, Raphael Friedrich
  • Cerf, Karl Friedrich
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Zitierweise

Cerf, Raphael Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135708117.html [21.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Kaufm. in Mainbernheim;
    Henr. Angelica Isoort (Isong, 1856, isr., dann ev.);
    5 K u. a. Carl Rudolf, Begr. des Victoria-Theaters in Berlin, Marie Luise Rosalie ( 2) Karl Eduard Rudolphi, Arzt, S des Zoologen Carl Asmund Rudolphi [ 1832, s. ADB XXIX]), Friederike (1806–94, 1832 Alfr. Frhr. v. der Bussche-Ippenburg [1803–48], preußischer Beamter); Urenkel Hans Heinz Stuckenschmidt (1901–88) Musikhistoriker, -kritiker;.

  • Leben

    C. war ein den widersprechendsten Urteilen ausgesetzter, nicht besonders gebildeter, jedoch wendiger Theaterimpresario, der weniger künstlerisch als vielmehr durch verwaltungsgewandte Spekulationen überdurchschnittliche Bedeutung gewann. 1802-11 lebte er als handeltreibender Privatmann in Dessau, 1813 bis 1815 nahm er als Oberkriegskommissär des russischen Generals Graf P. zu Wittgenstein an den Feldzügen teil. - Eine 1819 vom Hoftheaterintendanten Graf K. von Brühl ausgehende Anregung zur Errichtung einer dritten Bühne in der Vorstadt Berlins (Konkordiabau) griff C. auf und baute 1822 auf seinem Grundstück am Alexanderplatz Nähe Königstraße nach den Plänen des Hofbauinspektors C. T. Ottmer aus Braunschweig das Königstädtische Theater (1500 Plätze, Eröffnung 1824). Dabei stützte er sich auf einen Aktienverein, dem er seinerseits sämtliche Konzessionen überschrieben hatte. Am 18.5.1829 deckte er - nach erfolgloser Theaterleitung durch den Aktienverein - das Defizit und übernahm selbst Verwaltung und künstlerische Leitung des Theaters bis zu seinem Tode. - C., der ständig die besondere Gunst Friedrich Wilhelms III. besaß, wirkte durch seine Theatergründung auf die Entwicklung des Privattheatersystems mit staatlicher Subvention ein, das freilich erst 1869 endgültig die 1810 geschaffene Theatergewerbeordnung ablösen konnte. Die ursprüngliche Lizenz mit der Beschränkung auf volkstümliches Theater brachte im Anschluß an die französischen Gattungen die Lokalisierung der Posse, bes. des Vaudevilles (L. Angely), und die Verpflichtung von berühmten Berliner Lokalkomikern wie E. K. Rösicke und F. Beckmann. Wichtig für die Bedeutung der Volksbühne im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts, erreichte das Königstädtische Theater dennoch nicht die entsprechende glänzende Entfaltung der Wiener Volksbühne unter C. Carl. Eine fruchtbare künstlerische Konkurrenz mit den Hofbühnen erreichte C. durch die Einbeziehung der italienischen Oper in seinen Spielplan, wobei er mit Raffinesse die zeitgenössischen Antipathien gegen die italienische Hofopernleitung G. Spontinis ausnützte. Er ist neuerdings durch die Veröffentlichung der Wagner-Briefsammlung Burrell (1953, herausgegeben und kommentiert von J. N. Burk) dem allgemeinen Interesse nähergerückt, verhandelte er doch mit R. Wagner - dessen erste Frau Minna Planer er engagierte - wegen der Aufführung des „Liebesverbots“ und der Besetzung der Musikdirektorenstelle.

  • Literatur

    ADB IV;
    C. T. Ottmer, Das Königstädt. Schauspielhaus zu Berlin, 1830;
    F. Adami, in: Wolfs Alm. f. Freunde d. Schauspielkunst 10, 1846;
    W. Bonneil, Aus d. Gesch. d. Königstädt. Theaters, in: Mitt. d. Ver. f. d. Gesch. Berlins, 1904, Nr. 1;
    M. Martersteig, Das dt. Theater im 19. Jh., 1924;
    J. Gregor, Weltgesch. d. Theaters, 1933, S. 628 f.;
    Kosch, Theater-Lex. I.

  • Autor/in

    Karl Richter
  • Empfohlene Zitierweise

    Richter, Karl, "Cerf, Raphael Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 183 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135708117.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Cerf: Karl Friedrich C., Schauspieldirector, geb. 1782 zu Unterreißheim a. M., am 6. November 1845. Jüdischer Abkunft, „pfiffiger“ als|gebildet und von einem immer regen Unternehmungsgeist getrieben, wurde er schon in seinem siebzehnten Jahre der Ernährer seiner Familie, schwang sich, nachdem er längere Zeit den Pferdehandel betrieben und von 1802—1811 seinen Aufenthalt in Dessau genommen hatte, zum Oberkriegscommissär empor, als welcher er sich unter dem Commando des Grafen von Wittgenstein, Generals in der russischen Armee, an dem Feldzuge v. 1813—1815 betheiligte. Für bewiesene Unerschrockenheit und Pflichttreue vom Kaiser Alexander mit der großen goldenen Medaille decorirt, ließ er sich nunmehr in Berlin nieder und erhielt vom König Fried. Wilh. III. „für sich und seine Leibeserben“ die nachgesuchte Concession zur Errichtung eines zweiten Theaters daselbst. Nicht im Besitz der zu einem solchen Unternehmen erforderlichen Mittel übertrug er seine Rechte vorläufig einer Actiengesellschaft, die den Bau des „königstädtischen Theaters“ wie auch dessen artistische Leitung übernahm, aber durch die Ungunst der Verhältnisse sich veranlaßt sah, ihre Thätigkeit, noch nicht 5 Jahre nach der Eröffnung (4. Aug. 1824) wieder zu beschließen. C., der hierauf die alleinige Direction übernahm, wurde vom König theilweise von den drückenden Bestimmungen befreit, die seinen Vorgängern im Interesse des Hoftheaters auferlegt worden waren, auch mit reichlich fließenden Subventionen bedacht, aber trotzdem erreichte die ihm unterstehende Kunstanstalt ihr eigentliches Ziel: Volkstheater zu werden, nie. Hatte die Oper früher dominirt, so wurde ihr auch jetzt, neben Lustspielen und Localpossen, eine hervorragende Stellung eingeräumt. Der Erfolg eines Bühnenstückes war für C. maßgebender, als dessen innerer Werth, den er — fast der dürftigsten Elementarkenntnisse baar — ohnehin nicht zu erkennen vermochte. Cerf's Bedeutung liegt hauptsächlich darin: daß er durch seine Unternehmung neuen Richtungen den Weg bahnte und das Hoftheater durch Concurrenz vor dem Stillstand bewahrte. Beide Verdienste, unbewußt geübt, wurden ihm von Friedr. Wilh. III. durch Ernennung zum kgl. Commissionsrath und Verleihung des rothen Adlerordens über Gebühr gelohnt. Bei nicht zu verkennender Güte des Herzens, war er als Mensch doch roh, taktlos und namentlich gegen seine Untergebenen anmaßend. — Cerf's Sohn, Rudolf, ist der Begründer des Victoriatheaters zu Berlin.

    • Literatur

      Nekrol. v. Friedr. Adami in Wolf's Almanach 1846 S. 134 ff.

  • Autor/in

    Kürschner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kürschner, Joseph, "Cerf, Raphael Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 89-90 unter Cerf, Karl Friedrich [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135708117.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA