Lebensdaten
1778 bis 1841
Geburtsort
Reisbach (Niederbayem)
Sterbeort
Regensburg
Beruf/Funktion
Bischof von Regensburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119159066 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schwäbl, Franz Xaver (bis 1833)
  • Schwäbl, Franz Xaver von
  • Schwäbl, Franz Xaver (bis 1833)
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Zitierweise

Schwäbl, Franz Xaver von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119159066.html [25.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Wolfgang S. (1719-88), Bäcker in Reisbach, S d. Bauern Balthasar S. aus Reisbach u. d. Regina N. N.;
    M Maria (1743–1809), T d. Müllers Georg Brunner aus Niederhausen (Niederbayern) u. d. Gertrud N. N.

  • Leben

    S. besuchte seit 1791 das Gymnasium der Benediktiner in Salzburg. 1796 begann er am Lyzeum in München das Studium der Philosophie. Nach dem Eintritt in die von Bartholomäus Holzhauser gestiftete Weltpriestergemeinschaft in Ingolstadt 1798 studierte er Theologie an der dortigen Universität bzw. nach deren Übersiedlung seit 1800 in Landshut. 1801 wurde S. zum Priester geweiht; Primizprediger war sein väterlicher Freund Johann Michael Sailer (1751–1832), der anhaltenden Einfluß auf S. hatte. 1802 wurde S. Hilfspriester in Adlkofen bei Landshut, 1804 Lehrer für Poetik am Landshuter Gymnasium und 1805 Pfarrer in Oberviehbach. Nachdem er mit Vorschlägen für eine Schulreform auf sich aufmerksam gemacht hatte, wurde er 1822 auf Vorschlag des bayer. Kronprinzen und späteren Königs Ludwig I. (1786–1868), den er im Jahr zuvor bei einem Kuraufenthalt in Brückenau kennengelernt hatte, Mitglied des Münchner Metropolitankapitels. 1833 ernannte ihn der König als „Sailers ältesten noch lebenden Schüler“ zum Bischof von Regensburg. S. verdankte seine Karriere dem bayer. König und war dem Staatskirchensystem Ludwigs I. bis zur Unterwürfigkeit zugetan. Mit dem Vorsitzenden im Ministerrat, Karl v. Abel (1788–1859), war er eng befreundet.

    Ganz im Sinne Sailers galten S.s theologische Bemühungen vordringlich der Seelsorge, v. a. einer gediegenen Ausbildung der Geistlichen. Zudem führte er eine Neuorganisation und Straffung der Regensburger Diözesanverfassung durch und initiierte jährliche Dekanatssynoden und Pastoralberichte der Ortspfarrer. Im Einklang mit Kg. Ludwig I. bemühte er sich um die Wiedereinführung religiöser Orden, zumal der Benediktiner (u. a. Wiedereröffnung d. Abtei Seligenthai, Landshut, u. d. Karmelitenklosters St. Josef, Regensburg, beides 1836; Erhebung d. Priorats Metten zur Abtei 1840). 1834-39 betrieb S. die Regotisierung des Regensburger Doms. Wenig Erfolg hatte er 1835 mit der Einführung eines Diözesankatechismus, der wegen seiner Auswahl und S.s unüblichen Formulierungen nicht angenommen wurde. Zunehmend in Mißkredit geriet S. bei der aufkommenden ultramontanen Richtung: Nachdem S. deren Wortführer, den Münchner Prediger Anton Eberhard (1807–87), 1841 wegen dessen Predigten gegen die Protestanten ermahnt hatte, provozierte dieser einen öffentlichen Eklat, indem er S. vorwarf, daß seine Einstellung von „der besseren Richtung des kirchlichen Sinns“ überholt sei. Tatsächlich gehörten S.s Amtsnachfolger, Valentin v. Riedel (1802–57) und Ignatius v. Senestrey (1818–1906), der streng kirchlichen, ultramontanen Richtung an.

  • Werke

    Kirchengesang z. hl. Messe, 1804;
    Kl. Hauslegende f. d. Bürger u. Landmann, 1807, 61838;
    Der beste Rat f. studierende Jünglinge, 1810;
    Kurze u. lehrreiche Parabeln f. d. liebe Jugend, 1813, 71843;
    Der christl. Seelensorger, was u. wie er sein soll, 1816;
    Geschicht-Predigten, 2 Bde., 1819/22;
    Die feierl. Installation e. kath. Pfarrers, 1822;
    Lebensskizze d. Hochw. Herrn Jacob v. Heckenstaller, 1833;
    Hirtenworte d. Hochseligen F. X. v. S, hg. v. J. Lipf. 1842;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Bfl. Zentralarchiv, Regensburg.

  • Literatur

    ADB 33;
    M. v. Diepenbrock, Trauerrede auf F. X. v. S., 1841;
    L. v. Oettingen-Wallerstein, Aechte Erläuterungen u. Zusätze, 1846, S. LXII-LXXI u. CLXIII-CLXXII;
    A. Doeberl, in: Theol.-prakt. Mschr. 29, 1918, S. 14-24;
    ders., in: M. Buchberger (Hg.), Zwölfhundert J. Bistum Regensburg, 1939, S. 238 (P);
    W. Fink, Gesch. d. Benediktinerabtei Metten seit 1830, in: StMBO 50, 1932, S. 278-314;
    T. v. Borodajkewycz, Bf. u. Domdechant, F. X. S. u. Melchior v. Diepenbrock, in: W. Wegener (Hg.), FS K. G. Hugelmann, 1959, S. 107-32;
    W. M. Hahn, Romantik u. Kath. Restauration, Das kirchl. u. schulpol. Wirken d. Sailerschülers u. Bf. v. Regensburg F. X. v. S., 1970;
    O. Weiß, Die Redemptoristen in Bayern, 1983, S. 103-07 u. 187-90;
    K. Hausberger, Gesch. d. Bistums Regensburg, II, 1989, S. 128-39 (P);
    H. Gollwitzer, Ludwig I. v. Bayern, 1986;
    ders., Ein Staatsmann d. Vormärz, Karl v. Abel, 1993;
    A. Loichinger, in: Lb. aus d. Gesch. d. Bistums Regensburg II, 1989, bes. S. 577-90 (W, L);
    Schärl;
    Gatz I (W, L, P);
    Kosch, Lit.-Lex.3.

  • Autor/in

    Otto Weiß
  • Empfohlene Zitierweise

    Weiß, Otto, "Schwäbl, Franz Xaver von" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 779 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119159066.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Schwäbl: Franz Xaver v. S., Bischof von Regensburg, geboren zu Reißbach in Niederbaiern am 14. November 1778, zu Regensburg am 12. Juli 1841. Er war der jüngste Sohn und das zweitjüngste von 22 Kindern eines Bäckers, der starb, als S. zehn Jahre alt war. Er besuchte von 1788 an das Gymnasium zu Salzburg, wo sich ein mit ihm verwandter Geistlicher seiner annahm, dann 1796—98 das Lyceum zu München, wo er sich durch Privatstunden unterhielt. 1798 wurde er in das Holzhauser'sche Seminar zu Ingolstadt aufgenommen. 1800 siedelte er mit der Universität nach Landshut über, wo er sich besonders an Sailer (s. A. D. B. XXX, 178) anschloß. Am 30. August 1801 zu Regensburg zum Priester geweiht, feierte er am 13. September in seiner Heimath seine Primiz, bei der Sailer die Predigt „über den Geistlichen des 19. Jahrhunderts“ (Werke 20, 295) hielt. Er war dann einige Jahre Hülfsgeistlicher zu Landshut und in dem nahen Dorfe Adlkofen und Gymnasiallehrer in Landshut. Von 1805 bis 1822 war er Pfarrer in Oberviehbach bei Landshut. Ein pflichttreuer Seelsorger, bereitete er zugleich mit seinem Caplan immer zehn bis zwölf Knaben für das Gymnasium vor. In dieser Zeit verfaßte er außer Artikeln für das Kapler'sche „Magazin für Religionslehrer" mehrere Jugend- und Erbauungsschriften, die eine große Verbreitung fanden, u. a.: „Kleine Hauslegende", 1807 (6. Aufl. 1847); „Parabeln", 1813 (7. Aufl. 1832); „Geschicht-Predigten“, 2 Theile, 1819 (2. Aufl. 1831); „Der christliche Seelensorger, in Primizpredigten dargestellt“, 1816.—1822 wurde er auf die Empfehlung des damaligen Kronprinzen, des spätern Königs Ludwig I., der ihn im Bade Brückenau kennen gelernt hatte, Domcapitular in München. Als Sailer's Nachfolger als Bischof von Regensburg. M. Wittmann, noch vor der Präconisation am 8. März 1833 gestorben war, ernannte König Ludwig schon am 11. März S. „als Sailer's ältesten (noch lebenden) Schüler“ zu seinem Nachfolger. Er wurde am 15. Mai präconisirt, am 26. Mai von dem Erzbischof zu München consecrirt, am 1. Juni zu Regensburg inthronisirt. Am 2. September 1837 hielt er schöne Ansprachen bei der Einsegnung der Monumente Sailer's und Wittmann's im Dome zu Regensburg (abgedruckt in E. v. Schenk's „Charitas für 1838“, S. 313). Er wirkte als Bischof ganz in ihrem Geiste. Besonders ließ er sich die Hebung des Klericalseminars und die Förderung der Erziehungs- und Wohlthätigkeitsanstalten seiner Diöcese angelegen sein. Unter seinen 1842 von J. Lipf gesammelt herausgegebenen „Hirtenworten“ ist das „Sendschreiben an die Bisthumsgeistlichkeit über die Wohlthätigkeitswerke des Klerus und über die Bedürfnisse der Klericalbildung“, 1836, besonders bemerkenswerth. — Die letzten Wochen seines Lebens wurden S. in eigenthümlicher Weise verbittert. Ende 1840 und Anfang 1841 hielt der Prediger an der Hofkirche von St. Michael in München, Anton Eberhard eine Reihe von Predigten über die Ehe mit maßlosen Ausfällen gegen die Protestanten; sie wurden auch gedruckt.|Auf Ersuchen des Ministeriums schrieb S. am 20. April 1841 einen freundlichen Brief an ihn, um ihn „vor einer Richtung zu warnen, welche die Kirchenlehre auf eine unwürdige Weise vertrete und an den maßlosen Eifer der Donner-Söhne (Luc. 9, 54) erinnere“. Der Brief wurde ohne Schwäbl's Vorwissen in Abschriften und lithographirt verbreitet und von Eberhard in einem (gleichfalls lithographirt verbreiteten) Schreiben beantwortet, worin es u. a. heißt: „die bessere Richtung des kirchlichen Sinnes werde über jene Männer (der Sailer'schen Richtung) hinwegschreiten und sie stehen lassen."Zugleich wurde S. ein anonymer Brief von „mehreren Bürgern der Residenzstadt“ zugesandt, in welchem er als „Wolf im Schafskleide“ angeredet wird, und ein falscher zweiter Brief von S. an Eberhard in den Zeitungen veröffentlicht; der echte Brief, vom 19. Mai, ganz kurz und sehr milde, wurde erst nach seinem Tode bekannt. Nach dem Erscheinen der Trauerrede Diepenbrock's sprachen der Magistrat und die Gemeindebevollmächtigten von München ihren Unwillen über die Angriffe auf S. aus.

    • Literatur

      M. Diepenbrock, Trauerrede auf Fr. X. v. S., 2., verm. Aufl., 1841. — Rheinwald's Repertorium 1842, 39, 280. —
      Berliner Kirchenzeitung 1841, Nr. 22, 41, 47, 57, 67. — J. H. Reinkens, Melchior v. Diepenbrock, 1881, S. 156, 201.

  • Autor/in

    Reusch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Reusch, Heinrich, "Schwäbl, Franz Xaver von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 33 (1891), S. 174-175 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119159066.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA