Lebensdaten
erwähnt 1404
Beruf/Funktion
Minnesänger ; Dichter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118528521 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Eberhard von Cersne
  • Eberhard von Zerssen (eigentlich)
  • Zerssen, Eberhard von (eigentlich)
  • mehr

Zitierweise

Cersne, Eberhard von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118528521.html [21.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Die bis in die Gegenwart blühende Familie v. Zersen (Zersen liegt südöstlich von Minden) ist urkundlich seit dem 13. Jh. bezeugt.

  • Leben

    C. nennt sich 1404 als Verfasser einer „Minnelehre“ von bald 5000 Versen. Die einzige Handschrift (Nationalbibliothek Wien) ist ein halbes Jahrhundert danach geschrieben, sie enthält von ihm noch Liebeslieder, die dem Volkslied nahestehen. Seine Verse wollen hochdeutsch sein, gelingen aber dem Niederdeutschen nicht recht. - Im 12. Jahrhundert waren Frauen in Frankreich Lehnsfürstinnen geworden; von ihren glanzvollen Musenhöfen strahlte die literarische Mode des Frauendienstes in die Ritterwelt aus. Die gefeierte Repräsentantin, erst mit ihren Kavalieren und Poeten, galanten Rittern und höfischen Geistlichen, erst Gemahlin des französischen, dann des englischen Königs, ist die Enkelin des ersten Troubadours. Die Minnelehren solcher hochgestellter Frauen stellte der Kaplan Andreas in einer vielgenutzten Abhandlung „de amore“ zusammen. Es ist Kasuistik, eine Reihe von Beispielfällen. Das Muster gibt Ovid ab, und jener Traktat ist die Quelle der lateinischen und nationalsprachlichen spätmittelalterlichen Minnetheorie in Versen. In diese geistesgeschichtliche, literarische und soziologische Tradition ordnete sich C. ein. Die vorgeformten Fragen und Antworten werden auch durch selbständige abgelöst, so die Frage, wie man eine geliebte Person anreden solle. Da bringt der brave Niederdeutsche einen schlichten Liebesbrief statt der sonstigen langwierigen Zwiegespräche zwischen Minnekönigin und Dichter. Auch die Allegorie, die bei ihm zur Personifizierung der Tugenden der Begleiterinnen der Minnekönigin dient, stammte aus jenem literarischen Studium des Gefühlslebens, der Lehre der höfischen Zucht, der Ritterlichkeit.

  • Werke

    Der minne regel v. E. C. v. Minden 1404, mit einem Anhang v. Liedern, hrsg. v. F. X. Wöber, Wien 1861.

  • Literatur

    ADB IV (L);
    F. Ranke, Zur Rolle d. Minneallegorie, 1932 (Siebs-Festschr., = Germ. Abhh. 67);
    W. Mitzka, in: Vf.-Lex. d. MA I, Sp. 468 f. (L)

  • Autor/in

    Walther Mitzka
  • Empfohlene Zitierweise

    Mitzka, Walther, "Cersne, Eberhard von" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 184 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118528521.html#ndbcontent

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  • Leben

    Cersne: Eberhard von C., didaktischer Dichter, stammte aus einem westfälischen Geschlechte, welches unter dem Namen von Zersen noch heute fortlebt. Er war in Minden geboren oder lebte daselbst. Im J. 1404 verfaßte er nach einem lateinischen Werke des Caplans Andreas seine „Minne Regel“, eine mittelalterliche Liebeskunst. Das Gedicht, dessen Sprache stark niederdeutsch gefärbt ist, wenn es nicht überhaupt ursprünglich niederdeutsch abgefaßt war, aus viertaktigen Versen mit gekreuzten Reimen bestehend, zerfällt in drei Theile, deren erster und dritter erzählend, der mittlere und Haupttheil lehrhaften Inhalts ist. Der Dichter erzählt in dem ersten von sich selbst in ganz freier Weise, was das Original in zwei Geschichten von der Fahrt eines Ritters in das Königreich der Liebe und von dem Zuge eines bretonischen Ritters an Artus' Hof berichtet; im dritten von seiner Fahrt nach dem Hofe des Königs Sydrus, die er im Auftrage der Minnekönigin unternimmt. Der mittlere Theil enthält die eigentliche Liebeslehre, des Dichters Gespräch mit der Minnekönigin, an deren Hof er gekommen, wobei er ihr 39 Fragen vorlegt, die sie ihm „berichtet“. Es sind Streitfragen über Liebessachen, die schon in den Tenzonen der Troubadours erörtert werden, und das Original läßt sie, provençalischer Sitte gemäß, von fürstlichen Damen entscheiden. Auch die auf das Gedicht in der Hs. folgenden Lieder sind, wie man aus der Sprache sieht, unzweifelhaft von demselben Verfasser und stehen in der Mitte zwischen dem Stile der ältern Minnepoesie und der Liebeslyrik des Volksliedes. Sie sind wie der Minne Regel selbst nach der einzigen Hs. herausgegeben von F. X. Wöber, Wien 1861; vgl. dazu F. Bech in Pfeiffer's Germania 7, 481 ff. 8, 268 ff.

  • Autor/in

    K. Bartsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bartsch, Karl, "Cersne, Eberhard von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 90-91 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118528521.html#adbcontent

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