Lebensdaten
1725 bis 1804
Sterbeort
Mailand
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118723820 | OGND | VIAF: 13102223
Namensvarianten
  • Knoller, Martin
  • Knollerus, Martinus

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Zitierweise

Knoller, Martin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118723820.html [05.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Franz Chnoll ( 1773), Dekorationsmaler, S d. Rupert Chnoll u. d. Maria Mayr;
    M Maria (1693–1747), T d. (Bauern ?) Bartholomäus Fidler in Steinach u. d. Sabina Schmaus;
    Mailand 1767 Annunciata, T d. Kaufm. Cardani in M.;
    9 K.

  • Leben

    Nach einer Lehrzeit bei seinem Vater wurde K. zunächst Schüler des wenig bedeutenden Malers Ignaz Pögl in Innsbruck, um 1744 schließlich seines Tiroler Landsmanns Paul Troger. Dies war für seine weitere künstlerische Entwicklung von entscheidender Bedeutung. 1752/53 besuchte K. die Wiener Akademie. Dort erhielt er für das (nicht erhaltene) Gemälde „Der junge Tobias“ im Wettbewerb 1753 den 2. Preis. Ein erster römischer Aufenthalt ist für 1755-57 belegt. Hier trat er mit Anton Raph. Mengs und Johann Joachim Winckelmann in freundschaftliche Beziehungen. Von dem österreichischen Gesandten Graf Firmian wurde K. 1758 nach Neapel berufen. 1759 nahm er seinen ständigen Wohnsitz in Mailand, 1765 wurde er dort Hofmaler des österreichischen Statthalters. Ein zweiter Romaufenthalt fällt in die Jahre 1760–65. 1790-91 hielt er sich in Wien auf, um dort mehrere Porträts (unter anderem von Maria Theresia, Franz I. und Joseph II.) auszuführen. 1791 wurde K. zum Ehrenmitglied der Wiener Akademie ernannt. 1793-1802 lehrte er als Professor an der Akademie in Mailand, an der er bereits 1765 zum Honorarprofessor ernannt worden war. 1802 wurde er in die Mailänder „Accademia Nazionale di Belle Arti“ aufgenommen. Ein Jahr später trat er in den Ruhestand. Die Ephemeriden der italienischen Literatur schrieben bei seinem Tode, K. sei einer der größten Fresko- und Historienmaler gewesen.

    Den ersten bedeutenden Freskoauftrag, bei dem vor allem Einflüsse von Johann Michael Rottmayr spürbar sind (3 Entwürfe in der Sammlung Wilhelm Reuschel; München, Bayerisches Nationalmuseum), führte K. 1766 für die Klosterkirche Sankt Borromäus in Volders bei Hall in Tirol aus. Von Mailand aus erledigte er dann viele Freskenaufträge: in den Benediktiner-Klosterkirchen Ettal (1769) und Neresheim (1771/75, 7 Kuppelfresken), im Bürgersaal in München (nicht erhalten) oder im Palais Fugger-Taxis in Innsbruck (1785/86). Das gleiche gilt für Altarblätter, die seine Befähigung auch für diese Bildgattung bezeugen. Eine größere Anzahl von meist undatierten Fresken schuf K. in späterer Zeit für Paläste in Mailand (unter anderem die Palazzi Vigoni-Firmian, Belgiojoso, Reale; wenig davon erhalten). Ganz erstaunlich ist seine besondere Begabung als Porträtist. An erster Stelle ist ein Bildnis zu nennen, das von seiner eindringlichen geistigen Charakterisierung her zu den bedeutendsten Leistungen der deutschen Porträtmalerei im späteren 18. Jahrhundert gehört: das lebensvolle Bildnis, das er 1774 in München von Ignaz Günther schuf (in 2 eigenhändigen Fassungen: München, Bayerisches Nationalmuseum und Wiesbaden, doctor medicinae Kurt Renz).

    Wie die Frühwerke von K. zeigen, war seine Malweise völlig aus dem Stil des Rokoko erwachsen. Nach seinem ersten und zweiten römischen Aufenthalt stand er unter dem Einfluß des frühen Klassizismus. Seine Malweise wurde seither zeichnerischer und zugleich plastischer, wobei die Lokalfarbigkeit (Fresken in Neresheim) eine größere Bedeutung als früher gewann. Als Freskomaler|war er ungleich bedeutender als der eklektisch eingestellte Mengs. Unter den süddeutschen Freskanten des späteren 18. Jahrhunderts war K. zweifellos eine der glänzendsten Erscheinungen.

  • Werke

    Weitere W u. a. Anras (Pustertal), St. Stephan, Fresko, 1754;
    Ettal, Himmelfahrt Mariä, Hochaltarbild, Leinwand, 1786;
    Bozen, St. Augustinus, Fresken, 1771-75;
    Weilheim, Kirche Mariä Himmelfahrt, Beweinung Christi, Altarbild, 1790.

  • Literatur

    ADB 16;
    H. v. Clausen, in: Btrr. z. Gesch., Statistik, Naturkde. u. Kunst in Tirol u. Vorarlberg 6, 1831, S. 209 ff.;
    J. Popp, M. K., 1905;
    H. Hammer, Eine Slg. unbek. Handzeichnungen M. K.s in Stams, in: Zs. d. Ferdinandeums 3, 1906, S. 421-51;
    H. Tintelnot, Die barocke Freskomalerei in Dtld., 1951, S. 230 ff.;
    M. Weingartner, M. K. (1725-1804), Ölgem. u. Zeichnungen, Diss. Innsbruck 1959 (ungedr.); Kat.:
    Die Slg. Wilh. Reuschel, 1963, S. 48 ff.;
    K. Rossacher, Visionen d. Barock, Ausstellung Darmstadt 1965, S. 72 f.;
    G. P. Woeckel, in: Kindlers Malerei Lex. III, 1966, S. 682 ff.;
    ders., Ignaz Günther, Die Handzeichnungen d. … Franz Ignaz Günther, 1975, Frontispiz-Farbtafel, S. 17;
    G. Barthel u. N. Stoffels, M. K., Maler, Seine Ölskizzen zu d. Fresko-Malerei in d. Kuppeln in d. Abteikirche Neresheim, 1967;
    I. Ringler, Die Barocke Tafelmalerei in Tirol I, 1973, S. 196 ff.;
    R. Baumstark, M. K.s Altarbll. f. Kloster Ettal, in: Münchner Jb. d. Bildenden Kunst 25, 1974, S. 175 ff.;
    F. J. Lipowsky, Baier. Künstler-Lex., 1810, S. 154;
    ThB (W, L).

  • Portraits

    Porträtmedaille v. A. Guillemard, 1785 (Innsbruck, Ferdinandeum);
    Ölgem., Selbstbildnis, 1801 (ebd.);
    Selbstbildnis, 1803 (Mailand, Brera).

  • Autor/in

    Gerhard P. Woeckel
  • Empfohlene Zitierweise

    Woeckel, Gerhard, "Knoller, Martin" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 209-210 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118723820.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Knoller: Martin K., Historienmaler (geb. zu Steinach im Unterinnthale Tirols am 8. Novbr. 1725, zu Mailand am 24. Juli 1804), war der Sohn eines armen Dorfmalers, der sich durch die Macht seines Genies und seinen rastlosen Fleiß unter den ungünstigsten Lebensverhältnissen zu einem der bedeutendsten Künstler seines Vaterlandes emporschwang. Mit dem früh erwachten Drange zur Kunst in der Brust trieb es K. schon als Knaben heimlich aus dem väterlichen Hause nach Innsbruck in der Absicht, dort bei einem Maler als Lehrling unterzukommen. Durch die Theilnahme des Hofkammerraths v. Hormayr, nahm ihn der Maler Pögel zu sich, bei dem er durch seinen Fleiß und sein Talent in kurzer Zeit solche Fortschritte machte, daß ersterer, darüber erstaunt, seinem Schüler selbst rieth, sich nach einem besseren Meister umzusehen. Als sein Vater davon horte, berief er ihn zurück, damit er einen Gehilfen zur Seite hätte. Mit Widerstreben folgte K. der Aufforderung in der Voraussicht, daß er in dem kleinen Dorfe und von den niederen häuslichen Diensten, die ihm daselbst bevorstanden, in Anspruch genommen, keine Gelegenheit zur weiteren Ausbildung finden werde. Als er im J. 1745 eines Tages Brennholz in die Küche der Dorfschenke tragen mußte, machte sich sein Humor dadurch Luft, daß er sein eigenes Bild mit der Holzkrücke auf dem Rücken mit einem Stück Kohle an die Wand zeichnete. Zufällig verweilte damals in Steinach auf der Rückreise von Italien der berühmte Wiener Historienmaler Paul Troger, welcher, von dem entdeckten Talente überrascht, sich bereit erklärte, K. nach Wien mitzunehmen und dort für seinen Unterricht und sein Fortkommen sorgen zu wollen. Troger hatte den edlen Entschluß nicht zu bereuen. K. machte unter seiner Anleitung nicht nur glänzende Fortschritte in der Fresco- und Tafelmalerei, sondern erwies sich seinem Meister durch eine eifrige Unterstützung bei dessen Arbeiten und durch kindliche Verehrung dankbar. Nachdem K. im J. 1753 an der Akademie der bildenden Künste den großen Preis in der Historienmalerei errungen, kehrte er über Salzburg, wo er einige Zeit zur Vollendung der ihm zu Theil gewordenen Aufträge verweilt hatte, nach Tirol zurück und führte dort mehrere Gemälde, darunter den Hochaltar für die Kirche zu Anraß im Pusterthale ("Die Steinigung des hl. Stephan") aus. Nach zweijährigem Aufenthalte erwarb er sich die Mittel zu einer Reise nach Italien. Er fühlte, daß seine ungemein rege Phantasie, sein Ringen und Kämpfen nach der Bewältigung großer|Aufgaben an den Schöpfungen der großen Meister seiner Kunst einer Läuterung bedurfte und erkannte das Bedürfniß zu einer freieren selbständigen Auffassung, die bisher unter dem mächtigen Einflusse Troger's, eines zwar bedeutenden, aber stark manierirten Künstlers so stark gelitten hatte, daß nicht selten die Arbeiten des Meisters mit jenen des Schülers verwechselt wurden. Durch drei Jahre widmete sich K. mit dem angestrengtesten Eifer dem Studium der alten italienischen Meister und erregte durch seine Werke die Aufmerksamkeit des österreichischen Gesandten, Grafen Firmian in Neapel, der ihn zu sich berief und mit der Aufgabe betraute, die künstlerische Ausschmückung und Unordnung des für den Grafen als Wohnung bestimmten Palastes zu übernehmen. Trotz aller Anerbietungen seines Mäcens kehrte K. nach wenigen Monaten wieder nach Rom zurück, wo er bald daraus an Raphael Mengs einen treuen Freund und Lehrer und letzterer an K. einen seiner wärmsten Bewunderer fand. Auch mit Winkelmann trat K. in einigen freundschaftlichen Verkehr und stand mit ihm bis an dessen Lebensende in lebhaftem Briefwechsel. Der große Ruf, den sich K. während seines 11jährigen Aufenthalts in Rom erworben, verschaffte ihm durch seinen Mäcen, Grafen Firmian, im J. 1765 die Berufung zum Professor an die Akademie der Künste in Mailand, wo er sich im J. 1767 mit einer schönen Kaufmannstochter, Annunziata Cardani, vermählte, aus welcher Ehe 9 Kinder entsprossen sind, von denen sich jedoch keines der Kunst widmete. Hier wirkte K. durch 40 Jahre als Lehrer in den glücklichsten Verhältnissen und trat erst im J. 1802 in den Ruhestand. Ungeachtet Italien sein zweites Vaterland geworden, blieb er seinem ersten. Deutschland, nicht fremd. Mit Freude vollführte er die von dort erhaltenen Aufträge. So malte er 1769 in die Kuppel des Chores der Klosterkirche zu Ettal die himmlische Glorie, in den J. 1770—75 in der Kirche zu Neresheim sieben große Kuppelfresken, worunter die „Auferstehung Christi“ und „Mariens Reinigung“ von besonderem Reize sind und im J. 1775 in die Decke des Bürgersaales in München mit Hülfe seines Schülers Schöpf das Bild: „Mariä Himmelfahrt“. In den J. 1790—92 verweilte K. durch zwei Jahre in Wien, wo er eine Anzahl von Porträts und zwar der Kaiser Leopold II. und Kaiser Franz I. für den Sitzungssaal des Wiener Magistrats, des Fürsten und der Fürstin Oettingen-Wallerstein, des Fürsten Esterhazy und des Schauspielers Lange als Herzog Leopold im Kampfe ausführte. Außerdem wurden von K. in Tirol mit Fresken geschmückt: die Pfarrkirchen zu Anraß und Niederndorf im Pusterthale, die Servitenkirche zwischen Hall und Schwaz, die Stiftskirche zu Gries bei Bozen, die Schloßcapelle zu Büchsenhausen bei Innsbruck, das Haus des Fürsten Thurn und Taxis in Innsbruck und der Edelsitz Gerstburg bei Bozen; mit Oelgemälden die Pfarrkirche zu Ettal, die Kirchen zu Volders, Steinach und zu Gries in Tirol und die Kirche des Klosters Benedictbeuern. Die größten und zahlreichsten Fresken und Oelgemälde schmücken Kirchen und Paläste in Italien. Unter ersteren sind bekannt: die „Kreuzabnahme“ im Campo santo zu Rom, fünf Deckengemälde im kaiserlichen Residenzschlosse zu Mailand, Deckengemälde in den Palästen des Fürsten Belgiojoso, des Grafen Grozzi, des Grafen Firmian, des Hauses Biglia und des Marchese Bassi und in der Kirche zu Chiarella; unter den letzteren die Altarblätter in den Kirchen all' Anima in Neapel und della Minerva zu AM und mehr als 30 Bilder im Residenzschlosse und der Capelle daselbst in Mailand. Von den Porträts sind noch hervorzuheben jenes seines Freundes Raphael Mengs und sein eigenes Bildniß, letzteres dreimal ausgeführt und im Schlosse Leopoldskron bei Salzburg, in der Brera zu Mailand und in der Stiftskirche zu Gries aufbewahrt. Aus dem ganzen Bildungsgange Knoller's geht hervor, daß er eine jener seltenen Naturen war, die durch den mächtigen Antrieb ihres Talentes alle Hindernisse|zur Erreichung ihres Zieles zu bewältigen wußten. Schon unter der Leitung Troger's bezeugte er seinen Sinn für eine großartige Auffassung der von ihm gewählten Stoffe. Unter dem Einflusse der italienischen Meister milderte sich die Ueberschwenglichkeit und Verworrenheit mancher Motive, er wurde klarer und einfacher in der Composition und dadurch auch wirkungsvoller. Der Eindruck steigerte sich durch den Reiz und die Formenschönheit einzelner Gestalten, die Gegensätze von Licht und Schatten und die gewandte malerische Ausführung. Vorzüglich war K. als Frescomaler durch die bewunderungswürdige Ausnützung des Raumes, die Beherrschung der Perspective und die Tiefe und Kraft der Farben. Als Porträtmaler wußte er die Individualität und das geistige Wesen der dargestellten Persönlichkeiten vortrefflich festzuhalten. Die Gemeinde Steinach, in der K. das Licht der Welt erblickte, ehrte sein Andenken durch Anbringung einer Gedenktafel an seinem Geburtshause und sein Freund Guillemard führte auf ihn im J. 1785 eine Medaille aus.

    • Literatur

      Vgl. in den Beiträgen zur Geschichte und Statistik von Tirol vom Jahre 1831, S. 209—268. Knoller's Leben (erschien 1838 zu Mailand in italienischer Sprache). C. Wurzbach, Biographisches Lexikon, XII. 161.

  • Autor/in

    K. Weiß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Weiß, Karl, "Knoller, Martin" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 321-323 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118723820.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA