Lebensdaten
wahrscheinlich 1514 bis 1562
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
Nürnberg
Beruf/Funktion
Maler ; Zeichner ; Glasmaler ; Kupferstecher ; Holzschneider
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118615300 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sollis, Virgilius
  • Solis, Vergilius
  • Solis, Virgil
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Zitierweise

Solis, Virgil, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118615300.html [21.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V wahrsch. Hans, Maler, 1525 Bürger in N.;
    M N. N.;
    1) Nürnberg 1539 Dorothea Dalmen (Dalman?) (um 1519–56), 2) 1557 Margareta Lehwin (Lehner?) ( 1571, 2] 1564 Balthasar Jenichen gen. König, 1599, wohl aus Neiße, Schlesien, Goldschmied, Silberarb., Kupfer- u. Ornamentstecher, Verl., Geselle v. S., übernahm als Zeichner, Kupferstecher u. Drucker dessen Werkstatt, s. ADB 13; ThB; Nürnberger Künstlerlex.; L, P); mind. 13 K aus 1) u. a. S Nikolaus (1541–83), Maler, Formschneider, Kupferstecher, Radierer, Zeichner in Augsburg, Endres (Andreas) (1550–92), Zeichner, Virgil d. J. (1551-n. 1612), Maler, Zeichner, Hans (Johannes) (1554–1608), Formschneider, Briefmaler in N., zunächst wahrsch. in S.s Werkstatt (alle s. ThB; Nürnberger Künstlerlex.), 4 K aus 2);
    E Georg (1573–1604), Maler in N. (s. ThB; Nürnberger Künstlerlex.)

  • Leben

    Da über Jugend und Lehrzeit keine Quellen bekannt sind, läßt sich S.s Tätigkeit erst seit dem 29.4.1539, dem Tag seiner ersten Heirat in Nürnberg, verfolgen. Nach schwierigen Anfängen – noch 1548 mußte er sich 48 Gulden borgen – scheint S. es trotz seiner großen Familie bald zu einigem Wohlstand gebracht zu haben, denn 1554 und 1558 kaufte er Häuser, und als er mit nur 48 Jahren – wahrscheinlich an der damals in Nürnberg grassierenden Pest – starb, hinterließ er Vermögen und wurde mit den höchsten bürgerlichen Ehren beerdigt.

    Schon die frühesten Nachrichten von Johann Neudörfer (1547) und Balthasar Jenichen (1562) erwähnen, daß S. besonders geschickt im Gamalieren, Malen, Stechen, Illuminieren, Reißen, Ätzen und Visieren war. Viele Zeichnungen zeigen – obwohl sie häufig den Einfluß anderer Künstler (z. B. Jörg Breu und Erhard Schön) verraten – Unabhängigkeit und Experimentierfreude: Mehrere Blätter sind auf ungewöhnliche Art in farbiger Feder ausgeführt. Der Begriff „gamalieren“, den Neudörfer erwähnt, bezieht sich auf S.s Arbeiten für Glaseinlagen an Goldschmiedewerken, eine Technik, für die er offenbar besonders berühmt war. Es ist auch anzunehmen, daß S. manche seiner graphischen Blätter (das erwähnte „reissen“ bezieht sich auf seine Holzschnitte, „stechen“ auf die Kupferstiche, und „ätzen“ auf die Radierungen) selbst illuminiert hat.

    Den weitaus größten Teil seiner Zeit muß S. auf den Entwurf von Ornamentblättern verwendet haben. Von den fast 1300 erhaltenen Kupferstichen und Radierungen sind über die Hälfte Ornamentvorlagen. Einige Titel zu diesen Blättern beziehen sich auf ihre Verwendung, wie etwa „Etlicher gutter Conterfectischer Laubwerck art. Durch Virgilius Solis zu Nürmberg geordnet. Anno 1553“. Fast alle Blätter mit dem Zeichen des S. bildeten über Jahrzehnte hinweg Vorlagen für das Kunsthandwerk, z. B. für Gefäße, Plaketten, Waffen- und Jagdtrophäen, Schmuck, Uhrenund Möbel. Darüber hinaus wurden häufig auch die in Büchern – zunächst bei Nürnberger Verlegern – erschienenen Holzschnitte als Vorlagen verwendet. Wie groß der Bedarf an derartigen Werken war, erkannte der geschäftstüchtige Frankfurter Verleger Siegmund Feyerabend (1528–90) früh: Seit 1559 erschienen zahlreiche Bücher mit Holzschnitten von S. in seinem Verlag. Nach S.s Tod blieben die Stöcke im Besitz von Feyerabend, der sie über Jahrzehnte hinweg in verschiedenen Werken – z. T. in neuen, darunter auch sinnwidrigen Zusammenhängen – verwendete.

    Wie fast alle Kupferstiche und Radierungen trägt auch die Mehrzahl seiner Holzschnitte S.s Monogramm, das ligierte VS. Adam Bartsch erkannte, daß viele Blätter Gehilfen oder Kopisten zuzuschreiben sind, und tatsächlich lassen sich zahlreiche Mitarbeiter in der Werkstatt nachweisen. Offenbar wurde das ligierte VS als eine Art „Fabrikmarke“ auch für Werke verwendet, die S. nicht selbst geschaffen hatte; dies erklärt die mindere Qualität vieler späterer Blätter. S. selbst scheint jedoch mit der technischen Virtuosität, die seine frühen Werke auszeichnet, auch später noch besondere Arbeiten angefertigt zu haben. In dem Porträt, das Jenichen kurz nach seinem Tod von ihm anfertigte, hält er die Kupferplatte seines wahrscheinlich letzten eigenhändigen Werkes in der Hand. Es ist das 1562 datierte Wappen des Erasmus Rauchschnabel, das den knappen, fest umrissenen Aufbau und die detaillierte Nadelarbeit seiner besten Werke zeigt.

    S. scheint in erster Linie Unternehmer gewesen zu sein, dem – trotz seiner nie nachlassenden künstlerischen Fähigkeiten – die Quantität der Arbeiten mit seinem Monogramm wichtiger war als ihre Qualität. Aus diesem Grund kopierte er in umfangreichem|Maße auch fremde Vorlagen – er übernahm Figuren und ganze Kompositionen nach ital., franz., niederl., dt. und schweizer. Künstlern – und verwertete alle Anregungen, die den Modeströmungen der Zeit entsprachen.

  • Werke

    W Zeichnungen (sign. u. datiert): Zwei Runde mit Patientia u. Temperantia, 1538 (Dresden, Kupf.kab. d. Staatl. Kunstslgg.);
    Nackte Frau mit Vogel, 1540 (Hamburg, Kunsthalle);
    Fortuna, 1542 (Berlin, Kupf.kab.);
    Putto mit Steckenpferd u. Trommel, 1546 (Danzig, at.mus.);
    Fahneschwingender Landsknecht, 1549 (München, Staatl. Graph. Slg.);
    Rückenfigur d. Chlodwig v. Maximiliansgrab in Innsbruck, 1550 (Nürnberg, German. Nat.mus.);
    Fünf Bll. e. Planetenserie: Saturn, Jupiter, Sol, Venus u. Amor, Merkur, 1560 (Berlin, Kupf.kab.);
    Zeichner in Landschaft mit Ruinen, 1560 (ebd.);
    Kupf. u. Radierungen (z. T. in Serien, versch. Slgg.):
    Bibelill., Gesch., Mythol., Allegorie, Porträts, Wappen, Spielkarten, Jagdfriese, Waffendekorationen, Tierbilder, Schmuckentwürfe, Gefäße, Mauresken;
    als Buch publ. nur d. Wappenbüchlein, Nürnberg 1555, u. d. Betbüchlein, ebd. 1568;
    Holzschnitte (in Büchern;
    viele spätere Aufll.): Pfalzgf. Otto Heinrich's Kirchenordnung, 1543 (Nürnberg, J. Petreius);
    Symbolum d. Apostel, 1553 (ebd., V. Geyssler);
    Passional 1558 (ebd., ders.);
    Virgil, Aeneis, 1559 (Frankfurt/M., D. Zöpffel);
    Bibel, 1560 (ebd., ders., J. Rasch u. S. Feyerabend);
    Ovid, Metamorphosen, 1563 (ebd., G. Rab, S. Feyerabend u. W. Han Erben);
    Fabeln d. Aesop, 1566 (ebd., dies.).

  • Literatur

    ADB 34;
    J. Neudörfer, Nachrr. v. Künstlern u. Werkleuten daselbst aus d. J. 1547, hg. v. G. W. K. Lochner, 1875, Neudr. 1970, S. 146;
    M. Quad v. Kinckelbach, Teutscher Nation Herligkeitt, 1609, S. 430;
    A. Bartsch, Le Peintre-Graveur, Bd. 9, 1808, S. 242–323;
    A. Andresen, Die Holzschnittwerke d. V. S., in: Robert Naumanns Archiv f. d. zeichnenden Künste 10, 1864, S. 316–63;
    Felix Braun, V. S., Die Holzschnittillustrationen, in: Mitt. d. Ges. f. vervielfältigende Kunst, Beil. d. Graph. Künste, 1911, S. 26–33 u. 52–56;
    E. Panofski, Über d. Zeichnen mit farbiger Feder, Bemm. zu einigen Bll. d. V. S. u. zu d. Randzeichnungen im Gebetbuch Maximilians I., in: Mhh. f. Kunstwiss., Jg. VIII, H. 5, 1915, S. 166–69;
    I. Franke, Die Handzeichnungen V. S.s, Diss. Göttingen 1967 (P);
    H. Kreisel, Die Kunst d. dt. Möbels, Bd. I, 1968, Abb. 181, 296 u. 300;
    O. Trapp u. W. Wegner, Das gravierte Hirschgeweih aus Castel Beseno, in: Veröff. d. Tiroler Landesmus. Ferdinandeum 48, 1968, S. 149–77;
    Ingrid Weber, Dt., niederl. u. franz. Renaissanceplaketten, 1975, Nr. 305 f., Taf. 89–90, Nr. 329, Taf. 96, Nr. 860, Taf. 232 f.;
    J. F. Hayward, Virtuoso Goldsmiths and the Triumph of Mannerism 1540–1620, 1976. S. 206–7, Taf. 118–22, 137 u. 519;
    I. O'Dell-Franke, Kupferstiche u. Radierungen aus d. Werkstatt d. V. S., 1977 (P);
    J. S. Peters, V. S., Intaglio Prints and Woodcuts, The Illustrated Bartsch 19, Part 1, 1987;
    I. O'Dell, Jost Ammans Buchschmuck-Holzschnitte f. Sigmund Feyerabend, 1993, S. 23 ff.;
    dies., Die ill. Titelbll. d. Verlages Feyerabend, 2007, S. 10, Abb. 1–5, 193–5, 248, 256 (masch.);
    I. Harjes, Figurenbde. d. Renaissance, 2008;
    D. Beaujean, in: Hollstein's German Engravings, Etchings and Woodcuts 1400–1700, LXIII–LXX, 2004–06 (P);
    ThB;
    Dict. of Art;
    Nürnberger Künstlerlex.

  • Portraits

    Kupf. v. B. Jenichen, um 1562, zwei Zustände: 1. mit glattem Bart (Berlin, Kupf.kab.), Abb. in: Beaujean (s. L), 2. mit krausem Bart (ebd.), Abb. in: O'Dell-Franke, 1977 (s. L).

  • Autor/in

    Ilse O'Dell
  • Empfohlene Zitierweise

    O'Dell, Ilse; O'Dell-Franke, Ilse, "Solis, Virgil" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 552-553 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118615300.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Solis: Virgil S., Zeichner, Kupferstecher, Holzschneider, Illuminirer und Maler in Nürnberg, geboren daselbst (?) 1514, am 1. August 1562. Da die Angabe des Todtengeläutbuches zu St. Sebald in Nürnberg, welche S. unter den zwischen dem 17. Mai und 14. September 1562 Verstorbenen aufführt, dem von Doppelmayr mitgetheilten Datum seines Todes nicht widerspricht, so ist kein Grund vorhanden, den 1. August als Todesdatum aufzugeben. — Ueber die Jugendentwicklung des S. ist nichts bekannt, der Einflüsse, die seinen Kunstcharakter bestimmt haben, sind so viele, daß ein bestimmtes Schulverhältniß nicht nachgewiesen werden kann. Zwingende Gründe an seiner Nürnberger Herkunft zu zweifeln, sind nicht vorhanden. Was seinen für das Jahr 1530 nachgewiesenen Aufenthalt in Zürich veranlaßt hat, wissen wir nicht. In Nürnberg, wo er seit 1540 nachgewiesen werden kann, entfaltete er eine ungemein rührige und vielseitige Thätigkeit. Die Zahl seiner Arbeiten, die fast durchweg mit seinem Monogramm versehen sind, das aus einem V besteht, um dessen nach rechts aufsteigenden Balten sich ein S schlingt, beläuft sich auf etwa 800. Die Ungleichmäßigkeit in der Ausführung läßt darauf schließen, daß vieles von Gesellen, die der Meister in einer großen Werkstatt beschäftigte, ausgeführt worden ist. Das Monogramm ist daher wie so häufig als eine Art Fabrikmarke zu betrachten. Von seiner angesehenen Stellung, sowie von seiner Vielseitigkeit und Geschäftigkeit zeigen die nachfolgenden Verse aus dem Gedichte, welches der Kupferstecher Balthasar Jennichen unter das von ihm gestochene Solisbildniß setzte (Abb. s. Hirth, Kulturhistor. Bilderbuch II, 1066): die künstler · mich · vater · hissen · in · zu · dienen · war · ich · gflissen · mit· moln · stechn · illuminirē · mit · reissē · eczn · vnd · viesiren · es · thet · mirs · keiner · gleich · mit · arbt ·drū · his · ich · billich · solis · alleī.

    Der Schwerpunkt seiner Thätigkeit liegt auf dem Gebiete der Buchillustration und des Ornamentstichs. Als Ornamentist gebot er über die ganze Fülle der zu seiner Zeit gebräuchlichen Motive. Die aus Italien eingeführte, schon früh in Deutschland heimische Groteske, die kunstvoll verschlungene Maureske, das seit Mitte des Jahrhunderts sich immer kräftiger entfaltende Motiv des Rollwerks nehmen unter seiner Hand die verschiedensten Gestalten an. Vielfach benutzte er dabei gute Vorbilder. Daneben aber macht sich ein frühes Erfassen, Darstellen und Verwerthen der Natur, zumal der Thier- und Pflanzenwelt bemerkbar und offenbart sich in der Ausnutzung und Verbindung der verschiedenen von ihm vereinigten Elemente ein edler, vor jeder Uebertreibung und Ueberladung zurückscheuender Geschmack. Hat S. auch fleißig aus Quellen wie Pencz, Beham, Aldegrever, Flötner, Hirschvogel, Ducerceau, Enea Vico und anderen geschöpft und viele Motive durch geschickte Compilation gewonnen, so hat er es doch auch verstanden, die Mannichfaltigkeit der fremden Elemente mit seinem Geiste zu durchdringen und zur Einheit einer ihm eigenthümlichen künstlerischen|Ausdrucksweise zu verschmelzen, der in besonderem Maße Zartheit und Anmuth, oft mit leisem Anfluge von Manierirtheit eigen sind.

    Bei seinen in Holzschnitt ausgeführten Illustrationen, unter denen die biblischen Compositionen, deren er verschiedene Serien schuf, in erster Linie zu nennen sind, lehnte er sich vornehmlich an Schongauer, Dürer und Holbein, sowie an französische Meister an, ohne jedoch die Kraft und Tiefe seiner Vorbilder zu erreichen. Hier erscheint er als ein äußerlich nachbildender Eklektiker. Seine beiden ältesten Bibelillustrationen, welche zwei Züricher Bibeln aus den Jahren 1531 und 1536 schmücken, zeigen ihn in starker Abhängigkeit von Holbein, in den Passionsdarstellungen eines 1553 in Nürnberg erschienenen Passionals copirt er Dürer, während die Apostel eines in demselben Jahre erschienenen Symbolums der Apostel Schongauer'sche Gestalten sind. Wesentlich erweitert erscheint der Kreis seiner Vorbilder, viel freier aber auch die Verwerthung derselben in den 147 biblischen Darstellungen, die 1560 der Frankfurter Verleger und fleißige Holzschneider Sigmund Feyerabend in zwei Ausgaben, nämlich mit und ohne Text herausgab. In der Textausgabe umgab S. die einzelnen Bilder mit 18 verschiedenen Rahmen, in denen sich reizvolle Architektur- und Groteskenmotive finden, in denen aber das energisch und phantasiereich ausgebildete Rollwerk vorherrscht. Ebenso stattete er das Werk mit reichverzierten Titeln und Widmungsblättern aus. Schon 1561 war von der Textbibel und 1562 von den „Biblischen Figuren“, wie die textlose Ausgabe hieß, eine neue Ausgabe nöthig. Die Zahl der Bilder ist hier um 72 vermehrt, die der Rahmenleisten, die nun beide Ausgaben zierten, auf 34 angewachsen. Der Erfolg war ein so großer, daß im Laufe von sieben Jahren sechs Auflagen nöthig waren. Von den verschiedensten Verlegern wurden die Illustrationen verwerthet, nachgeschnitten und später auch in Kupfer gestochen. — Auch die von ihm illustrirten Werke profanen Inhalts erfreuten sich einer großen Beliebtheit. Zu erwähnen sind Lienhart Fronsperger's Kriegsregiment und Ordnung (1555), Virgil's Aeneïde (1562), sowie die nach seinem Tode erschienenen Werke, wie Ovid's Metamorphosen (1563) und die Fabeln des Aesop (1566). — Nur in einzelnen Fällen versah der vielbeschäftigte Meister selbst den Schnitt der Holzstöcke, eine größere durch Monogramm bezeichnete Reihe rührt von Feyerabend her, während andere den Stempel der Gesellenarbeit an sich tragen. — Der Reiz seiner Compositionen wird durch Bemalung, für die sie berechnet waren, wesentlich gehoben. Wie Solis' durchweg farbig behandelte Handzeichnungen erkennen lassen, war er ein stark coloristisches Talent. Davon zeugen auch die von ihm selbst colorirten Blätter und Illustrationswerke. Neudörfer gedenkt dieser seiner Thätigkeit als Illuminirers in erster Linie. „Dieser Virgilius ist nicht allein ein Illuminist. sondern auch für einen guten Kupferstecher berühmt ..... Deß Gamalierens ist er also frei und künstlich, daß ich nicht weiß, ob darin seines gleichen gefunden wird.“ Ob er auch Gemälde geschaffen hat, ist nicht erweislich.

    Die Mehrzahl seiner Blätter ist in Kupfer gestochen oder radirt. Hierbei erging sich seine Phantasie am freiesten. Das Stoffgebiet, aus dem er schöpfte, war außerordentlich umfangreich. Ansprechender als seine biblischen Darstellungen, deren er auch eine Reihe in Kupfer stach, sind die der Profangeschichte, der Mythologie und Allegorie angehörenden Gestalten, die er entweder einzeln oder in Folgen schuf. Von den letzteren sind hervorzuheben die Folge der berühmten Helden und Heldinnen, die zwölf römischen Kaiser, die Musen, Planeten, Jahreszeiten, Monate. Temperamente, die sieben freien Künste, die zehn europäischen Hauptstaaten u. dgl. mehr. Ferner sind bemerkenswerth seine sittenbildlichen, zuweilen humoristischen (Hasen, die den Jäger braten) Schilderungen, darunter eine nach Aldegrever copirte Badestube, die im Gegensatz zu seinen durchweg|kleinen Blättern ein großes Format hat, sowie Darstellungen aus dem Soldaten- und Kriegsleben. Unter den Soldatenbildern ragen die durch Fahnen tragende Landsknechte gekennzeichneten Schweizer-Kantone in schönen Kartuschrahmen hervor. Wichtig sind auch seine Bildnisse. Sein Hauptwerk auf diesem Gebiete ist die im Verein mit Jost Amman geschaffene Folge von Bildnissen französischer Könige (Effigies regum Francorum omnium), die in kurzer Zeit drei Auflagen erlebte. Eine besondere Vorliebe zeigte er für zierlich umrahmte Porträtmedaillons und Büsten, die er mehrfach gruppenweise zu einem anmuthigen Fries vereinigte. Charakteristisch für ihn sind noch die überaus flott gezeichneten Jagd- und Thierfriese, durch die er ein im 15. Jahrhundert allgemein beliebtes Ornamentmotiv wieder in den Kreis der deutschen Ornamentik einführte. — Unter seinen Ornamentstichen nehmen die Entwürfe für die Goldschmiede die erste Stelle ein. Eignen sich seine Laubwerkornamente, welche er 1553 in einem Werkchen: „Etlicher gutter Conterfektischer Laubwerck etc. etc." vereinigte für Treib- und Punzenarbeit, so lieferte er in seinen Mauresken, die mit wechselndem Titel als „Moriskher und Türckischer Einfacher und duppelter art Züglein“ und später als „Außgetailt spiezen“ in Buchform erschienen, den Graveuren. Ciseleuren, Nielleuren und Tauschierern eine Fülle der anmuthigsten, trefflich verwerthbaren Motive. Von besonderer Schönheit sind mehrere überaus zierliche Entwürfe zu Gravirungen auf kreisrunden Pulverhörnern aus Elfenbein. — Eine größere Reihe von Entwürfen zu Goldschmiedearbeiten, darunter in erster Linie edelgeformte Gefäße, wie Vasen, Schalen. Becher, Pocale, Kannen etc., die sich durch Mannichfaltigkeit der Grund- und Zierformen auszeichnen, läßt auf innige Beziehungen des Meisters zur Goldschmiedekunst schließen. Hierin unterscheidet er sich von Flötner, dessen Entwürfe durchweg den gewandten Holzschnitzer verrathen. In der naturalistischen Behandlung des Details berührt er sich vielfach mit Jamnitzer. — Große Gewandtheit bekundete er auch in der Darstellung von Wappen. Ein 1555 von ihm herausgegebenes Wappenbüchlein erschien 1882 in der Hirth'schen Liebhaberbibliothek in neuer Ausgabe. — Wie Jost Amman, der wahrscheinlich sein Schüler war, so schuf er auch eine originelle Spielkarte. — Durch zwei Urkunden aus den Jahren 1548 und 1578 erfahren wir, daß er verheirathet war und sechs Kinder hatte. Von den vier Söhnen wird Endres als Maler, Hans als Formschneider, Birgit ohne Zusatz und Niklas als Bürger in Augsburg angeführt. Die Identität des letzteren mit dem künstlerisch bedeutungslosen Nikolaus S., der im J. 1568 in einer Folge von fünfzehn Querfolioblättern die Vermählungsfeierlichkeiten Herzogs Wilhelm V. von Baiern mit Renata von Lothringen radirte (ein Blatt abgeb. bei Hirth, Kulturh. Bilderb. II, 1089), ist nicht anzunehmen, wahrscheinlicher ist, daß dieser ein jüngerer Bruder des berühmten Virgil S. war.

    • Literatur

      Litteratur: J. Neudörfer, Nachrichten von Künstlern und Werkleuten daselbst 1547. Ausgabe Lochner's 1875. — J. G. Doppelmayr, Histor. Nachricht von den Nürnberg. Mathematicis und Künstlern 1730. — J. G. Nagler, Neues Allgem. Künstlerlexikon, Bd. 17 (1847). —
      Kunst und Gewerbe, Jahrg. 1885, S. 2 ff. — A. Lichtwark, Der Ornamentstich der deutschen Frrührenaissance. 1888. —
      E. v. Ubisch, Virgil Solis und seine biblischen Illustrationen für den Holzschnitt. 1889. — Th. Distel, Wann ist Meister Virgil Solis aus Nürnberg gestorben? in den Blättern für Architektur und Kunsthandwerk 1891, Nr. 2.

    • Literatur

      Reproductionen seiner Werke in: R. Bergan, Wenzel Jamnitzers Entwürfe zu Prachtgefäßen, o. J. — A. F. Butsch, Die Bücherornamentik der Renaissance II. 1881. — G. Hirth, Formenschatz der Renaissance. 1877. —
      G. Hirth, Kulturhistorisches Bilderbuch aus drei Jahrhunderten II. —|H. Knackfuß, Deutsche Kunstgeschichte II. 1888. — J. E. Wessely, Das Ornament und die Kunstindustrie in ihrer geschichtlichen Entwicklung auf dem Gebiete des Kunstdrucks. 1877.

  • Autor/in

    P. J. R, é, e.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schulte, von, "Solis, Virgil" in: Allgemeine Deutsche Biographie 34 (1892), S. 567-570 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118615300.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA