Lebensdaten
1686 bis 1766
Geburtsort
Silstedt (Kreis Wernigerode)
Sterbeort
Altenau (Oberharz)
Beruf/Funktion
Bergbaukundiger
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118869957 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Calvör, Henni
  • Calvör, Henning
  • Calvör, Henni
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Zitierweise

Calvör, Henning, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118869957.html [24.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus Bauernfamilie; die Verwandtschaft mit dem General-Superintendenten u. Schulinspektor Caspar C. zu Clausthal (1650–1725, [s.ADB III]) ist nicht feststellbar, aber wahrscheinlich. V Tobias (1656–1721), Dorfschneider in Silstedt, S des Phil. ( 1702), Schulmeister u. Küster in Silstedt;
    M Anna Hurdelhey;
    1717 Cath. Maria, T des Pfarrers Frdr. Corvinus ( 1699) in Silstedt;
    3 S, 2 T, u. a. Caspar Frdr. (* 1722), Gehilfe des Vaters b. der Anfertigung v. Rissen, dann Bergrat zu Altenau.

  • Leben

    C. besuchte von seinem 9. Lebensjahr an die lateinische Schule in Wernigerode und erhielt auf Grund seines Fleißes ein ordentliches Gräflich-Stolbergsches Stipendium. Diesen Gymnasialunterricht setzte er auf dem Andreanum in Hildesheim fort, bis er 1703 - wahrscheinlich auf die Fürsprache von Caspar C. - zur Rektoratsschule in Zellerfeld kam. Mit Hilfe der Grafen Ernst und Christian Ernst Stolberg studierte er Theologie.

    Daneben beschäftigte er sich rege mit Mathematik, Mechanik und dem Bergbau. Seit 1713 war C. Konrektor der Schule zu Clausthal und lehrte insbesondere Mathematik und Mechanik. Als Rektor dieser Schule von 1729 ab standen neben seiner Lehrtätigkeit in den Naturwissenschaften und in fremden Sprachen in besonderem Maße seine Bemühungen um die Bergwissenschaft. Er forderte die Gründung einer besonderen Schule für den Bergbau, der zu dieser Zeit im Oberharz blühte. 1775 entstand dann in Erfüllung dieser Wünsche die Bergakademie Clausthal. Im Dezember 1729 wurde C. auf die vakante Pfarrstelle der Bergstadt Altenau berufen.

    C. verfaßte nahezu über sein ganzes Leben theologische, historische und naturwissenschaftliche Schriften in lateinischer Sprache. Bei letzteren waren der Bergbau und im besonderen die Bergwerksmaschinen der damaligen Zeit der Gegenstand zahlreicher und ausführlicher Betrachtungen. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit führte er selbst neue Maschinen im Bergbau ein, so zum Beispiel die hydraulische Harzer Wettertrommel.

  • Werke

    Hist. -chronolog. Nachr. u. prakt. Beschreibung d. Maschinenwesens im Oberharz, 2 Bde., Braunschweig 1763;
    Ergänzung: Hist. Nachr. v. d. Unter- u. gesamten Oberharzischen Bergwerke ersten Aufkunft, deren Auflaß u. Wiederaufnehmung bis zum Schluß im J. 1760, ebenda 1765.

  • Literatur

    ADB III;
    Zs. d. Harz-Ver. f. Gesch. u. Altertumskde., 1872, S. 435 ff. (W-Verz.);
    W. Serlo, Männer des Bergbaus, 1937, S. 32;
    Ferchl (W).

  • Autor/in

    Herbert Wöhlbier
  • Empfohlene Zitierweise

    Wöhlbier, Herbert, "Calvör, Henning" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 101 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118869957.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Calvör: Henning C., bergwissenschaftlicher Schriftsteller, geb. Oct. 1686 zu Silstedt in der Grafschaft Wernigerode, 10. Juli 1766 zu Altenau. Als der Sohn eines armen Dorfschneiders hatte er bei seinem seit frühester Kindheit regen Lerneifer und frühentwickelten wissenschaftlichen Sinn mit vielen materiellen Schwierigkeiten zu kämpfen, aber diese guten Eigenschaften und sein liebenswürdiges Wesen öffneten ihm die Herzen und Hände von Wohlthätern und Gönnern, durch deren Hülfe er vom neunten Jahre an die lateinische Schule zu Wernigerode, das Andreanum zu Hildesheim und dann, unter nachhaltiger Förderung des als Schriftsteller bekannten Superintendenten Caspar Calvör, die Schule zu Zellerfeld besuchen konnte. Auf der Universität studirte er Theologie, verfolgte daneben aber von früher Jugend auf eine entschiedene Richtung auf Mechanik und Bergwerkswissenschaft. Durch reichliche Unterstützung der Grafen Ernst und Christian Ernst zu Stolberg wurde es dem armen Bauerssohn möglich, zweimal die Universität zu besuchen und erst im 27. Lebensjahre auf eine Zeit unablässigen Sammelns und Forschens eine lange Zeit ernster, treuer Berufsthätigkeit folgen zu lassen. Er begann dieselbe Anfang 1713 als Conrector, seit 1725 als Rector der für das Bergwesen wichtigen Schule Clausthal, die unter ihm sich hob und blühte. Vom Ende 1729 bis an seinen Tod versah er das Pfarramt in der abgelegenen Bergstadt Altenau. Seiner meist in gutem Latein geschriebenen kleineren theologischen, geschichtlichen und sonstigen Schriften gedenken wir hier nicht, sondern nur seines mechanisch-bergwissenschaftlichen Hauptwerkes: „Acta histor.-chronol.-mechanica circa metallurgiam in Hercynia superiori oder Historischchronologische Nachricht und praktische Beschreibung des Maschinenwesens im Oberharz“ —1763. 2 Bände Folio mit 28 von seinem Sohne Caspar sorgfältig ausgeführten Tafeln; und als geschichtliche Ergänzung dazu: „Historische Nachricht von der Unter- und gesammten Oberharzischen Bergwerke ersten Aufkunft bis zum Schluß im Jahre 1760“ (1765). Dieses als Fortsetzung von Andreas Schlüter's „Gründlicher Unterricht von Hüttenwerken“ 1738 praktisch sehr wichtige Unternehmen wurde von der competenten zeitgenössischen Kritik allgemein rühmend begrüßt. „In aller Absicht“, sagt die deutsche Bibliothek von den Acta histor.-chronol., „macht diese Schrift Deutschland Ehre und erhält ihm den so lange genossenen Vorzug, in der Bergwissenschaft die Lehrerin des Auslandes zu sein.“ Trotz der großen Kostspieligkeit erschien das Werk acht Jahre nach des Verfassers Tode in neuer Auflage.

    • Literatur

      Ztschr. des Harz-Ver. für Gesch. und Alt.-Kunde 1872. S. 435 ff.

  • Autor/in

    Jacobs.
  • Empfohlene Zitierweise

    Jacobs, Eduard, "Calvör, Henning" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 718 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118869957.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA