Lebensdaten
1718 bis 1790
Geburtsort
Heimsheim (Oberamt Leonberg, Württemberg)
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Forstmann ; Bergrat
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 122315928 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stahl, Johann Friedrich
  • Stahl, J. F.
  • Stahl, Johann F.
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Zitierweise

Stahl, Johann Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122315928.html [15.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Michael ( bald n. 1718), Schulmeister in H.;
    M Sara Agatha Laux;
    1760 Marie Christine Rössler, verwandt mit d. Astronomenfam. Kepler, Wwe d. Samuel Huber, Pfarrer in Weiler;
    4 S; Verwandte Georg Friedrich Seeger († um 1726), 1. Pflegevater v. S., Pfarrer in Rutesheim, Christoph Essich, 2. Pflegevater v. S., Schultheiß in Flucht.

  • Leben

    S. besuchte die Lateinschulen in Vaihingen und Tübingen sowie das Gymnasium in Stuttgart und kam 1738 in das Stift nach Tübingen. Nach einem Theologiestudium, das er 1740 mit dem Magister abschloß, wurde S. Vikar in Rudersberg (Württ.). Schon während seiner Ausbildung hatte sich S. auch mit naturhistorischen und kameralistischen Themen befaßt. Nachdem er eine Stelle als Hofmeister bei einem Freiherrn v. Göllnitz ( 1751) in Metzingen angenommen und sein Vikariat niedergelegt hatte, vertiefte er diese Studien im Umgang mit Forstleuten. Nach dem Tod von Göllnitz wandte er sich endgültig von der Theologie ab und wurde Hofmeister bei dem Geheimen Rat Christoph Heinrich Korn († 1764) in Stuttgart. 1753/54 studierte S. mit einem Reisestipendium des württ. Kammerpräsidenten Friedrich August v. Hardenberg (1700–68) das Berg- und Hüttenwesen in Sachsen, im Harz und im Böhmerwald. 1755 wurde er zum württ. Bergrat und Oberinspektor aller Bergwerke und 1758 zum Rentkammer-Expeditionsrat und zum Leiter des Forstwesens im Hzgt. Württemberg ernannt. Darüber hinaus war er weiterhin im Oberbergamt tätig und 1759 auch in der Kommerziendeputation, 1761 in der Residenzbaudeputation, 1766 in der Sanitätsdeputation, 1768 unter Ernennung zum Hofrat in der Münzdeputation, 1777 in der Taxdeputation und in der Brandschaden-Versicherungsdeputation. Seit 1770 lehrte S. Mathematik, Naturwissenschaften und Forstkunde an der Militärpflanzschule auf Schloß Solitude bei Stuttgart. Als diese 1772 zur Militärakademie erhoben wurde, übernahm S. die forstliche Ausbildung der Kadetten. Die Akademie wurde 1775 nach Stuttgart verlegt und erhielt von Ks. Joseph II. den Status einer Hochschule („Carls-Akademie“). Der 1781 zum Domänenrat ernannte S. übernahm bis zu seinem Tode die Lehre der Forstwissenschaften an der Fakultät für Kameral-, Forst- und Handelswissenschaften. S.s zahlreiche Veröffentlichungen waren aufgrund ihrer großen Vielseitigkeit vorwiegend kompilatorisch angelegt. Zu seinen größten Verdiensten zählt die Herausgabe seines „Allgemeinen oeconomischen ForstMagazins“ (12 Bde., 1763–69), der ersten Forstfachzeitschrift Deutschlands. Das Magazin bot praktisch arbeitenden Förstern die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch. Unter S.s Leitung wurden erstmals in Württemberg nordamerik. und andere außereurop. Baumarten zur Ertragssteigerung angebaut. S. leitete fast drei Jahrzehnte das württ. Forstwesen und ist als typischer Vertreter der kameralistischen Polyhistoren des 18. Jh. anzusehen.

  • Auszeichnungen

    A Einweihung in das ächte Porzellaingeheimniß durch Hzg. Karl Eugen v. Württ. (1777).

  • Werke

    Der vorsichtige u. wohlerfahrene Schütze u. Jäger, 1752;
    Der gewehrgerechte Jäger, welcher d. Schießgewehr gut brauchen lehret, 1762;
    Onomatologia Forestalis-Piscatorio-Venatoria oder vollst. Forst-, Fisch- u. Jagdlexikon, 3 T. u. Suppl.bd., 1772–80;
    Forst- u. Jagdbibl. oder nützl. Aufss., Bemm. u. Verordnungen ( . . . ) als e. Forts. d. Allg. oeconom. Forst-Mag., 3 T., 1788/89;
    W-Verz.:
    K. Mantel, Dt. Forstl. Bibliogr. 1560–1965, I, 1967, S. XXV, 10 u. 12, ebd. II, 1970, S. 483, 590 u. 601.

  • Literatur

    ADB 35;
    K. Mantel u. R. Botter, Die geschichtl. Entwicklung d. forstwiss. Ausbildung in BadenWürtt., in: E. Zentgraf (Hg.), Aus d. Gesch. d. Naturwiss. an d. Univ. Freiburg i. Br., 1957, S. 153;
    K. Mantel u. H. Grossmann (Hg.), Forstgeschichtl. Btrr., Ein Überblick über d. Gesch. d. Bewaldung ( . . . ) u. d. Forstwiss., 1965, S. 127;
    K. Mantel u. A. Schneider, Holzverwendung in d. Bauwirtsch., Bd. I, 1967, S. XXV, 10 u. 12, Bd. II, 1970, S. 483, 590 u. 601;
    H. Volk, Unterss. z. Ausbreitung u. künstl. Einbringung d. Fichte im Schwarzwald, 1968, S. 48–50 u. 52–54;
    K. Mantel, Entwicklungslinien d. Forstwirtsch.lehre v. MA bis z. 19. Jh., 1971, S. 222 f.;
    K. Mantel u. J. Pacher, in: Biogr. bed. Forstleute aus Baden-Württ., 1980, S. 522–24 (P);
    Schlichtegroll I, 1790;
    F. C. G. Hirsching, Hist.-Literar. Hdb. 13, 1809;
    Pogg. II;
    Th. Gerber, Persönlichkeiten aus Land- u. Forstwirtsch., Gartenbau u. Veterinärmed., 2004.

  • Autor/in

    Uwe Eduard Schmidt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Uwe Eduard, "Stahl, Johann Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 35 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122315928.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Stahl: Johann Friedrich St. wurde geboren am 26. September 1718 als Sohn des Schulmeisters Johann Michael St. in Heimsheim, württ. Oberamts Leonberg und der Sara Agatha Laux, deren Mutter Sara Agathe Keppler|zur Familie des Astronomen gehörte. Den verwaisten, erst 18 Monate alten Knaben nahm 1720 der mit der Mutterschwester Agnes Margarethe vermählte Pfarrer Georg Friedrich Seeger in Rutesheim an Kindesstatt an, starb aber schon 1727. Der zweite Gatte von Stahl's Pflegemutter, der Schultheiß Christoph Essich in Flacht, bestimmte ihn anfangs zum Schuldienst, erst später zum Studium. Unterstützt von seinem Gönner, dem Leibmedicus Georg Burkhard Seeger ( 1741), besuchte St. die Lateinschulen in Vaihingen, Tübingen, das Gymnasium in Stuttgart und kam 1738 in das Stift nach Tübingen. Am 9. November 1740 Magister geworden, war er anfangs Privatlehrer in Tübingen und Stuttgart, dann Vicar in Rudersperg, Hofmeister beim Freiherrn v. Göllnitz in Mötzingen (württ. Oberamts Herrenberg) und seit 1751 beim Geheimenrath Christoph Heinrich Korn ( 1764) in Stuttgart. Die Empfehlungen des Kammerpräsidenten Friedrich August v. Hardenberg verschafften St. auf zwei Jahre ein herzogliches Reisestipendium von 100 Louisd'or, mittelst dessen er 1753—1755 Sachsen, Böhmen und den Harz bereiste und seine Kenntnisse im Münz- und Bergwesen erweiterte. Zurückgekehrt, wurde er 1755 Bergrath und stand seit 1758 ohne Gehülfen dem württembergischen Forstwesen vor. Als einer der ersten legte er den Grund zu einer wissenschaftlichen Behandlung des Forstwesens und erwarb sich durch Einführung fremder Holzsorten große Verdienste. Auch bildete er seit 1773 als Lehrer an der Karlsakademie eine Reihe tüchtiger Forstmänner heran. Seit 29. Mai 1760 mit Marie Christine Röster, Witwe des Pfarrers Samuel Huber in Weiler verheirathet, sah er vier tüchtige Söhne heranwachsen, und beendete sein thatenreiches, verdienstvolles Leben am 28. Januar 1790 in Stuttgart. Von seinen Schriften sind zu nennen: „Der vorsichtige und wohlerfahrne Schütze und Jäger", 1752; „Der gewehrgerechte Jäger“, 1762; „Forstmagazin“ (unter seiner Aufsicht herausgegeben und meistens von seiner Hand herrührend), Frankfurt und Leipzig 1763—1769; „Sätze aus der Forst- und Jagdwissenschaft“, 1776, 1777 ff.

    • Literatur

      Schwäbische Chronik 1790, Beilage S. 127, 159. — Hirsching, Historischlitterarisches Handbuch XIII, 88—91. — Wagner, Geschichte der Karlsschule, I und II.

  • Autor/in

    Theodor Schön.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schön, Theodor, "Stahl, Johann Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 35 (1893), S. 401-402 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122315928.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA