Lebensdaten
um 1491 bis 1542
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
Nürnberg
Beruf/Funktion
Formschneider ; Zeichner ; Entwerfer für den Holzschnitt
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 120773163 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schon, Erhard
  • Schön, Erhard
  • Schon, Erhard

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Zitierweise

Schön, Erhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120773163.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Marx (III) (erw. 1477, 1510/11), Maler in N., S d. Marx (II) (erw. 1471-84), Maler in N. (beide s. ThB);
    M Christina Kenn;
    1) N. N., 2) Helena N. N. ( 1540), 3) Nürnberg 1541 Barbara Schebler;
    1 S aus 2), 1 T aus 2).

  • Leben

    In eine Nürnberger Malerfamilie hineingeboren, stand S. wie alle seine Altersgenossen unter dem Einfluß Dürers. Über eine Lehrzeit ist nichts bekannt, aus dem weiteren Verlauf seines Lebens überliefern die Quellen – das Ehebuch und das Totengeläutbuch von St. Lorenz in Nürnberg – nur wenig. 1532 und 1533 wurde S. für eine Brunnenvisierung bezahlt; später muß er einer Werkstatt vorgestanden haben, da er sein Proportionslehrbuch 1538 „seinen lieben Lehrjungen“ gewidmet hat.

    S.s Domäne war, nach vorreformatorischen Buchillustrationen, das illustrierte Flugblatt zu Versen von Hans Sachs und anderen Nürnberger Spruchdichtern: Etwa 300 Buchillustrationen und ca. 180 Einzelblätter dürfen für S. als gesichert gelten, problematisch bleibt die Zuschreibung unsignierter oder der nur mit dem Namen der verschiedenen Drucker oder Herausgeber versehenen Bücher oder Einzelblätter.

    Als Maler ist S. schwer faßbar. Seine Persönlichkeit und die Wandlung seines Stils belegt eine Reihe kleiner Federzeichnungen, meist Mythologisches, aber auch Darstellungen von Reitern, Narren und Landsknechten. Die früheste ist 1523, die letzte 1542 datiert; signiert sind sie mit einem spitzen Winkel,|der auch auf einigen Holzschnitten zusammen mit dem ligierten Monogramm „ES“ erscheint.

    Das Monogramm tragen acht Heiligenbildchen in einem „Hortulus animae“ (eines datiert 1515), an dessen Buchschmuck vorrangig der Dürer-Schüler Hans Springinklee (um 1490/95 – um 1540) beteiligt war. Das Gebetbuch erschien mehrfach in lat., dt. und auch tschech. Sprache zwischen 1517 und 1520. Obwohl in der Tradition Dürers, sind hier schon die Eigenheiten S.s zu erkennen, seine rundlichen Figuren mit meist mürrischen Gesichtern und seine schablonenhaften Bäume mit kahlen stakenden Ästen. In Lyon erschien für den Verleger Anton Koberger seit 1517 in mehreren Auflagen eine Folio-Bibel mit kleinen Holzschnitten, die z. T. in eine Luther-Bibel (Nürnberg bei Friedrich Peypus 1524) übernommen wurden. Diese Bibel enthält auch ein signiertes und 1524 datiertes Titelblatt „Josua“ zum 2. Teil des Alten Testaments, das S.s Stil insektenhafter Menschen Mitte der 20er Jahre dokumentiert. 1527 erschien die „Wunderliche Weissagung“ bei Hans Guldenmund in Nürnberg mit Versen von Hans Sachs, die als eine gegen den Papst gerichtete Spottschrift sogleich verboten, aber, bereits aus der Stadt gelangt, in mehreren Kopien verbreitet wurde. Den Höhepunkt im Schaffen S.s bildet eine „Wurzel Jesse“, Titelblatt für das Matthaus-Evangelium in einer tschech. Folio-Bibel, 1528 datiert, mit dem Monogramm „ES“ versehen und von einem hervorragenden Holzschneider umgesetzt – etwa gleichzeitig mit dem in seiner Qualität ebenso bestechenden signierten Kartenspiel, das nur unvollständig und in verschiedene Sammlungen verstreut (London, Oxford, Paris) erhalten ist.

    In den 30er Jahren erschien ein Fechtbuch, von dem nur eine Vorzeichnung von 1536 in Köln und 6 Holzschnitte in modernen Abdrucken von den Holzstöcken erhalten sind, und das von Dürers Proportionsstudien beeinflußte Büchlein „Vnnderweissvng der Proporzion“ (Nürnberg 1538 bei Christoph Zell), das mehrere Auflagen erreichte (eine Vorzeichnung in Nürnberg; drei Holzstöcke in Berlin, Kupf.kab.).

    S. war auch Urheber zahlreicher Titelblätter, 1517 für eine Augustinus-Ausgabe, später für schmalere Quarto- und Octavo-Bändchen mit Schriften Luthers, mit antiklerikalem, historischem und astrologischem Inhalt und v. a. mit Gedichten von Hans Sachs, teilweise verkleinerte Wiederholungen der großformatigen Flugblätter. S.s Flugblattproduktion setzte um 1525 ein mit polemischen Blättern wie „Teufel treiben Mönche und Kleriker in die Hölle“, wandte sich aber schnell weltlichen Themen mit moralisierendem Inhalt zu (Die vier Eigenschaften d. Weines, um 1528, Vanitas, um 1534). Neben Illustrationen zu Historien (Ritter u. sein treuer Hund) und Sprichwörtern (Heuschrecken hüten) nehmen die Querelen zwischen Männern und Frauen (Zwölf Eigenschaften eines bösen Weibes, um 1530 bei N. Meldeman) breiten Raum ein, v. a. aber das närrische Treiben der Menschen (Narrenkäfig, um 1530; Narrenfalle, um 1534). Darüber hinaus war S. beteiligt an den Serien von Landsknechten, die die beiden führenden Nürnberger Drucker Hans Guldenmund und Niklas Meldeman um 1530 herausgaben. Die große Landsknechts-Prozession, die Belagerung Wiens durch die Türken (um 1530) und eine Serie der türkischen Belagerer gelten mit Recht als Werke S.s, auch wenn sie nicht signiert sind. Zugeschrieben werden S. auch mehrere Profil-Bildnisse, meist nach Medaillen; berühmt und oft kopiert das Bildnis Albrecht Dürers (Holzblock heute in Princeton, Art Mus., Princeton Univ.).

    S. hat keine direkte Nachfolge gefunden; neben der Änderung des Zeitgeschmacks gewannen Kupferstich und Radierung die Oberhand über den Holzschnitt. Die Holzblöcke mit Entwürfen S.s wurden im späteren 16. Jh. jedoch weiter abgedruckt und – mit dem zunehmenden Interesse der Sammler – erneut zu Beginn des 19. Jh.

  • Werke

    Weitere W u. a. Holzstöcke zu d. Heiligenbildchen des „Hortulus anime“, z. T. erhülten (Slg. Derschau, Berlin Kupf.kab.);
    gr. Ablaßblatt (Rosenkranz), um 1515, mit „ES“ signiert (New York, Metropolitan Mus. of Art);
    Schr.:
    Unterweisung d. Proportion, Nürnberg 1538, ed. L. Baer, 1920;
    Zuschreibungen:
    drei Anamorphosen, um 1538.

  • Literatur

    ADB 32;
    M. C. Oldenbourg, Hortulus animae (1494-1525), 1973, bes. S. 117-21;
    K.-H. Schreyl, Die Welt d. Hans Sachs, 400 Holzschnitte d. 16. Jh., Ausst.kat. Nürnberg 1976;
    J. C. Smith, Nuremberg, A Renaissance City, 1500–1618, Ausst.kat. Austin (Texas) 1983, S. 162-75;
    The Illustrated Bartsch, ed. by W. L. Strauss, vol. 13, Commentary, 1984;
    A. Stewart, New Drawings by E. S. and His Circle, in: Master Drawings 26, 1988, S. 233-39;
    U. Timann, Unterss. zu Nürnberger Holzschnitt u. Briefmalerei in d. ersten Hälfte d. 16. Jh., 1993;
    Ch. Andersson, The Censorship of Images in Nuremberg 1521-1527, in: Dürer and his Culture, hg. v. D. Eichberger, 1998, S. 164-78;
    Hollstein's German Engravings, Etchings and Woodcuts, XLVII-VIII, L, LA (W-Verz. d. Druckgraphik v. U. Mielke), 2000-01;
    ThB;
    Dict. of Art;
    LGB

  • Autor/in

    Ursula Mielke
  • Empfohlene Zitierweise

    Mielke, Ursula, "Schön, Erhard" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 374-375 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120773163.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Schön: Erhard S., Zeichner und Formschneider in Nürnberg in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, arbeitete in der Manier Dürer's. Seine Lebensverhältnisse sind völlig unbekannt. Neudörfer erwähnt ihn nicht. Nach Doppelmayr soll er nach 1550 gestorben sein. Die Angabe des letzteren, daß er Maler und Kupferstecher gewesen sei, entbehrt jeder Begründung. Weder Gemälde noch Stiche sind von ihm nachweisbar. Als früheste Leistung sind die Holzschnitte für die 1517 von Clein in Lyon für Koberger in Nürnberg in Duodezformat gedruckte Ausgabe des „Hortulus animae“ von ihm bekannt. Von|den 83 Holzschnitten dieses Büchleins sind 58 von seiner Hand. Dieselben zeigen in zierlichen Umrahmungen einzelne Gestalten und Gruppen von Heiligen und zeichnen sich durch geschickte Composition und anmuthige Zeichnung aus. Sechs Blätter zeigen das aus der Verschlingung von E und S gebildete Monogramm des Meisters, und mehrere sind mit Jahreszahlen versehen, unter denen als früheste 1515 erscheint. In den späteren Ausgaben aus den Jahren 1518 und 1519 ist die Zahl der Schön'schen Holzschnitte geringer. — 1524 nahm er an der Illustration des bei F. Peypus in Nürnberg erschienenen Bibelwerkes theil und schuf unter anderem das Titelblatt zum zweiten Theil des alten Testaments mit dem unter einer reich ausgestatteten Bogenhalle sitzenden Josua in Rittertracht, ein Blatt, das ihn als echten Schüler Dürer's erscheinen läßt. Im Geiste Dürer's gab er auch im J. 1538 eine Proportionslehre heraus unter dem Titel „Unterweisung der Proportion vnnd stellung der bossen ligend und stehend, abgestolen wie man das vor augen sieht, in dem Büchlein durch Erhart Schön von Nürnberg für die Jungen gesellen und Jungen zu unterrichtung die zu der kunst lieb tragen. Gedruckt zu Nürnberg durch Christoph Zell etc. 1538“. Von dem Werke erschienen weitere Ausgaben in den Jahren 1542, 1543 und 1561. — Eine Reihe von Auflagen erlebte auch die gleichfalls von ihm mit Holzschnitten versehene deutsche Vitruvausgabe des Rivius, die zuerst 1547 und dann in den Jahren 1548, 1558 und 1614 unter dem Titel „Vitruvii Pollionis 10 Bücher von der Architectur. Durch Gualtherum H. Rivium“ erschien. Zur Illustration derselben wurde auch der erwähnte Josua vom Jahre 1524 benutzt. — Als Einzelblätter mit Monogramm aber ohne Jahreszahl sind zu nennen: die Darstellung eines Sterbenden und ein mit Inschriften versehener, die heilige Dreifaltigkeit umschließender großer Rosenkranz. Eine Handzeichnung Schön's mit der flotten Darstellung eines stattlichen Ehepaares bewahrt die Bamberger Bibliothek. Dieselbe weist die Jahreszahl 1540 und die Bezeichnung: „Erhard Schön von Nürnberg“ auf.

    • Literatur

      J. G. Doppelmayr, Historische Nachricht von den Nürnbergischen Mathematicis und Künstlern etc. 1730. — G. K. Nagler, Neues allgemeines Künstlerlexikon (XV) 1845. — G. K. Nagler, Die Monogrammisten (II) 1860. —
      J. D. Passavant, Le Peintre-graveur (III) 1862. — R. Muther, Die deutsche Bücherillustration der Gothik und Frührenaissance 1884. (Ebendas. auch Holzschnittproben.)

  • Autor/in

    P. J. R, é, e.
  • Empfohlene Zitierweise

    Rée, Paul Johannes, "Schön, Erhard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 32 (1891), S. 245-246 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120773163.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA